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Thüringer Allgemeine (Sondershausen) - - Er Allgemeine -

om­bi­na­tio­nen sind das Salz in der Sup­pe ei­ner Par­tie, das über­ra­schen­de Ele­ment. Es gibt den Richard Teich­mann zu­ge­spro­che­nen Satz, wo­nach Schach zu „99 Pro­zent Tak­tik ist“. Das mag über­trie­ben wir­ken, doch ein gan­zes Stück Wahr­heit steckt da­rin. Wie oft ver­dirbt ein tak­ti­sches Über­se­hen ei­ne gut ge­führ­te Par­tie. Und wie oft ret­tet ei­ne tak­ti­sche Lö­sung ei­ne ver­lo­re­ne Stel­lung. Die fol­gen­de Kom­bi­na­ti­on fällt nicht un­ter die­se Ka­te­go­rie – sie war von Weiß gut ge­se­hen und kon­se­quent um­ge­setzt wor­den. Drei An­fangs­zü­ge der Va­ri­an­te sind schon ge­spielt, Schwarz hat­te zu­letzt sei­nen Turm nach e6 ge­zo­gen. Nun müs­sen Sie die Kom­bi­na­ti­on nur noch mit leich­ter Hand voll­enden! So ähn­lich muss sich das für die Ko­rea­ner am Don­ners­tag bei der 19:30-Plei­te ge­gen Deutsch­land an­ge­fühlt ha­ben. Wenn sie sich ein­mal durch die deut­sche Ab­wehr hin­durch­ge­kämpft hat­ten und dann die­ser bär­ti­ge Hü­ne vor ih­nen auf­tauch­te. Der sein Bein eben­so ath­le­tisch nach links und rechts schnel­len ließ wie der vir­tu­el­le Wolff, der sei­ne Hän­de in Win­des­ei­le nach oben und un­ten be­weg­te. 13 hoch­ka­rä­ti­ge Chan­cen der Ko­rea­ner hat­te er am En­de ver­ei­telt – viel Glück beim nächs­ten Mal.

Spä­ter folg­te ei­ner die­ser ty­pi­schen Wolff-sät­ze. Gera­de­aus und mit ei­nem Schuss Iro­nie. „Ich freue mich dar­auf, wenn das Tur­nier am Sams­tag rich­tig los­geht.“Ko­rea war für den Mann mit der Tri­kot­num­mer 33 nur die Auf­wärm­pha­se die­ser WM. Heu­te (18.15 UHR/ZDF) geht’s wei­ter ge­gen Bra­si­li­en. Wolff: „Ich kann es kaum er­war­ten, wenn wir ein Spiel Spitz auf Knopf er­le­ben wer­den.“Solch dra­ma­ti­sche Spie­le ha­ben Andre­as Wolff zu dem ge­macht, der er heu­te ist: zu ei­nem der prä­gen­den Köp­fe des Na­tio­nal­teams, zu ei­nem der we­ni­gen Hand­bal­ler, den auch Sport­lai­en auf der Stra­ße er­ken­nen wür­den; zum Eu­ro­pa­meis­ter 2016. Es war die­ses Tur­nier in Po­len, bei dem aus dem noch un­be­kann­ten Tor­hü­ter je­ner Sport­star wur­de, der im An­schluss durch Fern­seh­shows tin­gel­te, sich mit Fuß­ball-welt­meis­ter Ma­nu­el Neu­er traf und jüngst auch noch Box-iko­ne Wla­di­mir Klitsch­ko ei­nes sei­ner Tri­kots über­reich­te. 2016 hat­te Wolff die Spa­nier mit sei­nen Re­fle­xen im Fi­na­le ver­zwei­feln las­sen, am En­de hat­ten die Deut­schen 24, die Fa­vo­ri­ten gar nur 17 Tref­fer er­zielt – so we­ni­ge wie noch nie in ei­nem Em-end­spiel.

Da­bei hät­te es den Na­tio­nal­spie­ler Wolff bei­na­he nicht ge­ge­ben. 450 Eu­ro im Mo­nat für die Un­ter­kunft im Hand­ball-in­ter­nat des TV Groß­wall­stadt? Das war sei­nem Va­ter, der auf dem Bau in Eus­kir­chen schuf­te­te, ei­ne Num­mer zu kost­spie­lig für den da­mals 16 Jah­re al­ten Sohn. Der hat­te im Pro­be­trai­ning des Bun­des­li­ga­klubs al­ler­dings ei­nen sol­chen Ein­druck hin­ter­las­sen, dass ei­ner der Ju­gend­trai­ner das Ta­lent ein­fach bei ei­nem Mit­spie­ler ein­quar­tier­te. Der Weg war be­rei­tet, und Wolff hat­te sei­nen Kurs ge­setzt: Er woll­te der bes­te Tor­hü­ter der Welt wer­den.

