Su­per­schnel­les In­ter­net, lee­re Kas­se

Thüringer Allgemeine (Erfurt-Land) - - Erste Seite -

Wind­rad, Wind­rad, Wind­rad... oh, und da noch ein Wind­rad, den­ke ich mir meis­tens, wenn ich mit dem Zug aus mei­nem Her­kunfts­bun­des­land Sach­senAn­halt in die neue Hei­mat un­ter­wegs bin. Im­mer­hin ist der Mensch, wie Lo­ri­ot es einst schon fürs Flie­gen de­kla­rier­te, der Kö­nig des mo­der­nen Fahrt­ver­kehrs. Al­lein, weil er es schafft, bei Höchst­ge­schwin­dig­keit noch ei­ne war­me Mahl­zeit ein­zu­neh­men oder eben, wie ich, aus dem Fens­ter zu se­hen.

Doch auch, wenn auf den Gän­gen vor den heu­te sel­ten ge­wor­de­nen Ab­tei­len nun kei­ne vor sich hin­schlur­fen­den Rau­cher mehr für Ablen­kung für die Au­gen sor­gen, so kann man trotz­dem auch auf kur­zer Stre­cke noch so ei­ni­ges er­le­ben. So rät­sel­te zu­letzt ein Pär­chen am Fens­ter, ob sich Wind­rä­der nicht im­mer in die sel­be Rich­tung dre­hen, und wenn ja, in wel­che. Das brach­te mich auch zum Nach­den­ken, ge­nau­so wie die Fra­ge, ob der Bun­des­ad­ler auf der Eu­ro­mün­ze nach links oder rechts guckt. Und ob das die sel­be Rich­tung ist, wie die sei­nes gi­gan­ti­schen gleich­ge­sinn­ten Bru­ders im Bun­des­tag.

Die Wind­rad­fra­ge wur­de dann üb­ri­gens zwi­schen Wei­mar und Er­furt ge­klärt, nach­dem wir ei­ne Rei­he Ex­em­pla­re sa­hen, die sich ab­wech­seln in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen dreh­ten. Bleibt al­so nur noch die Fra­ge nach dem Ad­ler. Aber auch die soll­te sich durch ei­nen Blick in die Ho­sen­ta­sche klä­ren las­sen.

An der Ecke Er­fur­ter Stra­ße/Zum Bie­den­born steht ein ge­wal­ti­ger grau­er Kas­ten. Da steckt viel Zu­kunft für Zim­mern­su­pra drin. Die Te­le­kom hängt gera­de die 350-See­len-Ge­mein­de im Wes­ten vor den To­ren Er­furts ans su­per­schnel­le In­ter­net. Die An­schluss­ar­bei­ten lau­fen. „250 Me­ga­bit für al­le“sagt Zim­mern­su­pras Bür­ger­meis­ter En­ri­co Hil­ke (par­tei­los) und strahlt zuf­rie­den. Dar­um wür­de die Dörf­ler von vie­len Städ­tern be­nei­det.

