15 Mi­kro­wel­len ∙ Wel­che ar­bei­ten ef­fi­zi­ent?

Test Journal - - INHALT - VON DO­RO­THEE WAGNER

Wenns mal wie­der schnell ge­hen muss, kommt die Mi­kro­wel­le zum Ein­satz. Ein­ge­fro­re­ne Le­bens­mit­tel wer­den schnell auf­ge­taut und vor­ge­koch­tes Es­sen in we­ni­gen Mi­nu­ten wie­der er­hitzt. Ei­ni­ge Ge­rä­te ver­fü­gen au­ßer­dem über ei­ne Heiß­luft- und ei­ne Grill­funk­ti­on. Aber wel­ches Ge­rät kann im di­rek­ten Ver­gleich über­zeu­gen?

Als in den 1950er Jah­ren in den USA die ers­ten Mi­kro­wel­len­her­de für den Pri­vat­haus­halt auf dem Markt er­hält­lich wa­ren, kam das ei­ner klei­nen Sen­sa­ti­on gleich. Heu­te sind die Ge­rä­te aus den meis­ten Kü­chen nicht mehr weg­zu­den­ken. In fast drei­vier­tel al­ler Haus­hal­te in Deutsch­land steht ei­ne Mi­kro­wel­le. Kein Wun­der, denn die neue Tech­no­lo­gie hat die Kü­chen­ar­beit spür­bar ver­ein­facht. Zum Auf­wär­men des Mit­tag­es­sens am Abend oder zur Zubereitun­g von Pop­corn muss nicht län­ger der Herd ge­nutzt wer­den – das spart Ener­gie und vor al­lem je­de Men­ge Zeit. Und im Ge­gen­satz zu den Mi­kro­wel­len aus den 50er Jah­ren, mit ei­nem Ge­wicht von über 300 Ki­lo­gramm, sind die heu­ti­gen Mo­del­le auch nicht an­nä­hernd so groß und schwer.

Ach­tung Strah­lung?

Das Grund­prin­zip hat sich je­doch bis heu­te nicht ver­än­dert. Mit­hil­fe von elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len wer­den Was­ser­mo­le­kü­le, die ja in al­len Le­bens­mit­teln vor­han­den sind, in Be­we­gung ver­setzt. Durch die­se Schwin­gung er­höht sich die Tem­pe­ra­tur. Aber kei­ne Sor­ge: die so zu­be­rei­te­ten Le­bens­mit­teln strah­len da­durch nicht selbst. Ei­ni­ge Vit­ami­ne und Nähr­stof­fe ge­hen durch das Er­hit­zen in der Mi­kro­wel­le zwar ver­lo­ren, aber das lässt sich auch beim nor­ma­len Ko­chen mit Was­ser nicht ver­mei­den. Zu nah soll­te man den Ge­rä­ten im Be­trieb aber nicht kom­men, denn auch wenn die Ge­häu­se mitt­ler­wei­le sehr gut ab­schir­men, sind die elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len auch au­ßer­halb mess­bar. Wird je­doch der emp­foh­le­ne Ab­stand von 30 Zen­ti­me­tern ein­ge­hal­ten, ist man auf der si­che­ren Sei­te. Die Strah­len­in­ten­si­tät ist dort bei mo­der­nen Mi­kro­wel­len deut­lich un­ter den zu­ge­las­se­nen Grenz­wer­ten und al­le ge­tes­te­ten Mo­del­le sind so ge­si­chert, dass ein Be­trieb bei of­fe­ner Tür nicht mög­lich ist. Ei­ni­ge Schwie­rig­kei­ten den Min­dest­ab­stand ein­zu­hal­ten hat man al­ler­dings bei der Ko­e­nic KMW 2221 B und der Ca­so MCG 30 Ce­ra­mic Chef. Denn durch das Sicht­fens­ter ist, wenn über­haupt, nur et­was zu er­ken­nen, wenn man sei­ne Na­se an der Schei­be platt­drückt. Um den Fort­schritt des Gar­pro­zes­ses zu über­prü­fen muss al­so im­mer die Tür ge­öff­net wer­den, was nicht nur um­ständ­lich, son­dern auch en­er­gie­r­au­bend ist.

