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Thüringer Allgemeine (Bad Langensalza) - - Erste Seite -

enn Men­schen mit Haus­tie­ren zu­sam­men­le­ben, ver­län­gert sich ihr Le­ben: Da­bei ist es un­er­heb­lich, ob es sich um ei­nen Gold­fisch, Ka­na­ri­en­vo­gel oder Hund han­delt, ha­ben Un­ter­su­chun­gen her­aus­ge­fun­den.

Rich­tig über­ra­schen mich die­se Er­kennt­nis­se nicht. Tie­re ge­hör­ten für mich als Kind zum Le­ben da­zu, sie wa­ren mei­ne bes­ten Freun­de. So hat­te ich Ka­nin­chen, Wel­len­sit­ti­che und Hun­de. Sie sind mir al­le ans Herz ge­wach­sen und brach­ten viel Freu­de ins Kin­der­zim­mer – so­wie auch das ei­ne oder an­de­re ka­put­te Spiel­zeug oder durch­ge­bis­se­ne Plüsch­tier.

Ich er­in­ne­re mich noch ge­nau, als mein Opa mir mei­nen ers­ten Hund schenk­te, ei­nen schwarz­ge­fleck­ten Misch­ling, den ich „Rexo“nann­te, und an den Mor­gen, als ich mei­ne brau­ne Hün­din „Re­xi“aus dem Stall hol­te (ich weiß, in Sa­chen Na­mens­ge­bung war ich nicht be­son­ders krea­tiv; mei­nen ers­ten Wel­len­sit­tich tauf­te ich „Wel­li“). Das Glück in mei­nem Her­zen spru­del­te über.

Tie­re ge­hö­ren bei Mil­lio­nen von Men­schen zur Fa­mi­lie. Sie sind un­se­re Be­glei­ter, Ka­me­ra­den, manch­mal so­gar Psy­cho­lo­gen. Je­der, der in schwe­ren Mo­men­ten ei­nen Hund ge­strei­chelt hat, kann das nach­voll­zie­hen.

Im Mo­ment sind wir mit Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten be­schäf­tigt. Die Ar­beits­pla­nung für das Jahr ist in vol­lem Gang. Ei­gent­lich woll­ten wir in den ers­ten zwei Mo­na­ten des Jah­res nichts ma­chen, aber die Auf­trags­la­ge ist gut, des­halb wer­den wir et­was frü­her in das Ar­beits­jahr star­ten.

End­lich ist der Kauf un­ter Dach und Fach. Am Don­ners­tag­nach­mit­tag war die letz­te Über­ga­be. Da­mit ist der Re­gio­nal­ver­band Mit­teWest-Thü­rin­gen der Ar­bei­ter­wohl­fahrt (Awo) of­fi­zi­ell Be­sit­zer des Ju­gend­zen­trums in der Bad Lan­gen­sal­za­er Feld­stra­ße. Auch die Ju­gend­li­chen füh­len sich wie­der in dem Haus hei­misch, das einst „XXL“hieß und nun den Na­men „Gren­zen­los“trägt.

„Wir sind hier gut ge­lan­det“, sagt Frank Al­brecht, Vor­sit­zen­der des Re­gio­nal­ver­bands. Er freut sich, dass für das Haus ein en­ga­gier­tes Team ge­fun­den wur­de. Denn seit Ok­to­ber ist der drei­köp­fi­ge Mit­ar­bei­ter-Stab kom­plett.

Phi­li­ne Sch­ruth (23), So­pio Ki­me­ridze (26) und Cle­mens Sü­ßen­guth (28) sind in­zwi­schen ei­ne ein­ge­spiel­te Mann­schaft. „Täg­lich kom­men et­wa 15 Ju­gend­li­che“, in­for­mie­ren sie. Her­aus­for­de­rung bei ih­rer Ar­beit ist die gro­ße Al­ters­span­ne ih­rer Schütz­lin­ge, die zwi­schen sie­ben und 16 Jah­ren alt sind. „Die Sie­ben­jäh­ri­gen sind fast zu jung“, sagt Phi­li­ne Sch­ruth. Das sei aber dem ge­schul­det, dass es in Bad Lan­gen­sal­za kei­ne wei­te­ren Ju­gend­treffs ge­be. Im Ge­gen­satz zu Groß­städ­ten, wo fast für je­den In­ter­es­sens­be­reich spe­zi­el­le An­ge­bo­te zur Ver­fü­gung ste­hen. „Wir woll­ten die Jün­ge­ren aber auch nicht weg­schi­cken“, so Sch­ruth. Da­her müss­ten even­tu­ell spä­ter die Öff­nungs­zei­ten ge­split­tert wer­den, wenn die Al­ters­span­ne wei­ter wach­se.

