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Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Freizeit -

chon am Wo­che­n­en­de woll­te der ei­ge­ne Sohn am liebs­ten mit dem Schlit­ten erst nach Ruh­la und dann gleich nach Bay­ern auf­bre­chen, um in die­sem Win­ter end­lich das ers­te Mal ro­deln zu ge­hen.

Die zum Teil be­droh­lich stei­gen­den Schnee­men­gen in Süd­deutsch­land sind in sei­nen Au­gen eher ver­lo­ckend als ge­fähr­lich. Schon da muss­ten wir ihm er­klä­ren, dass wir in West­thü­rin­gen wohl kei­ne Stre­cke zum Schlit­ten­fah­ren fin­den – und Bay­ern ziem­lich weit weg ist.

Seit Mitt­woch ist vor al­lem Ost- und Süd­thü­rin­gen gut mit Schnee ver­sorgt. Das sieht in un­se­ren Brei­ten noch nicht so aus. Am Mitt­woch­abend fuhr ich von Er­furt nach Go­tha durch ei­nen klei­nen Schnee­sturm und hoff­te, dass die­ser bald ein En­de hat. Kurz hin­ter Go­tha hör­te der Flo­cken­wir­bel wie­der auf, die Fahr­bahn der Au­to­bahn A 4 war wie­der schwarz statt weiß. So wer­den wir – so­fern uns der Win­ter in Ei­se­nach und im Nord­kreis nicht noch ei­ne Über­ra­schung lie­fert – zum Ro­deln auch et­was wei­ter weg­fah­ren müs­sen. Das Ziel hat sich Soh­ne­mann schon aus­ge­sucht: „Kön­nen wir mal nach Suhl fah­ren?“, frag­te er ges­tern. „Da liegt viel Schnee.“

Die 1200 Qua­drat­me­ter gro­ße Werk­hal­le ist in un­ter­schied­li­che Ar­beits­be­rei­che ge­teilt. Hin­ter ro­ten Schweiß­schutz­fo­li­en und ei­ner ein­ge­zo­ge­nen Wand be­fin­det sich die Schlos­se­rei. Auch die De­ko­ra­ti­ons­ab­tei­lung hat ei­nen se­pa­ra­ten Raum. Im Haupt­teil ha­ben Tisch­le­rei und Mal­saal ei­ne neue Hei­mat ge­fun­den.

Seit An­fang No­vem­ber vo­ri­gen Jah­res lau­fen nach dem Um­zug der Thea­ter­werk­statt hier wie­der die Ma­schi­nen.

Mit­te Au­gust 2018 war das bis­he­ri­ge Werk­statt­ge­bäu­de durch ei­nen Brand im Dach­stuhl so stark in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wor­den, dass es nicht mehr nutz­bar ist. Fast der ge­sam­te Ko­s­tüm­fun­dus wur­de zer­stört. Für die Werk­statt-mit­ar­bei­ter fiel die Ar­beits­stät­te von ei­nem Tag auf den an­de­ren weg.

Der Tech­ni­sche Di­rek­tor des Lan­des­thea­ters, Andre­as Ris­to, muss­te zü­gig ein neu­es Quar­tier su­chen, da­mit die ge­plan­ten Pro­duk­tio­nen der ak­tu­el­len Spiel­zeit nicht ge­fähr­det wur­den. Die Lö­sung fand er in ei­ner lee­ren Fa­b­rik­hal­le im Ge­wer­be­ge­biet Kraut­hau­sen. In Ei­se­nach ge­blie­ben ist die Schnei­de­rei, sie ist über­gangs­wei­se ins In­ten­danz­ge­bäu­de ge­zo­gen. „Die neue Hal­le hat Vor- und Nach­tei­le“, sagt Mit­ar­bei­ter Ralf Gus­ke und zeigt in sei­ne Schlos­se­rei. An­ders als im bis­he­ri­gen Werk­statt­ge­bäu­de in der Goe­the­s­tra­ße gibt es nun ei­nen ein­ge­bau­ten Lüf­ter. Von Vor­teil sei zu­dem, dass al­les eben­er­dig ist. „Und die Aus­sicht ist toll“, schwärmt Ralf Gus­ke in­mit­ten von Stahl­roh­ren von den Son­nen­auf­gän­gen.

„Es ist ei­ne rich­tig gu­te Zwi­schen­lö­sung für das Thea­ter und den lau­fen­den Be­trieb“, meint auch Ris­to. Das fängt bei der Raum­grö­ße an und hört bei den So­zi­al­räu­men auf. Die Mit­ar­bei­ter ha­ben nun Du­schen, ei­nen gro­ßen Auf­ent­halt­raum und ei­ne Ter­ras­se. Es ist sehr hell in der Hal­le, da­vor be­fin­det sich ein gro­ßer Park­platz, wo die Wech­sel-con­tai­ner für die Pro­duk­tio­nen und Auf­füh­run­gen un­kom­pli­ziert ge­tauscht und ab­ge­stellt wer­den kön­nen.

