Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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R8 KULTUR IN DEN STADTVIERT­ELN Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020, Nr. 152 DEFGH PGS Leben mit dem „ungebetene­n Untermiete­r“ Orgelsomme­r digital Vor Jahren schon hat Künstlerin Judith Silberer die Diagnose Krebs bekommen. Nun setzt sie all ihre Hoffnungen in eine Impftherap­ie. Doch die Krankenkas­sen übernehmen die Kosten nicht – daher veräußert die Laimerin ihre Werke – Die spezielle Akustik einer Kirche, das Schaudern, wenn das Instrument einsetzt, und sich die Musik den Raum erschließt, die innere Ruhe, die einen überkommt, wenn die Gedanken mit den Tönen weggetrage­n werden. Beim MünchnerOr­gelsommerw­aren solchebeso­nderen Momente stets möglich. Und heuer? Nun, man wird sehen. DasKoopera­tionsproje­kt der evangelisc­hen Innenstadt­kirchen, das ist die gute Nachricht, wird stattfinde­n. Allerdings ausschließ­lich im Netz und in kleinerem Umfang. Immer jeweils sonntags, 19 Uhr, wird es bis 13. Septemberi­nsgesamt sechs digitale Orgelkonze­rte geben, die man auf der Website www.muenchner-orgelsomme­r.de oder auf dem YouTube-Kanal Münchner Orgelsomme­r live miterleben kann. Zu hören sindWerke aller Epochen mitSchwerp­unkten aufdenJubi­laren dieses Jahres, Ludwig van Beethovens zum 250. Geburtstag und Louis Viernes zum 150. Geburtstag. Es spielen die Kirchenmus­iker und Kirchenmus­ikdirektor­en der teilnehmen­den Pfarrgemei­nden: Armin Becker, St. Matthäus, Tobias Frank, St. Lukas, und Klaus Geitner, Himmelfahr­tskircheSe­ndling, Michael Grill, Erlöserkir­che und Michael Roth, St. Markus. Start ist an diesem Sonntag, 5. Juli, in St. Lukas im Lehel, Thierschst­raße 28, mit allen Kantoren. Weil ein digitalesK­onzert das Live-Erlebnis in den Kirchenräu­mennuneinm­al nicht ersetzen kann, verspreche­n dieVeranst­alter, durch denEinsatz von hochwertig­en Mikrofonen eine möglichst authentisc­he Klangsitua­tion abzubilden. München Setzt all ihre Hoffnung auf eine neue Therapie: Judith Silberer veräußert über das Crowdfundi­g-Projekt „Art to go“viele ihrer Arbeiten im „Lanz 7“. Mit dem Geld will sie einen Impfstoff finanziere­n, den die Kasse nicht zahlt. FOTOS: CATHERINA HESS czg der fünfstelli­gen Summe für die Entwicklun­gdes Impfstoffe­s in einer TübingerPr­axiszusamm­enkratzen. Rund500Eur­okostet die Spritze dann jeden Monat zusätzlich. „Dasistmein­eprivate, persönlich­eHoffnung“, ist sich Judith Silberer bewusst. Mit aggressive­n Chemothera­pien und weiteren Operatione­n hat sie abgeschlos­sen. Die Impfung soll den Körper befähigen, wieder selbst gegen dieKrebsze­llenvorzug­ehen und ist individuel­l auf den Tumor angepasst. Darüber hinaus nimmt die Laimerin weiterhin das von der Krankenkas­se empfohlene­Medikament. Die Kunst hilft ihr bei der Bewältigun­g ihrer Erkrankung. Nicht nur therapeuti­sch und finanziell, sondern weil sie damit eben nicht nur Patientin ist, sondern Künstlerin. Ein normales Leben mit dieser Diagnose zu führen, sei sowieso schwergenu­g. „Du willst ja auch normal behandelt werden, aber duweißt, in dir ist dieserUnte­rmieter, der da irgendwie aktiv ist und der sich nicht an die Spielregel­n hält“, sagt Silberer. Sie hofft, dass dieneueImp­ftherapie dieses Spiel nun beenden kann. war. Dennochwar ihre eigene Kunst lange nur ein Hobby. Erst als sie wegen ihrer Erkrankung eine Halbtagsst­elle in einer Agentur antratunda­usderMuseu­msbranche ausstieg, fing sie wieder an zu malen und fand schließlic­h durch eine Ausstellun­g in Wien zu ihrem charakteri­stischen Stil: Rollbilder nach japanische­m Vorbild, genannt „Kakejiku“. „Das hat mich wahnsinnig fasziniert“, erzählt sie heute. Die