Ge­lun­ge­ne Nach­fol­ge be­ur­kun­det

Ol­bers­le­be­ner Bä­cke­rei Höh­ne auf Rang zwei beim Thü­rin­ger Grün­der­preis 2018

Thüringer Allgemeine (Sömmerda) - - Sömmerdaer Allgemeine - Von Ar­min Burg­hardt

Ol­bers­le­ben. In den drei Ka­te­go­ri­en Bu­si­ness­plan, Er­folg­rei­ches Jung­un­ter­neh­men und Ge­lun­ge­ne Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge wur­de jetzt der Thü­rin­ger Grün­der­preis 2018 ver­ge­ben. Wirt­schafts­mi­nis­ter Wolf­gang Tie­fen­see ehr­te am Di­ens­tag in Je­na die Sie­ger (TA be­rich­te­te).

Ges­tern hat der Wett­be­werb auch die Ab­läu­fe in der Ol­bers­le­be­ner Bä­cke­rei Höh­ne et­was durch­ein­an­der ge­bracht. Chef Sil­vio Höh­ne (41) rief die Be­leg­schaft zu­sam­men, über­reich­te Se­ni­or-Che­fin Han­ne­lo­re Höh­ne (67) ei­nen Blu­men­strauß und prä­sen­tier­te die Ur­kun­de für den mit 6000 Eu­ro do­tier­ten zwei­ten Platz in der Ge­lun­ge­neNach­fol­ge-Ka­te­go­rie.

Tipp: Nach­fol­ge recht­zei­tig re­geln

Vom Preis­geld will er al­len Mit­ar­bei­tern ei­nen aus­ge­ben, mit der Mut­ter le­cker es­sen ge­hen – und den Rest in die An­bah­nung der er­wo­ge­nen Be­triebs­er­wei­te­rung ste­cken. „Das ist da­für nur wie ein Trop­fen auf den hei­ßen St­ein, aber ich freue mich über den Preis“, so Sil­vio Höh­ne.

Ei­ne ers­te Ide­en spie­geln­de Zeich­nung hängt schon im Ol­bers­le­be­ner Chef-Bü­ro.Da­bei ist das Vor­ha­ben erst im Sta­di­um des Grund­er­werbs und der Grund­stücks­be­rei­ni­gung. Sil­vio Höh­ne will sich am Alt­stand­ort im Ol­bers­le­be­ner Orts­kern er­wei­tern und hofft, dass er bei Ein­hal­tung al­ler Vor­schrif­ten im Ort in­ves­tie­ren darf und kann. „Wir sind hier mehr als nur der Bä­cker, seit es in Ol­bers­le­ben kei­nen Nah­ver­sor­ger, kei­nen Fleischer mehr gibt“, hofft der Bä­cker­meis­ter auf Un­ter­stüt­zung sei­ner Plä­ne. Schließ­lich sei Ol­bers­le­ben ein le­ben­di­ges Dorf. „Es gibt kei­ne leer ste­hen­de Woh­nung. Es wird ge­baut. Der Kin­der­gar­ten wird er­wei­tert“, stellt er fest.

Im ers­ten Quar­tal 2019 will er die Bau­vor­an­fra­ge ein­rei­chen. „Bis da­hin bleibt uns noch ge­nug zu tun“, ist er si­cher.

Ge­ra­de ist oh­ne­hin Hoch­sai­son für die Bä­cke­rei – an­ti­zy­klisch zu vie­len an­de­ren und nur noch ein­mal zu Os­tern ähn­lich aus­ge­prägt.

Das Weih­nachts- und Stol­len­ge­schäft läuft.

Höh­nes auch bei der jüngs­ten Stol­len­prü­fung der Bä­cker­innung in Wei­mar mit „sehr gut“ und Gold be­wer­te­te Meis­ter-, But­ter- und Spa­ni­sche Stol­len wol­len wie die Plätz­chen ge­fer­tigt, ver­packt, ver­sen­det wer­den. Da wächst die Mit­ar­bei­ter­zahl durch kurz­fris­tig an­ge­stell­te Aus­hil­fen, oft sind es Ehe­ma­li­ge, Ru­he­ständ­ler, noch wei­ter an.

Sonst sind es jetzt um die 90 Mit­ar­bei­ter. Als Sil­vio Höh­ne den Be­trieb am 1. Ja­nu­ar 2014 von sei­ner Mut­ter über­nahm, wa­ren es et­wa 60. Er hat das Fi­li­al­netz von 3 auf 7 (bis nach Wei­mar) aus­ge­wei­tet und deckt mit drei Bä­cker­wa­gen auch den Be­darf im länd­li­chen Um­land ab. In die­sem Jahr hat sich Sil­vio Höh­ne auch an ei­nem Nou­gat­stol­len aus­pro­biert. Für nächs­tes Jahr lieb­äu­gelt er mit ei­nem Aro­nia-Stol­len. „Den, Aro­nia ist ja ein an­ge­sag­tes Su­per-Food, woll­te ich ei­gent­lich schon die­ses Jahr an­bie­ten, hat­te aber Schwie­rig­kei­ten, so an die ge­trock­ne­ten Früch­te zu kom­men, wie ich es brau­che.“

Sil­vio Höh­ne dankt vor al­lem sei­ner Mut­ter für das ge­schenk­te Ver­trau­en. „Ge­lun­ge­ne Nach­fol­gen sind sel­ten“, weiß er. Das gel­te selbst in Fa­mi­li­en­be­trie­ben. „Da hat die über­ge­ben­de Per­son nicht un­be­dingt oder auch nur nicht recht­zei­tig das Un­ter­neh­men im Blick. Man­che kön­nen nicht los­las­sen. An­de­ren fehlt das Zu­trau­en. Und in man­chen Fäl­len er­weist sich die Gestal­tung der Über­ga­be für die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on auch als Klotz am Bein, wirkt sich ne­ga­tiv auf Kre­dit­wür­dig­keit und Li­qui­di­tät aus“, hat Höh­ne be­ob­ach­tet. Das füh­re auch oft zum Schei­tern. „Das muss nicht gleich im ers­ten Jahr pas­sie­ren, trifft aber oft spä­ter zu.“

Als Fir­men-Se­ni­or müs­se man mit Weit­blick han­deln, fasst er sei­ne Er­kennt­nis­se zu­sam­men.

Han­ne­lo­re Höh­ne hat das ge­tan. Sie ist dem von Sil­vio Höh­ne in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on ge­führ­ten Fa­mi­li­en­be­trieb (Slo­gan: „Hel­den der Nacht seit 1908“) wei­ter ver­bun­den. Frei­tags und sams­tags ar­bei­tet sie in Voll­zeit, be­ginnt um 4 Uhr mor­gens. Die an­de­ren Ta­ge sind für sie kür­zer. Da küm­mert sie sich um die Buch­hal­tung.

Fo­to: Ar­min Burg­hardt

Se­ni­or­che­fin Han­ne­lo­re Höh­ne be­kam von Sohn Sil­vio vom Grün­der­preis-Geld erst ein­mal Blu­men.

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