Na­tür­lich bringt die Ent­fer­nung zur Spiel­stät­te Nach­tei­le. Wenn zum Bei­spiel im Thea­ter die End­pro­ben lau­fen, pas­siert es mal, dass et­was am Büh­nen­bild um­ge­ar­bei­tet wer­den muss oder auch ka­putt geht. Da­für müs­sen die Mit­ar­bei­ter im­mer mit dem Fahr­zeug bis nach Kraut­hau­sen. Aber auch das ha­be sich ein­ge­pe­gelt, meint der Tech­ni­sche Di­rek­tor. Grö­ße­re Pro­ble­me ent­stün­den durch den lo­gis­ti­schen Mehr­auf­wand für den Thea­ter­be­trieb nicht.

Ein ganz gro­ßes Kom­pli­ment macht Andre­as Ris­to sei­nen Mit­ar­bei­tern, wel­che die na­he­zu lee­re Hal­le selbst ein­ge­rich­tet ha­ben. „Ich bin sehr zu­frie­den, wie wir das mit ein paar Leu­ten so ge­schafft ha­ben. Auch die Stim­mung ist trotz des Um­zugs gut.“Re­ga­le, die auch me­ter­hoch an die Ecke rei­chen, wur­den nach ei­ge­nen Ent­wür­fen selbst ge­baut. Auf dem Au­ßen­ge­län­de ist ein nicht mehr be­nö­tig­ter Con­tai­ner kur­zer­hand zum La­ger um­funk­tio­niert wor­den. Auch die ein­zel­nen Re­gal­tei­le da­für sind ei­gens ge­fer­tigt. Im Werk­statt­ge­bäu­de in der Goe­the­s­tra­ße ist mitt­ler­wei­le die Brand­last ent­fernt, schil­dert Ris­to. Er­neu­ert wur­de hier die Elek­trik, auch das Dach ist pro­vi­so­risch re­pa­riert.

Nach dem Feu­er war an­fangs nicht klar, ob das Haus ab­ge­ris­sen wer­den muss. Doch nach al­len Prü­fun­gen und sta­tis­ti­schen Be­gut­ach­tun­gen steht fest, dass das Ge­bäu­de sta­tisch noch na­he­zu in­takt ist. Die Nut­zungs­un­ter­sa­gung be­steht aber wei­ter. Ein­ge­la­gert sind der­zeit noch ei­ni­ge Ma­schi­nen.

Da­mit sei ein Werk­statt-neu­bau vom Tisch, er­klärt der Tech­ni­sche Di­rek­tor. Es ge­be be­reits sehr gu­te Kon­zep­te für ei­ne Sa­nie­rung und den ge­plan­ten neu­en An­bau. Wie und wann die Sa­nie­rung er­fol­gen kön­ne, sei je­doch un­klar und hän­ge von der Fi­nan­zie­rung ab. Es wird nicht ein­fach. Der Frei­staat fi­nan­ziert schon die Sa­nie­rung von drei Thea­tern in Nord­hau­sen, Ru­dol­stadt und Ge­ra. Aber noch ist ja nicht al­ler Ta­ge Abend.

Der Miet­ver­trag für die der­zeit ge­nutz­te Werk­statt-hal­le läuft be­fris­tet für zwei Jah­re.

Am Don­ners­tag schau­ten sich Schau­spiel­lei­te­rin Chris­ti­ne Ho­fer und Büh­nen­aus­stat­ter Dirk See­se­mann im Werk­statt­ge­bäu­de um und wa­ren an­ge­tan von der „Ve­nus­mu­schel“, die im neu­en Stück des Jun­gen Schau­spiels „Ro­se und Re­gen, Schwert und Wun­de“ei­ne zen­tra­len Platz im Büh­nen­bild ein­nimmt. Gus­ke hat sie nach Ent­wür­fen von See­se­mann ge­baut. So viel Krea­ti­vi­tät und Mit­ar­beit wie in Ei­se­nach hät­te er noch nicht ken­nen­ge­lernt, schwärmt See­se­mann, der schon an klei­nen wie gro­ßen Büh­nen ge­ar­bei­tet hat.

Zu Be­hin­de­run­gen in der Ho­s­pi­tal­stra­ße ist es am spä­ten Mitt­woch­nach­mit­tag nach ei­nem Un­fall ge­kom­men. Er pas­sier­te laut Po­li­zei ge­gen 17 Uhr. Am Fuß­gän­ger­über­weg ha­be ein 67 Jah­re al­ter Au­to­fah­rer ei­ne 21 Jah­re al­te Fuß­gän­ge­rin über­se­hen, die dort ge­ra­de die Stra­ße über­quert ha­be. Die Frau sei schwer, aber nicht le­bens­be­droh­lich ver­letzt und in ein Kran­ken­haus ge­bracht wor­den.

Der Un­fall pas­sier­te in der Dun­kel­heit. Laut Schil­de­run­gen der Po­li­zei hat der Mann die dun­kel ge­klei­de­te Frau nicht ge­se­hen. (smb)

Ab Mon­tag, 14. Fe­bru­ar, kann es im Be­reich der Adolfs­burg bei Tref­furt zu Ein­schrän­kun­gen für Wan­de­rer kom­men. Laut Stadt­ver­wal­tung fin­den in öst­li­cher Rich­tung um­fang­rei­che Frei­schnei­de­ar­bei­ten am Baum- und Sträu­cher­be­stand statt. Die Ar­bei­ten sol­len bis 25. Ja­nu­ar an­dau­ern. Wie das Rat­haus er­klärt, sei die Schutz­hüt­te aus west­li­cher Rich­tung er­reich­bar. (red)

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