Bom­ben­fund: 3000 Men­schen eva­ku­iert

Zwei eng­li­sche Flie­ger­bom­ben muss­ten ges­tern Abend im Gum­pe­tal ent­schärft wer­den. Eva­ku­ie­rung von 23 Stra­ßen ver­läuft oh­ne Zwi­schen­fäl­le

Thüringer Allgemeine (Nordhausen) - - Nordhäuser Allgemeine -

Gut  Heim­be­woh­ner muss­ten ges­tern aus K & S Se­nio­ren­re­si­denz eva­ku­iert wer­den. Bis  Uhr war der Ge­bäu­de­kom­plex an der Stoll­ber­ger Stra­ße kom­plett ge­räumt. Ei­ni­ge Eva­ku­ier­te ka­men in der Turn­hal­le der Kä­the-koll­witz-schu­le un­ter. Dort wur­den sie von Hel­fern ver­sorgt. Ins­ge­samt wa­ren  Hilfs­kräf­te am Frei­tag im Ein­satz. Jut­ta Krauth (SPD) und Kai Buch­mann (pl) be­spre­chen die La­ge im Kri­sen­zen­trum. Die Stadt rich­te­te ei­nen Kri­sen­stab im Rats­saal des Bür­ger­hau­ses ein. Nord­hau­sen. 3000 Men­schen muss­ten ges­tern Nach­mit­tag in zwei Nord­häu­ser Stadt­tei­len eva­ku­iert wer­den. Grund: Auf ei­nem Feld im Gum­pe­tal wur­den nach Bür­ger­hin­wei­sen zwei eng­li­sche Flie­ger­bom­ben aus dem 2. Welt­krieg ent­deckt.

„Die bei­den je­weils 227 Ki­lo­gramm schwe­ren Blind­gän­ger lie­gen nur et­wa 30 und 60 Zen­ti­me­ter tief un­ter der Erd­ober­flä­che. Des­halb muss­ten wir schnell re­agie­ren und die Eva­ku­ie­rung ein­lei­ten“, sag­te Nord­hau­sens Bür­ger­meis­te­rin Jut­ta Krauth (SPD). Ab 16.30 Uhr wur­den ins­ge­samt 23 Stra­ßen in Nord­hau­sen-nord und Nord­hau­sen-ost eva­ku­iert. Sie la­gen im Be­reich des 1000 Me­ter um­fas­sen­den Eva­ku­ie­rungs­krei­ses.

Die meis­ten Men­schen wur­den im Al­ten­pfle­ge­heim K & S Se­nio­ren­re­si­denz in der Stol­ber­ger Stra­ße eva­ku­iert. „Gibt es noch Rol­la­to­ren?“, rief ei­ne Be­treue­rin in die Run­de. Im Foy­er des Hei­mes war­te­ten die Be­woh­ner meist ge­dul­dig auf die Fahr­zeu­ge, die sie ein­lu­den und in die Turn­hal­le der Kä­the-koll­witz-schu­le brach­ten. Die Eva­ku­ie­rung der gut 100 Be­woh­ner lief vor­bild­lich ab.

„Bei der Eva­ku­ie­rung im Sep­tem­ber des Vor­jah­res wa­ren wir auch schon da­bei“, sag­te Heim­lei­ter Frank Bau­mert. Da­mals ha­be man al­ler­dings ei­ne län­ge­re Vor­be­rei­tungs­zeit ge­habt. „Dies­mal muss­te al­les viel schnel­ler ge­hen, aber wir konn­ten die Er­fah­run­gen aus dem Vor­jahr gut nut­zen“, so Bau­mert wei­ter. Die In­for­ma­ti­on über die Eva­ku­ie­rung ha­be er von der Stadt erst um 12 Uhr er­hal­ten. „Das ist schon sport­lich, aber wir schaf­fen das und wol­len das Haus bis 18 Uhr leer ha­ben“, be­ton­te er. Schön sei auch ge­we­sen, dass vie­le Mit­ar­bei­ter, die schon zu Hau­se wa­ren, ex­tra ge­kom­men sind, um bei der Eva­ku­ie­rung zu hel­fen.

Mit­ar­bei­ter der Stadt gin­gen von Haus zu Haus

In den an­gren­zen­den Stra­ßen gin­gen Mit­ar­bei­ter der Stadt von Haus zu Haus, um zu kon­trol­lie­ren, ob noch Be­woh­ner in ih­ren Woh­nun­gen ver­blie­ben wa­ren. So wie der Feu­er­wehr­mann aus Her­re­den, der in der Stra­ße „Am Aue­blick 3 und 4“an den Tü­ren klin­gel­te. „Je­der Mit­ar­bei­ter hat sei­nen ei­ge­nen Ab­schnitt, den er ab­zu­ge­hen hat“, ver­deut­lich­te der Feu­er­wehr­mann. Die meis­ten Bür­ger hät­ten Ver­ständ­nis für die Eva­ku­ie­rung und wür­den ih­re Woh­nun­gen ver­las­sen. Na­tür­lich ge­be es auch sol­che, die auf das Klin­geln nicht re­agie­ren.

„Soll ich die Ja­lou­si­en her­un­ter­las­sen?“, frag­te et­wa ei­ne Be­woh­ne­rin in der Stol­ber­ger Stra­ße. „Ich den­ke nicht“, ant­wor­te­te Bür­ger­meis­te­rin Jut­ta Krauth, die vor Ort die Eva­ku­ie­rungs­maß­nah­men be­ob­ach­te­te.

An­lauf­punk­te für die Bür­ger wa­ren die Sport­hal­le der KätheKoll­witz-schu­le für die Bür­ger aus Nord so­wie die Turn­hal­le der Förs­te­mann­schu­le für die Men­schen in Ost.

In der Sport­hal­le der Koll­witz­schu­le wa­ren bis 17.45 Uhr et­wa 160 Leu­te ein­ge­trof­fen. „Die meis­ten stam­men aus der Se­nio­ren­re­si­denz“, be­rich­te­te St­ef­fi We­ber von der Stadt­ver­wal­tung. „Das ist schon gut or­ga­ni­siert. Die Be­treu­er des Heims ha­ben das Es­sen für die Be­woh­ner mit­ge­bracht, für die an­de­ren bie­ten wir Ver­pfle­gung an“, so We­ber.

„Ich bin in Ru­he mit der Stra­ßen­bahn ge­fah­ren“, sag­te ei­ne Da­me, die in der Stol­ber­ger Stra­ße 117 wohnt. Sie ha­be nach der Eva­ku­ie­rung im Vor­jahr schon so et­was wie Rou­ti­ne ent­wi­ckelt.

Ge­gen 20 Uhr war die Eva­ku­ie­rung ab­ge­schlos­sen. Dann über­flog ein Po­li­zei­hub­schrau­ber das Ge­biet. Mit der Wär­me­bild­ka­me­ra wur­de es über­prüft. Dann war das Kön­nen von Spreng­meis­ter Andre­as West ge­fragt. „Wir schnei­den die Zün­der mit ei­nem Was­ser­schnei­de­sys­tems her­aus“, sag­te er. Da­für brau­che er 20 Mi­nu­ten pro Bom­be. Bei Re­dak­ti­ons­schluss dau­er­te die Ent­schär­fung an.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.