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Thüringer Allgemeine (Eisenach) - - Freizeit -

ür Bi­ath­lon-nach­wuchs ist ge­sorgt. Nach Arnd Peif­fer wur­de nun Erik Les­ser erst­mals Va­ter, im März folgt Micha­el Rösch. Für das Trio ver­schie­ben sich die Prio­ri­tä­ten; das Le­ben be­steht nicht mehr nur aus Sport. Aber die neue Rol­le, die grö­ße­re Ver­ant­wor­tung für ei­ne Fa­mi­lie kann ja durch­aus be­flü­gelnd wir­ken. Das be­wei­sen der­zeit Peif­fers kon­stant gu­ten Auf­trit­te in den ver­gan­ge­nen Wo­chen.

Die tol­len Ta­ge von Ober­hof zeig­ten je­doch auch: Für die an­klop­fen­den deut­schen Ta­len­te ist der Weg an die in­ter­na­tio­na­le Spit­ze noch weit. Hin­ter den Be­währ­ten klafft nach wie vor ei­ne be­trächt­li­che Lü­cke. Die Welt­cup-luft ist rau, die Leis­tungs­dich­te ver­zeiht kei­ne Feh­ler. Am Renn­steig muss­ten dies Lu­cas Fratz­scher und An­na Wei­del schmerz­haft er­fah­ren. Im De­zem­ber be­kam es schon Phil­ipp Horn zu spü­ren.

Doch ihnen ge­hört die Zu­kunft. Bei der WM im März in Ös­ter­sund sol­len es noch die Eta­blier­ten rich­ten. Sor­gen­frei sind sie al­ler­dings auch nicht; zu groß die Schwan­kun­gen in die­sem Win­ter. Un­ter den ers­ten Zehn im Ge­samt­welt­cup fin­det sich ak­tu­ell kei­ne Deut­sche wie­der. Ein No­vum für das er­folgs­ver­wöhn­te Frau­en­team. Es zeigt au­ßer­dem, wie sehr es von Lau­ra Dahl­mei­er ab­hän­gig ist.

De­ni­se Herrmann jagt eben­so der Qua­li­fi­ka­ti­ons­norm noch hin­ter­her wie Les­ser. Si­mon Sch­empp ist der­zeit völ­lig au­ßer Form. Doch die WM ist so spät in der Sai­son wie sel­ten. Da bleibt ge­nü­gend Zeit für Kor­rek­tu­ren.

Nach dem Win­ter­mär­chen der ver­gan­ge­nen Ta­ge prä­sen­tier­te sich Ober­hof zum Ab­schluss des Bi­ath­lon-welt­cups von sei­ner un­ge­müt­li­chen Sei­te. Dich­te Ne­bel­schwa­den hat­ten sich am Sonn­tag über dem Thü­rin­ger Wald ge­bil­det, wech­seln­de Bö­en blie­sen den 21.600 Zu­schau­ern er­bar­mungs­los ins Ge­sicht und von oben pras­sel­te un­auf­hör­lich Re­gen nie­der.

Wet­ter, das der in Ober­hof le­ben­de Erik Les­ser kennt – aber auch nicht son­der­lich liebt. So stand er nach sei­nem Ein­satz zit­ternd im Ziel und war sicht­lich froh, als er ins War­me durf­te. Doch zu­vor galt es Fra­gen zu be­ant­wor­ten: zum fi­na­len Ren­nen, das die Män­ner­staf­fel auf ei­nem ent­täu­schen­den ach­ten Rang be­en­det hat­te, aber auch zu sei­nem Feh­len in der Ver­fol­gung.

