Jena­er be­tei­ligt sich am Bau mit­tel­al­ter­li­cher Burg

Der Phy­si­ker Ben­ja­min Fuchs er­lebt span­nen­de Ta­ge in Frank­reich. Seit 1997 wird oh­ne mo­der­ne Hilfs­mit­tel an dem Pro­jekt ge­ar­bei­tet 30 000 Gäs­te pro Jahr

Thüringer Allgemeine (Erfurt) - - Wissenschaft -

Ganz oh­ne mo­der­ne Tech­nik, mit den Me­tho­den des . Jahr­hun­derts, wird seit  ei­ne Burg im fran­zö­si­schen Bur­gund ge­baut. „Gué­de­lon“– an dem Pro­jekt ex­pe­ri­men­tel­ler Archäologie ist der Jena­er Phy­si­ker Ben­ja­min Fuchs be­tei­ligt. Auf dem Fo­to zu se­hen ist der Vor­gän­ger ei­nes Krans, der aus Lauf­rä­dern und ei­ner Win­de be­steht. Fo­tos: Char­lot­te Wolff Krans nach oben trans­por­tiert. Bis die­ser auf der Bau­stel­le ver­wen­det wer­den durf­te, er al­so den heu­ti­gen Si­cher­heits­vor­schrif­ten ent­sprach, be­durf­te es vier Jah­re in­ten­si­ver Ver­hand­lung. ei­nen Au­ßen­stein, der muss ganz ak­ku­rat plat­ziert wer­den, bei der Fül­lung zwi­schen den Wän­den hin­ge­gen wer­den die St­ei­ne und der Mör­tel mehr oder we­ni­ger un­ge­ord­net ge­setzt. Dies ist ei­ne Ar­beit für die Ewig­keit, für die die Hän­de ge­braucht wer­den. sich ein pas­sen­des Paar. Für Ben­ja­min steht das Mör­tel­mi­schen auf dem Plan. Das heißt Sand und ge­lösch­ten Kalk im rich­ti­gen Ver­hält­nis zu ver­men­gen. Der Mör­tel kann am Nach­mit­tag gleich wie­der auf der Burg­mau­er ein­ge­setzt wer­den.

Tag drei steht ganz im Zei­chen des Dach­zie­gel­her­stel­lens. Wie al­les, was für die Burg ge­braucht wird, wer­den die Zie­gel vor Ort her­ge­stellt. Das be­durf­te zu­nächst ei­ni­ger Ver­su­che und Ex­pe­ri­men­te. Wie für vie­le Me­tho­den aus dem 13. Jahr­hun­dert gibt es für die Zie­gel­bren­ne­rei kei­ne ge­nau­en An­lei­tun­gen. Al­les muss zu­nächst aus­pro­biert und an­ge­passt wer­den. müss­te, doch das muss sich in der Pra­xis erst be­wei­sen. So dau­er­te es et­was, bis die Zie­gel und Bo­den­flie­sen den Brenn­ofen in­takt ver­las­sen konn­ten. In­zwi­schen sind die Ab­läu­fe rou­ti­niert. Ge­brannt wird nur zwei bis drei­mal im Jahr, et­wa 10 000 Stück. Die rest­li­che Zeit wird ge­formt. Der Lehm wird gleich ne­ben der Werk­statt aus dem Bo­den ge­holt, ho­mo­gen ge­kne­tet und an­schlie­ßend in Holz­rah­men ge­presst. Ben­ja­min darf sei­nen ers­ten Zie­gel gleich noch ein­mal ma­chen, denn der Meis­ter ist nur dann zu­frie­den, wenn kei­ne Ris­se und Luft­lö­cher zu se­hen sind.

Eben­falls nicht di­rekt an der Bau­stel­le, aber wich­tig ist der Sei­ler. Dort ar­bei­tet Ben­ja­min am nächs­ten Tag. Bis auf die Sei­le für den Kran und die zum Ab­si­chern des Ge­rüs­tes am Turm wur­den al­le auf dem Ge­län­de ver­wen­de­ten Sei­le hier her­ge­stellt. Am Nach­mit­tag wird der Fär­be­rin Char­lot­te ge­hol­fen. Die Stof­fe, die mit In­di­go ge­färbt wer­den sol­len, müs­sen ge­beizt wer­den. Sie wer­den in ei­ner Mi­schung aus Alaun und Wein­stein ge­kocht, so dass die Fa­sern die Far­be spä­ter auf­neh­men kön­nen. Es gibt ei­ne Schmie­de, sie ver­sorgt al­le Bau­be­rei­che mit Werk­zeug. Am En­de des Tages sind dort ein Ga­bel­dorn und ein a Na­he der Bau­stel­le von Gué­de­lon steht das Schloss Saint Far­ge­au. Bei ei­ner ar­chäo­lo­gi­schen Un­ter­su­chung kam zu­ta­ge, dass un­ter die­sem Schloss die Grund­mau­ern ei­ner viel äl­te­ren Burg ste­hen. Die­se Ent­de­ckung gab den An­lass für das Burg­bau­pro­jekt. a Be­son­ders schwie­rig war es zu­nächst, aus­ge­bil­de­te Ar­bei­ter zu be­kom­men, denn mit den al­ten Me­tho­den war nie­mand ver­traut. Als das Pro­jekt 1997 ge­star­tet wur­de, gab es nur ei­ne Hand voll Mit­ar­bei­ter. Erst 2000 wur­de auf­ge­stockt. a Die ers­ten drei Jah­re wur­de der Bau über Spen­den fi­nan­ziert, seit 2000 trägt es sich fi­nan­zi­ell selbst. Da­bei be­ste­hen 80 Pro­zent der Aus­ga­ben aus Ge­häl­tern. a Ei­ne wei­te­re Mo­ti­va­ti­on für die Grün­der war es, lang­fr­si­tig Jobs in ei­ner länd­li­chen Re­gi­on zu schaf­fen. a Ins­ge­samt gibt es et­wa 100 Mit­ar­bei­ter, da­von 40, die am Bau be­tei­ligt sind. Der Rest ar­bei­tet in der Ver­wal­tung, als Tou­ris­ten­füh­rer oder im Re­stau­rant. a Ein­nah­men stam­men pri­mär aus den Ein­tritts­gel­dern, et­wa 30 000 Be­su­cher kom­men pro Jahr. a Ist die Burg fer­tig ge­stellt, soll ein mit­tel­al­ter­li­ches Dorf im Um­kreis ent­ste­hen.

Über kur­ze Stre­cken müs­sen Baustei­ne mit ei­ner Schub­kar­re trans­por­tiert wer­den.

Die­ser Bau ent­stand in­ner­halb von  Jah­ren, oh­ne mo­der­ne Hilfs­mit­tel.

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