Die Gelb­wes­ten von Beh­rin­gen stop­pen den Ver­kehr

Ver­kehrs­frei­ga­be am Frei­tag und Ver­kehrs­blo­cka­de am Don­ners­tag auf der B84-orts­durch­fahrt von Beh­rin­gen

Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Wartburgregion - Von Nor­man meiß­ner

Beh­rin­gen. Beh­rin­gens Ein­woh­ner, vor al­lem die An­woh­ner der An­lie­ger­stra­ße „In­sels­berg­blick“kön­nen nach acht äu­ßerst tro­cke­nen, stau­bi­gen, ab­gas­ge­schwän­ger­ten, ja teils oh­ren­be­täu­ben­den Mo­na­ten end­lich wie­der rich­tig durch­at­men und durch­schla­fen. Ges­tern Mor­gen um 9.30 Uhr braus­te das letz­te Fahr­zeug des Durch­gangs­ver­kehrs auf die­ser Um­lei­tungs­stre­cke, denn Bau­ver­wal­tungs­lei­te­rin Do­re­en Krieg, Bür­ger­meis­ter Bern­hard Bi­schof, Bau­lei­ter Alex­an­der See­bach, Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­den­lei­ter Lutz Schel­len­berg so­wie die Po­lie­re Re­né Har­tung und Kars­ten Möl­ler ga­ben per fei­er­li­chem Sche­ren­schnitt das rund­er­neu­er­te, gut 800 Me­ter lan­ge Teil­stück der B84-orts­durch­fahrt wie­der für den Ver­kehr frei. Seit dem Baustart im April er­folg­ten Tief­bau­ar­bei­ten für ei­nen neu­en Ab­was­ser­ka­nal, Trink­was­ser­lei­tun­gen und an­de­re Ver­sor­gungs­lei­tun­gen. Fer­ner stell­ten die Bau­leu­te die As­phalt­de­cke, die Geh­stei­ge so­wie stra­ßen­be­glei­ten­de Grün­an­la­gen wie­der her.

Mit der Fer­tig­stel­lung des zwei­ten Bau­ab­schnit­tes ha­ben die Beh­rin­ger aber erst die Hälf­te des aus der Sa­nie­rung der 2,5 Ki­lo­me­ter lan­gen Orts­durch­fahrt re­sul­tie­ren­den Be­las­tungs­ma­ra­thons er­tra­gen. „Im Früh­jahr nächs­ten Jah­res be­ginnt der drit­te Bau­ab­schnitt zwi­schen der Crau­la­er Stra­ße und dem Orts­aus­gang in Rich­tung Bad Lan­gen­sal­za“, kün­digt der Bür­ger­meis­ter wäh­rend der gest­ri­gen Ver­kehrs­frei­ga­be an. An­fang 2020 fin­den am an­de­ren En­de Beh­rin­gens – vom Bä­cker bis zum Orts­aus­gang nach Ei­se­nach – Bau­ar­bei­ten statt. Al­le vier Bau­ab­schnit­te ver­schlin­gen 4,5 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wir hof­fen, dass wir hin­kom­men“, sagt Bür­ger­meis­ter Bern­hard Bi­schof, der dar­auf baut, dass der ver­an­schlag­te Ei­gen­an­teil der Ge­mein­de von ei­ner Mil­lio­nen Eu­ro durch stei­gen­de Bau­prei­se nicht in die Hö­he schnellt. Vie­le St­un­den vor der Ver­kehrs­frei­ga­be der Orts­durch­fahrt am Frei­tag­mor­gen fand das ge­naue Ge­gen­teil statt. Am Don­ners­tag­abend tra­fen sich mehr als 35 auf­ge­brach­te Beh­rin­ger in gel­ben Wes­ten zu ei­nem spon­ta­nen Pro­test ge­gen die enor­men Ver­kehrs­be­las­tun­gen und die ein­her­ge­hen­den Fol­ge­er­schei­nun­gen. Die Pro­tes­tie­ren­den brach­ten den Ver­kehr ge­gen 17.30 Uhr auf der Um­lei­tungs­stre­cke zum Er­lie­gen. Auf der mit ei­ner Bau­stel­len­am­pel ge­re­gel­ten Pis­te be­geg­ne­ten sich die Fahr­zeu­ge bei­der Rich­tun­gen schnell an der Ecke zum Sot­ten­gar­ten. Nach ei­ner gu­ten drei­vier­tel St­un­de stau­te sich die Au­to­fah­rer­schlan­ge be­reits bis zum Orts­aus­gang nach Ei­se­nach. Dar­in hat­ten sich auch drei Brum­mi­fah­rer ein­ge­reiht, die sämt­li­che auf­ge­stell­ten Ver­bots­zei­chen igno­rier­ten und oh­ne ech­te Wen­de­mög­lich­keit ih­re „Wen­dun­gen“ver­such­ten. „Weil wie­der ein­mal ein Brum­mi­fah­rer sämt­li­che Ver­kehrs­schil­der igno­rier­te, muss­te er am Ni­ko­laus­tag di­rekt vor un­se­rer Haus­tür mit sei­nem Sat­tel­auf­lie­ger wen­den und hat da­bei un­ser ge­park­tes Au­to schlimm be­schä­digt“, är­gert sich Sven Teich­mann. Der An­woh­ner der Haupt­stra­ße hofft nun auf Zeu­gen, die am Don­ners­tag zwi­schen 9.30 Uhr und 10.30 Uhr den flüch­ti­gen Un­fall­ver­ur­sa­cher be­ob­ach­te­ten.