„Es war ei­ne lan­ge Nacht mit ei­nem er­freu­li­chen Er­geb­nis“, er­klär­te er schmun­zelnd. Am frü­hen Sams­tag­mor­gen hat­te sei­ne lang­jäh­ri­ge Le­bens­ge­fähr­tin Na­di­ne ei­ne klei­ne Toch­ter na­mens Anouk zur Welt ge­bracht. „Sie ist klein und kräf­tig, hat Durst, al­le sind ge­sund und glück­lich“, so Les­ser. Mehr woll­te der 30-Jäh­ri­ge nicht ver­ra­ten. En­de No­vem­ber war auch sein Team- und Zim­mer­kol­le­ge Arnd Peif­fer erst­mals Va­ter ei­ner Toch­ter ge­wor­den. Doch Tipps gab die­ser nicht: „Da muss je­der sei­ne ei­ge­nen Er­fah­run­gen sam­meln“, fin­det Les­ser. „Wir ver­su­chen jetzt, uns zu Hau­se et­was ein­zu­g­roo­ven.“

Sei­ner gest­ri­gen Leis­tung tat das auf­re­gen­de Er­leb­nis kei­nen Ab­bruch. Beim sou­ve­rä­nen Sieg von Russ­land vor Frank­reich und Ös­ter­reich über­zeug­te Les­ser als ein­zi­ger Deut­scher im Re­gen am Renn­steig. Als Start­läu­fer be­nö­tig­te er nur ei­ne Nach­la­de­pa­tro­ne und über­gab knapp hin­ter Frank­reich als Zwei­ter auf Si­mon Sch­empp. Doch schon bei der ers­ten Schieß­prü­fung ver­gab die­ser al­le Po­dest­chan­cen, muss­te in die Straf­run­de und ha­der­te hin­ter­her mit sei­ner läu­fe­ri­schen Ver­fas­sung: „So­bald ich mo­men­tan ei­ne ge­wis­se In­ten­si­tät über­schrei­te, ist der Ofen aus. Da ver­lie­re ich un­heim­lich viel Zeit. Und das setzt mich am Schieß­stand noch ein­mal mehr un­ter Druck.“

Da auch Peif­fer die drei Ex­tra­pa­tro­nen im Ste­hend­an­schlag nicht aus­reich­ten, lief die deut­sche Staf­fel zum Welt­cup-ha­la­li nur hin­ter­her. Dar­an konn­te auch Be­ne­dikt Doll nichts mehr än­dern. Den­noch nahm es Bun­des­trai­ner Mark Kirch­ner ge­las­sen: „Wir ge­hen si­cher auf Ur­sa­chen­for­schung, war­um es bei ei­ni­gen schlecht lief. Doch ins­ge­samt über­wiegt das Po­si­ti­ve bei dem Welt­cup: der Po­di­ums­platz von Arnd und die Re­ha­bi­li­ta­ti­on der Da­men nach dem Sprint.“

In der Ver­fol­gung am Sams­tag hat­te sich Peif­fer im Schnee­trei­ben Platz zwei ge­si­chert und war von der Stim­mung ein­mal mehr mäch­tig an­ge­tan: „Ich bin jetzt das zehn­te Mal in Ober­hof da­bei. Aber dar­an ge­wöhnt man sich nie. Es ist mir im­mer wie­der ei­ne Eh­re, hier star­ten zu dür­fen“, sag­te der Sprint-olym­pia­sie­ger, des­sen Stern 2009 am Renn­steig auf­ge­gan­gen war.

Über­ra­schend in die deut­sche Staf­fel ge­rückt, hat­te er ihr da­mals zu Rang drei ver­hol­fen. Zehn Jah­re spä­ter ge­lang ihm wie­der der Sprung aufs Po­dest. In ei­nem pa­cken­den Du­ell auf der Ziel­ge­ra­den be­zwang Peif­fer den Ita­lie­ner Lu­kas Ho­fer. Den Sieg hol­te sich er­neut der in die­ser Sai­son über­ra­gen­de Nor­we­ger Jo­han­nes Ti­g­nes Bö. Als zweit­bes­ter Deut­scher lan­de­te Be­ne­dikt Doll un­ter dem Ju­bel der 22.500 Zu­schau­er auf dem sie­ben­ten Platz.

