Zur Per­son

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Politik -

Wä­re es hilf­reich, die Amts­zeit des Bun­des­kanz­lers zu be­gren­zen?

Man­che mei­nen, das sei gar nicht nö­tig, weil der Kanz­ler oder die Kanz­le­rin je­der­zeit ab­be­ru­fen wer­den kann durch ein kon­struk­ti­ves Miss­trau­ens­vo­tum, al­so die Wahl ei­nes neu­en Re­gie­rungs­chefs. Aber of­fen­sicht­lich sind die po­li­ti­schen Par­tei­en, die den Kanz­ler tra­gen, gar nicht mehr in der La­ge, ei­ne Hans-Jür­gen Pa­pier (75) war von April 2002 bis März 2010 Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes. Der Sohn ei­ner Ber­li­ner Bä­cker­fa­mi­lie stu­dier­te Rechts­wis­sen­schaf­ten in Ber­lin. Ab 1974 lehr­te er Staats­recht an der Uni Bie­le­feld. Pa­pier ist ver­hei­ra­tet, hat zwei Kin­der und lebt in Tutz­ing am Starn­ber­ger See. (fmg)

Der Hö­hen­flug der AfD er­folgt, ob­wohl sie im­mer ra­di­ka­ler wird: Füh­ren­de Ver­tre­ter ver­harm­lo­sen die NS-Zeit, de­mons­trie­ren an der Sei­te von Neo­na­zis und pro­pa­gie­ren den Um­sturz. Re­agiert der Staat hin­rei­chend kon­se­quent?

Die Par­tei­en, die das par­la­men­ta­ri­sche Sys­tem tra­gen, ha­ben Feh­ler ge­macht. Da­her ist es zum Er­star­ken ra­di­ka­ler Kräf­te ge­kom­men. Jetzt ist es an­ge­zeigt, die­ser Fehl­ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Vor al­lem muss die Flücht­lings­fra­ge ge­löst wer­den – un­ter Be­ach­tung der rechts­staat­li­chen Vor­ga­ben. Es ist si­cher­lich be­grü­ßens­wert, wenn ei­ne Ge­sell­schaft nach mo­ra­lisch-ethi­schen Über­le­gun­gen hilft und ver­sucht, die Not an­de­rer Men­schen zu lin­dern. Aber Hu­ma­ni­tät und Barm­her­zig­keit müs­sen in den Bah­nen des Rechts ver­lau­fen. Moral, die sich ge­gen das Recht stellt, ver­lei­tet zur Be­lie­big­keit und Will­kür.

Die­se Fra­gen ha­ben die Re­gie­rung an den Rand des Bruchs ge­führt – mit dürf­ti­gen Er­geb­nis­sen.

Ich ha­be den Vor­stoß von In­nen­mi­nis­ter See­ho­fer, zur Ein­hal­tung des Rechts an deut­schen Gren­zen zu­rück­zu­keh­ren, durch­aus be­grüßt. Das war kein Streit, der aus per­sön­li­chen Grün­den vom Zaun ge­bro­chen wur­de. Es ging um Grund­satz­fra­gen. Aber die Lö­sun­gen über­zeu­gen auch mich noch nicht in vol­lem Um­fang.

Ge­nügt es, die AfD mit der Lö­sung von Pro­ble­men zu be­kämp­fen? Oder ist auch der Ver­fas­sungs­schutz ge­for­dert? Da­zu fehlt mir die Kennt­nis. Der gro­ße Zu­lauf zur AfD ist je­den­falls dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass vie­le Men­schen das Ver­trau­en in die Pro­blem­lö­sungs­fä­hig­keit der Par­tei­en der Mit­te ver­lo­ren ha­ben. Das hal­te ich für kri­tisch. Wir ha­ben Gott sei Dank kei­ne Zu­stän­de wie am En­de der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Es gibt kei­nen An­lass für Hys­te­rie. Aber es ist an der Zeit, auf Fehl­ent­wick­lun­gen hin­zu­wei­sen, die drin­gend kor­ri­giert wer­den müs­sen.

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