Olym­pio­ni­ken in Strumpf­ho­sen und Legg­ins aus dem Eichs­feld

Die letz­ten Ge­heim­nis­se aus dem Be­trieb Es­da in Die­dorf, der vor 30 Jah­ren zu den Aus­stat­tern der Ddr-mann­schaft ge­hör­te

Thüringer Allgemeine (Mühlhausen) - - Unstrut-hainich - Von Rei­ner Schmalzl

Die­dorf. Bei den Olym­pi­schen Win­ter­spie­len 1988 im ka­na­di­schen Cal­ga­ry und ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter wäh­rend der Som­mer­spie­le in Süd­ko­reas Haupt­stadt Seo­ul sind ver­schie­de­ne Sport­ler der Ddr-mann­schaft in Strumpf­ho­sen oder Legg­ins aus dem Eichs­feld zu olym­pi­schem Edel­me­tall ge­lau­fen und ge­sprin­tet. Dies dürf­te nur den we­nigs­ten der einst über 2000 Be­schäf­tig­ten der ehe­ma­li­gen Thü­rin­ger Strumpf­wa­ren­fa­brik Es­da Die­dorf mit ih­ren bis zu 23 Pro­duk­ti­ons­stät­ten be­kannt ge­we­sen sein.

Der Eichs­fel­der Strick­wa­ren­her­stel­ler stat­te­te näm­lich die Na­tio­nal­mann­schaft mit mo­der­ner Sport­be­klei­dung aus. Es han­del­te sich zwar nicht um ae­ro­dy­na­mi­sche Renn­an­zü­ge, son­dern um haut­enge Strumpf­ho­sen und Legg­ins „Ma­de in Eichs­feld“. Als Be­leg da­für tauch­te jetzt die Be­ru­fung des VEB Es­da Die­dorf als Aus­stat­ter der Ddr-mann­schaft zu den Olym­pi­schen Spie­len 1988 auf. Dies ge­schah be­reits am 27. No­vem­ber 1987 in der Sport­schu­le des Deut­schen Turn- und Sport­bun­des an der be­kann­ten Re­gat­ta­stre­cke in Ber­lin-grünau. Gleich drei Mi­nis­ter hat­ten da­mals auch zwei Ver­tre­ter des re­nom­mier­ten Thü­rin­ger Strumpf­wa­ren­her­stel­lers ein­ge­la­den.

So sind die Legg­ins be­zie­hungs­wei­se Pan­ta­lons einst im Werk Wen­de­hau­sen auf dem Strick­halb­au­to­ma­ten „Na­ga­ta“aus Süd­ko­rea her­ge­stellt wor­den, er­in­nert sich Klaus Gry­watsch, der als Mecha­ni­ker be­gon­nen hat­te und bis zur Wen­de Stri­cke­rei­lei­ter in dem dor­ti­gen Zweig­be­trieb war. Die Stri­cker an den Ma­schi­nen hät­ten je­weils ih­re Auf­trä­ge be­kom­men, oh­ne dass ih­nen et­wa die Be­stel­ler oder End­kun­den be­kannt ge­we­sen sei­en.

Die dun­kel­blau­en oder auch schwar­zen Legg­ins hät­ten un­heim­lich gut ge­glänzt, wenn die Sport­le­rin­nen sie ge­tra­gen hät­ten, er­in­nert sich Klaus Gry­watsch. Die Strumpf­ho­sen hin­ge­gen sei­en in dem Zweig­werk St­ruth auf ita­lie­ni­schen Ma­schi­nen her­ge­stellt wor­den.

Weil der Eichs­fel­der Be­trieb vor­ran­gig für das so­ge­nann­te Nicht­so­zia­lis­ti­sche Wirt­schafts­ge­biet (NSW) und die ehe­ma­li­ge So­wjet­uni­on (SU) pro­du­zier­te, wur­de Es­da von der Ddr-wirt­schafts­füh­rung auch mit den mo­derns­ten Ma­schi­nen aus dem west­li­chen Aus­land aus­ge­stat­tet. Die Strümp­fe für den west­eu­ro­päi­schen Markt wa­ren stets in den ak­tu­el­len und leuch­ten­den Mo­de­far­ben ge­hal­ten. Ar­ti­kel für den Su-ex­port und den Bin­nen­markt hat­ten meist tris­te Erd­far­ben. Stolz sind die Eichs­fel­der aber auch dar­auf, dass die heu­ti­ge Kin­der­strumpf­ho­se von den da­ma­li­gen Tech­no­lo­gen Ot­to John und Alois Dö­ring ent­wi­ckelt wor­den war.

Die Ur­sprün­ge der Stri­cke­rei in Die­dorf ge­hen üb­ri­gens auf die Brü­der Adolf und Ed­mund Mon­tag aus Wen­de­hau­sen zu­rück, als sie dort vor ge­nau 125 Jah­ren mit ei­ner Lohn­stri­cke­rei be­gan­nen. Als Wan­der­ar­bei­ter und Woll­käm­me­rer hat­ten die jun­gen Män­ner aus Skan­di­na­vi­en ei­ne ers­te Hand­strick­ma­schi­ne mit­ge­bracht.

Die bei­den „Gold­grä­ber“der An­fangs­jah­re hät­ten wohl nicht zu träu­men ge­wagt, dass zu Spit­zen­zei­ten bei Es­da jähr­lich rund 32 Mil­lio­nen Strumpf­wa­ren die Pro­duk­ti­ons­sä­le ver­las­sen wür­den. Da­für gab es dann nicht nur Gold­me­dail­len auf der Leip­zi­ger Mes­se, son­dern auch olym­pi­sches Edel­me­tall.

Lohn­stri­cke­rei in Die­dorf be­gann vor 125 Jah­ren

Gold­me­dail­len auf der Leip­zi­ger Mes­se zähl­ten zu den höchs­ten Aus­zeich­nun­gen für die Strumpf­wa­ren von Es­da Die­dorf.

Dem Thü­rin­ger Herz nach­emp­fun­den, ent­stand das ers­te Lo­go für die re­nom­mier­te Eichs­fel­der Strumpf­wa­ren­fa­brik.

Die Ein­la­dung an Ver­tre­ter von Es­da Die­dorf zur Be­ru­fung als Aus­stat­ter der Olym­pio­ni­ken.

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