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Thüringer Allgemeine (Arnstadt) - - Freizeit -

an­ze Heer­scha­ren an Fans pil­ger­ten ges­tern um die Mit­tags­zeit in Rich­tung Ski­are­na in Ober­hof. Vie­le von ih­nen kom­men seit Jah­ren zum Biathlon.

Aus Pas­sau rei­sen sie an, aus Bran­den­burg, aus dem Aus­land. Vie­le der Gäs­te stam­men aber auch aus dem Ilm-Kreis, se­hen nicht nur Spit­zen­sport­lern beim Biathlon zu, son­dern prak­ti­zie­ren auch sel­ber Win­ter­sport.

Rich­ti­ge Fans, so viel ist klar, neh­men für die­ses Groß­er­eig­nis Ur­laub. Ge­nau wie die vie­len Eh­ren­amt­ler, die das sport­li­che Groß­er­eig­nis be­glei­ten. Sie chauf­fie­ren Gäs­te im Shut­tle­bus von Ober­hof zur Are­na, ar­bei­ten als Ord­ner, ste­hen im Hüt­ten­dorf an Tre­sen und Grill, ge­ben Be­su­chern Rat­schlä­ge. Und freu­en sich auf all je­ne treu­en See­len, die Jahr für Jahr vor­bei­schau­en. Et­li­che ken­nen sie mit dem Na­men. Und wenn je­mand „Wie im­mer“be­stellt, dann kriegt er auch die Leib­spei­se, die er schon in den Vor­jah­ren or­der­te. Es ist schön, die­sen En­thu­si­as­mus zu be­ob­ach­ten.

Denn oh­ne wä­re der gan­ze Welt­cup nur halb so schön. Ich war neun Jah­re lang sel­ber ak­tiv im Biathlon. Seit nun­mehr drei Jah­ren hel­fe ich als Eh­ren­amt­le­rin beim Welt­cup. Ich bin schon seit Mitt­woch im Ein­satz. Dass es kalt ist, stört mich nicht. Ich ha­be ge­lernt, mich der Wit­te­rung ent­spre­chend an­zu­zie­hen. Und nächs­te Wo­che geht es dann ins War­me – nach Thai­land in den Ur­laub.

Mit lan­gen Schwün­gen nä­hert sich der Bi­ath­let dem Birx­steg. Die Stre­cke hat es in sich, die lan­ge Stei­gung ist kraft­rau­bend. Ein we­nig Zu­spruch kann da nicht scha­den. Lan­ge muss der Sport­ler nicht war­ten. Ap­plaus bran­det auf, es wird an­ge­feu­ert. Sie­ges­si­cher hebt der Bi­ath­let die Ar­me – und ern­tet herz­haf­tes La­chen. Denn noch geht es hier nicht um die Best­zeit. Die Na­tio­nal­mann­schaf­ten ab­sol­vie­ren Trai­nings­läu­fe.

Auch Sven Fi­scher zieht zü­gig am Pu­bli­kum, das sich lang­sam an den Ban­den ein­fin­det, vor­bei. An sei­nem Kopf ist ei­ne Ka­me­ra be­fes­tigt. Fi­scher filmt die Stre­cke, spä­ter wer­den die Bil­der im Fern­se­hen ge­zeigt. Der­weil steht Sta­di­on­spre­cher Mar­co Rühl noch ganz ent­spannt am Rand der Pis­te, lässt sich in­ter­view­en. Spä­ter wird er da­für kei­ne Zeit mehr ha­ben. Dann er­läu­tert er, wel­che Bi­ath­le­ten ge­ra­de in Ak­ti­on zu er­le­ben sind.

