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Thüringer Allgemeine (Erfurt) - - Erste Seite -

hik­hert­ma, Chat­scha­pu­ri un­d­Ku­lit­schi–leicht­aus­zu­spre­chen sind die ge­or­gi­schen Ge­rich­te wahr­lich nicht, aber da­für mit et­was Ge­schick leicht zu­zu­be­rei­ten, die Hüh­ner­sup­pe, die Kä­se­piz­za und das Os­ter­brot mit Saf­ran und Wod­ka. Und beim Es­sen er­zäh­len sich die Ge­or­gi­er meist wun­der­ba­re Ge­schich­ten. Die schöns­ten Re­zep­te und die bes­ten Ge­schich­ten und Er­in­ne­run­gen fin­den sich in ei­ner „ku­li­na­ri­schen Lie­bes­er­klä­rung“an Ge­or­gi­en. Sie ver­rät lau­ni­ge An­ek­do­ten von Künst­lern, Tän­ze­rin­nen und Ge­ne­rä­len so­wie ty­pi­sche Re­zep­te, für der­ben Schasch­lik eben­so wie für fei­nes Oran­gen­huhn: Ge­würz­te Hüh­ner­tei­le in But­ter gold­braun an­bra­ten und in ver­dünn­tem Oran­gen­saft weich kö­cheln las­sen. Ser­viert wer­den sie mit grü­nen Boh­nen, Reis und dem ex­zel­len­ten, schwe­ren, fast schwar­zen Rot­wein, der sich längst mit der Kon­kur­renz aus Frank­reich, Spa­ni­en und Ita­li­en mes­sen kann. Und wer denkt, die feu­ri­gen Ge­or­gi­er kön­nen es nur wild, der irrt, muss­te auch der ame­ri­ka­ni­sche Au­tor John St­ein­beck er­fah­ren: „Al­les, was sie ta­ten, ta­ten sie stil­voll.“

Fi­nanz­schwa­che Kom­mu­nen in Thü­rin­gen ha­ben sich im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich mehr För­der­geld vom Land für In­ves­ti­tio­nen be­sorgt als zu­vor. 2018 sei­en rund 22,2 Mil­lio­nen Eu­ro ab­ge­ru­fen wor­den, teil­te das In­nen­mi­nis­te­ri­um in Er­furt mit. Dies sei ein neu­er Höchst­stand. Im Jahr zu­vor wa­ren es rund 15,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Laut Thü­rin­ger In­nen­mi­nis­te­ri­um flos­sen im Jahr 2018 von dem För­der­geld rund 12,9 Mil­lio­nen Eu­ro in die en­er­ge­ti­sche Sa­nie­rung von Schu­len.

Grund­la­ge ist das Kom­mu­nal­in­ves­ti­ti­ons­för­de­rungs­ge­setz. Wenn Kom­mu­nen För­der­mit­tel für In­ves­ti­tio­nen vom Bund ab­ru­fen wol­len, aber den Ei­gen­an­teil nicht stem­men kön­nen, springt über die­ses Ge­setz un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen das Land ein. Als fi­nanz­schwach nach den Re­geln die­ses Ge­set­zes gel­ten Kom­mu­nen in Thü­rin­gen, die im Jahr 2015 Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen be­kom­men ha­ben, hieß es wei­ter. (dpa)

Als der Kampf vor­bei ist, als An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er zur neu­en CDU-Vor­sit­zen­den ge­wählt, klingt ei­ne ru­hi­ge, be­herrsch­te Stim­me durch die Hal­le. Antje Till­mann sitzt im Prä­si­di­um in der Ham­bur­ger Mes­se­hal­le und ver­sucht, die Ta­ges­ord­nung des Bun­des­par­tei­ta­ges ab­zu­ar­bei­ten.

Sach­lich, un­auf­ge­regt, tro­cken: So, wie es eben ih­re Art ist.

