Ge­leb­te Er­in­ne­rungs­kul­tur

Das Stadt­mu­se­um Söm­mer­da prä­sen­tiert im Rah­men sei­ner ak­tu­el­len Son­der­aus­stel­lung mu­sea­le und pri­va­te Zeug­nis­se des Ers­ten Welt­krie

Thüringer Allgemeine (Sömmerda) - - Sömmerdaer Allgemeine - Von Ma­ria Hoch­berg (Text) und Jens Kö­nig (Fo­tos)

Söm­mer­da. Mit ver­schränk­ten Ar­men steht Bar­ba­ra Spei­ser vor ei­ner Vi­tri­ne im Stadt­mu­se­um Söm­mer­da. Nach­denk­lich be­trach­tet die Mu­se­ums­mit­ar­bei­te­rin ein et­wa 43 Zen­ti­me­ter gro­ßes Ex­po­nat aus der ak­tu­el­len Weih­nachts­aus­stel­lung „Krieg im Spiel“, die ge­mein­sam mit der Welt­kriegs­aus­stel­lung „Söm­mer­da(er) im Krieg, 1914 bis 1918“be­sich­tigt wer­den kann.

Es han­delt sich bei dem Aus­stel­lungs­stück um ei­ne Sol­da­ten­pup­pe mit dem paus­bä­cki­gen Ge­sicht ei­nes klei­nen Jun­gen, die 1916 in der Kä­the-Kru­sePup­pen­werk­statt in Bad Kö­sen her­ge­stellt wur­de. Heu­te ge­hört sie zum Be­stand des Kä­the-Kru­se-Pup­pen-Mu­se­ums Do­nau­wörth und ist ak­tu­ell als Leih­ga­be in Söm­mer­da aus­ge­stellt. Die Pup­pe trägt ei­ne hell­brau­ne Uni­form mit Schirm­müt­ze, Gür­tel und Um­hän­ge­ta­sche.

Bar­ba­ra Spei­ser macht auf das Pa­ra­do­xon auf­merk­sam, das der Be­trach­ter vor sich hat: „Ob­wohl es sich hier­bei um ein Spiel­zeug han­delt, strahlt das Ge­sicht des Jun­gen ei­ne ge­wis­se Ernst­haf­tig­keit und Skep­sis aus.“

St­ef­fi Re­bett­ge-Schnei­der, In­ha­be­rin des Er­fur­ter Pup­pen­stu­ben­mu­se­ums, er­klärt das Phä­no­men: „Krieg soll­te Kin­dern auf die­se Wei­se spie­le­risch na­he­ge­bracht wer­den. Das rea­le Le­ben wur­de im Klei­nen nach­ge­bil­det, um ei­ne Art Er­zie­hungs­auf­trag zu leis­ten“. Spiel­zeug sei ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der Kriegs­pro­pa­gan­da ge­we­sen.

St­ef­fi Re­bett­ge-Schnei­der hat für die Weih­nachts­aus­stel­lung ei­ne Pup­pen­stu­be aus ih­rem Fun­dus zur Ver­fü­gung ge­stellt: „Sie ent­hält die Nach­bil­dun­gen von Mö­beln, wie sie zur Zeit des Ers­ten Welt­krie­ges auch im wirk­li­chen Le­ben in den Woh­nun­gen und Häu­sern der Men­schen zu fin­den wa­ren.“

Weil das Stadt­mu­se­um Söm­mer­da kei­nen ei­ge­nen Samm­lungs­be­stand zur Welt­kriegs­the­ma­tik be­sitzt, ist es auf die Zu­sam­men­ar­beit mit Samm­lun­gen und Mu­se­en wie in Erfurt oder Do­nau­wörth an­ge­wie­sen.

Auch Herbert Kö­nig, ein Suh­ler Pri­vat­samm­ler und Mit­be­trei­ber des Spiel­zeug­mu­se­ums Pee­ne­mün­de, hat Leih­ga­ben zur Aus­stel­lung bei­ge­steu­ert. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem 15 Sol­da­ten­fi­gu­ren aus den Jah­ren 1914 bis 1916. Hin­zu kommt ein Pla­kat aus der Kai­ser­zeit, das die deut­schen Ko­lo­ni­en zum The­ma hat.

Der Auf­bau ei­ner neu­en Aus­stel­lung be­deu­tet für die Mu­se­ums­mit­ar­bei­ter viel Ar­beit. Nach­dem pas­sen­de Aus­s­tel-

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