Nicht nur er freut sich, dass sich Ober­hof wet­ter­tech­nisch von sei­ner bes­ten Sei­te zeigt. Zum Kunst­schnee, der in der Vor­wo­che aus­ge­bracht wur­de, kam ein gu­ter hal­ber Me­ter Na­tur­schnee. Es ist kalt, aber nicht zu ei­sig. Und die Wol­ken ha­ben ein Ein­se­hen, le­gen sich nicht über das Sport­ge­län­de, so dass bes­te Sicht­be­din­gun­gen herr­schen. Das geht hier oben auch an­ders, wis­sen die Fans. Dich­te Ne­bel­sup­pe – das ist in Ober­hof kei­ne Sel­ten­heit. Ab­schre­ckend wirkt nicht ein­mal das. „Wir kom­men schon seit Jah­ren im­mer wie­der ger­ne her“, er­zählt ei­ne Pas­saue­rin und bit­tet um ein Han­dy­fo­to mit ih­rem Mann und dem Welt­cup­Mas­kott­chen Flo­cke. Im Ko­s­tüm schwitzt wie auch in den Vor­jah­ren Ka­thi Rö­ser. Es ist schwie­rig, über den glat­ten Schnee zu lau­fen, kaum et­was se­hend. Den­noch po­siert sie ger­ne und ge­dul­dig mit den Fans. Das Eh­ren­amt macht dem Mas­kott­chen Spaß – so wie den an­de­ren frei­wil­li­gen Hel­fern auch.

Die meis­ten von ih­nen ha­ben ex­tra Ur­laub ge­nom­men, um Shut­tle-Bus­se zu len­ken, Sport­ler zu be­treu­en, am Ein­lass Ti­ckets zu kon­trol­lie­ren oder die Hüt­ten im Hüt­ten­dorf zu be­set­zen. Die Mit­glie­der des Fran­ken­hai­ner Biathlon-Ver­eins et­wa rei­chen pro Tag meh­re­re hun­dert Brat­würs­te über den Tre­sen – und Glüh­wein in Leih-Ther­mos­kan­nen. Den neh­men sich die Fans dann mit an die Stre­cke, um sich warm zu hal­ten.

Für ein we­nig Miss­mut hat­te im Vor­feld ge­sorgt, dass die Hüt­ten der Ver­ei­ne aus Groß­brei­ten­bach und Ta­barz et­li­che hun­dert Me­ter weg vom ei­gent­li­chen Hüt­ten­dorf auf­ge­stellt wur­den. Ein Grund: Vor den Hüt­ten bil­de­ten sich im­mer sol­che Trau­ben, dass der Weg zur Stre­cke blo­ckiert war, auch für Ret­tungs­kräf­te. In­dem die Hüt­ten mit Ab­stand zu­ein­an­der plat­ziert wur­den, herrscht nun ei­ne grö­ße­re Si­cher­heit.

Auch, wenn die be­trof­fe­nen Ver­ei­ne im ers­ten Mo­ment sau­er wa­ren: Dem neu­en Stand­ort kön­nen sie auch po­si­ti­ve Aspek­te ab­ge­win­nen. Nir­gend­wo sonst sind Glüh­wein­stän­de so nah an der Stre­cke. Lau­fen zu müs­sen und dann Tei­le des Ren­nens zu ver­pas­sen, war für Fans bis­her im­mer ein Är­ger­nis.

Ob die Ver­ei­ne am neu­en Stand­ort die­sel­ben Um­sät­ze ha­ben wie in den Vor­jah­ren, wis­sen sie erst am Sonn­tag. Wich­tig sind die Ein­nah­men, be­to­nen die Groß­brei­ten­ba­cher. In Ober­hof er­wirt­schaf­ten sie die Hälf­te ih­res Jah­res­bud­gets, ins­be­son­de­re der Ski­sport­nach­wuchs wird da­von un­ter­stützt. Auf Geld ver­zich­ten müs­sen die Ver­ei­ne nicht, be­ton­te auch ges­tern noch ein­mal Or­ga­ni­sa­ti­ons­chef Sil­vio Esch­rich. Soll­ten sie we­ni­ger ein­neh­men, wer­de der Ver­lust aus­ge­gli­chen.

Um Ni­cke­lig­kei­ten ging es ges­tern nicht mehr. Die Eh­ren­amt­ler freu­ten sich auf die Fans, die Fans freu­ten sich auf die Sport­ler. Zum Auf­takt gin­gen die Frau­en ins Ren­nen. Die bes­te Deut­sche kam zwar nur auf Platz 34. Die Lau­ne an der Stre­cke, in der Ski­are­na und im Hüt­ten­dorf war den­noch gran­di­os.

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