Den Haus­rat rich­tig ver­si­chern

Ist gro­be Fahr­läs­sig­keit ein­ge­schlos­sen? Passt die Sum­me? Wor­auf Ver­brau­cher bei Ab­schluss ei­ner Po­li­ce ach­ten soll­ten

Thüringer Allgemeine (Weimar) - - Ratgeber - Von Rolf von der Reith

Ber­lin. Im­mer mehr Haus­hal­te ha­ben ei­ne Haus­rat­ver­si­che­rung, die auch bei gro­ber Fahr­läs­sig­keit zahlt. Das lohnt sich im Zwei­fels­fall fi­nan­zi­ell und schont auch die Ner­ven. Aber vie­le Ver­brau­cher ha­ben noch Alt­ver­trä­ge, in de­nen die­ser Zu­satz­schutz fehlt – oder las­sen sich beim Neu­ab­schluss auf Ba­sis­ta­ri­fe ein, die im Scha­dens­fall ein er­heb­li­ches Ri­si­ko in sich ber­gen. Wir zei­gen, wor­auf es bei der Haus­rat-po­li­ce an­kommt, um sein Hab und Gut bei ei­nem Scha­den pro­blem­los er­setzt zu be­kom­men.

Es sind zwei gro­ße Be­rei­che, die bei der Re­gu­lie­rung im­mer wie­der für Är­ger sor­gen: Un­ter­ver­si­che­rung und gro­be Fahr­läs­sig­keit. Wer un­ter­ver­si­chert ist – et­wa weil er bei An­trag ei­ne ge­rin­ge­re Wohn­flä­che als die tat­säch­lich vor­han­de­ne an­ge­ge­ben hat – muss da­mit rech­nen, dass ihm die Ver­si­che­rung die Leis­tung ent­spre­chend kürzt. Das kann auch pas­sie­ren, wenn der Haus­rat durch Neu­an­schaf­fun­gen ei­nen viel hö­he­ren Wert hat als bei Ver­trags­ab­schluss. Das Pro­blem er­spart man sich, in­dem man ei­nen pau­scha­len Un­ter­ver­si­che­rungs­ver­zicht ver­ein­bart. Da­zu wer­den für je­den Qua­drat­me­ter 650 Eu­ro (bei man­chen Ver­si­che­rern auch 700 Eu­ro) als Wert an­ge­setzt; die Rech­nung er­gibt dann den an­ge­nom­me­nen Ge­samt­wert des Haus­rats, der mit­ent­schei­dend für die Hö­he der Bei­trä­ge ist. So ist man auf der si­che­ren Sei­te, so­lan­ge die kor­rek­te Wohn­flä­che im Ver­trag steht.

Man hat es al­so selbst in der Hand, sich vor Är­ger durch Un­ter­ver­si­che­rung zu schüt­zen. Bei der Fra­ge der gro­ben Fahr­läs­sig­keit hängt es al­ler­dings von der Ku­lanz des Ver­si­che­rers, von Gut­ach­tern und Sach­ver­stän­di­gen – und letzt­lich von der Ein­schät­zung ei­nes Ge­rich­tes ab, ob man den ent­stan­de­nen Scha­den er­stat­tet be­kommt.

Die gu­te Nach­richt für Ver­brau­cher ist: Bei Neu­ver­trä­gen ist der Ver­zicht auf Kür­zung bei gro­ber Fahr­läs­sig­keit in­zwi­schen durch­aus üb­lich, sagt Ka­rin Rol­ler, Ver­si­che­rungs­ex­per­tin der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-würt­tem­berg: „Sehr vie­le An­bie­ter ha­ben mitt­ler­wei­le Ta­ri­fe am Markt, die im Scha­dens­fall nicht prü­fen, ob der Scha­den grob fahr­läs­sig ver­ur­sacht wur­de.“Al­ler­dings macht sich ein sol­cher Ver­zicht bei der Bei­trags­hö­he be­merk­bar. Zwar nicht so sehr wie die Ri­si­ko­zo­ne, der je­de Adres­se in Deutsch­land zu­ge­ord­net wird und die ganz we­sent­lich dar­über ent­schei­det, wie viel man jähr­lich für die Haus­rat­ver­si­che­rung zahlt – aber es ist ei­ne der Stell­schrau­ben, mit de­nen man die Bei­trags­hö­he re­gu­lie­ren kann.

