„Ihr könnt hier et­was be­we­gen!“

Nach ei­nem Jahr Schü­ler­par­la­ment zie­hen die Vor­stän­de Lil­li Fi­scher und Flo­ri­an Mol­le ei­ne ers­te Bi­lanz

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Erfurter Allgemeine - Von Be­ne­dikt Ba­the

Die Thü­rin­ger All­ge­mei­ne gra­tu­liert heu­te in:

Er­furt

Ger­traud Dietrich zum 75., Ur­bich

Ani­ta Hellmuth zum 82.

und am Sonn­tag in:

Er­furt

Hans Töp­ken zum 99.,

Paul Loh­feld zum 82. und Hel­mut Loth zum 76. im AWOSe­nio­ren­pfle­ge­heim Haus zu den vier Jah­res­zei­ten, Kühn­hau­sen

Hel­mut Preuß zum 84., Win­disch­holz­hau­sen

Hel­mut He­ring zum 80. Ge­burts­tag recht herz­lich.

Wenn Sie je­man­dem zum Ge­burts­tag ab dem 60. Le­bens­jahr gra­tu­lie­ren möch­ten, dann schi­cken Sie Ih­re Glück­wün­sche per Mail an er­furt@thue­rin­ger­all­ge­mei­ne.de oder ru­fen Sie uns an un­ter (0361) 5 55 05 10. Er­furt. Die Fra­ge nach dem War­um be­ant­wor­tet Lil­li Fi­scher (18) wie aus der Pis­to­le ge­schos­sen: „Es gibt in der Stadt ei­nen El­tern­bei­rat, ei­nen Se­nio­ren­bei­rat – aber wo ist denn die kom­mu­na­le Ver­tre­tung von Schü­lern ge­blie­ben?“

Aus dem Un­ver­ständ­nis dar­über ent­stand 2015 die Idee des Schü­ler­par­la­ments. Nach ei­nem hür­den­rei­chen Weg durch die Stadt­po­li­tik fei­ert das Par­la­ment die­sen No­vem­ber sein ein­jäh­ri­ges Be­ste­hen. Zeit für ein ers­tes Bi­lanz­ge­spräch – mit Lil­li Fi­scher, mitt­ler­wei­le Vor­sit­zen­de des Par­la­ments, und Flo­ri­an Mol­le (16), der ihr ab Fe­bru­ar nach­folgt.

Je­de der 53 wei­ter­füh­ren­den Schu­len in Er­furt ent­sen­det drei ge­wähl­te De­le­gier­te in das Schü­ler­par­la­ment. „Es gibt in je­der Voll­ver­samm­lung an­de­re Schwer­punk­te“, sagt Mol­le, „aber ganz oft kommt das The­ma der Stadt­be­grü­nung zur Spra­che.“Groß­flä­chig ver­sie­gel­te Plät­ze, wie der An­ger, sind den jun­gen Leu­ten ein Dorn im Au­ge. Fi­scher merkt an, dass die Bun­des­gar­ten­schau 2021 da ver­mut­lich Ab­hil­fe schaf­fe, „aber na­tür­lich: Mehr geht im­mer.“

Eben­falls wie­der­keh­rend: das Müll­pro­blem. Die Schü­ler stö­ren sich an den Un­men­gen von Papp­be­chern, Ein­mal­grills oder Plas­tik­müll, die im Som­mer die Grün­flä­chen der In­nen­stadt über­sä­hen. Sie set­zen sich da­her für häu­fi­ge­re Rei­ni­gun­gen so­wie Pfan­d­rin­ge an den Müll­ei­mern ein. So, hof­fen sie, lan­den die Pfand­fla­schen nicht mehr auf der Wie­se – und Fla­schen­samm­lern bleibt das Wüh­len in den Ab­fäl­len er­spart. Auch die Vor­be­rei­tung auf stei­gen­de Schü­ler­zah­len ha­ben die Par­la­ments­vor­stän­de und ih­re Mit­strei­ter im Blick. Fi­scher rech­net vor, dass Er­furt in den nächs­ten Jah­ren 1000 zu­sätz­li­che Plät­ze für Schü­ler brau­che. Da­her un­ter­stütz­ten sie ei­nen Vor­schlag des Kö­ni­gin-Lui­seGym­na­si­ums, mit ei­nem An­bau die be­nö­tig­ten Ka­pa­zi­tä­ten zu schaf­fen, der von der Stadt zu­nächst kri­tisch be­äugt wur­de. „Wir kön­nen ein­fach nicht so ar­bei­ten, als wür­de es die­ses De­fi­zit ir­gend­wann nicht ge­ben“, mahnt Lil­li Fi­scher.

