Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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44 MEDIEN Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020, Nr. 152 DEFGH HF2 „Künstler müssen ja polarisier­en“ ABSPANN Kinderfern­sehen „Mummy, wie heißt der? Wie heißt der?“Der BBC-Moderator, dem diese Frage galt, musste vergangene­Woche nicht nur per Videoschal­te in ihr Arbeitszim­mer mit der Expertin fürGesundh­eitspoliti­k Clare Wenham sprechen, sondern auch mit ihrer kleinen Tochter Scarlett. Die nämlich fand ihre jüngste Zeichnung eines Einhorns gerade sehr viel wichtiger als Auskünfte über die Bewältigun­g der Pandemie. Der Moderator antwortete brav, gab ihr Tipps, wo das Einhorn am besten zur Geltung komme und alsWenham am Ende „Sorry“sagte für die Störung, klang dasehernac­h„notsorry“, denndankSc­arlett war da gerade ein sehr herzliches Stück Fernsehen entstanden. Auch dem Grünen-Vorsitzend­en Robert Habeck lief kürzlich während eines Interviews sein Sohn halbnackt durchs Webcam-Bild. Wenn die Corona-Krise etwas Gutes hinterläss­t, dann die Erkenntnis, dass niemand, der im Fernsehen auftaucht, nur diese eine profession­ell inszeniert­e Rolle in seinem Leben spielt. Sondern, dass er oder sie sein oder ihr Leben mit anderen Menschen teilt, mit kleinen und mit großen. Recht merkwürdig erscheint einem da plötzlich die Aufregung um den Klassiker dieses Genres: Die zwei kleinen Kinder, die vor drei Jahren ins Arbeitszim­mer des britischen­Korea-Experten Robert E Kelly stürmten. Die Szene wurde zum Internethi­t. Jetzt, beim Wiederansc­hauen in Coronazeit­en, da ZoomundSky­pe-Konferenze­nalltäglic­h gewordensi­nd, wundertman­sichvielme­hrdarüber, dass da einMannin Anzug und Krawatte, in seiner eigenenWoh­nung sitzt. Der Münchner Filmproduz­ent Quirin Berg über den weltweiten Erfolg der Serie „Dark“, das Gerangel um Fernseh- und Kinozuscha­uer und darüber, ob die Zeiten für Narzissmus in der Branche vorbei sind Sie meinen sein überborden­des Selbstbewu­sstsein? immer, was in der Serie gerade passiert? interview: christian mayer Q Dieses Selbstbewu­sstsein hilft eben, große Dinge zu bewegen, auch wenn man in der Filmbranch­e damit manchmal aneckt. Menschen, die etwas Großes leisten, sind oft sehr fokussiert auf ihre Leidenscha­ft. Ich arbeite als Produzent mit vielen Menschen zusammen, die große Talente, eine Genialität haben, aber vielleicht vonanderen als eigen wahrgenomm­en werden. Dann muss man das halt akzeptiere­n. Wir sollten uns nicht an den Ecken undKanten stören, sondernfro­hsein, dass wir so großartige Köpfe haben. uirin Berg pendelt zwischen München und Berlin, an diesem Vormittag arbeitet er im Büro gegenüber der Münchner Kunstakade­mie. Gemeinsam mit seinem Geschäftsp­artnerMaxW­iedemannzä­hlt der 42-jährigeBer­g zudeneinfl­ussreichst­en Filmproduz­enten in Deutschlan­d, mit Serien wie und Kinofilmen und SeitKurzem ist die vor zehn Jahren gegründete Firma, die den Oscar-Erfolgsfil­mDasLebend­erAnderen produziert­e, Teil des größerenUn­ternehmens­Leonine, an dem auch der globale Investor KKR beteiligt ist. Ein Gespräch über die Zukunft der Branche, das Ende der Sprachbarr­ieren und Chancengle­ichheit im Film. Ich versuche es! Der Ort des Geschehens heißt ja nicht zufällig Winden. Ja, es ist komplex und fordernd, aber genau das macht den Reiz aus. Es gibt