Ei­ne Dach­kon­struk­ti­on gibt Rät­sel auf

Der Dach­bo­den des Wal­ken­rie­der Ho­fes in Nord­hau­sen ist sehr se­hens­wert und muss laut Micha­el Gar­ke er­hal­ten wer­den

Thüringer Allgemeine (Nordhausen) - - Nordhäuser Allgemeine - Von Eri­ka Schir­mer Von Do­re­en Hotz­an

Zu­rück bleibt die Stadt

im trü­ben Licht. Rau­schen­de Schnee­flo­cken ver­hin­dern die Sicht. Rau­schen­des Or­geln im Pap­pel­ge­äst,

ich se­he ein schwan­ken­des Vo­gel­nest.

Wol­ken­fest auf Wie­sen und Fel­dern milch­weiß zer­flie­ßend

vor­über­zie­hen. Kla­gen­der Vo­gel­ruf dringt aus der Fer­ne, trop­fen­de Näs­se am Tan­nen­grün.

Wind häuft den Schnee in die Tan­nen und Fich­ten,

singt von der kom­men­den Weih­nachts­zeit. Schwan­ken­de Wip­fel mit Zap­fen be­han­gen

träu­men in laut­lo­ser Ein­sam­keit.

Zwi­schen den blatt­lo­sen

Bu­chen am Han­ge drän­gen sich braun-gel­be Lär­chen her­vor.

Far­ne ver­har­ren im schein­ba­ren To­de. Was­ser­ge­mur­mel dringt

fein an mein Ohr. Es flüs­tert der Bach: Mag es frie­ren und schnei­en, der Frost kann mich nie­mals gänz­lich be­zwin­gen.

Lasst mir nur Zeit, wenn der Win­ter ver­geht,

wer­de ich wie­der vom Blü­hen sin­gen.

Der Wind frischt auf,

wird kalt, und plötz­lich fal­len die letz­ten Flo­cken her­nie­der.

Ich bli­cke weit in das ver­schnei­te Tal, und in mir er­klin­gen Weih­nachts­lie­der. Nord­hau­sen. Zum Nie­der­kni­en. So be­schreibt der Nord­häu­ser Micha­el Gar­ke das, was im Dach­bo­den des Wal­ken­rie­der Ho­fes schlum­mert. Ei­gent­lich ist das Haus in der Wai­sen­stra­ße/dr.-külz-stra­ße für die Öf­fent­lich­keit nicht zu­gäng­lich. Doch der 61-jäh­ri­ge Fo­to­graf, den vie­le über­wie­gend als Ro­land-darstel­ler in der Ro­land­grup­pe ken­nen, hat es ge­schafft, mit sei­ner Ka­me­ra ei­ni­ge Auf­nah­men im In­ne­ren des Ge­bäu­des zu ma­chen. „Der Nord­häu­ser His­to­ri­ker Pe­ter Kuhl­brodt war es, der mir den Tipp gab, mich dort mal um­zu­schau­en“, er­zählt er. Und die­ser Aus­flug hat sich für den Fo­to­gra­fen rich­tig ge­lohnt.

Vor al­lem, als er auf dem Dach­bo­den stand. „Ich ha­be so ei­ne mas­si­ve Dach­kon­struk­ti­on noch nie ge­se­hen“, schwärmt Micha­el Gar­ke. Ihn fas­zi­niert be­son­ders, mit wel­chen Aus­stei­fun­gen hier ge­ar­bei­tet wur­de. „Hier ist al­les dop­pelt ge­si­chert wor­den. Wer weiß, mit wel­chen Be­las­tun­gen hier ge­rech­net wur­de“, so der ge­lern­te Tisch­ler. Be­son­ders mar­kant ist zu­dem ein gro­ßes Rad auf dem Dach­bo­den, das gut er­hal­ten ist. „Das stammt von ei­nem Auf­zug“, er­läu­tert der Nord­häu­ser. Das Rad passt zu ei­nem La­ger­haus, das im Wal- Micha­el Gar­ke hat sich mit sei­ner Ka­me­ra im Wal­ken­rie­der Hof um­ge­se­hen.

ken­rie­der Hof tat­säch­lich ein­mal un­ter­ge­bracht war.

