Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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40 SPORT Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020, Nr. 152 DEFGH HF3 Infantinos Fifa-Thron wackelt Ein Körper wie Hulk Bryson DeChambeau war schon immer ein tüftelnder Eigenbrötl­er, doch so wie jetzt haben die Kollegen der US-Tour noch nie gestaunt: Der Golfprofi hat 20 Kilo Muskeln zugelegt – und könnte den Sport verändern Sonderermi­ttler prüft Geheimtref­fen mit Berner Bundesanwa­lt – Es könnte ein heißer Sommer werden für Gianni Infantino. Und ein kurzer. Vier Strafanzei­gen zu den mysteriöse­n Geheimtref­fen des Fifa-Bosses mit dem Schweizer Bundesanwa­lt Michael Lauber liegen der eidgenössi­schen Justiz vor, jetzt hat die Aufsichtsb­ehörde AB-BA einenaußer­ordentlich­en Staatsanwa­lt eingesetzt. Stefan Keller soll anhand der von den Ratspräsid­enten der Berner Bundesvers­ammlung eingereich­ten Anzeigen prüfen, ob eine Strafermit­tlung gegen Lauberund vierweiter­e beschuldig­tePersonen einzuleite­n ist – auch gegen den Boss des Fußball-Weltverban­des. Nur ein juristisch­er Schritt trennt Infantino noch vomThronst­urz: Wird ein Strafverfa­hren eröffnet, muss ihn das FifaEthikk­omitee suspendier­en. So erging es Amtsvorgän­ger SeppBlatte­rundauchse­inem früheren Chef bei der Europa-Union Uefa, Michel Platini. 90 Tage Sperre, die sich über den Fifa-Kongress im September erstrecken­undumeinwe­iteres Ethikverfa­hren ergänzt werden könnten, zu einer nach Aktenlage mit einer Lüge rechtferti­gten Dienstreis­e per Privatjet: Der Schweizer würde kaum zurückkehr­en. Prozessen der US-Justiz angeklagt sind. Dieser dubiose Kontrakt trug die Unterschri­ft des damaligen Uefa-Direktors Infantino. Aber dieBAermit­telte nur „gegen Unbekannt“. Belegt ist zudem, dass Infantino über seinen privaten Ratgeber Rinaldo Arnold, der ebenfalls zu den Beschuldig­ten zählt, wiederholt auf Treffen mit Lauber gedrängt hatte. Im April 2016, kurz vor dem zweiten Meeting, schrieb er Arnold: „Ich werde versuchen, es der Bundesanwa­ltschaft zu erklären, da es ja auch in meinemInte­resse ist, dass alles so schnell wie möglich geklärt wird, dass klar gesagt wird, dass ich damit nichts zu tun habe.“Wie groß die Sorge war, in den Fokus der BA-Ermittlung zu geraten, bezeugt eine Mail Arnolds an Infantino: „Wichtig ist nun die Sitzung in zweiWochen. Wenn du willst, kann ich dich wiederum begleiten.“Der Austausch zeigt, was alle Beteiligte­n bisher abstreiten: Dass Infantino Treffen mit der BA einfädeln ließ, bei denen es (auch) um persönlich­e Interessen gehen sollte. Wie das damalige Uefa-Verfahren, das Laubers Behörde 2017 einstellte. Infantino, Lauber und andere Beteiligte stellen ihre mindestens drei Dates als banale Arbeitsabk­lärungen dar. Was im Falle des zweiten Treffs besonders grotesk wirkt: Umdieses, beidemer laut Mail der BA seine Interessen­slage in der UefaErmitt­lung darlegen wollte, zu erreichen, hatte sich Infantino sogar den Privatjet des Emirs von Katar geliehen. Spannend wird auch, wie Fifa-Boss, Bundesanwa­lt, Arnold und Laubers Sprecher ihr Treffen im Juni 2017 in einem Berner Hotel erklärenwo­llen. Dieses wollensie vergessen haben, alle vier, auf einen Schlag – so trugen sie es der intern ermittelnd­en AB-BA vor. Ob Fachärzte heranzuzie­hen sind, weil ein seltener Fall kollektive­r Partialamn­esie vorliegen könnte – all das hat Keller nun zu prüfen. Der Präsident des Verwaltung­sgerichts im Kanton Obwalden beginnt damit „unverzügli­ch“, teilte die ABBA am Freitag mit. Insider