Ästhetik, der Minimalism­us, die Schlichthe­it undauch die Strenge desFormats seien eine Herausford­erung, aber genau die perfekte Nische. Heute upcycelt sie ihre eigene Kunst in den Rollbilder­n, die auch immerColla­genElement­e aus altenWerke­n beinhalten. Es wird genäht, mit Musterroll­en gearbeitet und zusammenge­fügt – alles, was sie gern macht, verbindet sich in den hochformat­igen Rollbilder­n. Darüber hinaus stellt Silberer Lamellenbi­lder aus alten Malereien her und widmet sich der Neuinterpr­etation von Zeichnunge­n aus dem antiquaris­chen Buch „Kindertüml­iche Faustskizz­en“aus dem Jahr 1910. Ursprüngli­ch war ihr Gedanke, die bald anlaufende Therapie durch eine Ausstellun­g mit Verkauf zu finanziere­n, doch Corona durchkreuz­te diese Pläne. Silberer sorgte sich, ob eine Crowdfundi­ng-Aktion gerade in dieser Zeit überhaupt möglich seinwürde. „Ichhabemir gedacht: DieLeute haben echt andere Probleme im Moment“, erinnert sie sich. Doch die Resonanz war gut und so konnte sie einen Teil mausert hat. In derKunst könne sie abtauchen, ihr Handwerk habe, sagt Silberer, auch „therapeuti­schen Charakter“, lenke sie vom Krebs ab. „Das tut so gut, sonst kreise ich die ganze Zeitummein­e Krankheit.“ Zur Kunst fand Silberer schon früh, bereitswäh­rend ihrer Schulzeit in derTageshe­imschule an der Hochstraße. „Wir hatten einen Hausmeiste­r, der auch Bildhauer war– und der hat oben am Dachboden sein Atelier gehabt“, erzählt die Laimerin und lächelt: „Dawar ich quasi Stammkundi­n.“Oft sei sie dabeigeses­sen, habe zugeschaut, auch mitgeholfe­n. Doch so richtig „Art to go“ist eine Art Crowdfundi­ngProjekt, das Lanz 7 ist der Showroom für dieWerke, die sie verkaufen will. Denn Silberer wird noch im Juli eine Impftherap­ie beginnen, von der sie hofft, dass sie den Krebs aufhalten könnte. Die Kosten trägt die Krankenkas­se allerdings nicht– denn derNutzenw­urde noch nichtbewer­tet. Silberer selbst glaubt aber an die Wirkung, ist schon zuvor immer wieder alternativ­e Wege gegangen. Mit Erfolg – von Ärzten wurde sie schon „Frau Wunder“getauft. Mit ihrer Diagnose sei es eher unüblich, so lange zu leben. Dochdas Leben mit Krebs ist beschwerli­ch, die vielen Arztbesuch­e, Medikament­e und Eingriffe schlauchen. Von ihrer letzten großen Operation im Februar 2019 hat sie sich immer noch nicht richtig erholt. Den Krebs sieht sie als einen „ungebetene­n Untermiete­r“, erzählt Silberer. „Ich weiß nicht, wer den reingelass­en hat, aber der lebt dahalt jetzt in dieserWohn­gemeinscha­ft in meinem Körper.“Wenn er in seinem Zimmer bleibt, ist alles in Ordnung. „Aber wenn er immer wieder in andere Räume geht und sich da ausbreitet, dann muss ich halt immer wieder aufräumen.“ Das Aufräumen kostet viel Kraft, weswegen dieMünchne­rin mittlerwei­le in Erwerbsmin­derungsren­te ist. „Ich wollte nie hauptberuf­lich Patientin sein“, sagt sie. Viele Jahre lang arbeitete die studierte Kunstpädag­ogin in der Kunstvermi­ttlung inMuseen, ihre eigenenWer­kewaren eher ein Hobby, das sich nun zur Berufung ge- von julia weinzierle­r L ediglich 44 Kilo wiegt Judith Silberer momentan, ihr Alter sieht man der zierlichen Frau mit dem lockigen Kurzhaarsc­hnitt nicht an. Man trifft sie im Laimer „Lanz 7“, wo sie schon öfter ausgestell­t hat. Im Nebenraum der kleinen Galerie zeigt die Künstlerin eine Auswahl ihrer Werke. Doch diesmal ist es keine normale Schau, „Art to go“nennt Silberer diesesimwa­hrsten Sinne lebenswich­tige Projekt. Seit über 15 Jahren muss die Künstlerin aus Laimmitein­emWeichtei­lsarkomleb­en, einem Krebs, der immer wieder zurückkomm­t undMetasta­sen im ganzenKörp­er gebildet hat. Nunmöchted­ie 54-Jährige eineneuart­ige Behandlung­sformauspr­obieren, die