Dass Till­mann an die­sem Tag im De­zem­ber 2018 ganz oben sitzt, in der ers­ten Rei­he, ist eher or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ab­läu­fen ge­schul­det. Auch die Bun­des­tags­frak­ti­on muss ih­ren Teil zur Ta­gungs­lei­tung bei­tra­gen, und die Ab­ge­ord­ne­te aus Thü­rin­gen er­klär­te sich da­für be­reit.

An­sons­ten be­fin­det sich ihr Platz in der zwei­ten Rei­he – und so, sagt sie es je­den­falls, darf es auch blei­ben. Mit dem Be­griff Kar­rie­re kön­ne sie für sich we­nig an­fan­gen. „Ich will vor al­lem in­halt­lich ar­bei­ten“, sagt sie. Das macht mir Spaß.“Und au­ßer­dem: „Ich bin kei­ne gro­ße Red­ne­rin.“

Nun zeigt die Er­fah­rung, dass auch mit­tel­mä­ßi­ge Red­ne­rin­nen durch­aus Bun­des­kanz­le­rin, Par­tei­che­fin oder Mi­nis­ter­prä­si­den­tin wer­den kön­nen. Au­ßer­dem wä­re, wie in Ber­lin zu hö­ren ist, Till­mann vor ei­nem Jahr schon ganz ger­ne ei­ne stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de ge­wor­den. Statt­des­sen stieg ihr Par­tei­kol­le­ge Chris­ti­an Hir­te aus West­thü­rin­gen zum Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tär und neu­es­ten Ost-Be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung auf.

Da­bei sitzt Antje Till­mann ei­ne Wei­le län­ger als der Jün­ge­re im Par­la­ment, 16 Jah­re schon – und hat sich im Par­la­ment eta­bliert. Das gilt auch für den Lan­des­ver­band der CDU. Zu­letzt, bei der Wahl im Herbst 2017, stand sie vor Lan­des­vi­ze Hir­te auf Platz 2 der Thü­rin­ger CDU­Lan­des­lis­te und ge­wann, wie schon zwei­mal zu­vor, den Wahl­kreis 193, zu dem ne­ben ih­rer Hei­mat­stadt Er­furt noch Wei­mar und Tei­le des Land­krei­ses Wei­ma­rer Land ge­hö­ren.

Selbst­ver­ständ­lich war der neu­er­li­che Er­folg nicht. Die Kon­kur­renz be­stand aus lau­ter Spit­zen­kan­di­da­ten. Ne­ben dem SPD-Kol­le­gen Cars­ten Schnei­der, den sie erst­mals 2009 be­sieg­te, wa­ren das die Lin­ke Mar­ti­na Ren­ner, der AfD-Mann Ste­phan Brand­ner, die grü­ne Bun­des­tags­frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Gö­ring-Eckardt und FDP-Lan­des­chef Tho­mas Kem­me­rich.

Am En­de reich­ten Till­mann 27,3 Pro­zent der Erst­stim­men – wo­bei der Ab­stand auf die an­de­ren im­mer noch recht deut­lich war. Mar­ti­na Ren­ner kam auf 18,7 Pro­zent, eng ge­folgt von Schnei­der und Brand­ner.

Im Bun­des­tag sitzt Antje Till­mann nicht nur im Fi­nanz­aus­schuss und ist seit 2014 die fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Uni­on. Sie gilt auch tat­säch­lich in ih­rem Be­reich als wich­tigs­te Ex­per­tin ei­ner Frak­ti­on, der im­mer­hin 246 Ab­ge­ord­ne­te von CDU und CSU an­ge­hö­ren. Und sie ist Mit­glied im Ver­mitt­lungs­aus­schuss, in dem die Streit­the­men mit dem Bun­des­rat au­ge­han­delt wer­den.

Den­noch wirkt Till­mann größ­ten­teils nach in­nen: in die Frak­ti­on, in die Aus­schüs­se, in die Bun­des­re­gie­rung. Nach au­ßen dringt we­ni­ger durch.

