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Thüringer Allgemeine (Erfurt) - - Erste Seite -

äh­rend ich die Weih­nachts­ta­ge aus­gie­big nutz­te, um die Bles­su­ren wäh­rend mei­ner Renn­steig-Tour aus­zu­ku­rie­ren; schöpf­te ich nach und nach wie­der je­nen Mut, der nö­tig ist, um dem Renn­steig ähn­lich wie ei­nem Schwer­kran­ken Hoff­nung auf Ge­ne­sung zu ma­chen. Denn nichts wün­sche ich mir für das neue Jahr sehn­li­cher, als die Ge­sun­dung der wah­ren Thü­rin­ger Gast­lich­keit auf Deutsch­lands tra­di­ti­ons­reichs­tem Wan­der­weg.

In die­sem Sin­ne die Wan­der­schu­he ge­schnürt und pro­phy­lak­tisch schnell noch Sod­brenn-Ta­blet­ten und ein Kä­se­bröt­chen ein­ge­steckt, setz­ten wir un­se­re Renn­steig-Tour in Rich­tung Frau­en­wald fort – und war­fen ei­nen letz­ten trau­ri­gen Blick auf den ver­wais­ten Drei­her­ren­stein.

An­ders als vor zwölf Jah­ren, als me­ter­hoch ge­fräs­te Schnee­wän­de je­den Blick in die Um­ge­bung ver­hin­der­ten, um­tän­zel­ten uns dies­mal nur ein­zel­ne Schnee­flo­cken.

Um di­rekt in den Orts­kern des über sie­ben­hun­dert Me­ter hoch ge­le­ge­nen Or­tes Frau­en­wald zu ge­lan­gen – üb­ri­gens der äl­tes­te am Renn­steig; ers­te ur­kund­li­che Er­wäh­nung im Jah­re 1218 – muss der Wan­de­rer im Orts­teil All­zu­nah den Renn­steig für rund ei­nen Ki­lo­me­ter ver­las­sen. Was wir auch auf un­se­rer ers­ten Tour (2005) so hand­hab­ten, nach­dem wir da­mals zu­fäl­lig er­fuh­ren hat­ten, dass rings um Frau­en­wald ge­ra­de die deut­schen Meis­ter­schaf­ten im Schlit­ten­hun­de­ren­nen statt­fan­den.

Ich kann mich gut er­in­nern, vor wel­che lo­gis­ti­schen Pro­ble­me der ei­si­ge und schnee­rei­che Win­ter die Or­ga­ni­sa­to­ren die­ser Sport­groß­ver­an­stal­tung da­mals ge­stellt hat­te. Tag und Nacht muss­ten die Stra­ßen und We­ge vom Schnee be­freit wer­den.

Doch dann ge­schah et­was Uner­war­te­tes: Vor un­se­ren Au­gen spiel­te sich ei­ne so­li­da­ri­sche Ge­mein­schafts­ak­ti­on ab, wie sie an­ge­sichts der fast nar­ziss­tisch an­mu­ten­den Ei­gen­brö­te­lei al­ler am Frem­den­ver­kehr Be­tei­lig­ten ent­lang des Renn­steigs, kaum zu er­war­ten war: Orts­an­säs­si­ge Un­ter­neh­mer, Ver­ei­ne, und – man möch­te es kaum glau­ben – auch fast al­le Gas­tro­no­men ver­teil­ten als spon­ta­nes Dan­ke­schön für ih­ren un­er­müd­li­chen Ein­satz 600 Li­ter hei­ße Sup­pe an die frei­wil­li­gen Hel­fer.

Un­ver­hofft über­mann­te mich in dem klei­nen 1000-See­len-Ört­chen Frau­en­wald zum ers­ten – aber lei­der Got­tes auch zum letz­ten Mal am Renn­steig – das Ge­fühl, dass hier Men­schen mit glei­chen In­ter­es­sen an ei­nem Strang zie­hen. Ei­ne Ge­mein­schafts­ak­ti­on,

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