Ins­ge­samt blickt Hil­ke mit ei­ni­ger Zuf­rie­den­heit auf das letz­te Jahr zu­rück. Das Dorf scheint wie­der ge­eint, nach­dem jah­re­lan­ger Streit an der Ta­ges­ord­nung war. Seit je­doch 2014 die Mehr­heits­ver­hält­nis­se im Ge­mein­de­rat kipp­ten und man nicht mehr ta­ten­los zu­se­hen muss­te, was sei­ner­zeit die „Frak­ti­on“der CDU – be­ste­hend aus vierLeu­ten–im­sie­ben­köp­fi­gen Ge­mein­de­rat Kraft ih­rer Mehr­heit al­les durch­drück­te, hat sich die Er­re­gung deut­lich re­du­ziert. Was aus je­ner Zeit al­ler­dings ge­blie­ben ist – ein Sack voll Schul­den. Ge­eig­net, dem klei­nen Ort auch in den nächs­ten zehn bis 15 Jah­ren wie ein Mühl­stein am Hals zu hän­gen. Hier hakt der Bür­ger­meis­ter ein. „2010, bei mei­ner Amts­über­nah­me, hat­te Zim­mern­su­pra dürf­ti­ge 44.000 Eu­ro an Rück­la­gen, da­für ei­nen ge­wal­ti­gen Schul­den­berg von 329.700 Eu­ro. En­de letz­ten Jah­res war das Gut­ha­ben auf 197.000 Eu­ro an­ge­wach­sen und die Ver­schul­dung auf 239.500 Eu­ro ge­sun­ken“rech­net Hil­ke vor. Das kön­ne sich doch se­hen las­sen, oder? fragt er mit leicht tri­um­phie­ren­dem Un­ter­ton. Um je­doch so­gleich mit lei­sem Sar­kas­mus an­zu­mer­ken, dass er es wohl nicht mehr er­le­ben wer­de, dass sein Dörf­chen die Schul­den für die Kai­ser­lin­den-Sa­nie­rung ab­be­zahlt ha­ben wird. Zu schwer wiegt die Hy­po­thek, die sein Amts­vor­gän­ger sei­ner­zeit dem Ort mit der to­tal über­teu­er­ten Lu­xus­sa­nie­rung des Gast­hau­ses „Zur Kai­ser­lin­de“auf­ge­bür­det hat­te.

Seit Jah­ren ver­sucht sich in der Kai­ser­lin­de ei­ne L’Os­te­ria. We­nigs­tens wird der Ge­mein­de­kas­se da­durch ei­ne klei­ne mo­nat­li­che Pacht­ga­ran­tie­sum­me ge­zahlt. Den Saal ver­mie­tet die Ge­mein­de sel­ber. Mit recht or­dent­li­chen Er­folg, wie Hil­ke ver­si­chert. Der Zu­spruch für Fa­mi­li­en­fei­ern und pri­va­ten Ver­an­stal­tun­gen sei je­den­falls re­ge.

Trotz der Ver­bind­lich­kei­ten steht in Zim­mern­su­pra das öf­fent­li­che Le­ben aber nicht still. Die alte Schu­le frei­lich wur­de 2018 an ein Un­ter­neh­men ver­äu­ßert, das dort sei­nen Fir­men­sitz auf­ma­chen und zwei Miet­woh­nun­gen ein­rich­ten möch­te. Bei Er­hal­tung der his­to­ri­schen Ku­ba­tur des Ge­bäu­de, wie Hil­ke ver­si­chert. Ei­ge­ne Um­bau­plä­ne, die seit vie­len Jah­ren vor sich hin däm­mer­ten, muss­te die Ge­mein­de zu den Ak­ten le­gen. Kein Geld, man ha­be an­de­re Prio­ri­tä­ten, heißt es.

Die ei­ne an­de­re Prio­ri­tät, das ist ein Mehr­zweck­ge­bäu­de am Sport­platz in Zim­mern­su­pra. Da­für hat die Ge­mein­de ex­tra Land zu­ge­kauft. Das Ge­bäu­de soll spä­ter dem Ju­gend­club, dem Ge­mein­de­ar­bei­ter und der Feu­er­wehr mit Schu­lungs­räu­men zur Ver­fü­gung ste­hen. Al­les Din­ge, an de­nen es hier ha­pert. Der Bau soll sich, um be­zahl­bar zu blei­ben, über meh­re­re Jah­re zie­hen. Die För­der­mit­tel da­für wer­den in die­sem Jahr be­an­tragt. 300.000 Eu­ro be­trägt die Ge­samt­in­ves­ti­ti­on. 30 Pro­zent, so Hil­kes Hoff­nung, könn­te das Land da­zu ge­ben. 150.000 Eu­ro sol­len als Ei­gen­ka­pi­tal ein­flie­ßen. Die rest­li­chen 60.000 Eu­ro wür­den dann über meh­re­re Jah­re ge­streckt aus dem je­wei­li­gen Haus­halt bei­ge­steu­ert, so die Rech­nung. „Um Him­mel Wil­len, kei­ne neu­en Schul­den“, beugt der Bür­ger­meis­ter an­de­ren Ge­dan­ken­spie­len so­gleich vor. Aber oh­ne­hin ha­be die Kom­mu­nal­auf­sicht Zim­mern­su­pra als „nicht kre­dit­wür­dig“ein­ge­stuft. Da klä­re sich ei­ni­ges von selbst.

