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Thüringer Allgemeine (Arnstadt) - - Erste Seite -

ich­tig pas­send scheint das Wet­ter nie. Nach­dem es we­der wei­ße Weih­nach­ten noch ein sol­ches Sil­ves­ter gab, ver­ur­sach­te die plötz­li­che Schnee­flut in Ober­hof zu­nächst eher Frust statt Freu­de.

Doch letzt­lich war es gut für den Ort und die Re­gi­on, dass die Wett­kämp­fe beim Bi­ath­lon­Welt­cup nicht auf ei­nem künst­li­chen wei­ßen Band in­mit­ten ei­nes bräun­lich-grü­nen Kor­ri­dors statt­fan­den. Auch wenn die Or­ga­ni­sa­to­ren durch den Win­ter-Ein­bruch kurz­zei­tig som­mer­lich schwitz­ten.

„Es men­schelt bei uns noch zu we­nig“, hat­te Ge­samt­lei­ter Sil­vio Esch­rich im TA-Spor­tTalk vor dem ers­ten Start­schuss be­män­gelt und da­bei auch Zu­stim­mung von Olym­pia­sie­ge­rin Ka­trin Apel er­hal­ten. Nun, nach dem letz­ten Ziel­ein­lauf, könn­ten die Wor­te eher rück­bli­ckend gül­tig sein.

Es war be­ein­dru­ckend, wie tau­sen­de Hel­fer aus nah und fern vier Ta­ge ge­wir­belt ha­ben. Das neue Mit­ein­an­der wirkt über die Stadt­gren­zen hin­aus freund­li­cher als frü­her, nach­dem Ober­hof lan­ge auch ein Syn­onym für Neid war.

Der Zu­schlag für die Bi­ath­lon-WM 2023, der ja noch die Zu­ga­be für die Aus­rich­tung der WM im Ro­deln fol­gen kann, könn­te dem­nach wirk­lich zum Glücks­fall wer­den. Denn nicht nur Ober­hof und das di­rek­te Um­feld pro­fi­tie­ren fi­nan­zi­ell in den nächs­ten Jah­ren von den in­ter­na­tio­na­len Wett­kämp­fen am Grenz­ad­ler, son­dern der an­ge­schla­ge­ne Thü­rin­ger Tou­ris­mus ins­ge­samt.

Die Über­nach­tungs­zah­len und Um­sät­ze im Frei­staat müs­sen stei­gen. Ober­hof kann da­zu bei­tra­gen. Mit reich­lich Herz­lich­keit, ge­müt­li­chen Un­ter­künf­ten, tol­len Frei­zeit­an­ge­bo­ten. Und Schnee im Win­ter. . .

Mit mehr als 65.000 Zu­schau­ern an den vier Wett­kampf-Ta­gen setz­te der Bi­ath­lon-Welt­cup in Ober­hof ein­drucks­vol­le Maß­stä­be. Rund 650 eh­ren­amt­li­che Hel­fer aus zahl­rei­chen Thü­rin­ger Ver­ei­nen si­cher­ten ei­nen rei­bungs­lo­sen Ablauf mit tol­ler Stim­mung im Sta­di­on am Grenz­ad­ler und an der Stre­cke. Thü­rin­gen bot der Welt ein Win­ter­mär­chen, Ober­hof stell­te un­ter Be­weis, dass es die Welt­meis­ter­schaft 2023 zu Recht er­hal­ten hat.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) sag­te an­läss­lich sei­ner Stipp­vi­si­te am Sams­tag: „Jetzt wol­len wir, dass die WM auch ein vol­ler Er­folg wird“. Und er­gänz­te: „Wir kön­nen Welt­meis­ter­schaft.“

Er mein­te da­mit nicht nur die Bi­ath­lon-Ti­tel­kämp­fe, son­dern auch den Kampf um die Renn­ro­del-WM, die der Frei­staat 2023 eben­falls gern aus­tra­gen möch­te. Im Som­mer soll die Ent­schei­dung da­zu in Ljublja­na (Slo­we­ni­en) fal­len.

Der Frei­staat hat al­lein für das Bi­ath­lon-Groß­er­eig­nis 25 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung ge­stellt. Geld, das di­rekt in die Sport­stät­te, in Schnee­de­pots und die Mo­der­ni­sie­rung der In­fra­struk­tur flie­ßen soll. Die ge­plan­ten Um­bau­ten sol­len noch in die­sem Jahr be­gin­nen und 2022 ab­ge­schlos­sen sein.

