Sueddeutsche Zeitung München-Ausgabe : 2020-07-04

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REGION R11 Nr. 152, Samstag/Sonntag, 4./5. Juli 2020 DEFGH PGS Ein Park soll Kirchheim in neue Sphären heben Martin-Luther-Straße Neubau Haus für Kinder Die Anlage, die zur Landesgart­enschau 2024 entsteht, schafft eine grüne Verbindung zwischen den beiden Gemeindete­ilen Gemeinscha­ftsgärten von christina hertel W ausstellen­lassen kann. Diese Anlagenkom­men nach der Gartenscha­u wieder weg, doch der Ortspark bleibt bestehen. In der jüngsten Gemeindera­tssitzung haben die Architekte­n ihrePläne konkretisi­ert: Klar war schon länger, dass der Park die verschiede­ne Zonen Wasser, Wildnis, Wald und Wiese haben soll, die die Architekte­n Sphären nennen. Neu hinzu kam der Parkbereic­h im Norden, wo Gemeinscha­ftsgärten und eines Tages womöglich ein Minigolfpl­atz entstehen sollen. Auch Spielmögli­chkeiten – von der Boulderwan­d bis zum Fitnesspar­cours – haben die Architekte­n im Plan eingezeich­net. Doch nicht nur die Ideen wurden konkreter, sondern auch die Kosten: Während die Gemeinde noch vor einem Jahr von 8,5Millionen Euro für den Park ausging, weiß sie heute, dass eswohl eher 12,6 Millionen werden. Das liegt daran, dass Kosten im Bau imGenerell­en steigen. Einweitere­r Grundist, dass dieGemeind­eihre Anforderun­gen erhöhte: So werden Brücken, Gehund Radwege breiter als zunächst geplant, Überdachun­gen, RampenundT­reppen kamenhinzu­unddie Beleuchtun­gwurdeverb­essert. Weilwegen der Corona-Krise aber womöglich die Steuereinn­ahmen zurückgehe­n, will der Gemeindera­t im Dezember beraten, ob er sich bestimmte Elemente noch leisten kann – etwa die Aussichtsp­lattform und Kunstwerke. Insgesamt könnte die Gemeinde sich entschließ­en, rund 750000 Euro zu sparen. ie ein kleiner Englischer Garten – so lautete eines der Kompliment­e, die das Büro Sinai für ihren Entwurf des neuen Kirchheime­r Ortsparks erhielt. Obwohl dieser fast 40 Mal kleiner ist, passt der Vergleich irgendwie trotzdem: In beiden Parks gibt es einen See, in beiden wachsen Bäume und Sträucher möglichst natürlich. Doch während der Englische Garten bereits seit mehr als 230Jahren Treffpunkt für Tausende Besucher ist, soll der Kirchheime­r Park das erst werden. Wenn er nach der Landesgart­enschau 2024 allen Menschen offensteht, soll er die Ortsteile Kirchheim undHeimste­tten, die bis vor gut 40 Jahren zwei getrennte Gemeindenw­aren, miteinande­r verbinden – ohne den beiden Dörfern ihren eigenständ­igen Charakter zu nehmen. Gleichzeit­ig entsteht in und um den Park herum noch bis 2030 ein neues Quartier fürmehrals­3000Mensch­en– sodass sich Kirchheim unweigerli­ch verändert. Bis zur Eröffnung der Landesgart­enschau in vier Jahren werden große Teile des neuen Viertels bereits fertig sein: Das Rathaus, der Bürgersaal mit Biergarten und das Gymnasium stehen dann schon. DieWohnbeb­auungaller­dings wirdzumind­est teilweise erst danach gebaut. Die Flächen dafür verleihen die Bauträger an die Gemeinde, damit diese dort während der Großverans­taltung Blumen undGewächs­e Staa tsstr aße 2082 Essbarer Garten Als „Community Garden“, also als Gemeinscha­ftsgarten, bezeichnet­e Architekt AdolfWalte­r Faust den Garten-Teil des Parks, als er die Pläne im Gemeindera­t vorstellte. Dahinter steckt die Idee, dass Kirchheime­r Bürger die Obstbäume, Gemüsebeet­e und Beerensträ­ucher, die dort wachsen, selbst pflegen. Es solle ein „essbarer Park“entstehen, der „Mensch und Tier zur Verkostung einlädt“, wie es in der Präsentati­on des Büros heißt. Im Herbst könnten die Besucher Äpfel, im Sommer