Ge­klärt ist im Zu­ge der Ge­biets­re­form in Thü­rin­gen die Zu­ge­hö­rig­keit des Or­tes. Zu­min­dest vor­läu­fig. „Wir blei­ben in der Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft Nes­seaue und damit ei­gen­stän­dig“, sagt Hil­ke mit Be­stimmt­heit. Kei­ne Ein­heits­ge­mein­de, kei­ne Ein­ge­mein­dung zur Er­furt, nichts der­glei­chen.

Die Ei­gen­stän­dig­keit sei ein ho­hes Gut und die Re­gi­on sei noch nicht so weit, dass sie sich von an­de­ren füh­ren las­sen wol­le. Wä­re Zim­mern­su­pra in ei­ner Land­ge­mein­de (LG) auf­ge­gan­gen, hät­te man zwar pro Kopf 200 Eu­ro vom Land be­kom­men. „Aber das wä­re so­fort im gro­ßen LG-Haus­halt ver­schwun­den und un­se­re Schul­den wä­ren wir da­durch auch nicht los­ge­wor­den“, sagt Hil­ke. Als kleins­ter Ort hät­te man dann nicht mal ein Mit­glied im Ge­mein­de­rat ge­habt und wä­re auf die Gna­de der an­de­ren an­ge­wie­sen ge­we­sen. Al­le Ge­mein­de­rä­te hät­ten da­her ih­re Ab­leh­nung da­ge­gen deut­lich ge­macht. Hil­ke: „Ich glau­be, auch die Ein­woh­ner ha­ben das po­si­tiv auf­ge­nom­men“. Il­lu­sio­nen ge­be er sich aber nicht hin. Ir­gend­wann sei es so weit. Dann wür­de man um ei­ne Zwangs­fu­si­on nicht mehr um­hin kom­men. Aber bis da­hin sei noch ei­ne Men­ge Zeit.

Glück im Un­glück hat­te ei­ne 60-jäh­ri­ge Au­to­fah­re­rin am Don­ners­tag in Egstedt. Sie woll­te am Vor­mit­tag aus dem Ort fah­ren, wo­bei ihr Opel Cor­sa in ei­ner Kur­ve ins Rut­schen ge­riet und in den Stra­ßen­gra­ben rutsch­te. Das Fahr­zeug kam auf dem Dach zum Lie­gen. Die Fah­re­rin konn­te sich selbst aus dem Au­to be­frei­en und blieb zum Glück un­ver­letzt. Sie wur­de vor­sorg­lich ins Kli­ni­kum ge­bracht. Der Scha­den am Au­to muss noch er­mit­telt wer­den. (red)

In ei­ne Bä­cke­rei in Nie­der­nis­sa ha­ben un­be­kann­te Tä­ter in der Nacht zum Don­ners­tag ein­zu­bre­chen ver­sucht. Sie wen­de­ten an ei­nem Fens­ter viel Kraft auf, um sich Zu­tritt in die Räu­me zu ver­schaf­fen und ver­ur­sach­ten da­bei 500 Eu­ro Scha­den. Die Tä­ter ga­ben schließ­lich auf und konn­ten un­er­kannt ent­kom­men. (red)

Im Gü­ter­ver­kehrs­zen­trum hat ei­ne To­yo­ta-Fah­re­rin (23) am Don­ners­tag beim Ver­las­sen ei­nes Fir­men­ge­län­des (Im Mit­tel­fel­de) ei­nen Re­nault Clio auf der Haupt­stra­ße über­se­hen, bei der Kol­li­si­on ent­stan­den Schä­den von ca. 6000 Eu­ro. Ver­letzt wur­de nie­mand. (red)

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