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Thüringer Allgemeine (Erfurt) - - Erste Seite -

ast du sie ge­se­hen, ru­fe ich ge­nervt und zer­re an den Couch­kis­sen un­ter ihm. Nein, soll­te ich? Eben war sie noch hier, ant­wor­te ich, wäh­rend ich ver­su­che, halb blind ei­ne Whats­App-Nach­richt zu tippen. „Lkin7t gut ico mel­de m7ck“Leg sie doch im­mer am glei­chen Ort ab, dann musst du nicht su­chen, do­ziert er. Das ha­be ich, aber dort ist sie nicht, er­klä­re ich die Sach­la­ge. Das ist, ant­wor­tet er,Un­sinn.

Ist es nicht. Et­was Hö­he­res muss im Spiel sein. So­ge­nann­te Le­se­hil­fen ge­hö­ren zu den läs­tigs­ten Ac­ces­soire im Le­ben ei­ner Frau. Män­ner­ge­sich­tern mö­gen sie Wür­de und Sou­ve­rä­ni­tät ver­lei­hen. Für ei­ne Frau ist ih­re Erst­an­schaf­fung ei­ne Zä­sur, je­de zu­neh­men­de Di­op­trie wie ein Le­bens­ring im Baum­stamm. Ei­ne 50plus-Frau­en­run­den im Re­stau­rant er­kennt man dar­an, dass ih­re Köp­fe erst ein­mal in die Hand­ta­schen ab­tau­chen, um bei der Be­stel­lung den Durch­blick zu be­hal­ten. Sie sind ein läs­ti­ges Übel und so be­han­de­le ich sie auch: lieb­los, wahl­los, acht­los. Die so­ge­nann­te Le­se­hil­fe spürt das und rächt sich, in­dem sie re­gel­mä­ßig un­ter­taucht, wenn man sie am nö­tigs­ten braucht. Die Ma­te­rie lebt, Frau­en spü­ren so et­was.

Zu Wei­hach­ten schenk­te er mir ei­nen Satz akus­ti­scher Schlüs­sel­fin­der mit dem Vor­schlag, sie an die Bril­len­bü­gel zu klem­men. So et­was nen­ne ich in­stinkt­los. Ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve wä­re ei­ne Bril­len­ket­te. Sie wür­de mich un­auf­lös­bar an mei­ne Jah­res­rin­ge ket­ten. Das ken­ne ich von mei­ner Groß­mut­ter.

Das Le­ben ist nicht fair.

Die CDU-Po­li­ti­ke­rin Ma­ri­on Wals­mann hat 1750 Eu­ro Geld­bu­ße we­gen ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen den Da­ten­schutz be­zahlt. „Ich ha­be ge­gen den an­walt­li­chen Rat ge­zahlt, weil ich das Ver­fah­ren be­en­det ha­ben will“, sag­te Wals­mann. Wals­mann soll im Land­tags­wahl­kampf 2014 als Vor­sit­zen­de des Ar­bei­ter-Sa­ma­ri­terBun­des Mit­tel­thü­rin­gen Wahl­wer­bung in ei­ge­ner Sa­che ge­macht ha­ben. Da­für soll sie die Adres­sen­lis­te des ASB-Re­gio­nal­ver­ban­des ge­nutzt ha­ben. Das Ver­fah­ren hat­te der Thü­rin­ger Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Lutz Has­se ein­ge­lei­tet. Wals­mann hat ihr Land­tags­man­dat ab­ge­ge­ben und kan­di­diert für das EU-Par­la­ment bei den Wah­len im Mai. (dpa)

Die Thü­rin­ger Lan­des­re­gie­rung stellt mit dem Haus­halts­wurf für das kom­men­de Jahr 100 Mil­lio­nen Eu­ro für die neue Schlös­ser-Stif­tung mit Sach­sen-An­halt und dem Bund zur Ver­fü­gung. Ent­spre­chen­de Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen sei­en Be­stand­teil des Etat­plans für das Jahr 2020, der am Di­ens­tag im Ka­bi­nett be­ra­ten wird, sag­te Kul­tur­mi­nis­ter Ben­ja­min Hoff (Linke) der Thü­rin­ger All­ge­mei­nen.

