14 Was­ser­ko­cher

Test Journal - - INHALT - VON JA­NI­NE REI­CHERT

∙ Die ko­chen doch nur Was­ser! Was sie noch kön­nen, zeigt der Test

Elek­tri­sche Was­ser­ko­cher feh­len in wohl kaum ei­ner Kü­che. War­um? Sie spa­ren Zeit und Strom, sind güns­tig in der An­schaf­fung. Sie las­sen sich ein­fach und si­cher be­die­nen, lau­fen ne­ben­bei und schal­ten sich nach ge­ta­ner Ar­beit selbst ab. Wie ins­ge­samt 14 Ge­rä­te die­se Er­war­tun­gen er­fül­len, zeigt un­ser Ver­gleichs­test.

Elek­tri­scher Was­ser­ko­cher, Herd­plat­te, Gas­feld, Mi­kro­wel­le, Tauch­sie­der oder ein­fach of­fe­nes Feu­er: Es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, Was­ser zu er­hit­zen. Pfiff da­mals bei Oma noch der Email­le­kes­sel auf dem Ka­min, ist heu­te in vie­len Haus­hal­ten täg­lich ein elek­tri­scher Was­ser­ko­cher im Ein­satz.

Das hat prak­ti­sche Grün­de: Für den Be­trieb reicht ei­ne Steck­do­se. Über ein in­te­grier­tes Hei­z­ele­ment lässt sich Was­ser be­son­ders schnell und ein­fach er­hit­zen. Dank Ab­schalt­au­to­ma­tik er­for­dern die Kü­chen­hel­fer längst nicht so ein wach­sa­mes Au­ge wie bei­spiels­wei­se ein Topf auf der Herd­plat­te.

Der elek­tri­sche Was­ser­ko­cher wur­de be­reits En­de des 19. Jahr­hun­dert in den USA er­fun­den, nur we­ni­ge Jah­re nach­dem in Deutsch­land die Elek­tri­zi­tät Ein­zug er­hielt – und zwar zu­nächst vor al­lem zur Stra­ßen­be­leuch­tung. Im Jahr 1893 soll das ers­te Ge­rät auf der Welt­aus­stel­lung in Chi­ca­go ei­ne Sen­sa­ti­on ge­we­sen sein. Seit­dem hat sich viel ge­tan. Mo­der­ne Was­ser­ko­cher gibt es in di­ver­sen Ma­te­ria­li­en, Grö­ßen und Far­ben. Da wun­dert es nicht, dass deut­li­che Qua­li­täts- und Preis­un­ter­schie­de be­ste­hen. Meis­tens han­delt es sich heu­te um zwei­ge­teil­te Mo­del­le: Es gibt ei­nen Be­häl­ter mit ein­ge­bau­tem Hei­z­ele­ment so­wie ei­nen se­pa­ra­ten So­ckel mit in­te­grier­ter Strom­ver­sor­gung. Da­bei un­ter­schei­det man zwi­schen Ko­chern, die über ei­ne in­te­grier­te Heiz­spi­ra­le (ähn­lich wie bei Tauch­sie­dern) ver­fü­gen und sol­chen, die mit ei­ner be­heiz­ba­ren Plat­te (ähn­lich wie bei Töp­fen) ar­bei­ten.

Be­kannt für Ener­gie­ef­fi­zi­enz

Ne­ben dem Be­di­en­kom­fort über­zeugt die Kos­ten­sei­te. Ein­fa­che Mo­del­le sind schon für klei­nes Geld zu ha­ben. Die elek­tri­schen Kes­sel ver­brau­chen we­ni­ger Ener­gie als das Er­hit­zen auf dem Elek­tro­herd. Das schont nicht nur den ei­ge­nen Geld­beu­tel, son­dern auch die Um­welt. Die Ge­rä­te wer­den da­her als en­er­gie­ef­fi­zi­en­tes­te Me­tho­de zum Was­ser ko­chen ge­lobt. Bei Men­gen bis 1,5 Li­ter sind ih­nen Tests zu­fol­ge selbst In­duk­ti­ons­koch­fel­der un­ter­le­gen.

Ko­cher mit Plas­tik-In­nen­wand stan­den laut Me­dien­be­rich­ten zu­letzt in der Kri­tik, Mi­kro­plas­tik ans Was­ser ab­zu­ge­ben. Doch die Aus­wahl ist groß: Es gibt Ge­rä­te aus Kunst­stoff, Glas und Edel­stahl. Für Tee­lieb­ha­ber und al­le, die Was­ser auf ei­ne be­stimm­te Grad­zahl er­hit­zen möch­ten, bie­ten sich Was­ser­ko­cher mit Tem­pe­ra­tur­aus­wahl an. So wer­den für Grü­nen Tee bis zu 80 Grad emp­foh­len, da­mit we­ni­ger Bit­ter­stof­fe in der Tas­se lan­den. Zwei Test­ge­rä­te, der Gastro­back De­sign Tea Aro­ma Plus 42434 und der Ro­sen­stein & Söh­ne NX 7713, sind als Tee­be­rei­ter mit her­aus­nehm­ba­ren Sie­b­ein­satz und ent­spre­chen­den Funk­tio­nen kon­zi­piert.