beschreibe­n Keller als „stark und entschloss­en“. Nicht zugerechne­t wird er Lauber-nahenJusti­zkreisen wie der Staatsanwä­lte-Konferenz. Auch der Chefankläg­er kämpftumse­in Amt. Seine Treffenmit Infantino lösten eineJustiz­krise aus, erstmals läuft einAmtsent­hebungsver­fahren gegen einen Schweizer Bundesanwa­lt. Von einigen Fußballpro­zessen seiner Behörde wurde Lauber suspendier­t. München von gerald kleffmann MitteMärz hatte Bryson DeChambeau seinen letzten Auftritt vor der Pause. Schon damals sah man: ja, kräftig geworden. Dann fielen alle Turniere aus, wegen der Pandemie. Mitte Juni derNeustar­t, inFortWort­h, Texas. UndDeChamb­eau? Sahrichtig verändert aus. „Yeah, also“, sagte er, „ichhabe zehnKilozu­genommen“– aber nicht aufgrund von Frustfress­en. Sondern absichtlic­h. „Aber das heißt ja nicht“, meinte er da noch, „dass ich den Ball weiter schlage.“ War für eine Untertreib­ung das war. 343 Meter. 323 Meter. 318 Meter. So weit gingen reihenweis­e seine Abschläge auchamverg­angenen Donnerstag, bei seiner ersten Runde in Detroit, dem vierten PGA-Turnier seit demNeustar­t. Ob seiner neuenWeite­n, 30, 40Meter länger als zuvor, staunen die Kollegen schon. Webb Simpson sprach: „Ich legte meine Hand auf seine Schulter letzte Woche, einfach, weil er wie eine andere Person aussieht.“Als der Nordire Rory McIlroy auf der Driving Range sah, wohin DeChambeau­s Bälle flogen, dachte er:„Heilige Scheiße!“Dabei istMcIlroy selbst einer der Longhitter. Detroit/München– Bryson DeChambeau, vor einem Jahr (oben) und heute (unten): Dank seiner extra aufgebaute­n Muskeln hat sich sein Spiel stark verändert. Gerne schlägt er auch direkt Luftlinie. Es sei normale Nahrung, die ihn verändert habe, sagt DeChambeau FOTOS: PATRICK SMITH / GETTY, BILL STREICHER / REUTERS Verständli­ch, dass diskutiert wird in der Branche, obsich dasGolfspi­elnunverän­dert – DeChambeau ist ja erfolgreic­h mitderneue­nFigur, auchwenner nicht gewann. Dritter, Achter, Sechster war er bei den letzten drei Turnieren, stets mit Siegchance­n. Und er war Bester in kumulierte­n Statistike­n, etwa: Gesamterge­bnis unter Par (-46), erreichte Grüns (78,8 Prozent), Abschläge über 300 Yards (90). „Es geht jetzt um rohe Gewalt und ein Sandwedge“, ordnete der frühere Spitzenspi­eler Colin Montgomeri­e bei der BBC ein. Sandwedges benützen Profis für Schläge aus Bunkern und kurzen Distanzen. „Brysons mittlere und lange Eisen tauchen nun im landesweit­en Arbeitslos­enbericht auf“, meinte der Engländer Eddie Pepperell. So ironisch das war: DeChambeau spielt tatsächlic­h die Golfplätze teils nicht so wie von Architekte­n konzipiert. Kürzlich schlug er an einem 363 Meter langen Par-4nicht geradeausu­nddanndas „Dogleg“nach rechts, wie die Bahn vorgab – sondern Luftlinie direkt Richtung Loch. Bäume? Keine Sicht? Egal. Nun wäre es falsch, ihn für eine Reinkarnat­ion von John Daly zu halten. Der Skandal-Golfer praktizier­te indenNeunz­igern schlagtech­nisch das Motto „grip it andrip it“– pack dieKeule unddrauf! Verglichen mit diesem Ansatz ist DeChambeau Albert Einstein, bislang wurde er daher oft „Wissenscha­ftler“genannt. Jetzt ist er der „Unglaublic­he Hulk“– in den ComicAbent­euern mutiert einMensch zu einem gigantisch­en Wesen, nach einer Gammabestr­ahlung. Bei DeChambeau sei es normale Nahrung, die ihn verändert habe. Sagt er: „Ich esse alles, was ich will und wann.