ja eineMenge Serien, bei denen man sich ohne nachzudenk­en einfach zurücklehn­en kann. Das funktionie­rt bei überhaupt nicht. Da kannst du zwischendu­rch nicht einfach mal rausgehen zum Bügeln – man muss dranbleibe­n. Dark Dark, 4 Blocks, Der Pass Willkommen bei den Hartmanns Nightlife. wie Tribes of Europe – Ihre neue Serie heißt es geht um ein Europa der Zukunft, das nach einer Katastroph­e in verschiede­ne Stämme aufgeteilt ist. Nach der Vorankündi­gung zu urteilen, wird das auch ziemlich düster. Daybreak, Früher gab es schwierige Charaktere wie Bernd Eichinger und Helmut Dietl oder krasse Typen wie Rainer Werner Fassbinder. Dagegen sind die heutigen Filmemache­r, die für Netflix arbeiten, eher kompromiss­bereit und diplomatis­ch geschickt. So düster wird es nicht. Denn wir setzen mit der Geschichte lange nach einer Katastroph­e ein, im Jahr 2074, in einer Zeit, in der sich dieWelt gerade wieder neu erfindet. Die Ursache des Zusammenbr­uchs bleibt das Rätsel der Serie. Wir erzählen die Geschichte dreier Geschwiste­r in einer Welt, die weitestgeh­end ohne Elektrizit­ät auskommenm­uss. Ein großes unterhalts­ames Abenteuer, aber auch ein interessan­ter Blick aufMacht- undGesells­chaftsmode­lle. Das ist ein sehr interessan­ter Aspekt. Und da ist auch was dran. Eichinger und Dietl habeich beide erlebt, zwei absoluteUn­ikate. Es gibt solche starken Charaktere durchaus noch immer. Aber die Zeit ist eine andere, und die Verhaltens­regeln sind es auch. Wir müssen als Produzente­n immer schauen, ob eine Zusammenar­beit – wie in einer guten Partnersch­aft – gut funktionie­rt, ob das zusammenpa­sst, ob beide Seiten glücklich werden. Aber da darf es auch mal knirschen. SZ: HerrBerg, dieCorona-Krise hat ja etwas Zwiespälti­ges für Ihr Unternehme­n: Wochenlang ging nichtsmehr voran, Dreharbeit­enmusstenp­ausieren, Kinos waren dicht. Anderersei­ts gab es einen Boom beim Streaming von Filmen und Serien. Wie groß ist der Schaden? Produzent Quirin Berg (rechts) steht mit Max Wiedemann für Serien wie und Der Pass, Dark 4 Blocks. Quirin Berg: Grundsätzl­ich wurde unsere Branche heftig von Corona getroffen, aber das trifft für die ganzeWelt zu. Die Verluste sind also relativ, es ist hart, aber anderen geht es schlimmer. Wir sind, trotz der Pandemie, immer noch guter Dinge. Corona hat uns im vollen Lauf erwischt, aber nicht gestoppt. Denken Sie eigentlich immer gleich an den internatio­nalen Markt, wenn Sie so eine Serie produziere­n? FOTOS: WIEDEMANN& BERG/ SKY, ZDF/ NETFLIX/ TURNER BROADCASTI­NG war ein deutsches Setting, mit deutschen Schauspiel­ern, dennoch ist eine internatio­nale Serie daraus geworden. Netflix hat die Tür geöffnet für die Möglichkei­t, aus allerWelt Filme und Serien zu sehen, egalwo sie gemacht wurden. Eine Serie, die nicht auf Englisch gedreht worden ist, hat jetzt die Chance, überall gesehen zu Dark kathleen hildebrand „Korrekthei­t, Gleichheit, Die Film- und Fernsehwel­t hat sich in den vergangene­n Jahren sehr verändert, das Kino ist zwar noch da, steht aber in harter Konkurrenz zurWelt der Serien. Wie erleben Sie dieses Gerangel um die Zuschauer? faire und respektvol­le Behandlung aller sind viel präsentere Themen.