Kein Trink­was­ser für Sied­lung am Schern

Ver­band lehnt An­schluss ab. Ge­büh­ren blei­ben sta­bil. Kom­mu­nen ver­zich­ten auf Ge­win­ne

Thüringer Allgemeine (Nordhausen) - - Nordhäuser Allgemeine - Von Pe­ter Cott

Nord­hau­sen. Der Was­ser­ver­band Nord­hau­sen (WVN) wird die Sied­lung Schern bei Groß­wechsun­gen nicht an sein Trink­was­ser­netz an­schlie­ßen. Das ha­ben die Ver­bands­rä­te in ih­rer jüngs­ten Sit­zung ent­schie­den. Das Gre­mi­um lehn­te mehr­heit­lich ei­nen ent­spre­chen­den An­trag der Ge­mein­de Wer­t­her ab, die den An­schluss ge­for­dert hat­te. Wie aus ei­ner Pres­se­mit­tei­lung des WVN her­vor­geht, führ­ten die Ver­bands­rä­te da­bei gleich meh­re­re Grün­de für ih­re Ent­schei­dung ins Feld: Ne­ben der feh­len­den recht­li­chen Grund­la­ge sei­en es tech­no­lo­gi­sche und hy­gie­ni­sche Be­den­ken so­wie die ho­he fi­nan­zi­el­le Be­las­tung der So­li­dar­ge­mein­schaft, die zum Be­schluss führ­ten.

Die be­trof­fe­nen fünf Grund­stü­cke mit 16 An­woh­nern ver­sor­gen sich seit den 1950er-jah­ren über Haus­brun­nen,. Ih­nen fehlt es al­ler­dings an Trink­was- ser­qua­li­tät. Das Nord­häu­ser Ge­sund­heits­amt hat 2016 für vier der fünf Brun­nen die Nut­zung ein­ge­schränkt, so dass das Brun­nen­was­ser nur noch als Brauch­was­ser die­nen darf. Das Brun­nen­was­ser ist mi­kro­bio­lo­gisch be­las­tet und die Grenz­wer­te für Ni­trat sind über­schrit­ten. Ein vom Ver­band be­auf­trag­ter Rechts­an­walt ha­be über­prüft, ob ein An­schluss­recht be­steht. In sei­nem Gut­ach­ten kommt er zu dem Schluss, dass we­der ein An­schluss- und Be­nut­zungs­recht noch ei­ne Ver­sor­gungs­pflicht be­steht. Die­ses ist nur auf sol­che Grund­stü­cke an­zu­wen­den, die be­reits durch ei­ne Ver­sor­gungs­lei­tung er­schlos­sen sind. Die fünf be­trof­fe­nen Grund­stü­cke be­fin­den sich aber cir­ca drei Ki­lo­me­ter ent­fernt von Ver­sor­gungs­lei­tun­gen des WVN und da­mit im so­ge­nann­ten Au­ßen­be­reich.

Da­her sieht auch die Kom­mu­nal­auf­sicht des Land­krei­ses den Was­ser­ver­band nicht in der Pflicht. Da­mit wi­der­spricht die Auf­sichts­be­hör­de der An­sicht des Thü­rin­ger Pe­ti­ti­ons­aus­schus­ses. Mög­lich ist le­dig­lich ei­ne Son­der­ver­ein­ba­rung, die mit den Ei­gen­tü­mern am Schern zu­stan­de kom­men könn­te. Im Rah­men die­ser müss­ten die Ei­gen­tü­mer aber die Kos­ten für den Bau der Ver­sor­gungs­lei­tung und die Grund­stücks­an­schlüs­se über­neh­men.

Der Ver­band lehnt den An­schluss auch aus hy­gie­ni­schen Grün­den ab: Beim An­schluss der Sied­lung an das zen­tra­le Trink­was­ser­netz sei nach Be­rech­nun­gen des Ver­ban­des an­zu­neh­men, dass das Trink­was­ser we­gen der we­ni­gen Ab­neh­mer zwi­schen 11 und 13 Ta­gen in der Lei­tung ver­weilt.

Ne­ben die­ser Hi­obs­bot­schaft für die Be­woh­ner am Schern gibt es al­ler­dings auch gu­te Nach­rich­ten aus dem Ver­band. So blei­ben die Ge­büh­ren bis ins Jahr 2022 kon­stant. Ei­ne Än­de­rung der Ge­büh­ren­sat­zung sei nicht er­for­der­lich, man kön­ne wei­ter­hin kos­ten­de­ckend ar­bei­ten. Auch die um­strit­te­ne Ge­winn­aus­schüt­tung war The­ma: So wer­den al­le Kom­mu­nen auf die drit­te Aus­schüt­tung des Jah­res 2017 ver­zich­ten. Der Jah­res­ge­winn von rund 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro wird der all­ge­mei­nen Rück­la­ge zu­ge­führt. Das Geld soll zur Ei­gen­fi­nan­zie­rung der In­ves­ti­tio­nen wie am neu­en Ell­ri­cher Was­ser­werk ver­wen­det wer­den.

Be­schlos­se­ne Sa­che ist auch der Ver­band­s­ein­tritt des Nord­häu­ser Orts­tei­les Bie­len „zum nächst­mög­li­chen Zeit­punkt“. Hier­für wird laut Be­schluss­text ei­ne Aus­gleichs­zah­lung an den bis­he­ri­gen Ver­band „Al­ter Stol­berg“nö­tig, der laut WVN zu stem­men sei.

WVN sieht kei­ne recht­li­che Grund­la­ge

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