“Dass er aber auch Protein-Shakes literweise trinkt, hat sich längst herumgespr­ochen. Ob alles überdies mit rechten Dingen zugeht? Die Frage hat bislang nochkeiner wirklich aufgeworfe­n, zumindest nicht öffentlich auf der Tour. Offiziell hält sich die PGA Tour ja auch an Anti-Doping-Richtlinie­n, wenngleich dasGolfsys­tem nicht immer durch größte Transparen­z aufgefalle­n ist. DeChambeau hat, wie er erklärt, binnen eines Jahres sogar 20 Kilo zugelegt. Fifa-Chef Gianni Infantino. FOTO: ZUMA PRESS / DPA Sonderermi­ttler Keller muss über eine Verdachtsl­age auf schwere Amtsgeheim­nisverletz­ungen (bzw. der Anstiftung dazu) befinden. Massiv belegt ist, dass Infantino bei den geheimen, nie protokolli­erten Treffen mit Lauber auch in eigener Sache Druck machen wollte: In Hinblick auf ein Verfahren, das Laubers Bundesanwa­ltschaft (BA) imApril201­6nach einerDurch­suchung anInfantin­os früheremUe­fa-Arbeitspla­tz in Nyon eröffnet hatte. Es ging umeinenTV-Vertrag mitkorrupt­en argentinis­chen Rechtehänd­lern, die inden Fifa- thomas kistner Coe verliert die Geduld Resozialis­ierung der russischen Leichtathl­eten liegt auf Eis drive forshow, putt for dough. Lange Schläge sehen toll aus, mit Putts macht man Geld. So steigerte er sich in die Welt des Puttens, bis aus dem mäßigen Putter ein guter wurde. Dass er sich steif wie ein Cricketspi­eler bei diesem Schlag bewegt? Um Schönheit geht es nicht. Das Ergebnis zählt. Schließlic­h widmete er sich der Biomechani­k, studierte Rotationsg­esetze, Winkeleffe­kte, Hebelwirku­ngen, wagte Revolution­äres: Er verwendete für alle Schläger die selben Schaftläng­en. Lange Eisen haben ja in der Regel etwas längere Schäfte als kürzere Eisen. Fünf PGA-Siege errang derMannmit der Schiebermü­tze seitdem. 2018nahmer­amRyder Cup teil, enttäuscht­e aberbeimUS-Debakel inParis gegen Europa wie kein anderer. Teamsport ist nicht ganz sein Ding. Dafür lebt er zu sehr in seiner Tüftelblas­e. Diesen Eindruck gewinnt man auch, wenn er über sein Spiel spricht. Aufgrund Das Magazin hatte zuletzt beobachtet, wie disziplini­ert der 26-Jährige ist. Kommeer auf eine Anlage, verschwind­e er gleich in den Fitnessrau­m. Nach den GolfRunden­trainiere er noch mal für90Minut­en. Auf sind auch Filme abrufbar, die zeigen, anwelchen Foltermasc­hinen er sich trimmt. Die Übungen, dieihmsein Fitnesscoa­ch Greg Roskopf verordnet, haben den hochtraben­den Namen „Muscle Activation Techniques“und sind geschützt als Marke. DeChambeau hat schon immer versucht, dieGrenzen desMöglich­en auszuloten. Als Amateur bemalte er einst den Ball mit zwei Linien und nicht wie andere mit nur einer, um den Ball nicht nur horizontal, sondern auch vertikal auszutarie­ren vor dem Putten auf dem Grün. Im Jahr 2015 war er US-Amateur-Champion. 2016 wurde der Kalifornie­r ausModesto, der in Dallas lebt, Profi. Ein Sprichwort heißt: der neuen Kräfte müsse er zum Beispiel Winkel der Schlagfläc­hen justieren. Für den Driver etwa benutzt er eine Fläche (5Grad) steil wie eine Wand. Ohne Kraft stürzt der Ball bei diesem niedrigen Loft schnell ab, da er nicht besonders hoch steigt. Die Neigung des Drivers von McIlroy beträgt dagegen 10,5 Grad. „Am Ende wird der Künstler gewinnen“, glaubtMcIl­roy zwar und versichert, er bevorzuge es, vomGewicht her leichter zu sein. DeChambeau macht aber kein Geheimnis daraus, dass er noch mehr vorhat: „Mein ultimative­s Ziel ist, so stark zu werden, wie ich kann, umweitere Kraft und Geschwindi­gkeit zu haben“– dann wolle er sehen, was er noch leisten kann. Er betrachtet sich auch als Experiment. Stand jetzt wiegt er 110 Kilo, bei einer Größe von 1,85 Metern. „Letztes Jahr trug ich nochMedium“, verriet er zu seiner Hemdgröße, „nun trage ich Extra Large.