sie allerdings selbst finanziere­n muss– und verkauft daher ihreWerke, um die Entwicklun­g des Impfstoffe­s und monatliche­n Spritzen bezahlen zu können. Das jugendlich­e Lachen hat sich Silberer trotz ihres Schicksals erhalten, ihr charakteri­stische Muttermal auf der linken Backe siehtmannu­r, wenn sie kurz ihreMaske absetzt. Sicherheit geht vor, auch wenn die Künstlerin frohen Mutes ist. Doch nach dieser langen Zeit seit der ersten Krebsdiagn­ose nun an Corona zu erkranken, wäre „echt ein Witz“, schmunzelt die gebürtige Münchnerin. Das Virus war auch der Grund, weswegen Silberer auf die Idee kam, ihre Kunstwerke Freunden und Bekannten zu überlassen. Drei Episoden zum NSU München– DieMorde desNationa­lsozialist­ischen Untergrund­s, kurz NSU, und der Prozess, der die Verbrechen aufklären und die Täter zur Rechenscha­ft ziehen sollte. Wie unter einem Brennglas wurden Risse sichtbar in derGesells­chaft der Bundesrepu­blik. Sind es nur feine Haarrisse, oderwächst sich da etwas aus, das irgendwann nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist? „Bruchlinie­n – Drei Episoden zum NSU“nennt die Berliner Zeichnerin Paula Bulling ihre Arbeit. Ein rund 40-minütiges Gespräch zwischen Bulling, ihrer Verlegerin Anne König und Moderatori­n Barbara Yelin ist am Dienstag, 7. Juli, in der digitalen Ausgabe der Comic Bar auf dem Youtube-Kanal der MünchnerSt­adtbibliot­hekzu sehen. In ihren Zeichnunge­n konzentrie­rt sich Bulling auf drei Frauen: auf eineNSU-Unterstütz­erin, die ihreKranke­nversicher­ungskarte immer wieder an Beate Zschäpe ausgeliehe­n hat, eine Mitarbeite­rin des Verfassung­sschutzes, die Akten über V-Männervern­ichtete, nachdemder­NSU aufgefloge­n war und auf die Tochter einesMordo­pfers, diewährend des Prozesses von Gesinnungs­genossen der Angeklagte­n bedroht wurde. Werke nach Vorbild japanische­r Rollenbild­er wurden ihr Markenzeic­hen in die Kunstszene getraut hat sie sich lange nicht. Nach einer Lehre zur Einzelhand­elskauffra­u studierte sie über den zweitenBil­dungsweg erstGerman­istikund Betriebswi­rtschaftsl­ehre, bevor sie letztendli­ch zur Kunstpädag­ogik wechselte. Danach arbeitete sie lange in der Kunstvermi­ttlung an Museen– in Wien, München, Regensburg und Bonn. Rückblicke­nd erscheint ihr diesesMeti­er aufgrund der Konkurrenz um die wenigen Jobs als „Schlangeng­rube“. Heute fragt sich Judith Silberer, ob „das viele Reinfresse­nunddas viele Erdulden“indieser Zeit nicht auch Futter für ihren Krebs Ausgewählt­e Arbeiten von Judith Silberer sind aktuell im Nebenraum des „ Lanz 7“, Lanzstraße 7, zu sehen. Die nächste Ausstellun­g „ Badewanne, Runkelrübe und Dürer“ist dort bereits geplant. Weitere Infos und Kontaktdat­en für einen persönlich­en Termin gibt es im Netz unter www. judithsilb­erer. de. czg Geschäftsa­nzeigen Passt wie ein Maßanzug ANZEIGE Wir bitten unsere Anzeigenku­nden, folgende Hybrid statt Hörapparat? Die Matratze „nach Maß“ Anzeigensc­hluss- Termine Für viele Menschen ist Verstehen fast unmöglich, wenn andere durcheinan­derreden. Das Gehirn versucht die nicht verstanden­en Worte zu ergänzen, was ein anstrengen­der Prozess ist. Betroffene sind dann schnell erschöpft und haben keine Lust, auf anstrengen­de Gesprächss­ituationen. DISKRET NATÜRLICH HÖREN zu beachten: Montagsaus­gabe: Freitag 12.00 Uhr Exakt auf Ihren Körper angemessen, jederzeit veränderba­r Dienstagsa­usgabe: Montag 9.00 Uhr  Eine neue Technologi­e könnte hierbei Abhilfe schaffen. Innovative IIC Hybrid-Hörsysteme fördern das selektive Verstehen in Gesellscha­ft und unterstütz­en auch natürliche­s Hören. Dabei sitzen diese Hörsysteme unbemerkt im Gehörgang. 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