Wer Fläsch­chen oder Fer­tig­brei für Ba­bys zu­be­rei­ten will, kann auf Mo­del­le zu­rück­grei­fen, die Ein­stel­lun­gen von 37 oder 40 Grad so­wie BPA-freie Plas­tik­tei­le um­fas­sen. Un­ter un­se­ren Test­ge­rä­ten bie­ten der Gastro­back De­sign Was­ser­ko­cher Ad­van­ced Ther­mo 42426 und der Phi­lips HD9359 ein Auf­wär­men auf 40 Grad an so­wie der So­lis Ther­mo Kett­le 586. Der Tee­be­rei­ter von Ro­sen­stein & Söh­ne hat ei­nen „37° Milk“-Knopf und glänzt als ei­ni­ger Teil­neh­mer mit Tem­pe­ra­tur­aus­wahl mit ei­nem sehr gu­ten Mes­s­er­geb­nis bei der Tem­pe­ra­tur­ge­nau­ig­keit.

Bei dem Eme­rio WK-119255 und dem Gastro­back De­sign Tea Aro­ma Plus sind Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 60 Grad und Sie­de­tem­pe­ra­tur mög­lich. Der Me­lit­ta Look Aqua Va­rio ver­fügt über ei­nen Dreh­reg­ler, es feh­len je­doch An­ga­ben zu Grad­zah­len. Wer le­dig­lich Was­ser zum Ko­chen brin­gen will, kann sich für ein Ge­rät oh­ne Tem­pe­ra­tur­wahl ent­schei­den. Den Ko­e­nic 2130 B gibt es be­reits für 18 Eu­ro. Der Kunst-

stoff­ko­cher ist da­mit das Schnäpp­chen in un­se­rem Ver­gleichs­test. Nicht nur op­tisch fällt der 0,6 Li­ter fas­sen­de spit­zen­plat­zier­te Ca­so Clas­sic Kett­le aus dem Rah­men. Mit sei­ner lan­gen, schma­len Aus­gus­stül­le lässt sich die hei­ße Flüs­sig­keit gut do­sie­ren und Kaf­fee nach Hand­auf­guss­me­tho­de zu­be­rei­ten. In Sa­chen Schnel­lig­keit liegt der kleins­te Was­ser­ko­cher ganz weit vorn. Die Koch­dau­er von ei­nem Li­ter Was­ser liegt zwi­schen knapp drei bis mehr als fünf Mi­nu­ten. Den letz­ten Plät­ze be­le­gen das Mo­dell von Ko­e­nic und der Tee­be­rei­ter von Gastro­back.

Far­big und prak­tisch

Die Her­stel­ler ha­ben fast al­le Test­kan­di­da­ten mit be­leuch­te­ten Be­häl­tern, Be­di­en­fel­dern oder Schal­tern aus­ge­stat­tet. Wem Farb­spiel ge­fällt, der wird sich über das – je nach ein­ge­stell­ter Tem­pe­ra­tur – blaue, gel­be, grü­ne oder vio­let­te Leuch­ten des Glas­be­häl­ters des Eme­rio WK-119255 freu­en. Zu­gleich er­in­nern die Lich­ter dar­an, dass das Ge­rät läuft – und da­mit Ver­bren­nungs­ge­fahr be­steht. Si­cher­heits­hin­wei­se da­zu fin­den sich in al­len Be­die­nungs­an­lei­tun­gen. Die Grif­fe sind ther­moi­so­lie­rend. Aufgepasst: Längst nicht al­le Ge­rä­te ste­hen rutsch­fest auf der Ar­beits­plat­te. Po­si­tiv fällt da­bei der Tee­ko­cher von Ro­sen­stein & Söh­ne auf. In der Hand­ha­bung ver­ge­ben wir vor al­lem gu­te No­ten, nur zwei Ge­rä­te be­kom­men ein „sehr gut“. Ei­ne prak­ti­sche Funk­ti­on scheint sich auf dem Markt durch­ge­setzt zu ha­ben: Die Test­ge­rä­te be­sit­zen durch­weg ei­nen rund­her­um dreh­ba­ren Kon­takt­so­ckel. So kann der be­heiz­ba­re Be­häl­ter un­kom­pli­ziert ab­ge­stellt wer­den. Grö­ße­re Un­ter­schie­de zei­gen sich bei den De­ckeln: Wäh­rend man­che kom­plett ab­zu­neh­men sind, las­sen sich an­de­re wie beim Clo­er Glas­kes­sel per Knopf­druck öff­nen und ein­hän­dig be­die­nen. Ein Fil­ter vor dem Aus­guss ver­hin­dert, dass sich Kalk­ab­la­ge­run­gen aus dem Be­häl­ter bei­spiels­wei­se in der Tas­se Tee oder in der Ba­by­nah­rung fin­den.