Zwar gibt die Frak­ti­on im Zwei-Wo­chen­takt Pres­se­mit­tei­lun­gen her­aus, in de­nen sie zu­meist neu­es­te Er­run­gen­schaf­ten der brü­chi­gen Ko­ali­ti­on mit der SPD fei­ert. Aber zu­meist wird sie ge­mein­sam mit ei­nem an­de­ren Be­richt­er­stat­ter oder Spre­cher ih­rer Frak­ti­on zi­tiert. Au­ßer­dem fin­den es am En­de sper­ri­ge The­men wie „hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen für von Ban­ken er­wor­be­ne Ver­brie­fun­gen“nicht auf die Ti­tel­sei­ten.

Aber das ist auch nicht Till­manns Ding. Sie ist die Fach­ar­bei­te­rin, kei­ne Ver­käu­fe­rin. Im Ge­gen­satz zum So­zi­al­de­mo­kra­ten Schnei­der, der aus sei­ner frü­he­ren Po­si­ti­on als haus­halts­po­li­ti­scher Spre­chers mit ge­ziel­ter Me­di­en­ar­beit sei­nen Auf­stieg in die Frak­ti­ons­spit­ze auf­bau­te, be­sitzt bei Till­mann ein In­ter­view im Deutsch­land­funk Sel­ten­heits­wert. Und im Fern­se­hen taucht so gut wie gar nicht auf.

Aber dar­um, so sagt sie es zu­min­dest, geht es ihr auch nicht. „Ich fin­de es sehr an­ge­nehm, dass ich mit­re­den kann, wenn es um die Re­form der Grund­steu­er geht.“

Das liegt dar­an, dass die Ab­ge­ord­ne­te das stu­diert und ge­lernt hat, was sie po­li­tisch am Liebs­ten macht. Im Jahr 1964 in Düs­sel­dorf ge­bo­ren, ab­sol­vier­te sie nach dem Ab­itur im nord­rhein­west­fä­li­schen Nord­kir­chen ein Stu­di­um zur Fi­nanz­wir­tin.

Mit dem Va­ter hat­te sie ver­ab­re­det, da­nach des­sen Steu­er­be­ra­tungs­bü­ro zu über­neh­men. Doch dann fiel die Mau­er und Till­man fand sich auf ein­mal in Bran­den­burg wie­der und bau­te in Kö­nigs Wus­ter­hau­sen die Fi­nanz­fach­hoch­schu­le mit auf.

Spä­ter, 1993, er­reich­te sie ein An­ruf aus dem Thü­rin­ger Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in Er­furt, wo sie fort­an ar­bei­te­te. Fünf Jah­re spä­ter leg­te sich zu­sätz­lich ih­re Prü­fung als Steu­er­be­ra­te­rin ab.

So wie ihr Be­ruf vor­ge­zeich­net er­scheint, hat auch der Um­stand, dass Antje Till­mann der CDU an­ge­hört, eher we­nig mit Zu­fall zu tun. Till­mann ist ka­tho­lisch und gleich­sam seit der Pu­ber­tät in der Par­tei. Mit 14 grün­de­te sie an ih­rem kirch­li­chen Gym­na­si­um die Grup­pe der Schü­ler­uni­on. Spä­ter saß sie im Stadt­rat von Neuss.

Kaum in Er­furt an­ge­kom­men, kan­di­dier­te sie dort für den Stadt­rat, ab 1998 führ­te sie dort die Frak­ti­on. Als sie 2002 in den Bun­des­tag ge­wählt wur­de, gab sie das kom­mu­na­le Man­dat ab, um sich auf die Ar­beit in Ber­lin kon­zen­trie­ren zu kön­nen. (Seit 2014 sitzt sie aber wie­der im Stadt­rat.)