Nicht im Par­la­ment ver­tre­ten sind die Grund­schü­ler. Die mehr­stün­di­gen Sit­zun­gen sei­en für die Jüngs­ten noch zu an­stren­gend. Statt­des­sen gibt es nun ei­nen „Fach­aus­schuss für die Be­lan­ge der Grund­schü­ler“, der Pro­ble­me und Be­dürf­nis­se aus den ers­ten bis vier­ten Klas­sen der Stadt zur Spra­che brin­gen soll.

Um ak­tiv mit­be­stim­men zu kön­nen, hat der Stadt­rat den Schü­ler­ver­tre­tern ver­schie­de­ne Pri­vi­le­gi­en zu­ge­stan­den. Da­zu ge­hört je­weils ein Sitz im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss und im Sport­aus­schuss – mit Re­de-, aber oh­ne Stimm­recht. Zu­dem sit­zen die Schü­ler in der Len­kungs­grup­pe für den Ei­gen­be­trieb Schul­bau. Hin­ter dem sper­ri­gen Na­men ver­birgt sich die Mög­lich­keit, die Bau­wei­se neu­er Schul­ge­bäu­de mit­zu­ge­stal­ten und auch Fi­nanz­mit­tel für die Sa­nie­rung ma­ro­der Schul­ge­bäu­de lo­cker zu ma­chen. Im Par­la­ment wur­de ih­nen von brö­ckeln­den Trep­pen und not­dürf­tig über­mal­ten Schim­mel­wän­den be­rich­tet.

Lil­li Fi­scher ge­steht aber auch: „Mir fehlt noch ein biss­chen, dass wir wirk­lich et­was durch­set­zen.“Denn von ih­rem wich­tigs­ten Mit­be­stim­mungs­recht ha­ben die Par­la­men­ta­ri­er bis­lang kei­nen Ge­brauch ge­macht: An­trä­ge in den Stadt­rat ein­brin­gen zu kön­nen. „Bis­her war die An­sa­ge le­dig­lich: Macht mal; reicht das ein­fach beim De­zer­nat ein.“Sie be­fürch­ten, dass ih­re An­trä­ge dort nicht ge­nug Be­ach­tung fin­den wer­den. Und: „So ein­fach ist das nicht für je­man­den, der noch nie so et­was ge­macht hat“, sagt Fi­scher. Ein ers­ter An­trag zur ge­nann­ten Müll­pro­ble­ma­tik soll nun die Pro­be aufs Ex­em­pel ma­chen. „Das ist die nächs­te Hür­de, die wir er­klim­men müs­sen.“ Da­bei wün­schen sie sich mehr Rück­halt in der Stadt­po­li­tik. Ei­ne Ein­la­dung zum Frak­ti­ons­ge­spräch sei bis­lang nur von der CDU ge­kom­men. „Es ist nicht so, als wür­den sich die Frak­tio­nen uns ver­schlie­ßen, aber wir wer­den noch nicht mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen“, meint Fi­scher, die selbst bei den Christ­de­mo­kra­ten en­ga­giert ist. Sie lobt an­de­re Initia­ti­ven aus der Stadt, die auf die Schü­ler zu­ge­kom­men sind, dar­un­ter der Sucht­prä­ven­ti­ons­ver­ein „Su­PEr“oder die Bür­ger­stif­tung, die ei­nen Ge­ne­ra­tio­nen­dia­log ver­an­stal­te­te. Auch zum Ober­bür­ger­meis­ter be­ste­he ein recht gu­ter Draht.

