El­tern­kri­tik sorgt für Ver­än­de­rung bei Schließ­zei­ten in Kin­der­gär­ten

Drei­wö­chi­ge Som­mer­pau­se in Il­men­au wird auf zwei Wo­chen re­du­ziert – und ist auch nur noch ei­ne Kann-be­stim­mung

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Ilmenauer Allgemeine - Von Arne Mar­ti­us

Il­men­au. Stadt­rat und Ver­wal­tung ha­ben ei­nen Kon­flikt mit El­tern von Kin­dern im Vor­schul­al­ter ab­ge­räumt. Mit der am Don­ners­tag ein­stim­mig ver­ab­schie­de­ten Kin­der­gar­ten­sat­zung wur­de ins­be­son­de­re bei den Schließ­zei­ten nach­ge­bes­sert – ein The­ma, das bei ei­ner Pe­ti­ti­on im In­ter­net 715 Un­ter­stüt­zer mo­bi­li­sier­te. Sie for­der­ten die Ab­schaf­fung von Schließ­zei­ten in den kom­mu­na­len Ta­ges­stät­ten in Il­men­au und den Orts­tei­len.

Hin­ter­grund ist der bis­lang un­ter­schied­li­che Um­gang mit Schließ­zei­ten. Wäh­rend Ein­rich­tun­gen in Il­men­au bis­lang drei Wo­chen in der Som­mer­zeit schlos­sen, gab es in Geh­ren und Möh­ren­bach kei­ne Schließ­zei­ten. In Grä­fin­au-angstedt war die Re­ge­lung von zwei Wo­chen eher ei­ne Kann-be­stim­mung, die nach Ein­schät­zung von El­tern nur sel­ten und wenn, dann nicht in vol­lem Um­fang aus­ge­schöpft wur­de.

Le­dig­lich in Lan­ge­wie­sen exis­tier­te ei­ne ge­setz­te jähr­li­che Schließ­zeit von zwei Wo­chen. Freie Trä­ger von Kin­der­gär­ten in Il­men­au, wie Le­bens­hil­fe oder Ar­bei­ter­wohl­fahrt, ver­zich­te­ten bis­her auf ei­ne Aus­zeit bei der Kin­der­be­treu­ung.

Mit der Ein­ge­mein­dung von Or­ten in die Stadt Il­men­au wur­de auch ei­ne ein­heit­li­che Sat­zung not­wen­dig. Die sah zu­nächst ei­ne Schließ­zeit von drei Wo­chen in al­len Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen vor. Be­grün­det wur­de das von der Stadt­ver­wal­tung mit der Ko­or­di­nie­rung des Per­so­nals und nö­ti­gen Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten in den Som­mer­pau­sen. Das aber stieß bei den Un­ter­stüt­zern der Pe­ti­ti­on auf Kri­tik: „Weil es Leu­te gibt, die zwei bis drei Kin­der ha­ben und nur 24 Ta­ge Ur­laub – wie in mei­ner Si­tua­ti­on. Da ist das ein­fach un­mög­lich“, schrieb ein Teil­neh­mer aus Geh­ren.

Auch Er­zie­he­rin­nen mel­de­ten sich zu Wort: „Auch als An­ge­stell­te ist es ei­nem ja ver­wehrt, sei­nen Ur­laub selbst zu pla­nen – er wird zu fast 2/3 vom Ar­beit­ge­ber be­stimmt – ich fin­de das un­mög­lich“, schrieb die Mit­ar­bei­te­rin ei­nes Kin­der­gar­tens.

In der nun be­schlos­se­nen Sat­zungs­än­de­rung sind Schließ­zei­ten von zwei Wo­chen vor­ge­se­hen. So heißt es in Pa­ra­graf 4, Ab­satz 2: „Wäh­rend der ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Som­mer­fe­ri­en in Thü­rin­gen kann je­de Ein­rich­tung zwei Wo­chen ge­schlos­sen wer­den.“

Die Initia­to­ren der Pe­ti­ti­on im In­ter­net wer­te­ten das als Er­folg. „Wir wa­ren er­folg­reich, in der neu­en Ki­ta-sat­zung sind die Schließ­zei­ten nun ei­ne Kann­be­stim­mung! Das be­deu­tet, dass je­de Ki­ta selbst ent­schei­den kann, ob ei­ne Schließ­zeit im Som­mer nö­tig ist“, hieß es am Frei­tag.

Das The­ma Kin­der­gär­ten ist da­mit al­ler­dings noch nicht ab­ge­schlos­sen. Im Raum steht noch die Fra­ge nach der An­glei­chung der Ge­büh­ren­sät­ze in den städ­ti­schen Ein­rich­tun­gen und de­nen der frei­en Trä­ger. Ei­nen ent­spre­chen­den Be­schluss­vor­schlag zog Ein­rei­cher Gun­ther Kreuz­ber­ger von der Frak­ti­on Pro Bock­wurst / Bür­ger­bünd­nis vor­erst wie­der zu­rück, ob­wohl er auch schon im Haupt­aus­schuss war. Die An­ge­le­gen­heit soll zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt be­han­delt wer­den.

Wie hier im Kin­der­gar­ten „Hüt­ten­grund“in Il­men­au wer­den Schließ­zei­ten künf­tig zur Kann-be­stim­mung. Die neue Sat­zung gilt so­wohl für die Kern­stadt als auch für die neu­en und al­ten Orts­tei­le. Archiv-fo­to: Chris­toph Vo­gel

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