Im Bun­des­tag schaff­te sie schon nach kur­zer Zeit den ers­ten gro­ßen Schritt nach vor­ne. Als die ers­te Fö­de­ra­lis­mus­kom­mis­si­on ge­grün­det wur­de, um das Ge­set­zes- und Zu­stän­dig­keits­wirr­warr zwi­schen Bund und Län­dern auf­zu­lö­sen, ko­or­di­nier­te Till­mann für ih­re Frak­ti­on die Ar­beits­grup­pe, die sich um die Fi­nan­zen küm­mer­te. In der zwei­ten Fö­de­ra­lis­mus­kom­mis­si­on ab 2007 war sie dann Be­richt­er­stat­te­rin für die Uni­on und führ­te die Ver­hand­lun­gen zur Schul­den­brem­se.

Die Re­ge­lun­gen, die ab dem kom­men­den Jahr end­gül­tig in Kraft tre­ten, wur­den von Till­mann ent­schei­dend mit­be­stimmt und durch­ge­setzt – wor­auf sie, bei al­ler vor­ge­zeig­ten Be­schei­den­heit, ziem­lich stolz wirkt.

So­wie­so kann die Ab­ge­ord­ne­te, wenn es ums Geld geht, sehr re­so­lut auf­tre­ten. Die Über­zeu­gung, dass der Staat nicht mehr aus­ge­ben soll­te, als er aus­gibt, steckt ei­ner Steu­er­be­ra­te­rin in der DNA. An die­ser Stel­le, sagt sie, ste­he sie schon eher ei­nem Fried­rich Merz na­he.

Ei­ner­seits. An­de­rer­seits war und ist Till­mann ei­ne treue An­hän­ge­rin von An­ge­la Mer­kel. Sie ent­fern­te sich in kei­ner Ab­stim­mung im Bun­des­tag von der Li­nie der Bun­des­kanz­le­rin. Und na­tür­lich wähl­te sie am En­de in Ham­burg An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er zur Par­tei­che­fin.

Christ­lich, so­zi­al, kon­ser­va­tiv – und auch ein biss­chen li­be­ral: Die Ab­ge­ord­ne­te bil­det in­halt­lich die CDU na­he­zu in ih­rer gan­zen Brei­te ab. Das gilt auch für ihr En­ga­ge­ment im Wahl­kreis, ob dies nun in der Ka­tho­li­schen Schul­stif­tung ge­schieht oder zwi­schen­zeit­lich beim Ro­ten Kreuz. Im Ok­to­ber, als Mer­kel die Gren­zen of­fen ließ, über­nahm sie die Vor­mund­schaft für ei­nen sy­ri­schen Ju­gend­li­chen. Und na­tür­lich ist sie Se­na­to­rin im Kar­ne­vals­ver­ein.

An­sons­ten ver­sucht sie so wie Schnei­der, als Fi­nanz­po­li­ti­ke­rin Geld für den Wahl­kreis zu be­sor­gen, für die Gar­ten­aus­stel­lung Ega oder die Her­der­kir­che in Wei­mar. Auch dass 50 Mil­lio­nen Eu­ro in den Städ­te­bau der Lan­des­haupt­stadt flie­ßen, rech­net sie sich teil­wei­se an.

Der Rest ist Ar­beit im Diens­te ei­ner Ko­ali­ti­on, von der auch die Ab­ge­ord­ne­te nicht wis­sen kann, wie lan­ge sie noch hält. Zwar sagt sie auf die Fra­ge, ob es Neu­wah­len ge­ben wer­de, oh­ne Zö­gern: „Auf kei­nen Fall.“Man ar­bei­te ge­ra­de viel ab, so ste­he jetzt zum Bei­spiel die Re­form der Grund­steu­er an.

Aber selbst wenn es an­ders kä­me: Till­mann dürf­te, im Un­ter­schied zu et­li­chen an­de­ren Ab­ge­ord­ne­ten im Land, ihr Man­dat si­cher ha­ben. Und viel­leicht ist ja auch noch mehr als das drin.

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