ROSKILDE/ODEN­SE

Sweet Paul - - Erste Seite -

Roskilde ist nur et­wa 30 Mi­nu­ten von der Haupt­stadt ent­fernt und bie­tet zwei Haupt­at­trak­tio­nen, die man auf kei­nen Fall ver­pas­sen soll­te: am Ha­fen ein Mu­se­um mit Wi­kin­ger­schif­fen aus dem 11. Jahr­hun­dert und ei­ne auf ei­nem Hü­gel in der Nä­he ste­hen­de Ka­the­dra­le aus dem 12. Jahr­hun­dert. Bei­de Se­hens­wür­dig­kei­ten er­mög­li­chen ei­nen Ein­blick in Dä­ne­marks Ver­gan­gen­heit. Die go­ti­sche Ka­the­dra­le war die ers­te ih­rer Art, die aus Back­stein ge­baut wur­de, und be­sticht durch ei­ne zu­rück­hal­ten­de, leich­te und den­noch be­ein­dru­cken­de Äs­t­he­tik – ein ex­zel­len­tes Vor­spiel für das funk­tio­na­le De­sign des mo­der­nen Dä­ne­marks. Das Wi­kin­ger­schiffs­mu­se­um zeigt ver­schie­de­ne al­te Schif­fe, die über 1000 Jah­re im Schlick des Ha­fens ver­bor­gen la­gen, so­wie span­nen­de Spie­le, Hand­ge­mach­tes, Werk­zeu­ge und Bräu­che die­ser Ära.

Mit dem Au­to oder Zug geht es wei­ter nach Oden­se, der dritt­größ­ten Stadt in Dä­ne­mark und Ge­burts­ort von Hans Chris­ti­an An­der­sen. Die ma­gi­sche Kraft sei­ner Ge­schich­ten ist in der fan­tas­ti­schen klei­nen Stadt mit ih­ren be­leb­ten Parks und Spiel­plät­zen, den ver­wun­sche­nen Flüs­sen und un­zäh­li­gen Eis­die­len noch im­mer fast übe­r­all spür­bar. Wer in Oden­se ist, muss un­be­dingt zu „Kram­bo­den“, was so viel wie „al­tes Läd­chen“be­deu­tet. Seit dem 17. Jahr­hun­dert wer­den in die­sem La­den all­täg­li­che Ge­brauchs­gü­ter wie Ge­schirrhand­tü­cher, Salz­streu­er, Ker­zen­leuch­ter, Töp­fe, klei­ne Spiel­zeu­ge und Sü­ßig­kei­ten ver­kauft. Seit je­her ist er im Be­sitz ein und der­sel­ben Fa­mi­lie. Ein Be­such ist Ge­schichts­stun­de und Ein­kaufs­er­leb­nis zugleich. Mit sei­nen vol­len Re­ga­len und den sicht­ba­ren Spu­ren der durch­leb­ten Jahr­hun­der­te ist der La­den ei­ne Fund­gru­be an In­for­ma­tio­nen. Sein Be­sit­zer, Jo­nas, be­ant­wor­tet ger­ne je­de Fra­ge und de­mons­triert da­bei sei­ne ganz ei­ge­ne Ver­si­on von Hyg­ge: „Si­cher hat noch nie ein Mensch am En­de sei­nes Le­bens ge­sagt, er wünsch­te, er hät­te mehr ge­ar­bei­tet. Das muss man im­mer im Hin­ter­kopf be­hal­ten, um die wert­vol­le Zeit mit der Fa­mi­lie wirk­lich zu schät­zen. Wir se­hen uns im­mer ge­mein­sam Fil­me an oder ge­nie­ßen ein wun­der­vol­les Ge­richt im Ker­zen­schein für ein wun­der­ba­res Hyg­ge. Un­se­re Kin­der er­in­nern uns au­ßer­dem im­mer wie­der dar­an, ei­nen Gang run­ter­zu­schal­ten.“ Das im 8. Jahr­hun­dert ge­grün­de­te Ri­be ist be­kannt als äl­tes­te Stadt Dä­ne­marks und wirkt mit sei­nen al­ten Ho­tels (uns hat das schö­ne Ho­tel „Dag­mar“am bes­ten ge­fal­len), krum­men Gas­sen, Pa­tis­se­ri­en und den an fast al­len Ein­gän­gen ran­ken­den Klet­ter­ro­sen wie ein nicht en­den wol­len­des Hyg­ge-Fest. Die klei­ne Stadt im Süd­wes­ten Jüt­lands ist ein tol­les Ziel für Fahr­rad­tou­ren. Das sym­pa­thi­sche Paar Li­ne und Le­on bie­tet mit sei­nen Ri­beFahr­rad­tou­ren (ri­be­bi­ke­tours.com) ei­nen ent­spann­ten Tag durch die Ge­schich­te und Er­in­ne­run­gen so­wie die neu­es­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten der Stadt. Die Tour be­inhal­tet ei­nen Stopp am Meer, ei­nen Blick in die Park­an­la­gen und ein köst­li­ches Pick­nick mit lo­ka­len Bie­ren, herz­haf­tem Kä­se, kros­sem Brot und fruch­ti­gem Ci­der, bei dem man sich herr­lich über die le­gen­dä­ren Cha­rak­te­re des idyl­li­schen Städt­chens un­ter­hal­ten kann. An der nörd­lichs­ten Spit­ze Dä­ne­marks, wo die Mee­res­ge­bie­te Kat­te­gat und Ska­ger­rak zu­sam­men­flie­ßen, liegt die Ha­fen­stadt Ska­gen. Die­se be­son­de­re Kom­bi­na­ti­on aus Na­tur, Nord­lich­tern und Fisch­in­dus­trie war im 20. Jahr­hun­dert ein Sam­mel­be­cken für Künst­ler und be­hei­ma­tet bis heu­te zahl­rei­che Mu­sik- und Kunst­fes­ti­vals. Ein Blick auf die ein­zig­ar­ti­ge La­ge der Stadt, den blau­en Him­mel und die tief ste­hen­de Son­ne ge­nügt, um zu ver­ste­hen, war­um. Die An­chers, ei­ne be­rühm­te Mal­er­fa­mi­lie, be­sa­ßen dort einst ein wun­der­vol­les Som­mer­haus und Ate­lier, das zwi­schen 1875 und den 1930er-Jah­ren Ort vie­ler rau­schen­der Fes­te war. Bis heu­te ist die­ses fas­zi­nie­ren­de Künst­ler­haus ei­ne Hul­di­gung lo­ka­ler Küns­te, in­di­vi­du­el­len Stils und hy­y­ge At­mo­sphä­re. Noch im­mer ist das „ An­chers Hus“(wei­te­re In­for­ma­tio­nen un­ter ska­gens­kunst­mu­se­er.dk) per­fekt er­hal­ten und kann fast das gan­ze Jahr über be­sich­tigt wer­den – ei­ne wei­te­re Rei­se durch die Ge­schich­te Dä­ne­marks hin zu Schön­heit und ei­nem ein­zig­ar­tig aus­ge­gli­che­nen Le­bens­stil.

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