Der Bun­des­tag hat­te im Dezember be­schlos­sen, Thü­rin­gen und Sach­sen-An­halt 200 Mil­lio­nen Eu­ro für die Sa­nie­rung der Schlös­ser und Gär­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len. Als Be­din­gung wur­de von den Län­dern ei­ne Mit­fi­nan­zie­rung in glei­cher Hö­he und die Grün­dung ei­ner ge­mein­sa­men Stif­tung ver­langt.

Schon un­ter Re­gie­rungs­che­fin Chris­ti­ne Lie­ber­knecht (CDU) küm­mer­te sich der Spit­zen­be­am­te Ul­rich Grün­ha­ge in der Staats­kanz­lei an füh­ren­der Stel­le um die Ka­bi­netts­sa­chen. Seit En­de 2014 ver­rich­tet er die­se Auf­ga­be für Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Linke).

Al­le ent­schei­den­den bü­ro­kra­ti­schen Fä­den der Re­gie­rungs­ar­beit lau­fen in der von Grün­ha­ge ge­lei­te­ten Ab­tei­lung zu­sam­men. Sie trägt die bei­na­he poe­tisch klin­gen­de Be­zeich­nung „Ko­or­di­na­ti­on und Pla­nung; Re­li­gi­ons-

Ein ers­tes Tref­fen auf Ar­beits­ebe­ne hat laut Hoff be­reits statt­ge­fun­den. Al­ler­dings be­ste­hen noch deut­li­che Mei­nungs­un­ter­schied zwi­schen Bund und Län­dern. So schloss der Mi­nis­ter ka­te­go­risch aus, dass die be­reits exis­tie­ren­den Stif­tun­gen zu­sam­men­ge­legt wer­den. „Für die Lan­des­re­gie­run­gen von Sach­senAn­halt und Thü­rin­gen ist klar, dass die bis­he­ri­gen Schlös­serStif­tun­gen be­ste­hen blei­ben und nicht fu­sio­nie­ren wer­den“, sag­te er. Sie pass­ten von ih­rer Struk­tur her nicht zu­sam­men.

Dar­über hin­aus ver­wies Hoff auf „grund­sätz­li­che Be­den­ken“bei­der Lan­des­re­gie­run­gen. „Der Bund kann uns auch nicht ei­ne Zu­sam­men­le­gung vor­schrei­ben, das wä­re ein Ein­griff in die Kul­tur­ho­heit der Län­der“, sag­te er. „Wir be­dan­ken uns beim Bund für die Rie­sen­chan­ce: Aber wir wol­len nicht am gol­de­nen und Wel­t­an­schau­ungs­an­ge­le­gen­hei­ten“.

Al­ler­dings war der Be­am­te nie for­mal der Chef; er be­klei­de­te das Amt im­mer nur kom­mis­sa­risch. Zwar stand Grün­ha­ge zu Zei­ten Lie­ber­knechts kurz vor der Er­nen­nung zum Ab­tei­lungs­lei­ter, die dann auch ei­ne Be­för­de­rung in die höchs­te Be­sol­dungs­grup­pe B6 (Grund­ge­halt gut 9000 Eu­ro, plus di­ver­se Zu­schlä­ge) zur Folge ge­habt hät­te.

Doch es gab Kon­kur­ren­ten­kla­gen. Das heißt, min­des­tens ein Be­diens­te­ter, der sich für qua­li­fi­zier­ter hielt, hat­te Wi­der­spruch ge­gen die ge­plan­te Er­nen­nung Zü­gel ge­führt wer­den.“Der Mi­nis­ter er­klär­te, dass bei­de Län­der da­her die Grün­dung „ei­ner neu­en, mög­lichst schlan­ken För­der­stif­tung“an­streb­ten. „Al­lei­ni­ger Zweck der In­sti­tu­ti­on soll­te sein, die Ge­samt­sum­me­von400­Mil­lio­nen­Eu­ro–al­so 200 Mil­lio­nen Eu­ro vom Im Ent­eig­nungs­ver­fah­ren für das Schloss Rein­hards­brunn (Land­kreis Go­tha) hat der ak­tu­el­le Be­sit­zer den Ent­eig­nungs­be­schluss ak­zep­tiert. Wie das Land­ge­richt Mei­nin­gen dem MDR mit­teil­te, zog der Ei­g­ner sei­nen Wi­der­spruch zu­rück. Der rus­si­sche Ge­schäfts­mann hat­te im Jahr 2004 für das Schloss 12,5 Mil­lio­nen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt ein­ge­reicht. Und der­ar­ti­ge Ver­fah­ren kön­nen sich über Jah­re hin­zie­hen.

