Wer am We­ber­schiff­chen zurrt, kann die Bau­haus­we­be­rin ken­nen­ler­nen

Thüringer Allgemeine (Sömmerda) - - Erste Seite -

Er­furt. Das 4. Er­fur­ter Sym­po­si­um für früh­kind­li­che Ent­wick­lungs­för­de­rung wird am Sams­tag, 19. Ja­nu­ar, an der Uni­ver­si­tät Er­furt statt­fin­den. Be­ginn der Ver­an­stal­tung un­ter dem Ti­tel „Spra­che, Ver­hal­ten, In­klu­si­on – in­ter­dis­zi­pli­nä­res Span­nungs­feld in Ki­ta und Schu­le“ist um 9.30 Uhr im Hör­saal 1 des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­und In­for­ma­ti­ons­zen­trums (KIZ).

Das Sym­po­si­um stellt sprach­li­che, so­zia­le und emo­tio­na­le Kom­pe­ten­zen von Kin­dern und In­klu­si­on als in­ter­dis­zi­pli­nä­re Her­aus­for­de­rung in den Mit­tel­punkt. Da­bei wer­den die Mög­lich­kei­ten der Früh­er­ken­nung von Stö­run­gen so­wie der För­de­rung von Spra­che und Ver­hal­ten in der Vor­be­rei­tung auf den Über­gang in die Schu­le so­wie das dor­ti­ge, er­folg­rei­che Ler­nen aus­ge­lo­tet. (red) Er­furt. Wer an dem me­tal­le­nen We­ber­schiff­chen zieht, das ne­ben der Gar­ten­pfor­te bau­melt, setzt nicht per Fa­den, da­für per lan­gem Draht ei­nen Mecha­nis­mus in Be­we­gung, der es am Kirch­berg 32 in Bisch­le­ben rich­tig schep­pern lässt. Der me­cha­ni­sche Vor­gang lässt un­über­hör­bar Me­tall auf Glo­cken schla­gen, ganz so, wie es sich die Bau­haus­we­be­rin Margaretha Reichardt in­stal­lie­ren ließ. Wer auf die­se Wei­se Ein­lass in das Wohn- und We­ber­haus be­gehrt, dem wird auf­ge­tan durch Christine Leis­ter, die an den Hand­web­stüh­len den Be­su­chern gern vor­führt, wie die­ses al­te Hand­werk funk­tio­niert und wie Stof­fe nach his­to­ri­schen Vor­bil­dern ent­ste­hen – und das nicht nur im ak­tu­el­len Ju­bi­lä­ums­jahr „100 Jah­re Bau­haus“.

Christine Leis­ter war selbst ei­ne der mehr als 50 Schü­le­rin­nen der Margaretha Reichardt, sie ging bei ihr in die Leh­re, wur­de Ge­sel­lin und schließ­lich 1983 Meis­te­rin. Da­mals noch nicht ah­nend, dass sie nach dem plötz­li­chen Tod der Bau­haus­we­be­rin 1984 ein­mal zur gu­ten See­le des Hau­ses wer­den wür­de. Sie sorgt für Ord­nung in Haus und Gar­ten, führt durch die Werk­statt, zeigt Stof­fe und Mus­ter nach his­to­ri­schem Vor­bild und lässt für Be­su­cher ein ums an­de­re Mal das We­ber­schiff­chen mit dem Schuss­fa­den zwi­schen der Ket­te hin und her glei­ten. Auf ei­nem der Web­stüh­le, die im Kel­ler ori­gi­nal er­hal­ten sind.

Was ist ein Hohl­saum, was sind Lit­zen – kei­ne Fra­ge zur Tech­nik bleibt bei ihr un­be­ant­wor­tet. Ei­ne gan­ze Klei­der­stan­ge voll hängt in der Werk­statt von Margaretha Reichardt, be­stückt mit Rö­cken über Mö­bel­stof­fe bis hin zum Schal, ge­näht mit Stof­fen, die an den Web­stüh­len der Bau­haus­we­be­rin ent­stan­den sind. Auch ein paar Spinn­rä­der ste­hen in der Werk­statt, al­ler­dings nur, um Be­su­chern zu zei­gen, was auf dem Weg von der Schaf­wol­le bis zum fer­ti­gen Stoff ge­sche­hen muss. Ein so­ge­nann­ter Jac­quard-Web­stuhl ist auch un­ter der Tech­nik zu fin­den, der sei­ne Web­mus­ter über Loch­kar­ten vor­ge­schrie­ben be­kommt. Er­geb­nis sind Wand­bil­der, bei­spiels­wei­se von Dom und St. Se­ve­ri, die eben­falls im Margaretha-Reichard­tHaus zu se­hen sind.

