„Ei­ne Zel­le, Glas­bau­stei­ne statt Fens­ter, ei­ne Prit­sche, Ei­mer“

Son­der­aus­stel­lung der Ge­denk- und Bil­dungs­stät­te Andre­as­stra­ße re­flek­tiert Le­ben in Thü­rin­ger DDR-Durch­gangs­heim

Thüringer Allgemeine (Erfurt) - - Erfurter Allgemeine - Von Kath­le­en Krö­ger

Er­furt. „War ich Gi­se­la Schu­bert und ein Teu­fel – oder auch mal ein gu­tes Kind?“ist ei­ner von vie­len Ge­dan­ken, die Gi­se­la Schu­bert ih­ren teils la­ko­ni­schen, teils be­klem­men­den Bil­dern hin­zu­ge­fügt hat. So ver­schie­den ihr Mal­stil va­ri­iert, glei­chen sich die Bild­kon­struk­tio­nen doch im Ziel der Il­lus­tra­ti­on und Au­f­ar­bei­tung des De­mü­ti­gungs­kos­mos im All­tag des DDR-Durch­gangs­heims – ei­ne Art Umer­zie­hungs­kin­der­heim – in Schmie­de­feld.

Die viel­fäl­ti­gen For­men des Ar­rests und der Be­stra­fung un­ge­woll­ten Ver­hal­tens der Kin­der und Ju­gend­li­chen wer­den in der Son­der­aus­stel­lung „Durch­gang – Spu­ren/Stim­men/Schrit­te“der Ge­denk- und Bil­dungs­stät­te Andre­as­stra­ße in in­halts­reich do­ku­men­tiert und ver­an­schau­licht.

Ne­ben ei­ner trans­lu­zent er­schei­nen­den Nach­bil­dung ei­ner Ar­rest­zel­le ar­bei­tet die Aus­stel­lung auch mit zahl­rei­chen so­wie his­to­ri­schen als auch plas­ti­schen Ma­te­ria­len. In re­du­zier­ter Be­leuch­tung bil­den die ge­zeig­ten Stü­cke der Zel­len­fuß­bö­den ei­ne der ein­drück­lichs­ten Im­pres­sio­nen. Tief ein­ge­ritz­te Bil­der, Ge­sich­ter, Si­gna­tu­ren, Zei­chen, Na­men und Jah­res­zah­len zeu­gen von den Ge­dan­ken der Ju­gend­li­chen wäh­rend der teils mehr­mo­na­ti­gen Auf­ent­hal­te in den 70er und 80er Jah­ren.

Eben­so ein­drucks­voll in­sze­niert sind Pro­to­koll­aus­zü­ge aus den Heim­ak­ten. Von Ar­beits­ver­wei­ge­rung und un­dis­zi­pli­nier­ten Ver­hal­ten ist hier die Re­de, wel­che als Grund für ei­ne Iso­la­ti­on an­ge­ge­ben wur­den. Halb­stün­dig wur­den die Ju­gend­li­chen kon­trol­liert und die Pro­to­kollein­trä­ge von dienst­ha­ben­den Er­zie­her ab­ge­zeich­net. Zwi­schen den oft­mals nächt­li­chen Ein­trä­gen „Kon­trol­le – kei­ne Vor­komm­nis­se“fin­den sich auch Nie­der­schrif­ten von ver­such­ten Sui­zi­den, die zwar pro­to­kol­liert, je­doch oh­ne wei­te­re Be­treu­ung hin­ge­nom­men wur­den. Be­zeich­nend wir­ken an die­ser Stel­le be­son­ders die Aus­zü­ge aus Er­in­ne­run­gen ehe­ma­li­ger Heim­kin­der, die teil­wei­se vom Vor­schul­al­ter bis zur Voll­jäh­rig­keit in ver­schie­de­nen Hei­men und Ju­gend­werk­hö­fen un­ter­ge­bracht wa­ren: „Ei­ne Zel­le, Glas­bau­stein statt Fens­ter, ei­ne Prit­sche, Ei­mer“, be­schreibt ei­ne Da­me mit den Initia­len E.B. ihr Zim­mer in Schmie­de­feld, zu dem es auch meh­re­re Skiz­zen gibt.

Ein zum Zeit­punkt des Heim­auf­ent­halts acht­jäh­ri­ger Jun­ge er­in­nert sich an das ma­ka­be­re Glück ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung, die ihn in ein bes­se­res Zim­mer und ei­ne ru­hi­ge­re Um­ge­bung brach­te, so dass er dem har­ten All­tag und we­nigs­tens für we­ni­ge Wo­chen ent­kam.

Den Ab­schluss der Aus­stel­lung bil­det die Au­f­ar­bei­tung der ehe­ma­li­gen Heim­be­woh­ne­rin und spä­te­ren Fo­to- und Film­künst­le­rin Ka­trin Bü­chel, de­ren 3D-ani­mier­ter Kurz­film „An­zahl der Frei­heits­gra­de“ei­nen künst­le­ri­schen Blick auf die trau­ma­ti­schen Er­fah­run­gen von Flucht und Iso­lie­rung wirft. Bis­her nur ver­schie­de­ne Stand­bil­der zu se­hen. Dar gan­ze Film wird zur Fi­nis­sa­ge der Aus­stel­lung am 24. Ja­nu­ar 2019 im Ku­bus der Ge­denk- und Bil­dungs­stät­te ge­zeigt.

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ge­öff­net bis . Ja­nu­ar;

Di. und Do.  bis  Uhr,

Fr. bis Sonn­tag  bis  Uhr

Plas­ti­schen An­deu­tung ei­ner der Zel­len im Durch­gangs­heim Schmie­de­feld . Fo­tos(): Kath­le­en Krö­ger

Zahn­bürs­ten als kon­ser­vier­te Fun­stü­cke

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