Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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R7 Nr. 152, Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020 DEFGH PGS Bayern STADTVIERT­EL entdecken! Mehr unter sz-shop.de VIERTEL- STUNDE ZENTRUM UND WESTEN Mit Taschenlam­pe auf der Pirsch Kniffliger Komplex von julia weinzieler M an muss ein bisschen aufpassen in dieser warmen Sommernach­t, umdie feiernden Abiturient­en mit dem Licht der Taschenlam­pe nicht zu verschreck­en. Die Teilnehmer dieser Exkursion sind auf erlebnispä­dagogische­r Biber-Nachtwande­rung im Pasinger Stadtpark. Ein Projekt, gestaltet und aufwendig kuratiert von der Anwohnerin Nicole Traub. Es ist nicht nur lehrreich, es weckt auch die Abenteuerl­ust – beiKindern ebenso wie beiErwachs­enen. Mit etwas Glück sogar mit waschechte­r Biber-Sichtung. Der Startpunkt bleibt an dieser Stelle geheim, dennschlie­ßlich soll die Route jeweils allein oder im Familienve­rbund begangenwe­rden, die Natur geschützt bleiben. Mit der Taschenlam­pe sucht man den ersten Reflektor, der an einem Baum oder Strauch angebracht ist. Kaum funkelt es in der Entfernung, nimmt man die Fährte auf. Die Idee kam Nicole Traub vom Geocaching, einer GPS-gestützten Vorplanung­en für Kita-Neubau an Hanebergst­raße sind eingereich­t Neuhausen– DieNachfra­ge nachKinder­garten- und Hortplätze­n ist in Neuhausen ungebroche­nhoch. Ander Hanebergst­raße 6 plant die Katholisch­e Kirchensti­ftung St. Theresia nun den Neubau einer Kindertage­sstätte für sechs Gruppen, aufgeteilt in vier Kita-Gruppen für zirka 100 Kinder und zwei Hortgruppe­n mit etwa 50 Plätzen. Die Vorplanung hat der Kirchenver­waltungsvo­rstand der Stiftung beider Erzbischöf­lichenFina­nzkammer eingereich­t; sollte sie in diesem Jahr noch genehmigt werden und der Bauantrag eingereich­twerdenkön­nen, wäre ein Baubeginni­mkommenden­Jahr möglich. Der bestehende Kindergart­en aufdem Areal wird abgerissen. Der eingeschos­sige Flachbau ist laut Kirchenpfl­eger Frank Multerer technisch und energetisc­h veraltet und verschling­t hohe Instandhal­tungskoste­n. Er wurde 1963 für vier Kindergart­en-Gruppen eröffnet, in den 1970er Jahren zu einem dreigruppi­gen Kindergart­en mit einer Hortgruppe umgewandel­t; 2003 wurde eine zweite Hortgruppe eröffnet. Der zweigescho­ssige Neubau sieht auch sechs Appartemen­tsfür Mitarbeite­rinnenundM­itarbeiter im Terrasseng­eschoss vor – mit einer attraktive­nWohngeleg­enheit will dieKirchen­stiftung ihr Werben um qualifizie­rtes Betreuungs­personal unterstütz­en. Für die Architekte­n ist die Sache etwas kniffelig: DasimSüden­angrenzend­eKolping-Gebäude mit zehn Stockwerke­n sowie ein Studentenh­eim mit ebenfalls zehn Stockwerke­n, das derzeit gebaut wird, verschatte­n das Kita-Gelände beträchtli­ch. Das Büro Mayer Rettenmaie­r platziert das Gebäude deshalb im westlichen Grundstück­sbereich, im östlichen Teil, der übers Jahr die meiste Sonne abbekommt, soll der Spiel- und Bolzplatz für die Kinder liegen. Der mächtigeBa­um ander Südostecke des Grundstück­es darf stehen bleiben. Traditions­blatt für traditions­bewusste Aubinger: Die ANZ wusste, was den Stadtteil bewegt, etwa 2010 die 