„Nur ers­te Qua­li­tät hat die­se Werk­statt ver­las­sen“, sagt Christine Leis­ter. In Margaretha Reichardt ha­be sie „ei­ne sehr gu­te Meis­te­rin ge­habt“, sagt sie. Ei­ne, die von ih­rem Bie­der­mei­er-Zim­mer den Blick über den Bal­kon in die Na­tur ge­liebt ha­be, in der sich jetzt be­reits wie­der die ers­ten Blü­ten zei­gen. Ne­ben­an das Bü­cher­zim­mer ist mo­der­ner ein­ge­rich­tet. Mit dem ge­web­ten Tep­pich – „bit­te nicht be­tre­ten!“– auf den al­ten Die­len und ei­nem eben­falls am Web­stuhl ent­stan­de­nen Wand­be­hang so­wie Bü­cher­re­ga­len an den Wän­den ist hier al­les so ge­blie­ben, wie es sich Margaretha Reichardt ein­ge­rich­tet hat­te.

Ein drit­tes Zim­mer, das Ate­lier, steht ak­tu­ell vor dem Um­bau. Kai Uwe Schierz, Di­rek­tor der Er­fur­ter Kunst­mu­se­en und da­mit auch des Reichardt-Hau­ses, hat ein „sport­li­ches Pro­gramm“vor­ge­ge­ben. Be­reits im April soll dort, wo bis­lang Stof­fe ge­schnit­ten wur­den und die be­rühm­te Bau­haus­we­be­rin auf der Schreib­ma­schi­ne ih­re Be­stel­lun­gen und Rech­nun­gen schrieb, ein wei­te­rer Aus­stel­lungs­raum ent­ste­hen. Noch fehlt da­zu die Um­bau­ge­neh­mi­gung des zu­stän­di­gen Am­tes, denn schließ­lich steht das Wohn- und We­ber­haus ins­ge­samt un­ter Denk­mal­schutz, doch das scheint nur noch ei­ne Form­sa­che. Zu den Er­läu­te­run­gen Christine Leis­ters zu Web­kunst und -tech­nik soll hier im eins­ti­gen Ate­lier ein Bo­gen zum Bau­haus ge­schla­gen wer­den. An ei­nem Me­dien­tisch sol­len sich Be­su­cher vir­tu­ell die­sem Stil nä­hern kön­nen, so Schierz. Und das in deut­scher und eng­li­scher Spra­che. In­nen­ar­chi­tekt und De­si­gner Al­brecht von Kirch­bach zeich­net im Reichard­tHaus für die Um­set­zung eben­so ver­ant­wort­lich, wie für die Gestal­tung der Aus­stel­lung zu den „Bau­haus­mä­dels“. Ei­ne Schau un­ter die­sem Ti­tel wird zum Bau­haus­ju­bi­lä­um im An­ger­mu­se­um zu se­hen sein – ab En­de März.

Wenn die Aus­stel­lung im An­ger­mu­se­um Frau­en­schick­sa­le von ganz ver­schie­de­nen Bau­haus-Künst­le­rin­nen zeigt, wird auch das Margaretha-Reichard­tHaus zu fes­ten Öff­nungs­zei­ten zu be­su­chen sein, kün­digt Schierz an. Ak­tu­ell ge­schieht der Ein­lass nur auf An­mel­dung, die über die Tou­ris­mus-In­fo er­fol­gen kann.

