Il­me­n­au­er For­scher lüf­ten Ge­heim­nis am Sü­ßen See

Thüringer Allgemeine (Gotha) - - Erste Seite - Sich in­mit­ten des Sees. Ers­te Hin­wei­se auf den spek­ta­ku­lä­ren Fund sam­mel­te ei­ne Bre­mer Fir­ma be­reits im April 2018 bei der

In Klös­tern schu­fen Il­lus­tra­to­ren im Mit­tel­al­ter kost­ba­re re­li­giö­se Schrif­ten. Spu­ren die­ser Tä­tig­keit fan­den For­scher auf dem Fried­hof ei­nes deut­schen Klos­ters – am Ske­lett ei­ner Frau. Der Fund gibt Auf­schluss über die Rol­le von Frau­en beim Er­stel­len re­li­giö­ser Ma­nu­skrip­te. Die For­scher hat­ten im Zahn­stein ei­ner im Mit­tel­al­ter na­he Pa­der­born be­gra­be­nen Frau Res­te von Ul­tra­ma­rin-far­be ge­fun­den, wie Wis­sen­schaft­ler um Christina War­in­ner vom Jena­er Max-planck-in­sti­tut (MPI) für Mensch­heits­ge­schich­te im Fach­ma­ga­zin „Science Ad­van­ces“be­rich­ten. Die­se stammt aus La­pis­la­zu­li-ge­stein aus Af­gha­nis­tan. Ver­mut­lich ha­be die Frau mit dem kost­ba­ren Pig­ment selbst ge­malt und die Far­be beim Able­cken des Pin­sels auf­ge­nom­men. Der Fund sei der frü­hes­te di­rek­te Nach­weis für die Nut­zung von Farb­pig­men­ten durch ei­ne re­li­giö­se Frau in Deutsch­land. (dpa)

Bio­gas­an­la­gen sind nicht ge­eig­net, um in der Nutz­tier­hal­tung ver­brei­te­te An­ti­bio­ti­ka aus be­las­te­ter Gül­le zu be­sei­ti­gen. Zu die­sem Er­geb­nis kam ei­ne Stu­die der Jus­tus­lie­big-uni­ver­si­tät in Gie­ßen, die von der Deut­schen Bun­des­stif­tung Um­welt (DBU) ge­för­dert wur­de. Die Gie­ße­ner For­scher stell­ten zwar fest, dass sich die Kon­zen­tra­ti­on der in der Gül­le ent­hal­te­nen An­ti­bio­ti­ka mit der Zu­ga­be von Fest­stof­fen wie Mais­si­la­ge zum Gär­pro­zess ver­rin­gern lässt. Das füh­re aber nicht un­be­dingt da­zu, dass die che­mi­schen Struk­tu­ren der An­ti­bio­ti­ka zer­stört wür­den. Sie sei­en wo­mög­lich le­dig­lich an Be­stand­tei­le der Gül­le ge­bun­den und könn­ten sich spä­ter auch wie­der lö­sen, so dass es zu ei­nem er­neu­ten Frei­set­zen in der Gül­le oder auch im Bo­den kom­men kann.

Hin­ter­grund ist, dass auch in der Tier­hal­tung An­ti­bio­ti­ka zur Krank­heits­be­hand­lung ein­ge­setzt wer­den. Rück­stän­de da­von ge­lan­gen über das Dün­gen mit Gül­le un­ge­fil­tert in die Bö­den. Dort kön­nen sich re­sis­ten­te Kei­me ent­wi­ckeln. (dpa)

