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Thüringer Allgemeine (Sondershausen) - - Erste Seite -

m Os­ten, so las ich kürz­lich in ei­ner Stu­die, halten sich Män­ner für krän­ker als Frau­en. Ich lie­be Stu­di­en. Ich lie­be sie mehr noch als die Brenn­punk­te, die uns völ­lig un­er­war­tet den Fern­seh­abend ver­län­gern. Ard-brenn­punkt, Zdf-spe­zi­al und Stu­di­en ha­ben zur­zeit Hoch­kon­junk­tur.

Schal­te ich den Fern­se­her ein, kommt zu­erst die Ka­ta­stro­phe: Ter­ror, Schnee­we­hen, Schnee­la­wi­nen und Staus übe­r­all – da muss man durch. Und je­den Mor­gen, wenn ich mei­ne Zei­tung auf­schla­ge, le­se ich – vi­el­leicht ist das ja ei­ne Art von Aus­gleich – von ei­ner neu­en Stu­die. Mal rät man mir da vom Kaf­fee­trin­ken ab, dann wie­der zu. Jetzt end­lich füh­le ich mich auf dem rich­ti­gen Kof­f­e­in-trip, denn zwei, drei Tas­sen schwar­zer Kaf­fee am Tag, so der Weis­heit vor­letz­ter Schluss, sei­en ge­sund.

Mit dem Al­ko­hol ver­hält es sich lei­der um­ge­kehrt. Lan­ge Zeit hieß es, ein Glas Rot­wein zur Ent­span­nung kön­ne nicht scha­den. Dann las ich im Ur­laub ei­ne an­de­re Stu­die, wo­nach selbst ge­rin­ge­re Men­gen Le­ber und Ge­hirn ir­re­ver­si­ble Schä­den zu­fü­gen. Vor lau­ter Tr­üb­sal ha­be ich mich be­trun­ken.

Selbst wenn die­se Stu­di­en manch­mal auch ziem­lich dif­fus sind und – zum Bei­spiel – zwi­schen Ost- und West­män­nern, nicht aber zwi­schen Nord- und Süd­frau­en un­ter­schei­den, kann man den­noch et­was aus ihnen ler­nen. Und sei es nur, wie wir „ti­cken“.

Wo­mit ich wie­der bei der ein­gangs er­wähn­ten jüngs­ten Stu­die bin: Ost­frau­en, heißt es dort, le­ben heu­te ge­sün­der als 1990. Und die Ost­män­ner wür­den sich nach 29 Jah­ren krän­ker füh­len.

Mit ge­fühl­tem Krank­sein ha­be ich mei­ne Pro­ble­me. Vi­el­leicht füh­len sich Ost­män­ner ja nicht nur krän­ker als Frau­en, son­dern auch grö­ßer als Dach­se und lah­mer als Hun­de. Da­nach hat bloß noch nie­mand ge­fragt. Auch nicht, wie es um ih­re Po­tenz steht, die ge­fühl­te Männ­lich­keit. „Män­ner ha­ben’s schwer, neh­men’s leicht / Au­ßen hart und in­nen ganz weich / Wer­den als Kind schon auf Mann ge­eicht / Wann ist ein Mann ein Mann?“singt Her­bert Grö­ne­mey­er.

Ja, aber wann ist der Mann ein kran­ker Mann? Dass es hier um Psy­cho­lo­gie geht, liegt ja wohl auf der Hand. Zu­mal die Stu­die auch be­sagt, dass sich ost­deut­sche Frau­en, die dem­sel­ben psy­cho­so­zia­len Stress aus­ge­setzt sind wie die Män­ner, we­ni­ger krank füh­len.

Lei­den wir Män­ner vi­el­leicht un­ter ei­nem Wahr­neh­mungs­pro­blem? Mal ehr­lich, wie wür­den wir, die wir ja schon Mü­he ha­ben, ei­ne leich­te Grip­pe zu über­le­ben, auf Mi­grä­ne re­agie­ren? Wie wür­den wir Män­ner ei­ne – ge­fühl­te – Schwan­ger­schaft aus­hal­ten und wie vie­le Schein­to­de wür­den wir wohl ster­ben, müss­ten wir ge­bä­ren? Ei­nes trös­tet mich dann doch: Män­ner rau­chen, trin­ken und rau­fen mehr, be­sagt die Stu­die. Al­so dür­fen wir uns auch krän­ker füh­len!

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