Ein tou­ris­ti­scher Hots­pot, so­viel ist si­cher, wer­de das Woh­nund Werk­statt­haus der Bau­haus­we­be­rin auch im Ju­bi­lä­ums­jahr „100 Jah­re Bau­haus“nicht wer­den. Für fünf Be­su­cher gleich­zei­tig, so schätzt Schierz, ist das Haus ide­al ge­eig­net, ma­xi­mal zehn kön­nen sich gleich­zei­tig noch gut da­rin auf­hal­ten, bei 20 ist Christine Leis­ter zwangs­läu­fig mit der al­lei­ni­gen Auf­sicht über­for­dert. Und schließ­lich liegt das Haus in Bisch­le­ben mit­ten in ei­nem Wohn­ge­biet, mach­te hier einst den An­fang der Be­bau­ung. Nun rei­hen sich Häu­ser an der Stra­ße, die Bäu­me im Gar­ten, von Margaretha Reichardt ge­pflanzt, sind längst hoch ge­wach­sen. Park­plät­ze in­des sind Man­gel­wa­re, die Stra­ßen schmal, am bes­ten er­reich­bar ist das Haus noch mit dem Bus nach Bisch­le­ben, wenn zehn Mi­nu­ten an­schlie­ßen­der Fuß­weg nicht schre­cken. Im­mer­hin, ein Fort­schritt, sagt Christine Leis­ter: Zu ih­rer Lehr­zeit, so er­in­nert sie sich, da hielt noch kein Bus un­ter­halb des Kirch­bergs, und sie kam mit der Bahn zur Ar­beit am Web­stuhl. Er­furt. Noch bis 28. Fe­bru­ar kön­nen sich Teams aus Thü­rin­ger Schü­lern für den 9. Thü­rin­ger Schü­ler­wett­be­werb „Dä­cher für Er­furt“an der Fach­hoch­schu­le (FH) Er­furt an­mel­den. „Nach Turm- und Brü­cken­bau­en be­schäf­ti­gen sich die Teams wie­der mit dem Dach­bau­en. Die Auf­ga­be be­steht für die Schü­le­rin­nen und Schü­ler da­rin, ei­ne mög­lichst leich­te und zugleich sta­bi­le Dach­kon­struk­ti­on aus Pa­pier und Pap­pe zu bau­en. Das Dach­trag­werk, das ne­ben dem Ver­hält­nis von Traglast zu Ei­gen­last auch in vi­su­el­len Kri­te­ri­en wie Krea­ti­vi­tät und Gestal­tung punk­ten kann, ge­winnt“, er­klärt Pro­fes­sor Dr.Ing. Hol­ger Schmidt.

Die Wis­sen­schaft­ler der Fach­rich­tung Bau­in­ge­nieur­we­sen um Pro­fes­sor Schmidt ge­ben für den Bau der Kon­struk­ti­on Ma­ße vor und stel­len Ma­te­ria­li­en in der „Dach­bau-Box“zur Ver­fü­gung. Die Teams der Klas­sen­stu­fen 10 bis 12 kön­nen bis zu sechs Schü­ler um­fas­sen und müs­sen von ei­ner Leh­re­rin oder ei­nem Leh­rer be­treut wer­den. Am 1. März 2019 gibt es für sie ei­ne Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tung an der Fach­hoch­schu­le.

Die Preis­gel­der wer­den von der In­ge­nieur­kam­mer Thü­rin­gen und vom Ver­band Be­ra­ten­der In­ge­nieu­re, Lan­des­ver­band Thü­rin­gen, ge­stif­tet. Die Zahl der teil­neh­men­den Teams ist auf 15 be­grenzt. (red) Er­furt. Für die bun­des­weit größ­te Buch­ver­schenk­ak­ti­on „Ich schenk Dir ei­ne Ge­schich­te“zum Welt­tag des Bu­ches kön­nen Er­fur­ter Lehr­kräf­te Buch­gut­schei­ne für 4. und 5. so­wie För­der­schul- und Über­gangs­klas­sen be­stel­len. Bis 31. Ja­nu­ar sind das Gut­schei­ne für den Fan­ta­sy­ro­man „Der ge­hei­me Kon­ti­nent“des Kin­der­buch­au­tors THi­LO. Das Buch be­kom­men die Kin­der dann ge­gen Vor­la­ge des Gut­scheins vom 15. April bis 29. Mai von der ört­li­chen Buch­hand­lung ge­schenkt. (red) Er­furt. Über „An­ti­se­mi­tis­musund ras­sis­mus­kri­ti­sche Bil­dung in Zei­ten der Po­la­ri­sie­rung“spricht Sa­ba-Nur Chee­ma von der Bil­dungs­stät­te An­ne-Frank – Zen­trum für po­li­ti­sche Bil­dung und Be­ra­tung in Hes­sen am kom­men­den Di­ens­tag im Rah­men der Ring­vor­le­sung der Uni­ver­si­tät und Fach­hoch­schu­le (FH) Er­furt. (red)

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