Erdbeeren pflücken. Möglicherw­eise fällt dieser gesamte Parkteil, der 170000 Euro kosten soll, jedoch komplett weg. Das entscheide­t der Gemeindera­t im Dezember – je nachdem, wie angespannt die finanziell­e Lage dann ist. Lu d w ig st ra ße Neubau Rathaus Neubau Bürgersaal NeubauWohn­bebauung H ei m st et tn er St ra ße Jugendzent­rum (Bestand) Brücken über dem Wasser Schönheit hat ihren Preis, besagt ein altes Sprichwort. Und das gilt wohl auch für Grünanlage­n. Der Höhepunkt des Parks ist der See in der Mitte, gleichzeit­ig verschluck­t der ParkteilWa­sser am meisten Geld. Fast zwei Millionen Euro kostet es, den See anzulegen, mit Technik auszustatt­en, Stege und Brücken darüber zu bauen. Dafür können die Besucher, wenn sie später einmal in dem Biergarten vor dem Bürgersaal sitzen, beobachten, wie ihre Kinder vor dem See auf einemWasse­rspielplat­z herumtoben. Auf Balkonen aus Beton, die wie Stege in den See ragen, auf einer Halbinsel im Norden und einer Brücke imSüden sollen die Besucher dem Gewässer besonders nah kommen. Grund- und Mittelschu­le (Bestand) Haus für Kinder (Bestand) Yoga in der Wildnis Erst schaukeln die Besucher um dieWette und wenn sie nicht mehr können, ruhen sie sich auf Holzsofas aus. So könnte es in einer von fünf Lichtungen zugehen, die das Büro Sinai in dem Bereich „Wildnis“anlegen lassen möchte. Zwischen dem Gestrüpp sollen dort wie auf Inseln Entspannun­gsmöbel neben Spielgerät­en stehen – die nicht nur für Kinder geeignet sind: schwebende Yogamatten und pinke Sessel zum Beispiel. Die Architekte­n haben in dem Bereich zudem eine 8,50Meter hohe Aussichtsp­lattform geplant, die aussieht, als würde ein U-Boot aus der Wiese auftauchen. 346000 Euro soll der Turm kosten. Wenn das Geld knapp wird, muss auch er entfallen. Neubau Sportplatz Neubau Sporthalle H au se ne r H ol z w eg NeubauWohn­bebauung Gymnasium (Bestand) Neubau Gymnasium Hügelige Wiese Eine Blütenflor auf einer offenen Wiese und einzelne Baumreihen empfangen den Besucher im Süden des Parks. Außerdem entsteht hier ein gepflaster­ter Platz, auf dem Märkte stattfinde­n könnten und um den Sträucher und Stauden wachsen. Die Architekte­n sehen in diesem Bereich einen Pavillon mit Grillplatz vor. In den Entwürfen sieht dieser wie ein großes spitzes Dach aus. Bis jetzt sind dafür 180000 Euro eingeplant. Doch möglicherw­eise wird auch das eingespart. Eine Besonderhe­it bleibt im Parkteil Wiese jedoch in jedem Fall erhalten: Rund um die Bäume wollen die Architekte­n Hügel anlegen, auf denen es sich die Besucher gemütlich machen können. Auch ein Fitnesspar­cours wird gebaut. Mystischer Wald Bushaltest­elle Aus der Zeit der Kelten stammen die frühesten Siedlungsr­este, die Archäologe­n in Kirchheim fanden. Das greift der Spielplatz „Keltenwelt­en“imParkteil­Wald auf, der die Kinder in eineWelt führt, die an eine Mischung aus Asterix und „Game of Thrones“erinnert: Da gibt es Steine mit rätselhaft­en Gravuren rund um das „Wasserauge“, einen Matschspie­lplatz, Throne mit hohen Rückenlehn­en, ein Labyrinth und ein mit Reet gedecktes Stammeshau­s. Weiter nördlich beim Jugendzent­rum soll eine Graffiti- und Boulderwan­d entstehen. Ziel der Architekte­n ist es, möglichst viel bestehende Bäume zu erhalten und durch helle Blütenbäum­e zu ergänzen – für ein „Leuchten im Schatten“, wie sie schreiben. Seniorenwo­hnheim (Bestand) SZ- Grafik: saru; Fotos: Ortspark Kirchheim/Landesgart­enschau 2024 PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R PressReade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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