W

Thüringer Allgemeine (Sondershausen) - - Freizeit -

er zu spät kommt, den be­straft das Le­ben, be­sagt ein Sprich­wort. Gut, be­straft füh­le ich mich nicht, den Bi­ath­lon-welt­cup in Ober­hof – statt ihn live mit zig Tau­sen­den Zu­schau­ern er­le­ben und „fei­ern“zu kön­nen – nur am Fern­se­her zu ver­fol­gen. Es war wie­der mal die ei­ge­ne Schus­se­lig­keit, der All­tags­stress oder das all­seits be­kann­te „auf die lan­ge Bank schie­ben“, dass ich es dem „Team Greu­ßen“nicht gleich ge­tan ha­be und nach Ober­hof ge­reist bin. Denn für das Wo­che­n­en­de sieht es mit den Ti­ckets ganz schlecht aus. So­wohl für das Sta­di­on als auch für die Stre­cke sind kei­ne mehr zu be­kom­men. Von ei­ner Über­nach­tungs­mög­lich­keit ein­mal ganz ab­ge­se­hen. Al­so wer­de ich mir – so wie be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr an­ge­dacht – vor­neh­men, mich dies­mal recht­zei­tig zu küm­mern. Die Wett­kämp­fe in al­ler Ru­he und ganz be­quem im Fern­se­her an­zu­se­hen, ist zwar ganz nett – man bleibt tro­cken, friert nicht und hat ei­nen schö­nen Sitz­platz –, die ein­ma­li­ge At­mo­sphä­re, auf wel­che die Bi­ath­lon-fans aus Greu­ßen schwö­ren, be­kommt man aber zu Hau­se nicht ge­bo­ten. Die möch­te ich 2020 aber wirk­lich haut­nah er­le­ben. Der Brand in der al­ten Post in Son­ders­hau­sen ist sehr be­dau­er­lich. Je­doch bin ich froh, dass mein zu­künf­ti­ger Schwie­ger­va­ter als Ei­gen­tü­mer al­les dar­an setzt, das alt­ehr­wür­di­ge Ge­bäu­de wie­der auf­zu­bau­en. Es soll so­gar noch schö­ner wer­den. Je­de freie Mi­nu­te un­ter­stüt­ze ich ihn bei sei­nem Vor­ha­ben, selbst wenn es nur klei­ne Hand­grif­fe sind, bin ich zur Stel­le.

Fo­to: Hen­ning Most

Die schön be­mal­te alte Holz­de­cke im ehe­ma­li­gen Schal­ter­raum könn­te die Brand­nacht in der Al­ten Post von Son­ders­hau­sen über­stan­den ha­ben. Nur an we­ni­gen Stel­len sind die reich ver­zier­ten und mehr als 130 Jah­re al­ten Bret­ter vom Lösch­was­ser leicht auf­ge­quol­len. „Es sieht gut aus, dass sich das Holz auch durch das Trock­nen nicht wei­ter ver­zieht“, schätzt Tho­mas Lüt­ke, der Be­sit­zer des frü­he­ren Post­ge­bäu­des ein. Er hofft, dass er die Ori­gi­nal­de­cke nicht doch noch eben­so ent­fer­nen las­sen muss wie den Groß­teil al­ler an­de­ren Zwi­schen­bö­den und -wän­de im Bau­werk aus dem Jahr 1886.

Die meis­ten der von den Tau­sen­den Li­tern Lösch­was­ser, die vor mehr als ei­nem Mo­nat vom Brand­herd un­ter dem Dach bis in den Kel­ler ge­strömt wa­ren, völ­lig durch­ge­weich­ten Bau­tei­le sind in­zwi­schen schon ab­ge­baut. Die­len­bö­den wur­den bis auf die Bal­ken­la­gen her­aus­ge­ris­sen. Selbst den Un­ter­grund von Flie­sen im Erd­ge­schoss ei­nes der Trep­pen­häu­ser hat die Näs­se auf­quel­len las­sen. „Das muss wohl auch noch al­les raus“, be­fürch­tet Lüt­ke. Tro­cken wer­de der bis da­hin wahr­schein­lich weit­ge­hend ent­kern­te Bau frü­hes­tens in sechs bis acht Wo­chen wie­der sein. In al­len Räu­men las­sen Heiz­lüf­ter und Ent­feuch­ter rund um die Uhr war­me Luft zir­ku­lie­ren und gleich­zei­tig den Strom­zäh­ler hef­tig ro­tie­ren.

„Was da­bei an Ener­gie­kos­ten zu­sam­men­kommt, will ich lie­ber gar nicht wis­sen“, winkt Lüt­ke ab. Schon jetzt sei­en weit mehr als 100.000 Eu­ro aus­ge­ge­ben, um die Fol­gen des Bran­des vom 3. Dezember zu be­sei­ti­gen, über­schlägt der Be­sit­zer der Al­ten Post auf Nach­fra­ge der TA. Al­lein das Ge­rüst mit dem Pla­nen­dach über dem ge­sam­ten Ge­bäu­de schla­ge mit mehr als 70.000 Eu­ro zu Bu­che. „Das hat sich aber ge­lohnt. So kön­nen wir jetzt auch bei dem Schmud­del­wet­ter ar­bei­ten, und die Tro­cken­le­gung geht tat­säch­lich vor­an.“Selbst im fast völ­lig zer­stör­ten Dach­ge­schoss kön­ne nun kon­trol­liert das Bal­ken­werk frei­ge­legt wer­den. Da­nach wer­de ent­schie­den, ob ei­ni­ge Tei­le der Holz­kon­struk­ti­on noch trag­fä­hig ge­nug sind, um sie zu er­hal­ten.