Der An­blick der grü­nen Pflan­zen, der Ge­ruch vom frisch ge­schnit­te­nem Ba­si­li­kum – al­lein das war schon ei­ne Wohl­tat in der ei­si­gen Ein­öde. „Das sind schon schö­ne Mo­men­te ge­we­sen“, sagt der Raum­fahr­tin­ge­nieur Paul Za­bel. Ein Jahr lang hat er in ei­nem spe­zi­el­len Ge­wächs­haus in der Ant­ark­tis fri­sches Grün­zeug an­ge­baut und den Spei­se­plan deut­scher Po­lar­for­scher er­heb­lich be­rei­chert – qua­si als po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt. Denn ei­gent­lich ging es in dem Ex­pe­ri­ment des Deut­schen Zen­trums für Luft­und Raum­fahrt in Bremen dar­um, wie As­tro­nau­ten sich künf­tig auf Mond und Mars ver­sor­gen könn­ten. 117 Ki­lo Sa­lat, 67 Ki­lo Gur­ken, 46 Ki­lo To­ma­ten so­wie meh­re­re Ki­lo Kohl­ra­bi, Ra­dies­chen und Kräu­ter brach­te Za­bel im ver­gan­ge­nen Jahr aus dem Ge­wächs­haus in die Kü­che der na­he ge­le­ge­nen For­schungs­sta­ti­on Ne­u­may­er III des Al­f­red-we­ge­ner-in­sti­tuts (AWI). „Ich war tat­säch­lich über­rascht, dass wir so viel ern­ten konn­ten“, sagt Za­bel. Nur mit dem An­bau von Erd­bee­ren und Pa­pri­ka hat es nicht so recht ge­klappt – ob­wohl Za­bel so­gar ei­gen­hän­dig ver­sucht hat, die Erd­beer­pflan­zen mit Pin­sel und Wat­te­stäb­chen zu be­stäu­ben.

Kurz vor Weih­nach­ten ist der Aus­nah­me-gärt­ner aus der Ant­ark­tis zu­rück­ge­kehrt. Mo­na­te­lang leb­ten er und die neun­köp­fi­ge Be­sat­zung der Ne­u­may­er­sta­ti­on dort ab­ge­schnit­ten von der Au­ßen­welt, was zu­wei­len zur Her­aus­for­de­rung für Za­bels Ar­beit wur­de. Gera­de in der ers­ten Zeit plag­ten ihn di­ver­se tech­ni­sche Pro­ble­me. Ein­mal fror ein Ven­til des Kühl­sys­tems ein, ein an­de­res Mal ver­stopf­ten Fil­ter. Kin­der­krank­hei­ten“, sagt

Der Sü­ße See in Sach­sen-an­halt ist ei­ne ech­te Schatz­kis­te für Un­ter­was­ser­ar­chäo­lo­gen. De­tail­lier­te 3D-kar­ten, die mit­hil­fe ei­nes spe­zi­el­len Tauch­ro­bo­ters des Il­me­n­au­er Fraun­ho­fer-in­sti­tus IOSB er­stellt wur­den, zei­gen nun ne­ben zahl­rei­chen his­to­ri­schen Ar­te­fak­ten deut­lich die Struk­tu­ren ei­nes bron­ze­zeit­li­chen Hü­gel­gra­bes.

Nur knapp 40 Ki­lo­me­ter ent­fernt vom Fund­ort der rund 4000 Jah­re al­ten „Him­mels­schei­be von Ne­bra“un­ter­stüt­zen In­ge­nieu­re des Il­me­n­au­er In­sti­tu­tes der­zeit die Ar­beit des Lan­des­am­tes für Denk­mal­pfle­ge und Archäo­lo­gie Sach­senan­halt, wie die Il­me­n­au­er For­scher mit­teil­ten.

Erst­mals kam da­zu En­de 2018 ein hoch­mo­der­ner Un­ter­was­ser­r­o­bo­ter zum Ein­satz. Die­ser Za­bel da­zu. Die­se muss­te er auf sich al­lein ge­stellt und mit den vor­han­de­nen Ge­rä­ten lö­sen. „Da fühlt man sich wirk­lich wie ein As­tro­naut.“

Doch nicht nur in die­ser Hin­sicht glich das ein­jäh­ri­ge Ex­pe­ri­ment den Be­din­gun­gen auf Mond und Mars. Die Pflan­zen wuch­sen in dem Ge­wächs­haus oh­ne Er­de, Ta­ges­licht und Pes­ti­zi­de. Al­le paar Mi­nu­ten wur­den die Wur­zeln com­pu­ter­ge­steu­ert mit ei­ner Nähr­stoff­lö­sung be­sprüht. Im All wür­de das Ge­wächs­haus vor­aus­sicht­lich et­was an­ders aus­se­hen, sagt Pro­jekt­lei­ter Da­ni­el Schu­bert: klei­ner und mög­li­cher­wei­se aus ent­falt­ba­rem Ma­te­ri­al. „Die Tech­no­lo­gi­en wer­den aber wahr­schein­lich ähn­lich sein.“

Zen­tral ist da­bei der ge­schlos­se­ne Kreis­lauf, bei dem Luft, Wasser und an­de­re Res­sour­cen re­cy­celt wer­den. Wie die­se Pro­zes­se ge­nau funk­tio­nier­ten, sei im­mer noch nicht ganz ver­stan­den, sagt Schu­bert. Das Ant­ark­tis-pro­jekt soll da­bei wich­ti­ge Er­kennt­nis­se lie­fern.