“ Golfweek gehen beraten werden. Die vollständi­ge Verbannung der Rusaf aus der WA erscheint jedenfalls nichtmehra­usgeschlos­sen – es wäre ein Novum imWeltspor­t. Die Leichtathl­eten hatten ohnehin am strengsten reagiert, als Russlands Staatsdopi­ng-System aufgedeckt worden war. Seit November 2015 ist die Rusaf suspendier­t, seitdemhab­en ihre Funktionär­e viel abgestritt­en und viel versproche­n, aber nur wenig getan. Erst als Jurtschenk­o als neuer Präsident installier­t worden war undManipul­ationenunt­er seinemVorg­änger Dmitrij Schljachti­n zugegeben hatte, schien eine Besserung in Sicht zu sein. Im März verzichtet­e dieWAdaher auf den erwogenen Rauswurf der Russen, hielt aber die Suspendier­ung aufrecht undverhäng­te eine Rekordstra­fe von zehn Millionen Dollar, die Hälftedavo­nausgesetz­t zur Bewährung: „Die bisherigen Maßnahmen haben offensicht­lich nicht ausgereich­t, um die Kultur im russischen Verband zu ändern“, sagte Coe damals. Um den Ernst der Lage zu verdeutlic­hen, hatte sein Gremium die Zahl der sogenannte­n „autorisier­ten neutralisi­erten Athleten“beiOlympia in Tokio auf zehn beschränkt – bei der WM 2019 in Doha waren noch 29Russen unter dem Kürzel „ANA“am Start. Nun sind es null, und wenn es dabei bleibt, drohtWeltm­eisterinne­n wie Marija Lassizkene (Hochsprung) undAnschel­ika Sidorowa (Stabhoch) das Olympia-Aus. „Wir haben versucht, die sauberen Athleten von einem schmutzige­n System zu trennen“, sagte Coe, nun findet er: „Die Rusaf lässt ihre Athleten schmählich im Stich.“ Der Lord ist offensicht­lich mit seiner Geduld amEnde. „Wir haben alles mögliche getan, um die Rusaf bei ihrer Wiedereing­liederung zu unterstütz­en“, ließ eram Donnerstag wissen, „aber anscheinen­dohne Erfolg.“ – Sebastian Coe weiß, wie man sich auf diplomatis­chem Parkett bewegt, spätestens seit er im Jahr 2000 in den Adelsstand erhoben wurde und als Baron vonRanmore lebenslang einen Sitzimbrit­ischen Oberhaus erhielt. Auch als Präsident des Leichtathl­etik-Weltverban­des World Athletics (WA) war der zweimalige 1500-Meter-Olympiasie­ger stets redegewand­t; die Zeitung erfand sogar mal den Begriff „weasel words“für ihn, „Wiesel-Worte“, weil schwer zu greifenwar, was er sagte. Nun hat derwendige LordCoe aberungewo­hnt deutlich formuliert, was er vom russischen Leichtathl­etik-Verband (Rusaf) hält: „Wir sind sehr enttäuscht.“ Bis zum Mittwoch hätte die Rusaf fünf Millionen Dollar Strafe sowie 1,3 Millionen Dollar Verfahrens­kosten zahlen sollen, die der Weltverban­d im März verhängt hatte wegen fortgesetz­ter DopingVerg­ehen. „Wir haben das Geld leider nicht auftreiben können“, sagte der RusafPräsi­dent Jewgeni Jurtschenk­o der russischen Nachrichte­nagentur Womöglich hätte er Coe und Co. besänftigt, wenn er das auch ihnen erklärt hätte, doch das hat er offensicht­lich nicht, wie dieWA am Donnerstag mitteilte: Sie habe weder das Geld bekommen, „noch eine Informatio­n, wannes gezahltwer­denkönnte, trotzmehre­rer Erinnerung­en“. Nun hat derWeltver­band alle Maßnahmena­uf Eis gelegt, die er für die Resozialis­ierung des seit 2015 suspendier­ten russischen­Verbandes eingeleite­t hatte– inklusive des Programms, das bislang einzelnen, neutralisi­erten Sportlern dieTeilnah­meanintern­ationalenG­roßereigni­ssen ermöglicht­e, sofern sie unbelastet waren undunabhän­gigeDoping­kontrollen nachweisen konnten. Wenn sich Ende Juli der Rat derWAtriff­t, soll über dasweitere­Vor- München Youtube Independen­t Kein Witz Tass. Die Entlassung ihres Bundestrai­ners Erik Bouwman macht die deutschen Eisschnell­läufer fassungslo­s scheidungs­hoheit der Spitzenver­bände. „Dass aber das Verhalten vonHerrn Große als auch der Athletin Pechstein, Lebensgefä­hrtin desHerrn Große, zu erhebliche­n Problemen mit Herrn Bouwman geführt haben, ist ja nun niemandem verborgen geblieben. Schließlic­h fanden die Dispute vor den Augen der staunenden und wohl auch gelegentli­ch fassungslo­sen Öffentlich­keit statt.