Aus­bre­cher be­schäf­tigt Ge­richt

Im Ver­fah­ren um ban­den­mä­ßi­gen Rausch­gift­han­del wur­den ges­tern zwei Be­schlüs­se ver­kün­det und Ter­mi­ne fest­ge­setzt

Thüringer Allgemeine (Weimar) - - Thüringen - Von Kai Mu­dra

Er­furt. Mit Va­si­lie T. be­schäf­tig­te ges­tern ein Ab­we­sen­der die Schwur­ge­richts­kam­mer am Land­ge­richt Er­furt. Da­bei kam der 35-Jäh­ri­ge erst vor ei­ni­gen Ta­gen aus Ru­mä­ni­en wie­der zu­rück in ein Thü­rin­ger Ge­fäng­nis. Ei­gent­lich soll­te auch er in dem gera­de lau­fen­den Ver­fah­ren we­gen ban­den­mä­ßi­gem Rausch­gift­han­dels auf der An­kla­ge­bank sit­zen. Weil Va­si­lie T. aber im Vor­jahr aus dem Knast in Suhl­gold­lau­ter flüch­ten konn­te, ist in der An­kla­ge im­mer nur vom „ge­son­dert Ver­folg­ten“die Re­de.

Erst kurz vor Be­ginn des ak­tu­el­len Ver­fah­rens vor drei Wo­chen konn­te er in Ru­mä­ni­en, im Grenz­ge­biet zur Re­pu­blik Mol­dau, ge­fasst wer­den. Dass er seit 5. April wie­der in Thü­rin­gen hin­ter Git­ter sitzt, neh­men ges­tern gleich meh­re­re Ver­tei­di­ger zum An­lass, sich bei Staats­an­walt Tho­mas Mül­ler-grün­del zu er­kun­di­gen, wie die An­klä­ger den wei­te­ren Ver­lauf des ak­tu­el­len Ver­fah­rens pla­nen und wann mit der An­kla­ge auch ge­gen Va­si­lie T. zu rech­nen sei.

Ver­tei­di­ger for­dern ge­mein­sa­mes Ver­fah­ren

Die An­wäl­te re­gen zugleich an, das lau­fen­de Ver­fah­ren zu un­ter­bre­chen, bis auch ge­gen den 35-Jäh­ri­gen die An­kla­ge vor­lie­ge, um dann ge­gen al­le fünf Be­schul­dig­ten ge­mein­sam ver­han­deln zu kön­nen.

Das wie­der­um stößt beim Staats­an­walt er­kenn­bar auf we­nig Ge­gen­lie­be. Die­ser ver­weist un­ter an­de­rem dar­auf, dass die An­kla­ge aus dem lau­fen­den Ver­fah­ren nicht ein­fach auf den wie­der ein­ge­fan­ge­nen Flüch­ti­gen über­tra­gen wer­den kön­ne. So sei der Haft­be­fehl, auf des­sen Grund­la­ge Va­si­lie T. von Ru­mä­ni­en aus­ge­lie­fert wur­de, nicht so um­fas­send wie die An­kla­ge.

Zu­dem be­tont der Ver­tre­ter der auf or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät spe­zia­li­sier­ten Staats­an­walt­schaft Ge­ra vor Ge­richt, dass auch für den ak­tu­el­len Pro­zess der Be­schleu­ni­gungs­grund­satz gel­te. Was be­deu­tet, dass die Schwur­ge­richts­kam­mer so zü­gig wie mög­lich ver­han­deln muss, weil ei­ner der An­ge­klag­ten be­reits seit neun Mo­na­ten in Un­ter­su­chungs­haft sitzt.

Die Ver­tei­di­ger ar­gu­men­tie­ren da­ge­gen. So sei an den drei bis­he­ri­gen Ver­hand­lungs­ta­gen ei­gent­lich nur die An­kla­ge­schrift ver­le­sen wor­den, heißt es.

Ei­ne Ent­schei­dung, wie künf­tig mit dem ge­sam­ten Kom­plex vor Ge­richt ver­fah­ren wird, ist ges­tern nicht ge­fal­len.

Da­für er­klä­ren die Ver­tei­di­ger ei­ner der An­ge­klag­ten, dass ih­re Man­dan­tin vor Ge­richt An­ga­ben ma­chen wer­de, nicht aber zum jet­zi­gen Zeit­punkt. Die an­de­ren bei­den Män­ner und die zwei­te an­ge­klag­te Frau lie­ßen durch ih­re An­wäl­te nur mit­tei­len, noch kei­ne Ent­schei­dung dar­über ge­trof­fen zu ha­ben. Zu Be­ginn der gest­ri­gen Ver­hand­lung lehn­te das Ge­richt ei­ne Be­set­zungs­rüge ab. Der Vor­wurf der Ver­tei­di­gung, es sei nicht die rich­ti­ge Schöf­fin ein­ge­setzt wor­den, wies das Ge­richt mit ei­ner aus­führ­li­chen Er­klä­rung zu­rück.

Auch der An­trag, dass Ver­fah­ren zu un­ter­bre­chen, da­mit die Ver­tei­di­ger Zeit ha­ben, sich mit nach­ge­lie­fer­ten Ak­ten und CD‘S aus­führ­lich zu be­schäf­ti­gen, wur­de ver­wor­fen.

Am En­de des ers­ten Ver­hand­lungs­ta­ges vor drei Wo­chen wa­ren den Ver­tei­di­gern vom Ge­richt et­wa 100 wei­te­re Ak­ten­sei­ten und 47 CD‘S über­ge­ben wor­den. Die­se ent­hal­ten un­ter an­de­rem Pro­to­kol­le zur Te­le­fon­über­wa­chung der An­ge­klag­ten aber auch Ob­ser­va­ti­ons­ein­sät­zen der Po­li­zei so­wie Vi­deo­mit­schnit­te von Über­wa­chungs­ka­me­ras von Auf­ent­halts­or­ten wie Tank­stel­len.

Die an­ge­klag­ten zwei Frau­en und zwei Män­ner im Al­ter zwi­schen 31 und 64 Jah­ren ge­hör­ten mut­maß­lich zu ei­ner Ban­de, die Ma­ri­hua­na aus den Nie­der­lan­den be­schafft und in Er­furt ver­trie­ben ha­ben soll. Die An­kla­ge spricht von ins­ge­samt et­wa 86 Ki­lo­gramm. Der Wert der ver­kauf­ten Dro­gen wird mit et­wa 560 000 Eu­ro an­ge­ge­ben.

Den vier An­ge­klag­ten sind je­weils zwei Pflicht­ver­tei­di­ger bei­ge­ord­net. Zu­dem über­set­zen zwei Dol­met­sche­rin­nen, weil nur ei­ner der Män­ner auch Deutsch spricht. Vor­erst sind bis En­de Ju­li Ter­mi­ne für wei­te­re Ver­hand­lun­gen an­ge­setzt.

Ge­richt lehnt Be­set­zungs­rüge ab

Die­sen Sta­pel Ak­ten und CDS er­hielt die Ver­tei­di­gung je­des der vier An­ge­klag­ten am . März vom Ge­richt nach­ge­reicht. Die An­wäl­te for­der­ten er­folg­los ei­ne Un­ter­bre­chung des Ver­fah­rens, um die Do­ku­men­te durch­zu­ar­bei­ten. Foto: Kai Mu­dra

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