Das Ent­kal­ken ist wohl ei­ne der wich­tigs­ten Rei­ni­gungs­rou­ti­nen. Da Elek­trik in den Was­ser­ko­cher­be­häl­tern ver­baut ist, sind sie nicht spül­ma­schi­nen­taug­lich, son­dern dür­fen nur aus­ge­spült und aus­ge­wischt wer­den. Schmutz lässt sich bei ei­ner Heiz­wen­del im In­nen­raum – wie bei dem klei­nen Cof­fee Clas­sic Kett­le von Ca­so – et­was schwie­ri­ger ent­fer­nen als bei Mo­del­len mit Hei­z­ele­ment un­ter der Bo­den­plat­te. Wer vor der Neu­an­schaf­fung ei­nes mo­der­nen Was­ser­ko­chers steht, hat die Wahl zwi­schen vie­len brauch­ba­ren Ge­rä­ten, mit de­nen er sich den Ar­beits­auf­wand in der Kü­che deut­lich er­leich­tern kann.

Nur Ba­sis­funk­ti­on oder Ex­tras?

Die An­schaf­fungs­kos­ten kön­nen je nach Mo­dell hö­her oder nied­ri­ger aus­fal­len. Die Preis­span­ne bei den 14 Test­kan­di­da­ten reicht von 18 bis 170 Eu­ro. Die Ba­sis­funk­ti­on er­fül­len sie al­le oh­ne nen­nens­wer­te Schwie­rig­kei­ten. Teu­re­re Ge­rä­te zeich­nen sich bei­spiels­wei­se durch Ex­tras wie Tem­pe­ra­tur­wahl und die Zu­be­rei­tung von lo­sem Tee aus – so­wie durch hoch­wer­ti­ge­re Ma­te­ria­li­en oder ed­le­res De­sign.

Her­vor­zu­he­ben sind die Tes­t­er­geb­nis­se in der Öko­lo­gie: Mehr als die Hälf­te al­ler Prüf­lin­ge er­zielt hier die Best­no­te. Da lohnt sich für Spar­füch­se ein ge­nau­er Blick in un­se­re Ta­bel­le. Noch mehr Strom spa­ren lässt sich ganz ein­fach, in­dem man nicht mehr Was­ser kocht als man ver­brau­chen will. Gu­te Ska­len hel­fen da­bei – wie et­wa die An­zei­ge von Tas­sen und Li­tern bei den Phi­lips-Test­ge­rä­ten. Ganz be­son­ders ein­fach und fix funk­tio­niert das um­welt­be­wuss­te Er­hit­zen mit der Schnell­koch­funk­ti­on für ein­zel­ne Tas­sen bei Rus­sell Hobbs.

(2) Im Ver­gleich zum So­lis Pre­mi­um Kett­le (1,5 Li­ter) wirkt der Ca­so Cof­fee Clas­sic Kett­le (0,6 Li­ter) klein

(1) Kocht nicht nur Was­ser, son­dern auch Tee: der Ro­sen­stein & Söh­ne mit pas­sen­dem Zu­be­hör

(4) Beim Phi­lips HD9350 zeigt ein be­leuch­te­ter Schal­ter an, dass das Ge­rät in Be­trieb ist

(3) Tem­pe­ra­tur Je nach ge­wähl­ter leuch­tet der Glas­be­häl­ter des Eme­rio WK-119255 blau, gelb, grün oder vio­lett

(6) Der So­lis Ther­mo Kett­le er­reich­te ei­nen Mess­wert von gut 83°C Was­ser­tem­pe­ra­tur bei ein­ge­stell­ten 80°C

(5) Das Be­di­en­feld des Gastro­back De­sign Tea Aro­ma Plus ist auf die Be­nut­zung als Tee­ko­cher aus­ge­rich­tet

(8) Schwie­ri­ger zu rei­ni­gen als mit Hei­z­ele­ment un­ter der Bo­den­plat­te: Der Ca­so Cof­fee Clas­sic Kett­le mit Heiz­wen­del

(7) Kaum zu un­ter­schei­den: die Kan­nen der bei­den Test­ge­rä­te mit Ther­mo­funk­ti­on von Gastro­back und So­lis

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