Die glei­che Sum­me ist auch für die Renn­ro­del-WM ge­plant, soll­te Ober­hof den Zu­schlag er­hal­ten. Und wei­te­re zehn Mil­lio­nen Eu­ro sind laut Fi­nanz­mi­nis­te­rin Heike Tau­bert (SPD) für „be­glei­ten­de In­ves­ti­tio­nen“ver­an­schlagt. Da­zu zählt auch ei­ne Trai­nings­be­leuch­tung für die Schan­zen am Kanz­lers­grund.

In den letz­ten zehn Jah­ren sind durch das Land be­reits enor­me Mit­tel nach Ober­hof ge­flos­sen: al­lein für die Tou­ris­musIn­fra­struk­tur 24 Mil­lio­nen Eu­ro. Hin­zu kom­men mit Be­tei­li­gung des Bun­des 38 Mil­lio­nen Eu­ro für Sport­stät­ten und 13 Mil­lio­nen für die Ski-Hal­le.

Ins­ge­samt viel Geld, das aus Sicht des Deut­schen Ski­ver­ban­des gut an­ge­legt ist: „Es geht ja nicht al­lein um die Si­che­rung des Welt­cup-Stand­or­tes Ober­hof und die Aus­tra­gung von Welt­meis­ter­schaf­ten“, sagt Ver­bands­prä­si­dent Franz St­ein­le. „Die In­ves­ti­tio­nen sind enorm wich­tig für die Nach­wuchs­för­de­rung in Thü­rin­gen; das Geld wird sich aus­zah­len.“

In dem Zu­sam­men­hang lob­te St­ein­le die Ko­ope­ra­ti­on bei der WM-Be­wer­bung zwi­schen dem Frei­staat, dem Land­kreis Schmal­kal­den-Mei­nin­gen und dem Ort Ober­hof so­wie dem Deut­schen Ski­ver­band. „Solch ein Zu­sam­men­wir­ken ha­be ich sel­ten er­lebt.“

Ra­me­low er­hofft sich po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den ge­sam­ten Tou­ris­mus im Thü­rin­ger Wald. Ober­hof gilt da­bei mit et­wa 400.000 Über­nach­tun­gen pro Jahr als Aus­hän­ge­schild. Die Stadt am Renn­steig strahlt auf die Fe­ri­en­re­gi­on aus. Und Ra­me­low be­stä­tig­te nach dem Be­trei­ber­wech­sel im tra­di­ti­ons­rei­chen Pan­ora­ma-Ho­tel wei­te­re Ve­rän­de­run­gen in der Ho­tel­le­rie. So soll durch ei­nen ös­ter­rei­chi­schen In­ves­tor ein Fa­mi­li­en­ho­tel mit 500 Bet­ten am Schüt­zen­berg ent­ste­hen. Au­ßer­dem ist ge­plant, den Platz des Her­zog­li­chen Golf-Clubs an der Zel­la­er Stra­ße wie­der­zu­be­le­ben – in­klu­si­ve ei­nes Golf­ho­tels.

Leit­ar­ti­kel, Sei­te 3 und Sport

Im­mer mehr Men­schen halten die Ge­rich­te in Deutschland für über­las­tet. Nach ei­ner Al­lens­bach-Um­fra­ge ist die Kri­tik an der Jus­tiz mit 79 Pro­zent auf ei­nen neu­en Höchst­wert seit der ers­ten Be­fra­gung im Jahr 2010 ge­stie­gen. 88 Pro­zent der Be­frag­ten mei­nen zu­dem, dass die meis­ten Ver­fah­ren in Deutschland zu lan­ge dau­ern. Ei­ne gro­ße Mehr­heit der Rich­ter und Staats­an­wäl­te teilt die Kri­tik. Be­son­ders Staats­an­wäl­te halten ih­re Be­hör­den für schlecht be­setzt.

Un­zu­frie­den ist der Um­fra­ge zu­fol­ge be­son­ders die ost­deut­sche Be­völ­ke­rung, wo in die­sem Jahr in drei Bun­des­län­dern ge­wählt wird. 83 Pro­zent halten die Ge­rich­te hier für über­las­tet, so­gar 90 Pro­zent be­kla­gen ei­ne viel­fach zu lan­ge Ver­fah­rens­dau­er. Hier ist auch das Ver­trau­en in die Jus­tiz deut­lich ge­rin­ger als in den west­li­chen Bun­des­län­dern: Nur 55 Pro­zent der Bür­ger ver­trau­en den Ge­rich­ten. (dpa)

über das Glück ei­nes WM-Zu­schlags

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