Un­ru­he im Ver­fas­sungs­ge­richt

Die Va­kanz an der Spit­ze des Wei­ma­rer Ge­richts­hofs sorgt in­zwi­schen nicht nur im Land­tag für Streit. Auch ei­ni­ge Rich­ter sind be­sorgt

Thüringer Allgemeine (Weimar) - - Thüringen - Von Mar­tin De­bes

Er­furt. Heu­te sit­zen die Vor­sit­zen­den der Land­tags­frak­tio­nen von CDU, Lin­ke, SPD und Grü­ne bei­sam­men, um über das Ver­fas­sungs­ge­richt zu re­den. Das Pro­blem ist das be­kann­te: Seit der bis­he­ri­ge Prä­si­dent Man­fred Asch­ke vor ei­nem knap­pen Mo­nat die Al­ters­gren­ze er­reich­te, ist der Ge­richts­hof oh­ne Chef.

Schon zwei­mal – im Fe­bru­ar und im März – stand die Nach­wahl um­sonst auf der Ta­ges­ord­nung des Par­la­ments, weil sich die vier Frak­tio­nen nicht auf ei­nen ge­mein­sa­men Kan­di­da­ten ei­ni­gen konn­ten. Ein Kom­pro­miss ist nö­tig, weil Ver­fas­sungs­rich­ter von min­des­tens ei­ner Zwei­drit­tel-mehr­heit des Par­la­ments ge­wählt wer­den müs­sen. Und da­für braucht Rot-rot­grün die Cdu-op­po­si­ti­ons­frak­ti­on. Mit der AFD will kei­ner der Be­tei­lig­ten re­den.

Die Re­gie­rungs­frak­tio­nen ha­ben sich in­zwi­schen auf die Wei­ma­rer Ver­wal­tungs­ge­richts­prä­si­den­tin El­ke He­ßel­mann fest­ge­legt, die den Grü­nen zu­min­dest na­he steht – und die CDU wie­der­um auf den par­tei­an­ge­hö­ri­gen Bun­des­rich­ter Klaus-die­ter von der Wei­den. Bei­de sind be­reits Mit­glie­der des Ge­richts­hofs, es geht in die­sem Fall so­zu­sa­gen um ih­re Be­för­de­rung.

Kei­ne der bei­den Sei­ten rück­te bis­her in sechs Tref­fen von je­weils sei­ner Po­si­ti­on ab. Ge­gen­sei­ti­ge An­ge­bo­te, die lang­fris­ti­ge Per­so­nal­ab­spra­chen oder Ver­fas­sungs­än­de­run­gen im Be­reich der di­rek­ten De­mo­kra­tie be­tra­fen, wur­den eben­so ge­gen­sei­tig ab­ge­lehnt.

Rot-rot-grün ver­weist dar­auf, dass es un­üb­lich sei, dass die Min­der­heit im Par­la­ment auf das Vor­schlags­recht be­ste­he, zu­mal die Op­po­si­ti­on ja schon den Land­tags­prä­si­den­ten stel­le. Cdu-frak­ti­ons­chef Mi­ke Mohring be­steht auf Ab­spra­chen, die er mit dem da­ma­li­gen Spd-frak­ti­ons­chef Uwe Höhn ge­trof­fen ha­ben will – an die die­ser sich aber nicht mehr er­in­nern kann.

In­zwi­schen hat der Per­so­nal­streit auch den Ge­richts­hof in Wei­mar er­reicht. Es soll in­ter­ne Gut­ach­ten und Ge­gen­gut­ach­ten ge­ben, was die for­ma­le Eig­nung der Kan­di­da­ten be­trifft.

So wird zum Bei­spiel von ko­ali­ti­ons­freund­li­chen Rich­tern mo­niert, das von der Wei­den als Rich­ter am Leip­zi­ger Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nur schwer die Ge­schäf­te in Wei­mar füh­ren kön­ne. Au­ßer­dem dürf­te er, weil er Bun­des­recht spre­che, nicht im­mer mit der nö­ti­gen Au­to­no­mie an der Spit­ze des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt agie­ren. Dies je­doch wird von der an­de­ren Sei­te be­strit­ten. Die Tä­tig­keit am Bun­des­ge­richt spre­che für die Kom­pe­tenz des Kan­di­da­ten, heißt es in der CDU. Au­ßer­dem woh­ne der Rich­ter ja in Thü­rin­gen.

Pi­kant: Weil von der Wei­den der dienst­äl­tes­te Be­rufs­rich­ter am Hof ist, ver­sieht er kom­mi­sa­risch die Prä­si­den­ten­ge­schäf­te – was der CDU ein Druck­mit­tel ver­schafft. Wohl auch des­halb hat nun die Mehr­heit der Rich­ter in nach­ge­ord­ne­ten Ent­schei­dun­gen, die Kos­ten­fra­gen von Ver­fah­ren be­tref­fen, ei­nen Pas­sus ein­ge­fügt. Dar­in heißt es sinn­ge­mäß, dass die Va­kanz an der Spit­ze nur vor­über­ge­hend be­ste­hen dür­fe, um ei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Recht­spre­chung zu ge­währ­leis­ten. Über­setzt heißt dies: Ei­nigt sich der Land­tag nicht in den nächs­ten Ta­gen oder Wo­chen auf ei­nen mehr­heits­fä­hi­gen Kan­di­da­ten, lei­det die Le­gi­ti­ma­ti­on des Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs.

Die Ur­tei­le sind bis­her nicht ver­öf­fent­licht. Ein Spre­cher des Ge­richts woll­te sich ges­tern auf An­fra­ge noch nicht äu­ßern.

Gut­ach­ten und Ge­gen­gut­ach­ten

Klaus-die­ter von der Wei­den, Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­rich­ter, Rich­ter am Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig. Foto: pri­vat

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