Po­li­zei rückt we­gen Droh­nen aus

Ge­mes­sen an der Ge­samt­heit der Ein­sät­ze stel­len die Mi­ni-flug­ge­rä­te ein re­la­tiv klei­nes Pro­blem dar

Thüringer Allgemeine (Weimar) - - Thüringen - Von Se­bas­ti­an Haak

Er­furt. Droh­nen ru­fen in­zwi­schen auch in Thü­rin­gen die Po­li­zei im­mer wie­der auf den Plan. Ge­mes­sen an der Ge­samt­heit der Ein­sät­ze der Be­am­ten stell­ten die Mi­ni-flug­ge­rä­te al­ler­dings noch ein re­la­tiv klei­nes Pro­blem dar, sag­te ein Spre­cher der Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on (LPD) in Er­furt.

Ein­zel­ne Droh­nen­nut­zer in­for­mier­ten die Po­li­zei in­zwi­schen so­gar vor­ab, wenn sie ih­re Ge­rä­te stei­gen las­sen, da­mit Be­am­te sich nicht um­sonst da­mit be­fas­sen müss­ten. Wenn die Thü­rin­ger Po­li­zei we­gen Droh­nen alar­miert wird, ist es für die Be­am­ten häu­fig nicht ein­fach, die Flug­ob­jek­te und die Pi­lo­ten aus­fin­dig zu ma­chen.

So hät­ten sich Mit­te März meh­re­re Nut­zer ei­ner Klein­gar­ten­an­la­ge in Wei­mar durch ei­ne Droh­ne be­läs­tigt ge­fühlt, sag­te der Lpd-spre­cher. Al­ler­dings hät­ten die her­bei­ge­ru­fe­nen Po­li­zis­ten kei­ne Droh­ne fest­stel­len kön­nen. Ei­nen ähn­li­chen Fall ha­be es in Ge­ra ge­ge­ben, als ein Mann der Po­li­zei ge­gen­über an­gab, er ha­be ei­ne Droh­ne in der Ein­flug­schnei­se ei­nes Ret­tungs­hub­schrau­bers ge­se­hen. „Die Kol­le­gen konn­ten die­se je­doch nicht mehr fest­stel­len.“

Eben­falls in Ge­ra sei die Po­li­zei im März zu ei­nem Ein­satz ge­ru­fen wor­den, weil ei­ne grö­ße­re Droh­ne Film­auf­nah­men ge­macht ha­be, sag­te der Lpd­spre­cher. Vor Ort hät­ten die Be­am­ten dann das Flug­ge­rät und ei­ne Per­son mit der Fern­steue­rung in der Hand ge­fun­den - und fest­ge­stellt, dass al­le not­wen­di­gen Ge­neh­mi­gun­gen vor­la­gen.

Die Thü­rin­ger Po­li­zei hat nach An­ga­ben des Lpd-spre­chers kei­ne ei­ge­nen Droh­nen. „Bei Be­darf – zum Bei­spiel bei Ver­miss­ten­su­chen – wird auf die Droh­ne der Ret­tungs­hun­de­staf­fel Mar­lis­hau­sen zu­rück­ge­grif­fen.“Gut­ach­ter nutz­ten bis­wei­len bei Ver­kehrs­un­fäl­len Droh­nen im Auf­trag der Po­li­zei für Auf­nah­men der Un­glücks­stel­len. Auch ha­be die Son­der­kom­mis­si­on Alt­fäl­le in Je­na ei­ne Droh­ne ge­lie­hen, um da­mit Auf­nah­men von frü­he­ren Tat­or­ten zu ma­chen. Die So­ko un­ter­sucht un­ge­klär­te Mor­de an Kin­dern in Ost­thü­rin­gen.

Am Flug­ha­fen Er­furt-wei­mar wur­de ei­nem Spre­cher der Deut­schen Flug­si­che­rung (DFS) zu­fol­ge bis­lang nur ein­mal ei­ne Droh­ne ge­sich­tet – im Jahr 2016. Dort ge­be es des­halb auch kei­ne Vor­rich­tun­gen, um Droh­nen ab­weh­ren zu kön­nen. Da­bei bie­ten Un­ter­neh­men Sys­te­me zur Droh­nen­er­ken­nung und -ab­wehr an. Wo­bei das Er­ken­nen der Flug­ob­jek­te nach An­ga­ben der in Kas­sel an­säs­si­gen Fir­ma De­dro­ne ein­fa­cher ist als de­ren Ab­wehr. So sei es mög­lich, mit­tels Sen­so­ren Droh­nen zu er­spä­hen. Der Ein­satz elek­tro­ni­scher Stör­maß­nah­men ge­gen sie sei aber Be­hör­den vor­be­hal­ten.

Die DFS schätzt die Zahl der Droh­nen, die in Deutsch­land zu­letzt im pri­va­ten und kom­mer­zi­el­len Ein­satz wa­ren, auf et­wa 600 000. Bis 2020 sol­len es mit et­wa 1,2 Mil­lio­nen dop­pelt so vie­le sein.

Und die Droh­nen wer­den längst nicht nur für harm­lo­se Hob­bys ein­ge­setzt: In Ham­burg stürz­te et­wa ei­ne mit Han­dy und Dro­gen be­la­de­ne Droh­ne in ei­nem Ge­fäng­nis ab. Ver­gleich­ba­re Vor­fäl­le gab es nach An­ga­ben des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums in Thü­rin­ger Haft­an­stal­ten bis­lang nicht. Das ha­be auch mit der La­ge der hie­si­gen Ge­fäng­nis­se au­ßer­halb von In­nen­städ­ten zu tun. In Bun­des­län­dern, in de­nen Haft­an­stal­ten mit­ten in be­bau­ten Ge­bie­ten lie­gen, sei die Ge­fahr grö­ßer. (dpa) Ta­blet-com­pu­ter so ein­fach ge­wor­den, dass sie auch Be­hör­den und Pri­vat­leu­te in Deutsch­land zu­neh­mend ein­set­zen. Die Po­li­zei sucht da­mit nach Ver­miss­ten, Feu­er­weh­ren ma­chen sich so et­wa nach ei­nem Or­kan aus der Luft ein Bild von den Schä­den. Für an­de­re ist das Droh­nen­flie­gen ein Hob­by.

Häu­fig sind die Flug­ge­rä­te auch mit Ka­me­ras aus­ge­stat­tet.

Recht­lich ge­se­hen gibt es aber Ein­schrän­kun­gen. Die Deut­sche Flug­si­che­rung ent­wi­ckel­te ei­ne App, die Hob­by-droh­nen-flie­ger über Re­geln auf­klärt.

Droh­ne stürzt mit Dro­gen im Ge­fäng­nis ab

Im­mer mehr Men­schen in Deutsch­land las­sen in ih­rer Frei­zeit Droh­nen flie­gen. In Thü­rin­gen sorgt das bis­lang nur in Ein­zel­fäl­len für Är­ger. Foto: Mar­kus Scholz, dpa

Kri­mi­na­lis­ten bei der Spu­ren­si­che­rung im Au­gust. We­gen Mor­des steht jetzt ein -Jäh­ri­ger vor Ge­richt. Foto: Pe­ter Cott

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