Di­plom­be­trug: Buch kri­ti­siert Mu­sik­hoch­schu­le

Au­to­ren for­dern Au­f­ar­bei­tung der DDR-ZEIT

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Kultur & Freizeit - Von Han­no Müller

Wei­mar. Ein­mal mehr ist es die Ge­schich­te des Kom­po­nis­ten H. Jo­han­nes Wall­mann, die die Mu­sik­schu­le „Franz Liszt“ein­holt. Im Buch „De­fek­te ei­ner Hoch­schul­chro­nik“wer­fen die Au­to­ren Gün­ter Knob­lauch und Ro­land Mey der Hoch­schu­le vor, sie ver­wei­ge­re ei­ne Au­f­ar­bei­tung zwei­fel­haf­ter Ddr-er­eig­nis­se.

Der ge­bür­ti­ge Leip­zi­ger Wall­mann hat­te von 1968 bis 1973 in Wei­mar stu­diert. Be­reits sein Va­ter, ein Leip­zi­ger Ju­gend­pfar­rer, war öf­fent­lich als „ame­ri­ka­ni­scher Agent“dif­fa­miert wor­den. Wie er galt auch der Sohn als wi­der­stän­dig. Er war nicht in der FDJ, wirk­te statt­des­sen in der evan­ge­li­schen Stu­den­ten­ge­mein­de und hielt Kon­takt zu Wolf Bier­mann und Rei­ner Kunze, des­sen Tex­te er ver­ton­te. Das führ­te da­zu, dass man Wall­mann 1974 das Di­plom ver­wei­ger­te, ihm nur ei­ne Prü­fungs­be­stä­ti­gung aus­hän­dig­te.

2008 aber war eben die­ses Di­plom zu­fäl­lig in Wall­manns Stu­den­ten­ak­te ent­deckt wor­den. Man hat­te es ihm in der DDR trotz bes­ter Prü­fungs­er­geb­nis­se nicht nur vor­ent­hal­ten, son­dern auch die No­te 1 für die Di­plom­ar­beit nach­träg­lich her­ab­ge­stuft. Zehn Jah­re da­nach wer­fen die Au­to­ren der Mu­sik­hoch­schu­le vor, sich dem Di­plom­be­trug, der kein Ein­zel­fall ge­we­sen sei, bis heu­te nicht ge­stellt zu ha­ben. Sta­si­ak­ten, aus de­nen wei­te­re Op­fer-na­men zu er­war­ten sei­en, wür­den nicht auf­ge­ar­bei­tet. So wer­de die ei­ge­ne Ge­schich­te ge­schönt und ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit den po­li­ti­schen Zwän­gen und Re­pres­sio­nen der Zeit vor 1989 aus dem We­ge ge­gan­gen.

Gün­ter Knob­lauch/ Ro­land Mey: De­fek­te ei­ner Hoch­schul­chro­nik,  S., Mit­tel­deut­scher Ver­lag,  Eu­ro

380 000 Eu­ro für neu­es De­pot

Mühl­hau­sen. Aus dem städ­ti­schen Bau­hof wird ein neu­es Zen­t­ral­de­pot für die Mühl­häu­ser Mu­se­en. Am Grün­don­ners­tag war sym­bo­li­scher Spa­ten­stich. Die Lan­des­re­gie­rung för­dert das Pro­jekt nach ei­ge­nen An­ga­ben mit 380 000 Eu­ro aus dem kom­mu­na­len In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm. Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Ba­bet­te Win­ter (SPD) ver­band mit der Mo­der­ni­sie­rung die Hoff­nung, dass mit dem neu­en De­pot die Mu­se­ums­be­stän­de lang­fris­tig vor Zer­streu­ung und Zer­stö­rung be­wahrt wer­den. Zu­dem er­leich­te­re es For­schern und Mu­se­ums­mit­ar­bei­tern, an die Schät­ze her­an­zu­kom­men. Durch den Um­bau kön­ne die Ma­gaz­in­flä­che fast ver­dop­pelt wer­den, sag­te Mu­se­ums­di­rek­tor Tho­mas T. Müller. Schon vor Jah­ren muss­te die Mu­se­ums­ga­le­rie in der Al­ler­hei­li­gen­kir­che schlie­ßen, um sie als Aus­weich­de­pot zu nut­zen. Die Mühl­häu­ser Mu­se­en be­sit­zen ei­ne hal­be Mil­li­on Samm­lungs­stü­cke. Sie be­kom­men nach Jah­ren un­zu­rei­chen­der De­pot­si­tua­tio­nen end­lich La­ger­be­din­gun­gen mit zeit­ge­mä­ßer Tech­nik für Kli­ma, Brand­schutz und Ein­bruchs­si­cher­heit. (dpa)

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