Im No­vem­ber 1293 er­wirbt das Klos­ter Wal­ken­ried das Grund­stück und baut es aus. Es dient lan­ge Zeit als Zins­ein­nah­me­stel­le. Beim gro­ßen Brand von 1541 wird der Wal­ken­rie­der Hof kom­plett zer­stört. Bei den Feu­ern von 1710 und 1712 nur ge­ring­fü­gig be­schä­digt. Wie durch ein Wun­der bleibt das Haus vom Bom­ben­an­griff im April 1945 ver­schont. Den­noch

sind im Lau­fe der Jah­re di­ver­se Um­bau­ar­bei­ten vor­ge­nom­men wor­den, die mit der spä­te­ren Nut­zung des Ge­bäu­des in Zu­sam­men­hang ste­hen.

So nut­zen den Wal­ken­rie­der Hof auch das Ar­chiv und an­de­re Äm­ter, weiß Micha­el Gar­ke zu be­rich­ten. Von die­ser Zeit zeu­gen noch die Bü­ros in den Räu­men des Ge­bäu­des. Seit­dem steht das Haus leer und ist nun sich selbst über­las­sen. Ers­te Spu­ren des lang­sa­men Ver­falls sind be­reits zu se­hen. So gibt es auf dem Dach­bo­den ei­ni­ge Stel­len, an de­nen Ta­ges­licht durch­dringt, wo be­reits die Zie­geln feh­len. Die Stadt als Ei­gen­tü­me­rin des Wal­ken­rie­der Ho­fes ist in der Si­che­rungs­pflicht und hat ent­spre­chen­de Maß­nah­men er­grif­fen, um zu ver­hin­dern, dass Zie­gel auf die Stra­ße fal­len. Doch das reicht in den Au­gen von Micha­el Gar­ke längst nicht aus. „Es ist ja be­reits Was­ser in das Ge­bäu­de ein­ge­drun­gen“, sagt er und zeigt auf ein Bild, auf dem deut­lich Bal­ken mit Was­ser­fle­cken zu se­hen sind. „Und was Was­ser in­ner­halb kür­zes­ter Zeit an­rich­ten kann, se­hen wir ja am Lin­den­hof.“So weit dür­fe es mit dem Wal­ken­rie­der Hof nicht kom­men.

Da­her hofft Micha­el Gar­ke, dass sich die Stadt um das Ge­bäu­de in der Wai­sen­stra­ße/dr.-külz-stra­ße mehr be­müht. Er hat auch schon ei­nen Nut­zungs­vor­schlag pa­rat: „Das wä­re der idea­le Ort für das Ar­chiv.“

Da­mit sich auch die Nord­häu­ser ei­nen Ein­druck von der Schön­heit des Wal­ken­rie­der Ho­fes ma­chen kön­nen, plant der Fo­to­graf An­fang kom­men­des Jahr ei­nen Vor­trag, in dem er die Be­su­cher auf ei­nen vir­tu­el­len Rund­gang durch die­ses und an­de­re se­hens­wer­te Ge­bäu­de mit­nimmt. Nun muss nur noch ei­ne pas­sen­de Lo­ca­ti­on ge­fun­den wer­den.

Ei­ne solch mas­si­ve Dach­kon­struk­ti­on wie die im Wal­ken­rie­der Hof hat der Nord­häu­ser noch nie zu­vor ge­se­hen. Ein be­son­de­res Merk­mal ist zu­dem ein Rad, das von ei­nem Auf­zug stammt. Fo­tos: M. Gar­ke, D. Hotz­an

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