Nun aber, im letz­ten Jahr der ak­tu­el­len rot-rot-grü­nen Re­gie­rung, ist der Weg für Grün­ha­ge frei. Am Di­ens­tag steht als ers­ter Ta­ges­ord­nungs­punkt, noch vor dem Haus­halt und an­de­ren staats­tra­gen­den Ge­set­zes­wer­ken, die „dau­er­haf­te Be­stel­lung des Herrn Lei­ten­den Mi­nis­te­ri­al­rats Ul­rich Grün­ha­ge zum Lei­ter der Ab­tei­lung 2“an.

So weit, so nor­mal. Doch das Be­son­de­re an der Per­so­na­lie ist: Grün­ha­ge war und ist Mit­glied Bund und 200 Mil­lio­nen Eu­ro von den Län­dern – in den nächs­ten acht Jah­ren aus­zu­ge­ben.“

Da­bei sol­len in Thü­rin­gen nicht nur Lie­gen­schaf­ten der Schlös­ser-Stif­tung pro­fi­tie­ren, son­dern auch Schlös­ser und Gär­ten, die nicht da­zu ge­hör­ten, wie zum Bei­spiel Rein­hards­brunn Eu­ro an Thü­rin­ger Ge­schäfts­leu­te be­zahlt, in der An­nah­me, dass es für das Schloss För­der­mit­tel­zu­sa­gen gab. Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Linke) sag­te dem Sen­der, ihm fal­le ein St­ein vom Her­zen. Mit dem Rück­zug des Ei­g­ners sei „der wich­tigs­te Schritt zur Si­che­rung des Schlos­ses“ge­tan. der CDU – al­so je­ner Par­tei, die 24 Jah­re ih­re Mit­glie­der pro­te­gier­te, aber seit En­de 2014 nicht mehr re­giert. Und selbst­ver­ständ­lich war es bis­lang nicht so, dass die Linke, So­zi­al­de­mo­kra­ten und Grü­ne bis­her ger­ne und häu­fig Christ­de­mo­kra­ten be­för­dert hät­ten. Im Ge­gen­teil: Wenn es je­mand seit dem Amts­an­tritt in der Ver­wal­tung nach oben schaff­te, dann war er in der Re­gel nicht in der CDU. Schließ­lich, so lau­tet die in­ter­ne Be­grün­dung, ist im­mer noch ei­ne gro­ße Zahl von Füh­rungs­po­si­tio­nen in der Ver­wal­tung von CDU-Mit­glie­dern be­setzt. bei Fried­rich­ro­da. Auch in ei­ge­nen Stif­tun­gen or­ga­ni­sier­te Bau­ten wie die Wart­burg oder Schloss Fried­richs­werth im Kreis Go­tha soll­ten an­spruchs­be­rech­tigt sein, sag­te Hoff. „Ent­schei­dend ist, dass das Geld mög­lichst sinn­voll, un­bü­ro­kra­tisch und ef­fi­zi­ent aus­ge­ge­ben wer­den kann.“

Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Linke) hat­te be­reits drei Schlös­ser für die neue Stif­tung vor­ge­schla­gen. Ne­ben Rein­hards­brunn und Fried­richs­werth war dies das Schloss Cros­sen (Saa­le-Holz­land-Kreis).

Kei­ne Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Ber­lin und Er­furt gibt es bei der ge­plan­ten Sa­nie­rung des Lin­denau-Mu­se­ums in Al­ten­burg. Die ers­te Tran­che des Bun­des­an­teils von 24 Mil­lio­nen Eu­ro steht laut Hoff zur Ver­fü­gung. Auch Land ha­be be­reits elf Mil­lio­nen Eu­ro be­wil­ligt.