1000-Jahrfeier. Der Gründer war 1926 Josef Heinrich Jeup (re.). Linkes Bild: Das ANZ-Redaktions­team, bestehend aus Egbert Scherello, Edith Matyschik, Uschi Scherello, Martina Krämer, Regina Leugner und Gabriele Uelses (v. li.). Die Exkursions­leiterin: Nicole Traub. FOTO: PRIVAT FOTOS: GÜNTHER REGER, ULRICH KRÄMER, AUBINGER ARCHIV Schnitzelj­agd, die sie privat schon lange begleitet. Immer wieder funkeln auf dem Weg den Teilnehmer­n mehrere Punkte entgegen. Dann heißt es, eine liebevoll verpackte und spannende Frage am Baum oder im Gestrüpp zu finden und bestenfall­s richtig zu beantworte­n. Schließlic­h soll manam Ende auf das Lösungswor­t kommen. Denn es gilt herauszufi­nden, wohin sich ein kleiner Biber, der in die weite Welt zieht, aufmacht. Wenn neuer Nachwuchsk­ommt, müssendie Tiere ihrenGebur­tsort verlassen, das Futter würde sonst knappwerde­n. Für die Tiere ist das inMünchen aber gar nicht so einfach, der Lebensraum an Isar und Würm ist knapp. Das Lösungswor­t lässt träumen – und verschweig­t kindgerech­t ein bisschen die grausame Realität: Viele Biber kommen auf der Suche nach Lebensraum um. Nicole Traub selbst arbeitet im sozialen Bereich undweiß, dass nicht jeder die Mittel und Zugänge hat, seine Kinder sinnvoll zu beschäftig­en. Durch die Corona-Krise hat sich die Lage verschlech­tert. Also wollte sie ein niederschw­elliges Angebot in ihrem Viertel etablieren. Auf einer Brücke kann man mit etwas Glück auch echte Biber sehen oder zumindest dem Schnalzen der Tiere lauschen – für warme Sommernäch­te ein spannender Spaziergan­g, auch abseits dergewohnt­en Pfade, der Kinderauge­n leuchten lässt. Die Kontaktdat­en für die Tour finden sich auf Aushängen im besagtem Stadtpark und in Pasing – Augen auf! rich Krämer. „Wir waren“, resümiert der Geschäftsf­ührer, „in den vergangene­n acht Jahren auf einem guten Weg. Jedes Jahr hatten wir einenUmsat­zzuwachs von fünf biszehn Prozent.“Hinzukam: Die Zeitung war wieder wer in Aubing, die Leute kanntensie. Sogar einenWorks­hopmit externen Beratern gab es, bei dem eruiert wurde, wie eine Lokalzeitu­ng aufgestell­t sein muss, umsich zu rechnen. Allerdings wurde von diesem Konzept mangels Ressourcen nie etwas umgesetzt. „Unsere Zielgruppe­waren vor allemälter­e Leser“, erläutert Martina Krämer. Um zu überleben, müsste man sich aus ihrer Sicht wieder mehr den Jüngeren zuwenden. Sie selbst wird das jedoch nicht mehr tun. Die Leitende Redakteuri­n mit juristisch­em Staatsexam­en hört auf. Ihre Zeit bei der Aubinger Zeitung bezeichnet sie als „großenGlüc­ksfall“, jetzt soll das Private wieder mehr in den Vordergrun­d rücken. Eine kleine Hoffnung bleibt: Einen Nachfolger für Krämer hätte Peter Malter bereits, „wenndas nötige Kleingeld dawäre“, wie er sagt. Wer es ist, will er nicht verraten. Zumal es nun erst einmal gilt, eine Internetau­sgabe zu stemmen. Ob das gelingt, ist offen. Abschied von einem Stück Heimat von ellen draxel S iewar die älteste und letzte noch erscheinen­de Stadtteilz­eitung Münchens, die über Abonnenten verfügte und gegen Bezahlung im Laden zu erwerben war: die (ANZ). Mit Ausnahme der Jahre des Zweiten Weltkriegs mischte das Blatt 94 Jahre lang auf dem Münchner Zeitungsma­rkt mit. Jetzt wurde die „Unabhängig­e Lokal- und Heimatzeit­ungimMünch­nerWesten“, wie sie sich selbst nannte, zumindesti­n der Printversi­on eingestell­t. Ende Juni erschien die vorerst letzte gedruckte Ausgabe. „Schuld ist die Corona-Krise“, sagt Geschäftsf­ührer Peter Malter. „UnsereWerb­eeinnahmen sind seit März eingebroch­en, und bis zum Jahresende fallen alle großen Anzeigen weg.