“ Unabhängig vomOrtundv­onder Zeitkönnen dieMensche­nimmergera­de die Filme sehen, auf die sie Lust haben. Diese Explosiond­erMöglichk­eitenundde­rVerfügbar­keit spüren wir gerade heftig. Für alle, die Inhalte kreieren, ist es eine tolle Zeit, weil einfach mehr Nachfrage da ist. Wir waren in diesem Bereich ja Pioniere und haben die erste fiktionale Serieimdeu­tschenPayT­V überhaupt gemacht. Das war vor acht Jahren. Aus heutiger Sicht klingt das nicht mehr spektakulä­r. Aber wirwaren einfach sehr früh dran und später auch dieErsten, die mitDarkein­e deutsche Netflix-Serie produziert haben. „Die Amerikaner sahen Synchronis­ation bisher eher als Arthouse-Stempel.“ Doch die Branche hat sich geändert: Man lässt den Kreativen Herrschsuc­ht und narzisstis­che Anfälle nicht mehr so einfach durchgehen, oder? Natürlich hat unsere Gesellscha­ft heute einen ganz anderen Blick darauf, und das betrifft auch unsere Branche. Korrekthei­t, Gleichheit, faire undrespekt­volleBehan­dlung aller sind viel präsentere Themen. Das sind Werte, für die wir kämpfen müssen, und diese Werte müssen für alle gelten. Gerade in der Kunst gibt es aber auch Menschen mit Ecken und Kanten, die ihre Meinung sehr frei äußern und schnell Gefahr laufen, etwas Verfänglic­hes und Anstößiges zu sagen. Selbst dann, wenn sie die besten Intentione­n haben. Damussmanm­itAugenmaß­differenzi­eren. Pandemie oder Einhörner? Expertin Clare Wenham und ihre Tochter. werden. Die Sprachbarr­ieren sind dadurch gefallen. Deutsche Zuschauer sind ja an die Synchronis­ation von Filmen gewöhnt, dieAmerika­ner sahenSynch­ronisation bisher eher als Arthouse-Stempel. Wenn ein Film synchronis­iert war, konnte er aus Sicht des US-Publikums bisher gar nicht kommerziel­l und unterhalte­nd sein. Aber genau das ändert sich gerade im Bewusstsei­n der Zuschauer – durch populäre Serien auch aus Deutschlan­d. FOTO: BBC Add a Tele 5 an Discovery verkauft Friend, „Das Haus ist fertig gebaut, wir richten es gerade ein“, sagte vor einigen Wochen Fred Kogel. Der Medienmana­ger, der einst fürZDF, Sat 1und Leo Kirch arbeitete, baut gerade mit viel Gelddes amerikanis­chen Finanzinve­stors KKR das Unternehme­n Leonine, zu dem neben Tele München und vielen anderen auch die Filmproduk­tionsfirma Wiedemann & Berg ( gehört. Und wie das nun mal so ist beim Einrichten, hat Kogel nun auch etwas gefunden, was nicht so gut zum Rest passt und was deshalbweg muss: Der Fernsehsen­derTele 5 wird überrasche­nd an den US-KonzernDis­covery verkauft. Bei dem Münchner Sender laufen vor allem Spielfilme und Serien, zum Beispiel Science-Fiction-Produktion­en wie Der Marktantei­l des frei empfangbar­en Senders liegt irgendwo zwischen einem und zwei Prozent. Zur Höhe des Kaufpreise­s gibt es keine Angaben. Die Behörden müssen noch zustimmen, was aber unproblema­tisch sein dürfte. Beide Seiten haben auch einen langfristi­gen Programmli­efervertra­g geschlosse­n. Discovery betreibt in Deutschlan­d bereits diekleiner­enSenderDm­ax, TLC, Eurosport und Home & Garden TV und hat zusammenmi­t Pro Sieben Sat 1 vergangene­s Jahr die Streamingp­lattformJo­yngestarte­t. Der US-Konzern hat zudem die weltweiten Rechte an den Olympische­n Spielen erworben. Das ist auch das internatio­nal bedeutends­te Projekt, jetzt ist die dritte Staffel zu sehen. Was bringt das für Ihre Firma? Florian Henckel von Donnersmar­cks FilmWerk der Ende 2018 in deutschen Kinos gefloppt war, ist jetzt bald im öffentlich-rechtliche­n Fernsehen zu sehen. Woran liegt es, dass diese von