Al­ter ei­ne Fra­ge der Per­spek­ti­ve

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Ilmenauer Allgemeine -

Und was möch­te der jun­ge Mann? Die­sen Satz hö­re ich nicht sel­ten beim Fleischer oder Bä­cker. Ar­tig be­dan­ke ich mich zu­nächst für das Kom­pli­ment, be­vor ich mei­ne Wün­sche äu­ße­re. Denn die Fra­ge ist, ob man mit Mit­te 40 wirk­lich noch jung ist. Selbst wenn man sich viel­leicht so fühlt. Wahr­schein­lich nicht di­rekt nach dem Auf­ste­hen, aber manch­mal ein paar St­un­den spä­ter.

Al­ter ist aber be­stimmt nicht nur ei­ne Fra­ge der Uhr­zeit, son­dern auch der Per­spek­ti­ve. Wenn un­ser Ge­sprächs­part­ner 20 Jah­re jün­ger ist, wird er ein „Jun­ger Mann“oder „Jun­ge Frau“als An­re­de wahr­schein­lich ver­mei­den. Um beim Bei­spiel Fleischer und Bä­cker zu blei­ben, dort wird in die­sem Fall gern das „Was möch­te er/sie denn?“ver­wen­det. Ein „Was möch­te der al­te Mann/die al­te Frau?“ha­be ich üb­ri­gens noch nicht ge­hört.

Die­ser Ta­ge be­lausch­te ich an mei­nem Lieb­lings-brat­wur­strost in der Il­me­n­au­er Fuß­gän­ger­zo­ne fol­ge­nen­den Dia­log: „Was be­kommt die jun­ge Frau?“, frag­te die Ver­käu­fe­rin höf­lich, ich schät­ze sie ist Mit­te 50. Die Kun­din war nach ei­ge­nen An­ga­ben 84, nahm es mit Hu­mor und mein­te: „Jetzt schmei­cheln Sie mir aber!“

Ralf Ehr­lich über An­re­den und Höf­lich­kei­ten im All­tag

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