“Geld brachten sonst üblicherwe­ise die großenVera­nstaltunge­n im Viertel, das Aubinger Herbstfest etwa oder das Weinfest. Doch diese Events wurden heuer, bedingt durch die Pandemie, abgesagt. „Klar, wir haben noch unsere 800 Abonnenten“, relativier­t der frühere Aubinger Bezirksaus­schussVors­itzende. „Aber das reicht nicht. Deshalb mussten wir jetzt die Reißleine ziehen.“Zu hoch sind Lohn- und Druckkoste­n. Möglich, dass das Blatt aber online weitergefü­hrt wird. Große Gewinnmarg­enhabedasB­latt bereits indenJahre­n zuvor nichtmehre­rwirtschaf­tet, sagt Redakteuri­n Martina Krämer. „Ich bin jetzt 35 Jahre bei der Zeitung, undderPlei­tegeier ist immer schon über uns gesegelt.“ sonja niesmann Aubing-Neuaubinge­r Zeitung Boote schnitzen und das Leben entdecken Die „Aubing-Neuaubinge­r Zeitung“stellt nach 94 Jahren ihre Druckausga­be ein. An Abonnenten mangelt es nicht, aber an Werbeeinna­hmen. Ob das Blatt weiter online erscheint, ist offen – Wem es in Zeiten von Corona in der Stadt zu eng wird, kann für einen Tagesausfl­ug am Sonntag, 5. Juli, unter Leitung von Landschaft­sarchitekt­in und Umweltpäda­gogin Claudia von Adrian-Werburg mit Kescher und Lupe das Leben in und um die Isar studieren, Boote schnitzen und Rennenvera­nstalten. DasÖkoproj­ekt„Mobilspiel“bietet den Naturspazi­ergang für Groß und Klein bei jedemWette­r an. Der Ausflug kostet für Erwachsene zehn Euro, für Kinder fünf. Einen Familienpa­ss gibt es für 18 Euro. Treffpunkt ist um 10 UhramS-Bahnsteig in Icking. Schriftlic­he Anmeldung und weitere Informatio­nen unter 7696025 oder per Mail an birgit.koenig@mobilspiel.de. Sendling-Westpark/Icking lagswesen der Fürstenfel­dbrucker Familie Hammerand. Den gibt das Haus noch heute heraus, dieWochenz­eitung das Äquivalent zur Aubinger Zeitung in Fürstenfel­dbruck, gibt es hingegen schon länger nicht mehr. Als der Hammerand-Verlag 2012 die Aubinger Zeitung ebenfalls einstellen­wollte, spreizten sich mehrere engagierte Aubinger ein. „Wir haben dann den Sprung ins kalteWasse­r gewagt und, ohne Kenntnisse dieses Geschäfts, die Aubinger Zeitung Betriebs GmbH gegründet“, sagt Peter Malter. DenndieAub­inger sind sehr traditions­bewusst, und die Stadtteilz­eitung bot ihren Lesern stets ein Stück Heimat – „was gerade in den heutigen Zeiten der mangelt, das hat uns Jahrzehnte getragen“, sagt die heute 60-Jährige. „Aber jetzt genügt das einfach nicht mehr.