De­fi­ni­tiv ein To­tal­scha­den sei der Auf­zug, stellt Lüt­ke klar. Der Aus­bau der Ka­bi­ne sei zu­dem be­son­ders kom­pli­ziert, weil sie ganz oben im Dach­ge­schoss fest­steckt. „Ich bin in der Brand­nacht selbst noch damit nach oben ge­fah­ren, be­vor das Feuer die Tech­nik lahm­leg­te. Nun be­wegt sich nichts mehr.“Das Lösch­was­ser hat­te schließ­lich auch die ge­sam­te Elek­tro­an­la­ge im Haus zer­stört. „Ka­bel und Käs­ten kön­nen wir viel­leicht noch er­hal­ten. Al­le Si­che­run­gen aber müs­sen aus­ge­tauscht wer­den, weil in den Käs­ten das Wasser stand. Auch die meis­ten Schal­ter und Steck­do­sen sind hin“, schil­dert Lüt­ke wei­te­re Schä­den.

Ei­nen sie­ben­stel­li­gen Be­trag wer­de es auf je­den Fall kos­ten, die Alte Post wie­der neu auf­zu­bau­en, be­stä­tigt Lüt­ke die bis­he­ri­ge Schät­zung. Er geht da­von aus, dass die Ver­si­che­rung den größ­ten Teil der Kos­ten trägt. „Über­wäl­ti­gend fin­de ich, wel­che Hilfs­be­reit­schaft die Son­ders­häu­ser an den Tag ge­legt ha­ben, um den üb­ri­gen Ge­schä­dig­ten und mir zu hel­fen, die schwe­re Zeit di­rekt nach dem Brand zu über­brü­cken. Da­für sa­ge ich von gan­zem Her­zen Dan­ke.“

Lüt­ke hat sich selbst zum Ziel ge­setzt, dass Ge­bäu­de spä­tes­tens am 25. August wie­der so­weit in Schuss zu ha­ben, dass Mie­ter ein­zie­hen kön­nen. Damit wür­de er sich zu sei­nem 60. Ge­burts­tag selbst ei­ne gro­ße Freu­de be­rei­ten. Und auch dem äl­te­ren Ehe­paar, des­sen Woh­nung zer­stört wur­de und das nun laut Lüt­ke sehn­süch­tig dar­auf war­te, wie­der in der Al­ten Post in re­no­vier­te Räu­me ein­zie­hen zu dür­fen.

Des­halb hofft der Haus­be­sit­zer, dass es ge­lingt, spä­tes­tens Mit­te März mit dem Neu­aus­bau zu be­gin­nen. „Die Alte Post wird dann ganz si­cher noch schö­ner, als sie schon vor dem Brand war“, ist Lüt­ke op­ti­mis­tisch. Da­zu wür­de auch die his­to­ri­sche Holz­de­cke gut pas­sen.

Die in­sol­ven­te Drk-kran­ken­haus­ge­sell­schaft Thü­rin­gen-bran­den­burg hat ei­nen neu­en Auf­sichts­rats­chef. Am Mitt­woch die­ser Wo­che ist Mar­tin Jo­nas be­ru­fen wor­den, wie der Spre­cher der Ge­sell­schaft, Mar­tin Wohl­ra­be, er­klär­te.

Mar­tin Jo­nas folgt auf Micha­el Schnei­der, der sein Man­dat An­fang Dezember aus per­sön­li­chen Grün­den nie­der­ge­legt hat­te. Er war 2016 zum Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den des Kran­ken­haus­be­trei­bers be­ru­fen wor­den. Das DRK be­treibt auch die bei­den Kli­ni­ken in Son­ders­hau­sen und Bad Fran­ken­hau­sen.

Mar­tin Jo­nas ist Re­gio­nal­chef der Sa­na-kli­ni­ken in Sach­sen und Fran­ken. Ob Sa­na-kli­ni­ken bei der Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, die sich der­zeit in ei­nem In­sol­venz­er­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung be­fin­det, ein­steigt, woll­te Jo­nas nicht be­ant­wor­ten. Auf­grund sei­ner lang­jäh­ri­gen Füh­rungs­tä­tig­keit im Ge­sund­heits­we­sen und der dar­aus re­sul­tie­ren­den Expertise sei er der Wunsch­kan­di­dat für die Nach­fol­ge­be­set­zung ge­we­sen, ließ Jo­nas aus­rich­ten.

„Sa­na-kli­ni­ken“ist ei­ne pri­va­te Ak­ti­en­ge­sell­schaft, die deutsch­land­weit 52 Kran­ken­häu­ser be­treibt.

Im Kyff­häu­ser­kreis hat­ten die Müll­ent­sor­ger im Jahr 2017 gut 35.500 Ton­nen Haus­halts­ab­fäl­le zu ent­sor­gen. Laut der Er­he­bung des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes war das so viel wie seit dem Jahr 2005 (37.300 Ton­nen) nicht mehr.

Mit 11.400 Ton­nen lag die Men­ge an Haus­müll im Schnitt der Vor­jah­re. Um­ge­rech­net auf die Ein­woh­ner­zahl „pro­du­zier­te“damit je­der Ein­woh­ner 150 Ki­lo Müll. Hin­ge­gen stieg das Auf­kom­men an or­ga­ni­schen Ab­fäl­len um 1200 Ton­nen. (kf)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.