„Wir war­ten dar­auf, dass al­les gut wird“

D W  W von Hans-jür­gen Frei­tag von der evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Kir­chen­ge­mein­de Il­men­au

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Ilm-kreis -

Heu­te, am Tag, an dem ich die­se Zei­len schrei­be, ist Ni­ko­laus­tag. „Lasst uns froh und mun­ter sein und uns recht von Her­zen freun ...“Heu­te früh le­se ich in der Zei­tung, dass Pu­tin droht, wenn die Ame­ri­ka­ner aus dem Inf-ab­rüs­tungs­ver­trag aus­stei­gen Russ­land in „ent­spre­chen­der Wei­se“re­agie­ren wer­de. Die USA ih­rer­seits wer­den ih­re Ver­pflich­tun­gen „nach dem Inf-ab­rüs­tungs­ver­trag über ato­ma­re Mit­tel­stre­cken­ra­ke­ten“in 60 Ta­gen aus­set­zen, da Russ­land mit der Ent­wick­lung und Sta­tio­nie­rung ei­nes Ra­ke­ten­sys­tems den Inf-ver­trag ge­bro­chen ha­be. Kin­der­gar­ten­ver­hal­ten? Mag sein, al­ler­dings ein für vie­le Men­schen sehr ge­fähr­li­ches und noch da­zu ein ex­trem teu­res. Hof­fent­lich geht das gut.

Auch heu­te wer­den die vor­weih­nacht­li­chen Glo­cken süß klin­gen und die Glüh­wein­ver­käu­fer auf den Weih­nachts­märk­ten gu­te Ge­schäf­te ma­chen. Was heu­te beim Kli­ma­gip­fel in Kat­to­witz ver­han­delt wer­den wird, bleibt un­ge­wiss, erst recht, ob es ein po­si­ti­ves Er­geb­nis gibt. Fest steht, dass der Koh­len­stoff­di­oxid-aus­stoß wei­ter steigt. Wir ha­ben ei­ne Ah­nung von den Fol­gen.

Auch heu­te wer­den wie­der Men­schen ver­hun­gern oder in Krie­gen ster­ben – man­che durch Waf­fen Ma­de in Ger­ma­ny, auch heu­te wer­den Men­schen auf der Flucht sein, viel­leicht im Mit­tel­meer er­trin­ken oder in La­gern in Li­by­en ver­ge­wal­tigt. Wir wol­len das al­les gar nicht im­mer so ge­nau wis­sen. „Toch­ter Zi­on freue dich, jauch­ze laut, Je­ru­sa­lem ... ja er kommt, der Frie­de­fürst.“

Ob­wohl wir so sin­gen oder es zu­min­dest aus dem Laut­spre­cher so du­delt: Es sieht ge­ra­de nicht da­nach aus, als ob die gro­ße Frie­dens­vi­si­on des Pro­phe­ten Je­sa­ja von den „Schwer­tern zu Pflug­scha­ren“kurz vor der Rea­li­sie­rung steht. Eher denkt man an die letz­ten Wo­chen vor den Sint­flut. Was al­so ma­chen wir mit un­se­rem so star­ken Be­dürf­nis nach Idyl­le? Ir­gend­wie muss es doch ein biss­chen hei­le Welt ge­ben. Un­ser an­stren­gen­des Le­ben braucht doch Ge­schich­ten wie die von Ochs und Esel und dem hol­den Kn­a­ben im lo­cki­gen Haar. Es muss doch am Schluss al­les gut wer­den. We­nigs­tens in der Weih­nachts­zeit muss ein sol­cher Kin­der­traum doch ge­träumt wer­den dür­fen.

In der Kir­che ist der Ad­vent ei­ne Fas­ten­zeit. Wir war­ten auf das gu­te En­de, dar­auf, dass letzt­lich al­les gut wird oder das Gu­te we­nigs­tens ein biss­chen sicht­ba­rer wird. Aber wir wis­sen auch, dass das gro­ße Welt-hap­py-end auch an die­sem Weih­nach­ten wahr­schein­lich aus­bleibt.

Es bleibt die Hoff­nung: Dar­auf, dass die­se Welt nicht im­mer so blei­ben muss, wie sie ist. Dar­auf, dass ge­gen den au­gen­schein­li­chen Welt­wahn­sinn sich doch das Gu­te durch­setzt – wie, das wol­len wir dem lie­ben Gott über­las­sen. Fest steht, dass wir in je­dem Fall dar­an be­tei­ligt sind. Im ers­ten Ad­vents­lied des evan­ge­li­schen Ge­s­ang­buchs heißt es „Komm, o mein Hei­land Je­su Christ, meins Her­zens Tür dir of­fen ist“Auch wenn die Sprach­bil­der des Lie­des alt sind, viel­leicht ist das ein An­fang.

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