Ar­beits­grup­pen bin­den zu vie­le Po­li­zis­ten

Cdu-in­nen­po­li­ti­ker Ray­mond Walk und der Be­rufs­ver­band der Kri­mi­nal­be­am­ten kri­ti­sie­ren vor al­lem das Aus­maß

Thüringer Allgemeine (Weimar) - - Thüringen - Von Kai Mu­dra

Er­furt. In der Thü­rin­ger Po­li­zei sind zu vie­le Be­am­te zu lan­ge in Ar­beits­grup­pen auch mit dienst­frem­den Tä­tig­kei­ten be­schäf­tigt. Die­se Kri­tik er­hebt der Cdu-in­nen­ex­per­te Ray­mond Walk nach Aus­wer­tung ei­ner An­fra­ge der Cdu-frak­ti­on an die Lan­des­re­gie­rung.

Da­nach ha­ben zum Jah­res­wech­sel in knapp 50 Ar­beits­grup­pen bis zu 300 Po­li­zei­be­am­ten un­ter an­de­rem über die Eva­lu­ie­rung des Di­enst­schicht­mo­dells bei der Au­to­bahn­po­li­zei oder über Neu­bau­maß­nah­men der Lie­gen­schaft Kra­nich­fel­der Stra­ße in Er­furt, al­so der Be­reit­schafts­po­li­zei und des LKA, be­ra­ten. Ge­tagt wird auch zur „Op­ti­mie­rung der Pro­zes­se des Wis­sens­und In­for­ma­ti­ons­ma­nage­ments“oder ei­ner Ana­ly­se bis­he­ri­ger Be­för­de­rungs­ver­fah­ren samt der Vor­schlä­ge für die Zu­kunft.

Ar­beits­grup­pen, the­ma­tisch klar ge­fasst und zeit­lich be­grenzt, sei­en für je­de Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur wich­tig und wür­den die­se vor­an­brin­gen, be­tont Walk. Al­ler­dings wür­den sich bei der Thü­rin­ger Po­li­zei Be­am­te zu oft mit The­men be­schäf­ti­gen, für die es ei­gent­lich Ex­per­ten ge­be. Be­son­ders deut­lich wer­de das bei Fra­gen der In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie – al­so dem The­ma „Po­li­zei 4.0“

Das Ein­füh­ren neu­er Soft­ware, wie Fall- oder Vor­gangs­be­ar­bei­tungs­sys­te­me, oder neu­er Hard­ware könn­ten Po­li­zis­ten nur be­dingt vor­an­brin­gen. Ih­re Ex­per­ti­se sei im­mer dann ge­fragt, wenn es um die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ge­rä­te oder die Be­die­ner­freund­lich­keit von Be­nut­zer­ober­flä­chen geht. Die­se dann zu gestal­ten oder die An­for­de­run­gen um­zu­set­zen, sei nicht mehr Auf­ga­be der Be­am­ten.

Doch die Ant­wort der Re­gie­rung zeigt noch ein wei­te­res Pro­blem. Et­li­che der ge­nann­ten Ar­beits­grup­pen be­schäf­ti­gen sich mit be­son­de­ren Kri­mi­na­li­täts­fel­dern, wie dem Aufs­pren­gen von Geld­au­to­ma­ten, ei­ner Dieb­stahl­se­rie aus Arzt­pra­xen, dem Rausch­gift­han­del oder mit De­lik­ten kroa­tisch-al­ba­ni­scher Tä­ter­grup­pen so­wie den Alt­fäl­len der Kin­der­mor­de rund um Je­na. Die da­für je­weils zu­sam­men­ge­zo­ge­nen Be­am­ten feh­len dann aber fast im­mer bei an­de­ren Er­mitt­lun­gen, die lie­gen blei­ben, oder müs­sen bei Ein­sät­zen durch Kol­le­gen er­setzt wer­den.

Kri­tik an der Viel­zahl von Ar­beits­grup­pen kommt da­her nicht nur von der CDU. Auch der Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter (BDK) in Thü­rin­gen hat be­reits mehr­fach auf die Ge­fahr hin­ge­wie­sen und for­dert mehr Per­so­nal für die Po­li­zei.

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