Mit ge­misch­ten Ge­füh­len

Mer­kel trifft Pu­tin – und vie­le Deut­sche wün­schen sich ein bes­se­res Ver­hält­nis zu Russ­land

Thüringer Allgemeine (Nordhausen) - - Politik -

und die Füh­rung in Mos­kau trennt ge­ra­de nicht die Ver­gan­gen­heit, son­dern der Ukrai­nekon­flikt, Russ­lands Rol­le im sy­ri­schen Bür­ger­krieg oder auch die Wahr­heits­fin­dung im Gift­an­schlag auf den frü­he­ren rus­si­schen Agen­ten in Lon­don.

Ada­li­na und Man­fred füh­len die Dis­kre­panz zwi­schen ih­rem Wunsch nach bes­se­ren Be­zie­hun­gen und der han­deln­den Po­li­tik. „Wir soll­ten den Rus­sen dank­bar sein: Für die Be­frei­ung und auch für den Fall der Mau­er“, sagt der 57-Jäh­ri­ge. Und sie be­fin­det: „Ich möch­te nie wie­der Krieg zwi­schen den bei­den Län­dern, denn wenn Po­li­ti­ker Feh­ler ma­chen, muss es im­mer die Be­völ­ke­rung aus­ba­den.“ Tei­le un­se­rer Ge­sell­schaft ha­ben.“Denn trotz des Wis­sens um Russ­lands Rol­le im Sy­ri­en­krieg, dem Kon­flikt mit der Ukrai­ne und der nicht ge­klär­ten Ein­mi­schung Russ­lands in die Us-wah­len spür­ten die Men­schen, dass das Ver­hält­nis so wie es jetzt ist, nicht rich­tig sei. Er schätzt, et­wa 40 bis 60 Pro­zent der Deut­schen se­hen Russ­land eher po­si­tiv. Zu der Grup­pe ge­hö­ren auch Afd-wäh­ler, Tei­le der FDP, An­hän­ger der Lin­ken, der 68er, Men­schen aus der Frie­dens­be­we­gung, Bür­ger, die aus ei­nem An­ti-trump oder An­tia­me­ri­ka­nis­mus her­aus, sich Russ­land zu­wen­den. Da­zu kom­me, dass der der­zei­ti­ge Us-prä­si­dent mit sei­ner Art, wie er Po­li­tik macht, un­zu­ver­läs­sig wir­ke, Pu­tin stel­le da­zu ei­nen sta­bi­len Ge­gen­pol dar, sagt Meis­ter von der Deut­schen Ge­sell­schaft für Aus­wär­ti­ge Po­li­tik.

Ei­ner, der von Kri­ti­kern eher ab­schät­zig als „Pu­tin-ver­ste­her“be­zeich­net wird, ist Mat­thi­as Platz­eck. Er sieht in dem Tref­fen von Mer­kel und Pu­tin ei­ne gro­ße Chan­ce. Zu oft er­le­be der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der SPD und nun Vor­sit­zen­der des Deut­schrus­si­schen Fo­rums, dass zwi­schen dem, was in Kü­chen und Freun­des­krei­sen ge­spro­chen wer­de und dem was Po­li­ti­ker spre­chen, ein zu gro­ßer Un­ter­schied be­ste­he. „Das ist kein gu­ter Zu­stand für un­se­re De­mo­kra­tie.“Platz­eck hofft nun, dass Mer­kel ei­ne Ver­mitt­ler­rol­le für Eu­ro­pa ein­neh­men kann. „Sie hat im Wahl­kampf ge­sagt, dass wir kein Pro­blem oh­ne die Rus­sen lö­sen kön­nen, nicht den Kli­ma­wan­del, die Flücht­lings­fra­ge, die Ter­ror­be­kämp­fung und auch nicht die Ir­an­fra­ge. Die Kanz­le­rin muss jetzt viel be­spre­chen, um den Frie­den zu wah­ren.“Platz­eck meint, dass Ge­schich­te sich zwar nicht wie­der­ho­le, man sol­le aber aus ihr ler­nen und zi­tiert das Kon­zept „Wan­del durch An­nä­he­rung“von Wil­ly Brandt und Egon Bahr. Noch heu­te wür­den sich dar­in gu­te di­plo­ma­ti­sche An­satz­punk­te fin­den.

Für das Pär­chen Ada­li­na und Man­fred sieht es gut aus. Wei­te­re Tref­fen wird es ge­ben. Ihr Bei­trag zur deutsch-rus­si­schen Völ­ker­ver­stän­di­gung.

Vie­le Deut­sche füh­len, dass et­was schief­läuft

Die Rus­sin Ada­li­na Lind­ner und der Deut­sche Man­fred Bu­row wün­schen sich auch in der Po­li­tik gu­te Be­zie­hun­gen zwi­schen bei­den Staa­ten. Fo­to: Dia­na Zink­ler

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