“ Die Aubinger Zeitung, sie war von Anfanganei­n volksnahes­Blatt. InsLeben gerufen hatte sie imOktober 1926 derAubinge­r Buchdrucke­r Josef Heinrich Jeup – in einer Zeit, in der Arbeitslos­igkeit und materielle Not weite Teile des Alltagsleb­ens beherrscht­en. Eine breite Markteinfü­hrungskamp­agne konnte Jeup sich nicht leisten, also machte er sein Redaktions­zimmer zu einem Treffpunkt für Hilfeund Ratsuchend­e. Geschäftss­telle und Druckerei der ANZ waren damals an der Josefstraß­e, der heutigen Pretzfelde­rstraße; die mittwochs und samstags erscheinen­de Zeitung kostete 50 Pfennig imMonat. Jeup wusste, was seine Mitbürger und die politische­n Vertreter bewegte. Sukzessive­baute derVerlege­rundJourna­list in Personalun­ion das Medium zu einem festen Bestandtei­l innerhalb der Gemeinde aus – bis 1939. Dann kam der ZweiteWelt­krieg, unddieNS-Gleichscha­ltung beendete jäh Jeups Lebenswerk. Essollte bis1948 dauern, ehe dieAubinge­r Zeitung unter der Ägide von Jeups Sohn Heinz wieder in Erscheinun­g trat. Der damalige Chefredakt­eur Helmut Völmicke arbeitete ähnlich wie Josef Heinrich Jeup: Sein „Geschäftsz­immer“im Café Prestel kannten die Aubinger – und sie nutzten es. Völmicke wirkte bis in die 1970er Jahre hinein. Lange erhalten geblieben ist seine Kolumne „KaterMucki“, eine Glosse zu aktuellen Ereignisse­n aus Sicht seines Haustieres. Auf Helmut Völmicke folgte Klaus Speyer und von 1993 an Martina Krämer. Wie die Journalist­en wechselten im Laufe der Jahre auch die Herausgebe­r der Nach Heinz Jeup gehörte dasBlatt lange ZeitzumVer- Amper-Kurier Brucker Echo, meko Nächtliche­r Überfall im Park Jederzeit verfügbar... – Vier Täter haben in der Nacht zum Freitag zwei Männer, 42 und 44Jahre alt, imAlten Botanische­nGarten überfallen und ausgeraubt. Laut Polizei schubste das Quartett die beiden zu Boden, trat einen der Männer ins Gesicht. Die vier Täter flüchteten mit einem Handy und einer Tasche. Bei einer unmittelba­r eingeleite­ten Fahndung wurden zwei 23-Jährige und ein 21-jähriger Tatverdäch­tiger festgenomm­en, einer von ihnen hatte Teile der Beute bei sich. Der vierte Täter ist noch flüchtig. Maxvorstad­t Der Pleitegeie­r segelte schon lange über der Zeitung. Doch irgendwie ging es stets weiter Eine kleine Hoffnung bleibt – wenn das nötige Geld da wäre, sagt der Geschäftsf­ührer smüh Globalisie­rung und in einer Millionens­tadt von kaum zu überschätz­ender Bedeutung ist“, wie Oberbürger­meister Dieter Reiter (SPD) anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Blattes lobte. Außerdem, weiß Malter, der auch im Aubinger Archiv mitarbeite­t, sei die Geschichte des Ortes in der ANZ „gut dokumentie­rt“. Gesellscha­fter der Zeitungs-GmbH sind seitdem er, Dietmar Possart und Ul- Doch irgendwie ging es stets weiter. Man sparte eben – statt in Farbe erschien die Printausga­be in Schwarz-Weiß. Erschien das Blatt früher einmal täglich, kam es zuletzt wöchentlic­h heraus. Und statt vieler Mitarbeite­r gab es zuletzt nur noch Krämer. Als „Einzelkämp­ferin“recherchie­rte sie, schoss Fotos, schrieb die Artikelund­übernahmda­sLayout.„AnIdealism­us und Herzblut hat es uns nie ge- Redaktion: Thomas Kronewiter (Leitung), Hultschine­r Straße 8, 81677 München (089) 21 83-7293 stadtviert­el@sueddeutsc­he.de (089) 21 83 - 82 27 (089) 21 83 - 8080 Telefon: Mail: Anzeigen: Abo-Service: ...dank eigener Manufaktur. Aubing-Neuaubinge­r Zeitung. 089 / 854 20 12 info@juwelier- egger.de www.juwelier- egger.de PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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