“Sie sei sicher, dass vieleAthle­tinnen und Athleten „sowie das Bundesinne­nministeri­um die Vorgänge in der DESG aufmerksam verfolgen werden“. Von der Parlamenta­rierin Dagmar Freitag (SPD), die sich vor einigen Jahren über das Auftreten Großes beschwerte und nachdessen Anrufen das Sicherheit­spersonal im Bundestag verständig­te, hat der DESG-Chef auf seiner ersten Pressekonf­erenz eine Entschuldi­gung für ihr damaliges „Verhalten im Fall Claudia Pechstein“verlangt. Er werde „von einer Fraktion in denBundest­ageingelad­enwerdenun­ddiese Entschuldi­gung einfordern“, sagte er. Dazu teilt Dagmar Freitag mit: „Nach wie vor hat keine Fraktion beantragt, Herrn Großein denSportau­sschuss einzuladen. Sollte es tatsächlic­h dazu kommen, werde ich selbstvers­tändlich entspreche­nde Sicherheit­svorkehrun­gen bei der Polizei des Deutschen Bundestage­s anfordern. Schließlic­hmussichei­nen ordnungsge­mäßen Ablauf der Sitzung und die Sicherheit aller Anwesenden gewährleis­ten. Darüber hinaus bin ich dann bereit, Herrn Große die Abläufe von Ausschusss­itzungenso­wiedieAufg­aben vonSachver­ständigen zu erläutern.“Abgesehen davon sehe sie nicht den geringsten Anlass für eine Entschuldi­gung. 2022wirdkn­app: „JetztdenSt­ecker zu ziehen“, bedeute, dass den Athleten nur eine Saison bleibe, „ummit einem neuen Trainer ein neuesKonze­pt zu finden, das dann nicht mehr korrigiert werden kann“. Dies sei eine belastende Situation. Dabei hatte Große noch vor einer Woche Mitglieder­n und Freunden der DESG in einem vierseitig­en Offenen Brief eine Ära der „Transparen­zundMitspr­ache“angekündig­t, in der die Belange der Athleten über allem stünden. Auch Geisreiter, der nicht zu den Befürworte­rn der Kandidatur gehörte, fand, dass der neue kommissari­sche Verbandsch­ef eine Chance verdiene, am Telefon erklärte. Als Verantwort­licher für denMehrkam­pf hat er bislang fast alle Mittel- und Langstreck­ler der Nationalma­nnschaft direkt oder in Kooperatio­n mit derenHeimt­rainern betreut. Und er ist beliebt, wie Geisreiter sagt, bei dem sich nachBekann­twerden derAusboot­ungkonster­nierte Athleten meldeten: Bei den Sportlern genieße Bouwman, 47, großen Rückhalt. „Sie hätten gern weiter mit ihm trainiert. Die einzigen, die sich an ihm stoßen, sind meines Wissens Matthias Große und Claudia Pechstein.“ In der Tat hatte Pechsteins bizarre Fehde mit dem holländisc­hen Coach einerseits und mit dem DESG-Sportdirek­tor, Matthias Kulik, anderersei­ts den gesamten Eisschnell­lauf-Winter medial begleitet. Im Zuge der Eskalation (Bouwman: „Sie trägt eine Maske mit einer boshaften doppelten Agenda“) nannte der Bundestrai­ner auch die Kandidatur ihres Lebenspart­ners für den damals vakanten Präsidente­nposten einen „Witz“. Am Freitag teilteGroß­emit, „dasAnsehen desVerband­es“habe durch diese öffentlich­en Aussagen „extrem gelitten“. Bei der Bekanntgab­e derKündigu­ng tags zuvor in Berlin hatte er zudem kaum Zweifel daran gelassen, dass es um die Begleichun­g persönlich­er Rechnungen ging. „Ein Bundestrai­ner, der die Bewerbung um das höchste Amt derDESGals einen Witz bezeichnet“, soargument­ierte der neue Mann an der Verbandssp­itze, „gehört nicht in dieses Amt.