27 Jah­re ist er mitt­ler­wei­le alt, den ent­schei­den­den Schritt in die­se Rich­tung hät­te ei­gent­lich der Wech­sel von der HSG Wetz­lar zum THW Kiel brin­gen sol­len. Re­kord­meis­ter, Cham­pi­ons­le­ague-teil­neh­mer – die per­fek­te Büh­ne für den Eu­ro­pa­meis­ter und Olympia-bron­ze­ge­win­ner. Rich­tig glück­lich ist Wolff seit dem Som­mer 2016 in Kiel aber nie ge­wor­den. Weil er das Tor mit dem Dä­nen Ni­k­las Lan­din tei­len muss, ei­nem Welt­klas­se­spie­ler, Nuan­cen bes­ser als Wolff. Schon lan­ge steht des­halb der bal­di­ge Wech­sel nach Po­len zum Top­klub Kiel­ce fest. Dort gibt es mehr zu ver­die­nen, dort will Wolff die un­an­ge­foch­te­ne Num­mer eins sein

Die­sen Ver­trau­ens­be­weis brach­te ihm Bun­des­trai­ner Chris­ti­an Prokop be­reits vor dem Wm-start ent­ge­gen, als der sich früh auf Wolff als Num­mer eins fest­ge­legt hat­te. Hei­ne­vet­ter, Tor­hü­ter Num­mer zwei, ak­zep­tiert die Rol­len­ver­tei­lung.

Der­zeit sind die bei­den selbst­be­wuss­ten Schluss­män­ner, die in der Ver­gan­gen­heit ein nicht im­mer un­kom­pli­zier­tes Ver­hält­nis zu­ein­an­der pfleg­ten, im Trai­ning und vor Spie­len bei Späß­chen zu be­ob­ach­ten.

Ob die­ses Tur­nier so er­folg­reich ver­lau­fen kann wie die letz­te WM in Deutsch­land? Andre­as Wolff rollt mit den Au­gen. „Das dau­ern­de Ge­re­de über 2007 nervt. Wir ha­ben 2019. Wir wol­len un­se­re ei­ge­ne Ge­schich­te schrei­ben.“

Schach-groß­meis­te­rin Eli­sa­beth Pähtz star­tet ab heu­te beim le­gen­dä­ren Welt­klas­se­tur­nier von Wi­jk aan Zee. Für die Er­fur­te­rin ist es nach 2012 be­reits der zwei­te Auf­tritt im nie­der­län­di­schen Nord­see­ort. Im Chal­len­ger-wett­be­werb trifft sie gleich auf Nach­wuchs­ta­lent Vin­cent Key­mer. Die bei­den sind die ein­zi­gen Deut­schen im Tur­nier und pei­len je­weils die Groß­meis­ter­norm der Män­ner an. „Ich drü­cke bei­de Dau­men, für je­den ei­nen“, sag­te Bun­des­nach­wuchs­trai­ner Bernd Vök­ler.

Im A-tur­nier sind mit Magnus Carl­sen, Vis­wa­na­than Anand und Wla­di­mir Kram­nik drei Welt­meis­ter da­bei. (ae)

Bob-ju­ni­or Jo­nas Jan­nusch (Son­ne­berg/schal­kau) hat bei den Eu­ro­pa­cup-ren­nen auf der Olym­pia­bahn in Inns­bruckigls die Vie­rer-kon­kur­renz ge­won­nen. Mit den Ober­ho­fern An­schie­bern Be­ne­dikt Her­tel und Chris­ti­an Rö­der so­wie Chris­ti­an Ebert aus Mag­de­burg sieg­te er vor Russ­land. Mit dem ers­ten Sieg im Eu­ro­pa­cup über­nahm der 20-Jäh­ri­ge die Ge­samt­füh­rung. Bei den Frau­en wur­de die 23-jäh­ri­ge Ober­ho­fe­rin An­ne Lo­ben­stein dis­qua­li­fi­ziert. (uj)

Es soll­te sei­ne letz­te gro­ße Mis­si­on wer­den, doch am En­de wur­de Bernd Stan­ge vor­zei­tig vom Hof ge­jagt. Mit­ten in der Grup­pen­pha­se des Asi­en­cups in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten schass­te ihn der sy­ri­sche Fuß­ball-ver­band als Na­tio­nal­trai­ner, als Hoff­nungs­trä­ger ei­ner vom Bür­ger­krieg auf­ge­rie­be­nen Na­ti­on. Das ers­te gro­ße Tur­nier sei­ner er­eig­nis­rei­chen Kar­rie­re hat­te sich der 70Jäh­ri­ge an­ders vor­ge­stellt.Tat­säch­lich mar­kier­te die Tren­nung am spä­ten Don­ners­tag­abend wohl so­gar das En­de sei­ner Lauf­bahn. Stan­ge hat­te bei sei­nem Amts­an­tritt im Fe­bru­ar 2018 an­ge­kün­digt, nach dem Asi­en-cup in den Ru­he­stand ge­hen zu wol­len.

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