„Die Grün­an­la­gen, die hier ge­baut wur­den, wer­den bei den Wen­de­ma­nö­vern der Las­ter zer­fah­ren“, är­gert sich Sa­scha Pfei­fer über die Igno­ranz vie­ler Be­rufs­kraft­fah­rer. Die Um­lei­tungs­stre­cke sei bei der Bau­pha­se durch ho­hes Ver­kehrs­auf­kom­men er­heb­lich be­schä­digt wor­den. „Die In­sel­berg­stra­ße ist schon wie­der sa­nie­rungs­be­dürf­tig“, klagt ein Beh­rin­ger. Bei den Bau­ar­bei­ten 2019 soll auch der Schwer­last­ver­kehr auf der Um­lei­tungs­stre­cke durch die Crau­la­er Stra­ße fah­ren.

„Da­für ist die An­lie­ger­stra­ße gar nicht aus­ge­legt“, meint Sa­scha Pfei­fer. Und ein An­lie­ger er­gänzt: „Wir muss­ten vol­le Aus­bau­bei­trä­ge zah­len und jetzt sol­len wir zu­schau­en, wie die Stra­ße zer­fah­ren wird.“Nach ei­ner gu­ten drei­vier­tel St­un­de be­en­de­te man die De­mo. Ei­ne Strei­fen­wa­gen­be­sat­zung re­gel­te den Ver­kehr. „Ich kann die Leu­te mit ih­rem Är­ger ver­ste­hen, aber hier kommt nicht mal ein Ret­tungs­au­to durch – das kann nach hin­ten los­ge­hen“, sagt Au­to­fah­re­rin An­nett Be­cker.

Bür­ger­initia­ti­ve legt Ver­kehr lan­ge Zeit lahm

Im Rück­stau der De­mons­tra­ti­on wa­ren auch drei Sat­tel­auf­lie­ger, die oh­ne Wen­de­mög­lich­keit über die frisch her­ge­stell­ten Grün­an­la­gen fah­ren muss­ten. Vor­mit­tags wur­de ein Au­to be­schä­digt.

Bau­ver­wal­tungs­lei­te­rin Do­re­en Krieg, Bür­ger­meis­ter Bern­hard Bi­schof, Bau­lei­ter Alex­an­der See­bach, Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­den­lei­ter Lutz Schel­len­berg (von links) grif­fen zur Sche­re. Fo­to: Klaus Wug­ga­zer

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