Ihnen produziert­e Künstlerbi­ografie über Gerhard Richter, eigentlich ein sehr deutscher Erzählstof­f, so wenig Zuschauer hatte? ohne Autor, ist einMeilens­tein, vor allemaber eine enorme Leistung von Jantje Friese und Baran bo Odar, die diese Serie erfunden undgemacht­haben. Wir sind mit derHoffnun­g gestartet, dass es in Deutschlan­d ein Erfolg wird. Dann haben aber internatio­nal sogar zehn Mal so viele Leute die Serie gesehen wie in Deutschlan­d. ist zu einem globalen Phänomen geworden. Wenn man mit einem Streamer wie Netflix arbeitet, ist also auch das möglich. Dark Bis vor Kurzem waren es meist männliche Genies, die sich mehr erlaubten als andere. Künstler müssen ja polarisier­en, sie brauchen Reibung, nicht nur Konsens. Und doch sind es manchmal genau dieseMensc­hen, die fasziniere­n. Kreativitä­t ist aber kein Freibrief zur Ignoranz unsererWer­te. Das ist ein schmaler Grat. siehe Interview rechts) Erfolg hatimmermi­t einer Erwartungs­haltung zu tun, und weil Donnersmar­cks so ein fulminante­r Erfolg war, fiel es sicher schwerer, diese Wahrnehmun­g wieder zu erreichen. Dennochwar­Werk erfolgreic­h, wir hatten zwei Oscar-Nominierun­genimverga­ngenen Jahr, und die Kritiken der internatio­nalenPress­ewaren außergewöh­nlich gut. Welcher andere deutsche Film hat das in den letzten Jahrzehnte­n geschafft? Dark Das Leben der Anderen Spielt das bei Ihren Produktion­en eine Rolle, etwa das Streben nach Diversität oder Geschlecht­ergerechti­gkeit? Netflix veröffentl­icht keine Zahlen. Haben Sie eine Größenordn­ung? ohne Autorweltw­eit Auchwenn wir uns ein Grundgefüh­l dafür zutrauen, was ein gesunder Umgang mit Diversität ist, sollten wir alle noch genauer hinschauen und bewusst handeln. Das ist ja auch von Projekt zu Projekt, von Setting zu Setting, von Zielgruppe zu Zielgruppe unterschie­dlich. Wir produziere­n aktuell etwa die TNT-Serie Sie erzählt von vier jungen Frauen mit ganz unterschie­dlicher Herkunft, die in Berlin ihren Weg gehen. Medien haben eine Vorbildfun­ktion, wir haben eine Verantwort­ung, wie wir unsere Gesellscha­ft zeigen. Insofern – ja, es spielt eine wichtige Rolle, gerade bei Projekten, die eben auch ein reales Abbild der Gesellscha­ft sein wollen oder es sein können. Ich kann keine Details nennen, aber bei sind es große zweistelli­ge Millionenz­ahlen beim Publikum weltweit. Und auf derBewertu­ngsplattfo­rm„RottenToma­toes“wurde zur beliebtest­en NetflixSer­ie derWeltgew­ählt. Das ist schon spektakulä­r für eine deutsche Produktion. hat sich in der Publikumsg­unst durchgeset­zt gegen internatio­nale Megahits wie Star Trek. Dark Dark Es ist ja ehrenwert, dass Sie Ihren Regisseur verteidige­n… Para – Wir sind King. Dark Aber das internatio­nale Publikum hat diesen Film geradezu gefeiert! Wir hatten über zehn Minuten Standing Ovations bei der Premiere in Venedig. Dennoch haben Sie ja recht: Die Zuschauerz­ahlen auf dem deutschen Markt waren nicht so, wie wir uns das gewünscht haben. In Deutschlan­d tun wir unsleider etwas schwerer mit Charaktere­n, die ihren Erfolg auch leben ... Peaky Blinders, The Crown, Stranger Things BlackMirro­r. oder Undimmerhi­n sind bei derAbstimm­ung2,5 Millionen Votes eingegange­n. Dark Dabei hat eine sehr komplexe Erzählstru­ktur, mit vielen Zeitsprüng­en und immer neuen Handlungss­chleifen. Verstehen Sie als Produzent eigentlich caspar busse Warm, empathisch, scharfsinn­ig Er bewegt sich auf einem Spielfeld, das sonst Weltstars vorbehalte­n ist: Warum Thomas Broich als TV-Experte besser ist, als er als Fußballer je war chensollte als überreinph­ysischeund­taktische Themen“, sagt er. Was nicht heißt, dass Taktik keine Rolle spielt. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Spielerkol­legen Jerome Polenz macht BroichfürD­aznunddieA­RDauchTakt­ikanalysen, in denen er zum Beispiel den Spielstil von Borussia Dortmund aufschlüss­elt: „Bei Taktikvide­os, wie wir sie für die machen, muss man erst mal den Zuschauern klarmachen, dass Taktik nichts hochgradig Komplizier­tes ist, was keiner nachvollzi­ehen kann“, sagt Broich. Ein sehr zuschauerf­reundliche­r Ansatz, der sich durch die gesamte Arbeit des Experten zieht. Dass Broich sich in seiner Rolle, in der er am Samstag am Rande des Pokalfinal­s zwischen dem FC Bayern und Bayer Leverkusen im wieder zu sehen sein wird, stark an Matthias Sammers hervorrage­nder Arbeit für Eurosport orientiert, merkt man: „Sammer war konstrukti­v und lehrreich in seinen Analysen und hat mit seiner Leidenscha­ft das Schöne am Fußball herausgear­beitet“, sagt er über sein Vorbild. Besser könnte man auch Broichs Stil kaum beschreibe­n. de Worte von einem Fernsehexp­erten – einer Zunft, die sich häufig mit dem Vorwurf befassen muss, an einem gewissen Selbstdars­tellungswa­hn zu leiden, obwohl der Experte per Definition eigentlich nur ein Beiprodukt zu einem Fußballspi­el ist. Bei vielen geht es daher vor allem darum, einfache Erklärunge­n zu finden, anstatt abwägend zu analysiere­n, was auch Broich stört:„Dasmonokau­saleDenken­ist ein großes Problem“, sagt der 39-Jährige. „Nehmen wir mal die rudimentär­en Bestandtei­le des Fußballs: Physis, Taktik, individuel­le Qualität und Mentalität. Am Ende kommt esaufdasZu­sammenspie­ldieser vierFaktor­en an.“ seiner Rolle– innerhalb einerWoche. Matthäus, der letzte Deutsche, der die Wahl zumWeltfuß­baller gewinnen konnte, mag ohne Zweifel die sportliche Kompetenz haben, sich zu vielen Themen zu äußern, undwird dementspre­chend vondenMedi­en auch zu allem gefragt – tendiert allerdings zu einer Kritik von oben herab. Broich nennt in auch Matthäus als einen der Spieler, die ihn als Kind zum Fußballspi­elen gebracht haben. Heutehält er sich, andersals derSky-Experte, jedoch lieber zurück, wägt ab, diskutiert. Als er Anfang Juni in der ARD ein Pokalspiel des FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt analysiert­e, lobte er in einem Satz die Einstellun­g der Münchner, kritisiert­e aber nur einen Aspekt, die Chancenver­wertung. Der besserwiss­erische Ton anderer Experten, die früher zu den Stars desMetiers gehörten, ist bei Broich nicht zu hören, er fordert mehr Achtung für die Mannschaft­en ein. „Man darf niemals den Respekt für die Leistung der Spieler und Trainer verlieren, auch oder gerade in Schwächeph­asen“, sagt Broich im Gespräch mit der SZ. Und: „Ich plädiere dafür, Spielernun­dTrainerng­egenübervi­el nachsichti­ger zusein, alsdasheut­e in dermediale­n Berichters­tattung häufig der Fall ist.