The­pra-heim spe­zia­li­siert sich auf Be­treu­ung von Jun­gen

Crau­la­er Ein­rich­tung muss­te neu aus­ge­rich­tet wer­den. Heu­te bei Haus- und Hof­fest für Be­su­cher ge­öff­net

Thüringer Allgemeine (Mühlhausen) - - Mühlhäuser Allgemeine - Von Sa­bi­ne Spit­zer

Crau­la. Bü­cher ste­hen im Re­gal. Auf dem Schreib­tisch lie­gen Stif­te und auf den Bet­ten sind Ku­schel­tie­re dra­piert. „Jetzt feh­len nur noch die Kin­der“, sagt Ah­med Tihar. Er ar­bei­tet als Er­zie­her im Kin­der- und Ju­gend­wohn­heim“am Hai­nich“in Crau­la. Spä­tes­tens ab Sep­tem­ber sol­len im Heim Kin­der zwi­schen vier und 13 Jah­ren be­treut wer­den, die aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht mehr bei ih­ren El­tern le­ben kön­nen.

Die The­pra hat­te 2016 die ehe­ma­li­ge Hai­nich-her­ber­ge in Crau­la für die Un­ter­brin­gung von un­be­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­ge um­ge­baut. Weil die Flücht­lings­wel­le ab­riss, such­te der The­pra-ver­band nach ei­ner neu­en Auf­ga­be und kon­zen­triert sich nun auf die Be­treu­ung spe­zi­ell von Jun­gen.

Da­für ist das Haus in den ver­gan­ge­nen Wo­chen her­ge­rich­tet wor­den. Drei Ein­zel- und ein Zwei­bett­zim­mer so­wie ein Sa­ni­tärt­rakt sind ent­stan­den. Der Dach­bo­den wur­de zum Sport­und Spiel­raum aus­ge­baut. Auch das Ess­zim­mer, das zu­gleich als Auf­ent­halts­be­reich dient, be­kam ei­nen fri­schen An­strich. Beim heu­ti­gen Haus- und Hof­fest kön­nen sich Be­su­cher im Heim um­schau­en.

Wie Tihar in­for­miert, kön­nen der­zeit kei­ne Kin­der auf­ge­nom­men wer­den, weil noch zwei Er­zie­her­stel­len be­setzt wer­den müs­sen. Denn ge­ar­bei­tet wird im Schicht­dienst. Noch le­ben in der un­te­ren Eta­ge sechs min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge. Wenn die­se 18 Jah­re sind, müs­sen sie aus­zie­hen. Dann soll auch die­ser Be­reich für die Be­treu­ung von Kin­dern aus­ge­baut wer­den.

„Fremd­un­ter­brin­gung“heißt es im Fach­jar­gon, wenn Kin­der nicht mehr ih­ren El­tern le­ben kön­nen. Bei­spiels­wei­se, weil die El­tern län­ger krank sind oder ih­nen das Sor­ge­recht ent­zo­gen wur­de. „Wir le­ben in ei­ner leis­tungs­ori­en­tier­ten Ge­sell­schaft, da bleibt viel auf der Stre­cke“, weiß Tihar aus Er­fah­rung. Oft sind es die Kin­der, die dar­un­ter lei­den.

„Vie­le El­tern sind über­for­dert“, er­klärt Ah­med Tihar. So las­se auch die Ar­beit El­tern oft kaum Zeit für die Kin­der. Tihar kennt das Pro­blem selbst. Der Va­ter von drei Kin­dern hat zwei Jobs, ar­bei­tet zu­sätz­lich als Dol­met­scher, um die Fa­mi­lie zu er­näh­ren. Des­halb sieht er die Po­li­tik in der Ver­ant­wor­tung, die sei­ner An­sicht nach bes­se­re Be­din­gun­gen schaf­fen müs­se. „Fa­mi­lie ist heu­te Lu­xus ge­wor­den“, meint er.

Ein Pro­blem sei aber auch, dass vie­le El­tern gar nicht wis­sen, wie sie ih­re Kin­der er­zie­hen sol­len. Selbst bei grund­le­gen­den Din­gen wie der Er­näh­rung man­gelt es ei­ni­gen an Wis­sen, be­rich­tet Tihar.

„El­tern wer­den ist leicht, El­tern sein da­ge­gen schwer“, sagt er. Der Er­zie­her hält da­her die Idee ei­ner Art von „El­tern­füh­rer­schein“für sinn­voll. In Kur­sen soll­te künf­ti­gen El­tern ver­mit­telt wer­den, wel­che Pflich­ten und Auf­ga­ben auf sie zu­kom­men. „Denn wenn die jet­zi­gen Kin­der das El­tern­sein nicht vor­ge­lebt be­kom­men, wie sol­len sie selbst ver­ant­wor­tungs­be­wusst mit ih­ren spä­te­ren Kin­dern um­ge­hen“, so Ah­med Tihar.

Wenn sich nichts in der Ge­sell­schaft än­dert, wird der Be­darf an Kin­der- und Ju­gend­hei­men stei­gen, be­fürch­tet Tihar. Was sei­ner Mei­nung nach kei­ne gu­te Ent­wick­lung wä­re. Denn die Kin­der zu the­ra­pie­ren, sei ein lan­ger Pro­zess. So ist die neue Auf­ga­be der Ein­rich­tung ei­ne Her­aus­for­de­rung. „Doch man kann es schaf­fen“, so Tihar.

Zum Haus- und Hof­fest sind In­ter­es­sier­te am heu­ti­gen Frei­tag von  bis  Uhr ein­ge­la­den.

Ah­med Tihar steht in ei­nem der Zim­mer, die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen für die Be­treu­ung von Kin­dern her­ge­rich­tet wur­den. Fo­to: Sa­bi­ne Spit­zer

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