Nicht schwei­gen zu dem, was war und ist

Ge­den­ken auf dem jü­di­schen Fried­hof

Thüringer Allgemeine (Artern) - - Kyffhäuser Allgemeine - Von In­golf Glä­ser

Seit über 40 Jah­ren bin ich mit Leib und See­le dem Loh- Orches­ter ver­bun­den. Si­cher­lich bin ich im Dienst, wenn an­de­re Frei­zeit ha­ben, das stört mich und mei­ne Fa­mi­lie aber über­haupt nicht, da mei­ne Ar­beit wun­der­bar ist. Die größ­te Freu­de ist für mich, wenn vie­le Be­su­cher zu un­se­ren Kon­zer­ten in Son­ders­hau­sen und Nord­hau­sen kom­men. Fo­to: H. Most Bad Fran­ken­hau­sen. Zum Ge­den­ken an die Reichs­po­grom­nacht vor 80 Jah­ren und zum Ge­bet hat­ten am Frei­tag die evan­ge­li­sche Kirch­ge­mein­de und die Stadt Bad Fran­ken­hau­sen auf den jü­di­schen Fried­hof ein­ge­la­den. Das tun sie am 9. No­vem­ber seit 40 Jah­ren. Initiator war der da­ma­li­ge Pfar­rer Mar­tin Gött­sching.

Pfar­re­rin Mag­da­le­na Sei­fert er­in­ner­te in ih­rer And­acht an das, was in die­sen Ta­gen vor 80 Jah­ren ge­schah. Hun­der­te Ju­den wur­den ge­tö­tet, Sy­nago­gen brann­ten, Woh­nun­gen, Ge­schäf­te, jü­di­sche Fried­hö­fe wur­den zer­stört, und Tau­sen­de Ju­den ka­men in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger. Bad Fran­ken­hau­sen hat­te kei­ne Sy­nago­ge, es gab aber in der Born­stra­ße ei­nen Bet­saal, der ver­wüs­tet wur­de.

Mag­da­le­na Sei­fert frag­te: „Wie hät­ten wir uns da­mals ver­hal­ten, wie mu­tig wä­ren wir ge­we­sen, uns an die Sei­te der Ju­den zu stel­len? Es gab ein gro­ßes Schwei­gen da­mals, auch in­ner­halb der Kir­chen, zu dem, was ge­schah. Ein Schwei­gen aus Ent­set­zen, Furcht und Gleich­gül­tig­keit.“80 Jah­re da­nach er­he­be man die Stim­me ge­gen den Hass, den es in der Ge­sell­schaft gibt, ge­gen Het­ze, men­schen­ver­ach­ten­de Re­den, die es bis in die Par­la­men­te hin­ein ge­be. „Wir dür­fen nicht schwei­gen zu dem, was war und ist“, be­ton­te die Pfar­re­rin.

Auch Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Stre­jc (SPD) ap­pel­lier­te dar­an, sich im­mer wie­der vor Au­gen zu füh­ren, was vor 80 Jah­ren pas­sier­te. Es ge­be Men­schen­grup­pen, die aus der Ge­schich­te nicht ge­lernt ha­ben, die die­se dunk­le Zeit ver­leug­nen oder ver­harm­lo­sen, die vol­ler Hass und Het­ze ge­gen die sind, die ei­ne an­de­re Her­kunft, ei­nen an­de­ren Glau­ben ha­ben. „Wir müs­sen uns ge­gen je­de Form von An­ti­se­mi­tis­mus weh­ren. Auch mit die­ser Ge­denk­stun­de set­zen wir da ein Zei­chen.“Zum Ab­schluss wur­den Ker­zen an­ge­zün­det und auf die Grä­ber ge­stellt.

Ge­den­ken und Ge­bet auf dem jü­di­schen Fried­hof in Bad Fran­ken­hau­sen. Fo­to: In­golf Glä­ser

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