Of­fen spricht Flo­ri­an Mol­le ei­nes der bis­lang größ­ten Pro­ble­me an: „Die, die im Schü­ler­par­la­ment sit­zen, fin­den das to­tal toll. Aber al­le an­de­ren wis­sen dar­über über­haupt nichts“. Auf Face­book und Co. in­for­mie­ren die Par­la­men­ta­ri­er be­reits über ih­re Ar­beit. Aber nur 164 Per­so­nen „ge­fällt das“. Ob es an der Zu­sam­men­ar­beit mit den De­le­gier­ten – dem „Na­del­öhr“zwi­schen Schü­ler­schaft und Par­la­ment – liegt? „Ich weiß, wenn ich ei­ne Fra­ge ha­be, kann ich je­man­den an­ru­fen. Ich glau­be auch, dass die De­le­gier­ten im Um­kehr­schluss wis­sen: Wenn ich ei­ne Fra­ge ha­be, kann ich den Vor­stand an­ru­fen“, meint Fi­scher.

Die De­le­gier­ten sol­len an ih­ren Schu­len den Klas­sen­spre­chern ver­stärkt vom Schü­ler­par­la­ment be­rich­ten. Und auch die Vor­stän­de wol­len nun mehr in die Öf­fent­lich­keit ge­hen. Zwei – ju­gend­li­che – Re­fe­ren­ten gibt es be­reits da­für.

Denn, und die­ser Aspekt ist bei­den be­son­ders wich­tig: Mit dem Schü­ler­par­la­ment wol­len sie mehr jun­gen Leu­ten Po­li­tik nä­her­brin­gen. Sie be­ob­ach­ten, dass die Be­geis­te­rung da­für zu­rück­ge­he. „Ich se­he das Schü­ler­par­la­ment in der Ver­ant­wor­tung, dass wir den Schü­lern zei­gen: Po­li­tik geht uns tat­säch­lich auch et­was an. Geht wäh­len, ihr habt eu­re De­le­gier­ten, ihr könnt hier wirk­lich eu­re Ide­en um­set­zen und et­was be­we­gen!“, sagt Mol­le mit Nach­druck. Die­sen Ve­rän­de­rungs­wil­len, der auch mit Ver­ant­wor­tung ein­her­ge­he, wol­len sie in ih­rer Ge­ne­ra­ti­on we­cken.

Was Er­fur­ter Schü­ler von ih­rem Par­la­ment er­war­ten kön­nen? „Dass wir et­was ver­än­dern“, sagt Flo­ri­an Mol­le ent­schlos­sen. Wie­der kommt das wie aus der Pis­to­le ge­schos­sen.

Ver­schie­de­ne The­men im Blick

Noch nicht mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen

In­ter­es­sier­te Schü­ler kön­nen sich be­tei­li­gen, neue De­le­gier­te sol­len an al­len Schu­len bis Fe­bru­ar ge­wählt wer­den. Ein Teil un­se­rer Aus­ga­be ent­hält Bei­la­gen der Schuh­haus Diel­mann Gm­bH so­wie der Trend­tours Tou­ris­tik Gm­bH.

Wol­len Ju­gend­li­che für Po­li­tik und Po­li­tik für Ju­gend­li­che be­geis­tern: Lil­li Fi­scher, schei­den­de Vor­sit­zen­de des Schü­ler­par­la­ments, und ihr Nach­fol­ger Flo­ri­an Mol­le vor ih­rem „Amts­sitz“am Fisch­markt. Fo­to: Be­ne­dikt Ba­the

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