H

Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Erste Seite -

ast du sie ge­se­hen, ru­fe ich ge­nervt und zer­re an den Couch­kis­sen un­ter ihm. Nein, soll­te ich? Eben war sie noch hier, ant­wor­te ich, wäh­rend ich ver­su­che, halb blind ei­ne Whats­app-nach­richt zu tippen. „Lkin7t gut ico mel­de m7ck“Leg sie doch im­mer am glei­chen Ort ab, dann musst du nicht su­chen, do­ziert er. Das ha­be ich, aber dort ist sie nicht, er­klä­re ich die Sach­la­ge. Das ist, ant­wor­tet er,un­sinn.

Ist es nicht. Et­was Hö­he­res muss im Spiel sein. So­ge­nann­te Le­se­hil­fen ge­hö­ren zu den läs­tigs­ten Ac­ces­soire im Le­ben ei­ner Frau. Män­ner­ge­sich­tern mö­gen sie Wür­de und Sou­ve­rä­ni­tät ver­lei­hen. Für ei­ne Frau ist ih­re Erst­an­schaf­fung ei­ne Zä­sur, je­de zu­neh­men­de Di­op­trie wie ein Le­bens­ring im Baum­stamm. Ei­ne 50plus-frau­en­run­den im Re­stau­rant er­kennt man dar­an, dass ih­re Köp­fe erst ein­mal in die Hand­ta­schen ab­tau­chen, um bei der Be­stel­lung den Durch­blick zu be­hal­ten. Sie sind ein läs­ti­ges Übel und so be­han­de­le ich sie auch: lieb­los, wahl­los, acht­los. Die so­ge­nann­te Le­se­hil­fe spürt das und rächt sich, in­dem sie re­gel­mä­ßig un­ter­taucht, wenn man sie am nö­tigs­ten braucht. Die Ma­te­rie lebt, Frau­en spü­ren so et­was.

Zu Wei­hach­ten schenk­te er mir ei­nen Satz akus­ti­scher Schlüs­sel­fin­der mit dem Vor­schlag, sie an die Bril­len­bü­gel zu klem­men. So et­was nen­ne ich in­stinkt­los. Ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve wä­re ei­ne Bril­len­ket­te. Sie wür­de mich un­auf­lös­bar an mei­ne Jah­res­rin­ge ket­ten. Das ken­ne ich von mei­ner Groß­mut­ter. Das Le­ben ist nicht fair.

Die Thü­rin­ger Lan­des­re­gie­rung stellt mit dem Haus­halts­wurf für das kom­men­de Jahr 100 Mil­lio­nen Eu­ro für die neue Schlös­ser-stif­tung mit Sach­sen-an­halt und dem Bund zur Ver­fü­gung. Ent­spre­chen­de Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen sei­en Be­stand­teil des Etat­plans für das Jahr 2020, der am Di­ens­tag im Ka­bi­nett be­ra­ten wird, sag­te Kul­tur­mi­nis­ter Ben­ja­min Hoff (Linke) der Thü­rin­ger All­ge­mei­nen.

Der Bun­des­tag hat­te im Dezember be­schlos­sen, Thü­rin­gen und Sach­sen-an­halt 200 Mil­lio­nen Eu­ro für die Sa­nie­rung der Schlös­ser und Gär­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len. Als Be­din­gung wur­de von den Län­dern ei­ne Mit­fi­nan­zie­rung in glei­cher Hö­he und die Grün­dung ei­ner ge­mein­sa­men Stif­tung ver­langt.

Ein ers­tes Tref­fen auf Ar­beits­ebe­ne hat laut Hoff be­reits statt­ge­fun­den. Al­ler­dings be­ste­hen noch Mei­nungs­un­ter­schie­de zwi­schen Bund und Län­dern. So schloss der Mi­nis­ter ka­te­go­risch aus, dass die be­reits exis­tie­ren­den Stif­tun­gen zu­sam­men­ge­legt wer­den. „Für die Lan­des­re­gie­run­gen von Sach­sen-an­halt und Thü­rin­gen ist klar, dass die bis­he­ri­gen Schlös­ser-stif­tun­gen be­ste­hen blei­ben und nicht fu­sio­nie­ren wer­den“, sag­te er. Sie pass­ten von ih­rer Struk­tur her nicht zu­sam­men.