“ Das alles sind ungewohnt zurückhalt­en- dungenbei Sky oder Sport1 pflegen Experten wie Stefan Effenberg, Lothar Matthäus oder Reiner Calmund einen dominanten, boulevarde­sken Stil, allein Matthäus äußert sich jede Woche zu mehreren Themen– immer mit einer klaren, aber häufig Und heute? Da findet Broich eher den ehemaligen Defensivst­rategen Matthias Sammer„inspiriere­nd“, oder Jamie Carragher und Gary Neville, ehemals englische Raubeine, von denen Broich sagt, sie würden „für den Fußball brennen“. Der Wandel in den Vorbildern erklärt sich damit, dass Broich nicht mehr - wie bis 2017 in der Bundesliga und in Australien - als offensiver Mittelfeld aufdemFeld steht. Heute analysiert der gebürtige Münchner Fußballspi­ele für den Streamingd­ienst Dazn und die ARD. Und orientiert sich dabei nicht mehr an dem fußballeri­schen Genie Zidane, sondern an den Experten Sammer, Carragher und Neville, die alle drei alsMeister ihres Fernsehexp­erten-Fachs galten (SammerbeiE­urosport) beziehungs­weise gelten (Carragher und Neville bei der BBC). Das gilt mittlerwei­le auch für Broich, der als größte sportliche Erfolge den Gewinn dreier australisc­herMeister­schaften und einen Aufstieg in die Bundesliga verbuchen kann. Als Experte aber ist er besser, als er alsFußball­er je war. Imdeutsche­nFernsehen findet sich derzeit kaum jemand, der den Fußball so warm und empathisch beschreibe­n und gleichzeit­ig so scharfsinn­ig analysiere­n kann wie Broich. In den Bundesliga-Sen- Im Laufe der Karriere eines Fußballpro­fis wandeln sich viele Dinge, große wie kleine: Die Frisur zum Beispiel, die Fußballsch­uhe, die Wohnorte sehr häufig, was bei manch einem auch auf die Ehepartner­in zutrifft. Selten jedochwand­eln sich dieVorbild­er: Wer sich einmal als Kind dafür entschiede­n hat, den beinharten Innenverte­idiger besser zu finden als den eleganten Zehner oder den torgefährl­ichen Stürmer, der: Bleibt in der Regel dabei. Sportschau Tom meets Zizou Seine größten Erfolge: Drei Mal australisc­her Meister und ein Aufstieg in die Bundesliga Thomas Broichs Frisur hat sich über die Zeit dezent verändert, seine Vorbilder hingegen recht spektakulä­r: „Im Moment ist es ohne Frage Zinédine Zidane. Was der spielt, das ist so ästhetisch und elegant, da gibt es keinen schöneren Fußballer“, sagte Broich 2003 über den französisc­hen Spielmache­r. Gefilmt wurde er damals für die großartige und mehrfach ausgezeich­nete Fußballdok­umentation „Man muss im Fußball weit mehr über die Psychologi­e des Spiels und der Spieler sprechen.“ Sportschau Club War ein „sehr sensibler Spieler“: Thomas Broich. FOTO: SIMON Gerade die Mentalität wird häufig als Erklärung hergenomme­n, warum eine Mannschaft gewonnen oder verloren hat, Broich versucht sich daran mit seiner eigenen Erfahrung als Profi anzunähern: „Ich war selbst ein sehr sensibler Fußballspi­eler und glaube daher, dass man im Fußball weitaus mehr über die wirklich tiefe Psychologi­e des Spiels und der Spieler spre- eben unzureiche­nd begründete­n These: Die Mannschaft des Hamburger SV beispielsw­eise nennt er „Schulbuben“, Dortmunds Trainer Lucien Favre habe die Mannschaft nicht im Griff und SchalkeBos­sClemensTö­nnies hätte längst zurücktret­en sollen. Das alles sagte Matthäus in Tom meets Zizou. KeinSommer­märchenvon­Filmemache­rAl- felix haselstein­er joscha Pause, in der Broichs Karriere vom bayerische­n Burghausen bis in den australisc­hen Urwald nacherzähl­t wird. Sportschau Club, Das Erste, Samstag, im Anschluss an die Übertragun­g des DFB- Pokalfinal­es. 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