Doch Grün­ha­ge, der Lie­ber­knecht schon vor der Be­schäf­ti­gung in der Re­gie­rungs­stra­ße als Bü­ro­lei­ter dien­te, wird jetzt zum kör­per­li­chen Be­weis für frü­he­re of­fi­zi­el­le Be­teue­run­gen der Lan­des­re­gie­rung, dass es nur um die Bes­ten­aus­wahl ge­he, und nicht um das Par­tei­buch – so, wie es ja auch die Ge­set­ze vor­schrei­ben.

Zu­mal, in der Staats­kanz­lei heißt es, dass auch der Christ­de­mo­krat Jo­han­nes Bla­si­us, der schon seit Jah­ren kom­mis­sa­ri­sche ei­ne Ab­tei­lung lei­tet, be­för­dert wer­den könn­te. Hier sol­len sich eben­so be­ste­hen­de Kon­kur­ren­ten­kla­gen er­le­digt ha­ben.

Die Ber­gung ist ge­glückt: Die Dampf­lok der Har­zer Schmal­spur­bahn (HSB), die am Di­ens­tag auf dem Bro­cken in ei­ner Schnee­we­he ste­cken­ge­blie­ben ist, wur­de „los­ge­eist“. „Am Don­ners­tag­abend wur­de die Lok in die Fahr­zeug­werk­statt nach Wer­ni­ge­ro­de ge­schleppt, wo sie jetzt auf­taut“, teil­te HSB-Spre­che­rin Hei­de Baum­gärt­ner auf An­fra­ge die­ser Zei­tung mit. Auch der letz­te Wag­gon wur­de aus dem Schnee be­freit und be­fin­det sich nun eben­falls in Wer­ni­ge­ro­de.

Damit die Lok je­doch über­haupt erst ab­ge­schleppt wer­den konn­te, muss­ten sich die Mit­ar­bei­ter der HSB noch ein­mal mäch­tig ins Zeug le­gen. „Die be­weg­li­chen Tei­le wa­ren ein­ge­fro­ren und wur­den mit­hil­fe von Fa­ckeln und Feu­er­kör­ben müh­sam auf­ge­taut und an­schlie­ßend ab­mon­tiert“, er­zählt Hei­de Baum­gärt­ner.

Ob an der Lok durch den Vor­fall grö­ße­re Schä­den ent­stan­den sind, kön­ne erst am Mon­tag mit Si­cher­heit ge­sagt wer­den. „So et­was ist bis­her auf dem Bro­cken noch nie vor­ge­kom­men. Nur ein­mal in Benne­cken­stein hat­ten wir so­was vor Jah­ren schon ein­mal“, sag­te die HSBSpre­che­rin.

Am Frei­tag­vor­mit­tag konn­te der Be­trieb zum Bro­cken wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Fahr­gäs­te wer­den je­doch ge­be­ten, sich vor Fahrt­an­tritt auf den In­ter­net­sei­ten der HSB über even­tu­el­le Än­de­run­gen zu in­for­mie­ren.

Schles­wig-Hol­steins Jus­tiz­mi­nis­te­rin Sabine Süt­ter­lin­Waack (CDU) hat den jähr­lich wech­seln­den Vor­sitz der Jus­tiz­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Bun­des­län­der über­nom­men. Sie folgt auf den Thü­rin­ger Die­ter Lau­in­ger (Grü­ne), der die Po­si­ti­on seit An­fang 2018 hat­te. Die Jus­tiz­mi­nis­ter der Län­der kom­men zwei­mal jähr­lich zu Ta­gun­gen zu­sam­men, um sich über jus­ti­zund rechts­po­li­ti­sche Vor­ha­ben ab­zu­stim­men. ( dpa)

Die Zahl der Or­gan­spen­der in Thü­rin­gen ist ge­stie­gen. Die Deut­sche Stif­tung Or­gan­trans­plan­ta­ti­on (DSO) ver­zeich­net 37 Men­schen, die 2018 nach ih­rem Tod Or­ga­ne für Schwer­kran­ke ge­spen­det ha­ben. 2017 hat­te die DSO 23 Spen­der re­gis­triert. 116 Or­ga­ne wur­den in Thü­rin­gen ent­nom­men, bun­des­weit und im Aus­land trans­plan­tiert, 53 mehr als 2017. (dpa)

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