Knöp­fe, Räd­chen oder Touch

Die Be­di­en­freund­lichkkeit ist ein wich­ti­ger Punkt beim Kauf ei­ner Mi­kro­wel­le. Denn wer will schon stun­den­lang die Be­die­nungs­an­lei­tung stu­die­ren, nur um schnell das Es­sen auf­zu­wär­men. Ein ein­deu­tig be­schrif­te­tes und klar struk­tu­rier­tes Be­di­en­feld ist des­halb von Vor­teil. Am ein­fachs­ten in der Hand­ha­bung sind die Mo­del­le, wel­che le­dig­lich über zwei Dreh­reg­ler für Watt­zahl und Zeit ver­fü­gen. Da­zu zäh­len die MG20 Eco­s­tyle und die M20 Eco­s­tyle von Ca­so, so­wie die Ko­e­nic KMW 2221 B. Da­für muss bei die­sen Mi­kro­wel­len aber auf Au­to­ma­tik­pro­gram­me ver­zich­tet wer­den. Et­was mehr Funk­tio­nen bie­ten da Ge­rä­te mit LCD-An­zei­ge und zu­sätz­li­chen Be­dien­ele­men­ten, mit de­ren Hil­fe vor­in­stal­lier­te Pro­gram­me ein­ge­stellt wer­den kön­nen. Ob es da­bei lie­ber ein Touch­dis­play oder doch eher Knöp­fe sein sol­len, hängt ganz von den per­sön­li­chen Vor­lie­ben ab. Für bei­de Ka­te­go­ri­en gibt es in un­se­rem Test über­zeu­gen­de Bei­spie­le. Sehr über­sicht­lich ist et­wa das Be­di­en­feld der Pa­na­so­nic oder der MIG 25 von Ca­so ge­hal­ten, mit we­ni­gen gro­ßen Tas­ten und ein­deu­ti­gen Sym­bo­len. We­ni­ger nut­zer­freund­lich ist hin­ge­gen das Be­di­en­feld der Ko­e­nic KMW 4441 DB mit sei­nen in Rei­he an­ge­ord­ne­ten und zu klein be­schrif­te­ten Knöp­fen. Über ein Touch­dis­play ver­fü­gen le­dig­lich die vier Test­model­le von Bauknecht, die­se kön­nen durch­weg mit ein­fa­cher Hand­ha­bung über­zeu­gen. Be­son­ders die MW 338 und die MW 427 fal­len mit ei­nem durch­dach­ten und über

sicht­li­chen Be­di­en­feld auf. Wor­auf es letzt­lich je­doch wirk­lich an­kommt, ist die Leis­tung der Mi­kro­wel­le.

Ko­chen, Auf­tau­en und Gril­len

Um die Ef­fi­zi­enz der Ge­rä­te zu be­wer­ten, wird in zwei Durch­gän­gen Was­ser er­hitzt und der da­für be­nö­tig­te Strom­ver­brauch ge­mes­sen. De­fi­nier­te Men­gen Was­ser sind da­bei der Platz­hal­ter für die Le­bens­mit­tel und er­set­zen die­se in Be­zug auf die Wär­me­ka­pa­zi­tät. Best­no­ten er­zie­len hier die Mo­del­le von Pa­na­so­nic und Sharp, so­wie die Ko­e­nic KMW 4441 DB und die Ca­so MIG 25, die im Schnitt et­wa 250 Watt­stun­den pro Durch­gang be­nö­ti­gen. Dop­pelt so hoch ist der Ener­gie­ver­brauch hin­ge­gen bei der Mi­kro­wel­le von First Aus­tria und der Ko­e­nic KMW 2221 B. Aber auch die Mo­del­le MW 338 und MF 206 von Bauknecht kön­nen hier nur be­frie­di­gen­de Er­geb­nis­se er­zie­len.

Ne­ben ef­fi­zi­en­tem Er­hit­zen, soll­te ei­ne Mi­kro­wel­le ge­fro­re­ne Le­bens­mit­tel auch scho­nend auf­tau­en kön­nen. Im Test neh­men wir da­für 450 Gramm Tief­kühl­spi­nat und nut­zen die in den Be­die­nungs­an­lei­tun­gen be­schrie­be­ne Auf­tau­me­tho­de. Hier kön­nen die Mo­del­le mit vor­in­stal­lier­ten Au­to­ma­tik­pro­gram­men zei­gen, was sie kön­nen.

Bei ei­ni­gen Mi­kro­wel­len, wie et­wa der Bauknecht MW 338, muss da­für le­dig­lich die Art des Le­bens­mit­tels und das Ge­wicht ein­ge­stellt wer­den, und die Auf­tau­zeit wird au­to­ma­tisch er­rech­net. Bei an­de­ren Ge­rä­ten wie­der­um, wie der Pa­na­so­nic, kann die be­nö­tig­te Zeit an­hand ei­ner Ta­bel­le hän­disch be­rech­net oder mit dem Pro­gramm „Tur­bo-Auf­tau­en“nach drei Ge­wichts­klas­sen au­to­ma­tisch be­rech­net wer­den. Au­ßer­dem zei­gen die Ge­rä­te, nach et­wa der Hälf­te der Auf­tau­zeit mit ei­nem Si­gnal­ton und auf dem Dis­play an, dass die Le­bens­mit­tel ge­wen­det wer­den müs­sen. In­ner­halb ei­nes Durch­gan­ges schafft es je­doch kei­ne der Mi­kro­wel­len den Spi­nat rest­los auf­zu­tau­en, auch wenn die bei der Pa­na­so­nic emp­foh­le­ne nach­träg­li­che Steh­zeit ein­ge­hal­ten wird.