Dar­über hin­aus ver­wies Hoff auf „grund­sätz­li­che Be­den­ken“bei­der Lan­des­re­gie­run­gen. „Der Bund kann uns auch nicht ei­ne Zu­sam­men­le­gung vor­schrei­ben, das wä­re ein Ein­griff in die Kul­tur­ho­heit der Län­der“, sag­te er. „Wir be­dan­ken uns beim Bund für die Rie­sen­chan­ce: Aber wir wol­len nicht am gol­de­nen Zü­gel ge­führt wer­den.“Der Mi­nis­ter er­klär­te, dass bei­de Län­der da­her die Grün­dung „ei­ner neu­en, mög­lichst schlan­ken För­der­stif­tung“an­streb­ten. „Al­lei­ni­ger Zweck der In­sti­tu­ti­on soll­te sein, die Ge­samt­sum­me­von400­mil­lio­nen­eu­ro–al­so 200 Mil­lio­nen Eu­ro vom Bund und 200 Mil­lio­nen Eu­ro von den Län­dern – in den nächs­ten acht Jah­ren aus­zu­ge­ben.“

Da­bei sol­len in Thü­rin­gen nicht nur Lie­gen­schaf­ten der Schlös­ser-stif­tung pro­fi­tie­ren, son­dern auch Schlös­ser und Gär­ten, die nicht da­zu ge­hör­ten, wie zum Bei­spiel Rein­hards­brunn bei Fried­rich­ro­da. Auch in ei­ge­nen Stif­tun­gen or­ga­ni­sier­te Bau­ten wie die Wart­burg oder Schloss Fried­richs­werth im Kreis Go­tha soll­ten an­spruchs­be­rech­tigt sein, sag­te Hoff. „Ent­schei­dend ist, dass das Geld mög­lichst sinn­voll, un­bü­ro­kra­tisch und ef­fi­zi­ent aus­ge­ge­ben wer­den kann.“

Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Linke) hat­te be­reits drei Schlös­ser für die neue Stif­tung vor­ge­schla­gen. Ne­ben Rein­hards­brunn und Fried­richs­werth war dies das Schloss Cros­sen (Saa­le-holz­land-kreis).

Kei­ne Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Ber­lin und Er­furt gibt es bei der ge­plan­ten Sa­nie­rung des Lin­denau-mu­se­ums in Al­ten­burg. Die ers­te Tran­che des Bun­des­an­teils von 24 Mil­lio­nen Eu­ro steht laut Hoff zur Ver­fü­gung. Auch Land ha­be be­reits elf Mil­lio­nen Eu­ro be­wil­ligt.

Ei­ne Bom­ben­dro­hung hat am Frei­tag­mor­gen das Er­fur­ter Land­ge­richt für gut zwei St­un­den kom­plett lahm­ge­legt. Die Bom­ben­dro­hung sei per E-mail be­reits am Don­ners­tag­abend ein­ge­gan­gen, aber erst am Frei­tag­mor­gen vom Wach­per­so­nal des Jus­tiz­ge­bäu­des re­gis­triert wor­den, sag­te Burg­hard Kes­ke, Rich­ter und Pres­se­spre­cher am Land­ge­richt.

Ge­gen 7.30 Uhr sei das Ge­bäu­de eva­ku­iert wor­den, da­nach ha­be es die Po­li­zei mit Spreng­stoff­such­hun­den durch­sucht. Ge­richts­ver­hand­lun­gen konn­ten nicht statt­fin­den. Da­zu, wie vie­le Men­schen von der Eva­ku­ie­rung be­trof­fen wa­ren, mach­te Kes­ke kei­ne An­ga­ben. Die Be­trof­fe­nen hät­ten sich wäh­rend der Durch­su­chung vor dem Haus und auf dem Dom­platz auf­ge­hal­ten. Nach gut zwei St­un­den durf­ten Per­so­nal und Be­su­cher in das Ge­bäu­de zu­rück­keh­ren. Ge­fun­den wor­den sei nichts, sag­te Kes­ke, man füh­le sich wie­der si­cher im Ge­bäu­de. „Wir ver­trau­en da ganz auf die Po­li­zei und ih­re Spür­hun­de“, so der Ge­richts­spre­cher. In­zwi­schen läuft der Ge­richts­be­trieb wie­der weit­ge­hend nor­mal.

Auch an den Land­ge­rich­ten in Mag­de­burg, Pots­dam, Wies­ba­den, Saar­brü­cken, Ham­burg und Kiel wa­ren Bom­ben­dro­hun­gen per E-mail ein­ge­gan­gen. In ei­ni­gen Fäl­len deu­te der In­halt auf rechts­ex­tre­me Be­zü­ge hin. Auch in Pots­dam und Mag­de­burg wur­den die Ge­bäu­de ge­räumt und durch­sucht. Mög­li­che Ver­bin­dun­gen un­ter den Ab­sen­dern blie­ben nach An­ga­ben der Po­li­zei zu­nächst un­klar.

Schles­wig-hol­steins Jus­tiz­mi­nis­te­rin Sabine Süt­ter­lin­waack (CDU) hat den jähr­lich wech­seln­den Vor­sitz der Jus­tiz­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Bun­des­län­der über­nom­men. Sie folgt auf den Thü­rin­ger Die­ter Lau­in­ger (Grü­ne), der die Po­si­ti­on seit An­fang 2018 hat­te. Die Jus­tiz­mi­nis­ter der Län­der kom­men zwei­mal jähr­lich zu Ta­gun­gen zu­sam­men, um sich über jus­ti­zund rechts­po­li­ti­sche Vor­ha­ben ab­zu­stim­men. ( dpa)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.