Zu­vor hat­ten die Frau­en das his­to­ri­sche De­ba­kel im Sprint­ren­nen wett­ge­macht. Beim Tri­umph der Ita­lie­ne­rin Li­sa Vit­toz­zi vor Ana­st­a­si­ja Kuz­mi­na aus der Slo­wa­kei und der Fran­zö­sin Anais Che­va­lier ver­bes­ser­te sich Fran­zis­ka Preuß um ge­wal­ti­ge 39 Plät­ze auf Rang sechs und war da­mit bes­te deut­sche Ski­jä­ge­rin. Das Leid war der Freu­de ge­wi­chen. Auch De­ni­se Herrmann hat­te ei­ne Men­ge Bo­den gut ge­macht. Als 36. ge­star­tet, stürm­te sie auf Platz neun vor; Karolin Horch­ler lief von 34 auf elf.

Die­sen Schwung nah­men die deut­schenski­jä­ger­in­nen­mi­tins Staf­fel­ren­nen. Horch­ler wech­sel­te als Drit­te auf Fran­zis­ka Hil­de­brand, die ihr Team trotz ei­nes Stur­zes dank ma­kel­lo­ser Schieß­ein­la­gen nach vorn brach­te. Fran­zis­ka Preuß konn­te die Füh­rung vor den Rus­sin­nen knapp ver­tei­di­gen, ehe die­se den Spieß am En­de wie­der um­dreh­ten.

Micha­el Röschs Pul­suhr gab an ei­nem Tag in der Sai­son­vor­be­rei­tung den Geist auf, jetzt sei auch sein Ak­ku leer. Un­ter Trä­nen gab der Sach­se in Ober­hof sein Kar­rie­re­en­de be­kannt. In ers­ter Li­nie ha­be ihn ei­ne freu­di­ge Nach­richt zum Rück­tritt be­wegt. „Ich wer­de zum ers­ten Mal Va­ter“, sag­te der 35-Jäh­ri­ge. An­fang März soll sein Sohn zur Welt kom­men.

Sei­ne letz­ten Ren­nen wird er in die­ser Wo­che in Ruh­pol­ding be­strei­ten, wo er 2006 sei­nen ers­ten Welt­cup-sieg fei­er­te. Im glei­chen Jahr, bei den Olym­pi­schen Spie­len in Tu­rin, ge­wann er mit der deut­schen Staf­fel Gold – sein größ­ter sport­li­cher Er­folg. In den Fol­ge­jah­ren konn­te er nicht an die­se Leis­tun­gen an­knüp­fen; es kam zum Bruch mit dem Deut­schen Ski­ver­band, Rösch wech­sel­te nach Bel­gi­en.

Weil er zwei­ein­halb Jah­re auf den Pass war­ten muss­te, ver­pass­te er die Spie­le 2014 in Sot­schi, schaff­te es im Vor­jahr aber nach Pyeong­chang – nicht zu­letzt dank ei­ner Crowd­fun­din­gak­ti­on, bei der mehr als 24.000 Eu­ro zu­sam­men­ka­men.

Ob­wohl er wei­te­re Ein­sät­ze mit der bel­gi­schen Staf­fel nicht aus­schließt, will sich Rösch der Fa­mi­lie wid­men und neue Auf­ga­ben su­chen. „Vi­el­leicht kom­me ich ins Fernsehen“, sag­te er. Auch ei­ne Trai­ner­lauf­bahn sei mög­lich. „Da­für muss ich aber noch viel ler­nen“, sag­te er. Dem Sport kom­plett den Rü­cken zu keh­ren, kommt für ihn nicht in Fra­ge: „Ganz kann ich nicht las­sen vom Bi­ath­lon.“(ebe)

Dop­pel-olym­pia­sie­ge­rin Lau­ra Dahl­mei­er wird beim Welt­cup ab Mitt­woch in Ruh­pol­ding wie­der zur deut­schen Mann­schaft sto­ßen. Auch der Ein­satz der zu­letzt er­käl­te­ten Va­nes­sa Hinz ist ge­plant. Das be­stä­tig­te Björn Weis­heit, sport­li­cher Lei­ter Bi­ath­lon im deut­schen Ski­ver­band. Da­für müs­sen vor­aus­sicht­lich Na­di­ne Horch­ler und An­na Wei­del in den zweit­klas­si­gen IBU-CUP wei­chen. (ma)

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