Sau­be­rer Schluss

Im letz­ten Test­durch­lauf wird die bei 13 von 15 Mi­kro­wel­len vor­han­de­ne Grill­funk­ti­on un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Da­für wird mit Hil­fe von To­ast­schei­ben die Ver­tei­lung der Ober­hit­ze­leis­tung er­mit­telt. Die Er­geb­nis­se könn­ten un­ter­schied­li­cher nicht sein. Wäh­rend Mo­del­le wie die MW 338 von Bauknecht sehr gleich­mä­ßig bräu­nen, sind die Toast bei an­de­ren Ge­rä­ten wie der Ca­so MG 20

Eco­s­tyle Ce­ra­mic stel­len­wei­se ver­kohlt und an an­de­ren Stel­len noch weiß. Bei der ab­schlie­ßen­den Rei­ni­gung macht sich ein grund­le­gen­der Un­ter­schied zwi­schen den Mi­kro­wel­len be­merk­bar, der an­sons­ten kei­nen mess­ba­ren Ein­fluss auf de­ren Per­for­mance hat. Ne­ben den alt­be­kann­ten Mo­del­len mit ei­nem Dreh­tel­ler aus Glas sind auch ei­ni­ge Test­ge­rä­te mit ei­ner Bo­den­plat­te aus Ke­ra­mik aus­ge­stat­tet. Die sorgt da­für, dass die Strah­lung gleich­mä­ßig re­flek­tiert wird, oh­ne dass sich die Le­bens­mit­tel stän­dig dre­hen müs­sen. Das spart zum ei­nen Platz, so dass auch mal ei­ne grö­ße­re Auf­lauf­form in die Mi­kro­wel­le ge­scho­ben wer­den kann, oh­ne beim Er­hit­zen im­mer wie­der an­zu­ecken. Zum an­de­ren las­sen sich die Ge­rä­te mit Ke­ra­mik­bo­den deut­lich leich­ter rei­ni­gen. Denn ge­ra­de un­ter den Dreh­tel­lern kön­nen sich un­schö­ne Schmutz­ecken bil­den. Aber die Rei­ni­gung ist spielt in den meis­ten Fäl­len nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le beim Kauf ei­ner Mi­kro­wel­le. Und so kommt es, dass un­ter un­se­ren Test­sie­gern ne­ben der Ca­so MI 30 Ce­ra­mic auch zwei Ge­rä­te mit Glas­dreh­tel­ler zu fin­den sind – die Ca­so MIG 25 holt den Sieg in der Ka­te­go­rie Mi­kro­wel­le mit Grill­funk­ti­on und die Pa­na­so­nic über­zeugt mit Grill und Heiß­luft.

1 (1) Ein­fach vs. um­ständ­lich: Die Ca­so MG20 Eco­s­tyle Ce­ra­mic mit ih­ren zwei Dreh­reg­lern für Watt­zahl und Zeit ist leicht zu be­die­nen (2) Bei der Sharp R890 ist das Be­di­en­feld kom­pli­ziert zu be­die­nen und die Ein­stel­lung der Zeit et­was um­ständ­lich

3 (3) Trotz Au­to­ma­tik­pro­gramm ist der Spi­nat nach dem ers­ten Durch­gang bei der Pa­na­so­nic, wie auch bei al­len an­de­ren Mi­kro­wel­len im Test, noch nicht auf­ge­taut (4) Erst nach der drit­ten Wie­der­ho­lung ist hier das ge­wünsch­te En­d­er­geb­nis er­reicht

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5 (5) Bei der Bauknecht MW427 ist das Toast nach 30 Mi­nu­ten im Grill­pro­gramm noch im­mer nicht rich­tig ge­bräunt (6) Bei der Ca­so MG 20 Eco­s­tyle Ce­ra­mic 4 sind Mi­nu­ten aus­rei­chend, um das To­ast­brot stel­len­wei­se zu ver­koh­len

7 (7) Nütz­li­ches Zu­be­hör: Die Bauknecht MW 427 ist mit Grill­rost, Back­blech in­klu­si­ve Griff und ei­nem Dampf­gar­be­häl­ter aus­ge­stat­tet (8) Al­ter­na­ti­ve zum Glas­dreh­tel­ler: die leicht zu rei­ni­gen­den Ke­ra­mik­bö­den wie hier von der Sharp R890 zu se­hen

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