“ Leidtragen­de sind die Sportler, die darauf bauten, noch bis zu den Winterspie­len mit Bouwman arbeiten zu können und die nun stark verunsiche­rt seien, wie Geisreiter erläutert. Denn die Zeit bis Peking In Inzell unter dem Dach der Arena wirdzumWoc­henende die 400-Meter-Bahn vereist. Auf diesem „Sommereis“, wie die Eisschnell­läufer sagen, können sie nun wieder ihren Antritt auf Kufen testen. Denn jetzt, Anfang Juli, haben die Besten bereits zwei Monate Trockentra­ining in den Beinen. Umsoheftig­er trifft sie eine Blitznachr­icht, die sie gerade aus Berlin erreichte: „Die Sportler“, so berichtet Moritz Geisreiter, der Athletensp­recher im Verband DESG, „sind fassungslo­s.“ München – joachim mölter „Nicht den geringsten Anlass“sieht Parlamenta­rierin Freitag, sich bei Große zu entschuldi­gen Ex-Skitrainer Mayer verurteilt Oldenburg holt Sohn von Bruce Hornsby diese Ziele umzusetzen, die er aber nun durch das Feuern des Bundestrai­nerszum erstbesten Zeitpunkt verspiele: „Die Sportler wurden nicht beteiligt an der Entscheidu­ng, imGegentei­l. Offensicht­lichhat Großeeinen finalen Racheakt ausgetrage­n, indem er Erik Bouwman rauswirft.“ Diese Einschätzu­ng wirdgeteil­t vonanderen Beobachter­n der Entwicklun­g in einemder kleinsten deutschen Sportverbä­ndemitnurr­und2900Mit­gliedern in 31Vereinen, der öffentlich­e Mittel bezieht. Auch DagmarFrei­tag, dieVorsitz­ende des Sportaussc­husses des Bundestage­s, glaubt, „sportfachl­iche Gründe haben vermutlich eine eher untergeord­nete Rolle gespielt“. Grundsätzl­ich, so erklärte Freitag der SZ, lägen Personalen­tscheidung­en, auch über das Leistungss­portperson­al, in der Ent- – Das Verfahren gegen Österreich­s einstigen Ski-Langlauftr­ainerWalte­r Mayer endete am Landgerich­t Innsbruck mit einem Schuldspru­ch. Mayer wurde zu 15 Monaten Haft auf Bewährungu­ndeinerGel­dstrafe von240Tage­ssätzen zu je vier Euro (960 Euro) verurteilt. Mayer wird vorgeworfe­n, von 2012 bis 2019 Sportler beim Doping unterstütz­tundverbot­ene Substanzen(Wachstumsh­ormone, Testostero­n, etc.) weitergege­ben zu haben. Zudem soll er Blutdoping anAthleten praktizier­t und damit zu deren Sportbetru­g beigetrage­n haben. Mayer, 63, bestritt alleVorwür­fe, er räumte lediglich ein, Dopingmitt­el für den Eigengebra­uch erstanden zu haben. – Basketball-Bundesligi­st EWE Oldenburg hat für die nächste Saison den Amerikaner Keith Hornsby, 28, verpflicht­et. Der Flügelspie­ler ist der Sohn des Musikers und mehrmalige­n Grammy-Gewinners Bruce Hornsby („The Way It Is“). Der Basketball-Profi spielte vorige Saison für den polnischen Klub Cukier Torun in der Champions League; eswarseine erste Station in Europa. „Nicht umsonst war er auch im Visier von einigenNBA-Klubs. Es gibt nicht viele Spieler aufdemMark­t, die diesesPake­t mitbringen“, sagte Oldenburgs sportliche­r Leiter Srdjan Klaric. Für Torun kam Hornsby imSchnitt auf 15,1 Punkte, holte 3,1 Rebounds und gab 2,5 Assists. Innsbruck Oldenburg Matthias Große. FOTO: MICHAEL HUNDT / IMAGO Der neue, kommissari­sch eingesetzt­e Präsident der DESG, Matthias Große, 52, ein Geschäftsm­ann und der Lebenspart­nerder fünfmalige­nOlympiasi­egerin Claudia Pechstein, 48, hat in einer seiner ersten Amtshandlu­ngen dem Bundestrai­ner, Erik Bouwman, gekündigt. Zum 31. Juli, mitten in der Saisonvorb­ereitung. Bouwman, dessen Vertrag bis Jahresende lief, prüft rechtliche Schritte, wie eramFreita­g barbara klimke sz dpa PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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