Mehr als 300 Pflan­zen­pro­ben und mi­kro­bio­lo­gi­sche Ab­stri­che hat Za­bel aus der Ant­ark­tis mit­ge­bracht, die jetzt aus­ge­wer­tet wer­den sol­len. Die Er­geb­nis­se wol­len sie im Juni vor­stel­len. Dann kön­nen sie auch mehr da­zu sa­gen, ob die fri­sche Kost die Stim­mung der Be­sat­zung wäh­rend der Mo­na­te in Ab­ge­schie­den­heit po­si­tiv be­ein­flusst hat. Awi-ex­per­te Eber­hard Kohl­berg hält das für wahr­schein­lich. Zwei­mal hat er in der Ver­gan­gen­heit in der Ant­ark­tis über­win­tert. Auf die Tel­ler ka­men Tief­kühl­kost und halt­ba­re Vor­rä­te. Nach ei­ni­gen Mo­na­ten sei­en sei­ne Ge­dan­ken stän­dig um Sa­lat und fri­sches Ge­mü­se ge­kreist, sagt Kohl­berg. „Man ver­misst das rich­tig.“

Aber ist das Grün­zeug aus dem Spe­zi­al-ge­wächs­haus auch le­cker? „Ich fand’ al­les toll“, sagt Za­bel, gibt aber zu: „Wenn es die ein­zi­gen fri­schen Le­bens­mit­tel sind, die man in der Ant­ark­tis be­kommt, schmeckt al­les su­per.“Im November sei­en je­doch neue For­scher mit noch un­vor­ein­ge­nom­me­nen Ge­schmacks­ner­ven auf die Sta­ti­on ge­kom­men, die das Ge­mü­se eben­falls ge­lobt hät­ten. Za­bels Fa­zit nach ei­nem Jahr: „Die Pflan­zen wach­sen im­mer. Die Tech­nik ist ei­gent­lich die Her­aus­for­de­rung.“Bis das Ge­wächs­haus tat­säch­lich im Welt­raum ein­setz­bar ist, wer­den nach An­sicht von Schu­bert noch 10 bis 20 Jah­re ver­ge­hen. Die Ver­su­che in der Ant­ark­tis sol­len des­halb wei­ter­ge­hen.

Noch in die­ser Wo­che wird ein Team dort­hin flie­gen, um das Ge­wächs­haus zu ver­bes­sern. Da­nach soll es neue Pflan­zen sä­en. Die­se sol­len aber erst mal im Schlaf­mo­dus oh­ne Licht und Feuchtigkeit blei­ben. Im Mai wol­len die For­scher das Ge­wächs­haus per Knopf­druck aus dem Bre­mer Kon­troll­raum steu­ern. Die Po­lar­for­scher sol­len die­ses nur für die Ern­te und die Aus­saat neu­er Sa­men be­tre­ten müs­sen – wie es bei Raum­fahrt­mis­sio­nen auch wä­re. (dpa) Kar­tie­rung des See­bo­dens. Das In­ter­es­se der Archäo­lo­gen war damit ge­weckt wor­den. Ei­ne ge­naue­re Un­ter­su­chung wur­de nun durch die Fraun­ho­fer­un­ter­was­ser­tech­no­lo­gie aus Il­men­au vor­ge­nom­men. Damit ha­ben die Archäo­lo­gen nun die Si­cher­heit, dass es sich nicht um na­tür­li­che Abla­ge­run­gen oder ei­nen St­ein­hau­fen han­delt.

Ins­ge­samt zwei Fahr­zeu­ge der Il­me­n­au­er Ex­per­ten ka­men am Sü­ßen See zum Ein­satz: der Un­ter­was­ser­r­o­bo­ter un­ter­stütz­te die Tau­cher und half bei der Er­stel­lung der 3D-da­ten, ei­ne Kar­tie­rung der Ob­jek­te von der Was­ser­ober­flä­che wur­de von ei­nem Ka­ta­ma­ran vor­ge­nom­men.

Im Früh­jahr sol­len aus­ge­wähl­te Fund­stü­cke ver­mes­sen und ge­bor­gen wer­den. (red)

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