Die Drei sind, wie sie sa­gen, oh­ne Er­war­tun­gen an ih­re Ar­beit ge­gan­gen. Ih­nen war klar, dass es Zeit braucht, bis das Ju­gend­zen­trum wie­der an die Glanz­jah­re an­knüp­fen kann. „Wir sind zu­frie­den“, so das Team. Es ha­be noch kei­nen Tag ge­ge­ben, wo es ru­hig und lang­wei­lig ge­we­sen sei. Die An­ge­bo­te sind mit den Ju­gend­li­chen zu­sam­men er­ar­bei­tet wor­den. Mon­tags wird ge­spielt, diens­tags ge­bas­telt und don­ners­tags ge­kocht. Der Frei­tag ist Par­ty­tag, oft gibt es Ge­burts­ta­ge zu fei­ern. Doch das Pro­gramm sei nicht fest­ge­schrie­ben und kön­ne je­der­zeit ge­än­dert wer­den. Der Ren­ner im na­he­zu wört­li­chen Sinn sind der­zeit die bei­den ge­kauf­ten Rol­ler. Die Ju­gend­li­chen wün­schen sich wei­te­re sol­che Ge­fähr­te.

Laut Al­brecht nimmt das „Gren­zen­los“-Team auch mit viel En­ga­ge­ment das We­ge­pro­blem in An­griff, das ei­ne neue Er­fah­rung für die Awo ist. Denn in Bad Lan­gen­sal­za müss­ten die Kin­der und Ju­gend­li­chen oft wei­te Stre­cken zu­rück­le­gen, um zur Feld­stra­ße zu kom­men. Nun sol­len Ko­ope­ra­tio­nen ge­sucht wer­den, um die vor­han­de­ne In­fra­struk­tur zu nut­zen.

In den nächs­ten Wo­chen und Mo­na­ten will das Team in die Schu­len ge­hen und für das Ju­gend­zen­trum wer­ben. Par­al­lel wird am Fe­ri­en­pro­gramm ge­ar­bei­tet.

Im Früh­jahr 2018 hat­te es ei­ne Zwangs­pau­se im Ju­gend­zen­trum ge­ge­ben. Im Au­gust gab es dann ei­nen Neu­start, nach­dem die Awo das von ihr be­trie­be­ne Ju­gend­zen­trum vom Land­kreis ge­kauft hat­te. Nach­dem die Über­ga­be nun kom­plett über die Büh­ne ge­gan­gen ist, kann auch das Ne­ben­ge­bäu­de wie­der für Fa­mi­li­en­fei­ern ge­mie­tet wer­den. An­fra­gen nimmt das „Gren­zen­los“-Team an.

Die Ge­mein­de Herbs­le­ben woll­te die Sport­hal­le zum Preis von 129.160 Eu­ro ge­mäß der For­de­rung des Land­krei­ses über­neh­men, dar­auf weist Bür­ger­meis­ter Rein­hard Ma­scher (CDU) hin und be­zieht sich auf den Ar­ti­kel „Ver­ei­ne rü­cken nach Weg­fall der Turn­hal­le zu­sam­men“(un­se­re Zei­tung vom 10. Ja­nu­ar).

Im Rats­be­schluss vom 29. Au­gust 2013 war fest­ge­legt, dass die 64.100 Eu­ro für Grund und Bo­den in fünf Jah­res­ra­ten ge­zahlt wer­den soll­ten. Der Preis für die Hal­le in Hö­he von 65.000 Eu­ro war da­bei so­fort fäl­lig. Der Land­kreis ha­be die Hal­le aber nach der öf­fent­li­chen Aus­schrei­bung an die „Kühmstedt GbR“ver­äu­ßert, die mehr Geld ge­bo­ten hat­te. (red)

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