Ka­rin Rol­ler er­klärt zum Ein­schluss der gro­ben Fahr­läs­sig­keit: „Wie sehr die Prä­mi­en­hö­he durch die­sen Baustein be­ein­flusst wird, ist je nach An­bie­ter un­ter­schied­lich.

Es gibt ei­ni­ge An­bie­ter, wo die­se ver­bes­ser­te Re­ge­lung durch­aus be­zahl­bar ist. Es gibt je­doch auch die güns­ti­ge­ren Ba­sis-ta­ri­fe, die die­se ver­brau­cher­freund­li­che Re­ge­lung nicht ha­ben oder bei gro­ber Fahr­läs­sig­keit nur bis zu ei­ner be­stimm­ten Scha­dens­hö­he zah­len.“

Das ist die Fal­le bei den Haus­rat-po­li­cen: Wer ver­sucht, den Bei­trag zu drü­cken – sei es durch ei­ne Selbst­be­tei­li­gung, sei es durch den Ver­zicht auf Ele­men­tar­schä­den, sei es durch den Aus­schluss bei gro­ber Fahr­läs­sig­keit – han­delt sich im Scha­dens­fall viel Bü­ro­kra­tie ein oder hat den fi­nan­zi­el­len Nach­teil, dass die Ver­si­che­rung we­ni­ger er­stat­tet, als sie es bei ei­nem teu­re­ren Ta­rif ge­tan hät­te.

Das Grund­pro­blem ist laut Ex­per­ten, dass es kei­ne ein­deu­ti­ge Trenn­li­nie zwi­schen ein­fa­cher und gro­ber Fahr­läs­sig­keit gibt. In der Recht­spre­chung sind es im­mer Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen, bei de­nen es manch­mal von klei­nen De­tails ab­hängt, ob die Ver­si­che­rung am En­de zahlt oder nicht.

So woll­te ein Ver­si­che­rer nach ei­nem Ein­bruch nicht zah­len, weil sein Kun­de den Haus­tür­schlüs­sel nur ein­mal um­ge­dreht hat­te, als er aus dem Haus ging – das sah das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Ko­blenz als nur fahr­läs­sig an. Für zwei St­un­den fort sein, aber die Tür nur zu­zie­hen, galt da­ge­gen dem Land­ge­richt Kas­sel als grob fahr­läs­sig; die Ver­si­che­rung brauch­te im End­ef­fekt nur an­tei­lig zah­len.

Kor­rek­te Wohn­flä­che muss im Ver­trag ste­hen

Ein­bruch mel­den, Kar­ten un­ver­züg­lich sper­ren

Kür­zen konn­te der Ver­si­che­rer sei­ne Leis­tung auch im Fall ei­nes acht­jäh­ri­gen Jun­gen, der in der el­ter­li­chen Woh­nung ein Feu­er­zeug fand und da­mit ei­nen Brand ver­ur­sach­te, weil das OLG Nürn­berg das als grob fahr­läs­sig wer­te­te. Nur als fahr­läs­sig be­fand das Land­ge­richt Sie­gen da­ge­gen das ver­se­hent­li­che Ab­de­cken ei­nes noch an­ge­schal­te­ten Her­des; die Ver­si­che­rung muss­te für den Brand­scha­den al­so kom­plett auf­kom­men.

Es zeigt sich: Wer gro­be Fahr­läs­sig­keit nicht von vorn­her­ein mit­ver­si­chert, lässt sich auf das Ri­si­ko ei­nes lan­gen Rechts­streits ein, der sich über meh­re­re In­stan­zen zie­hen kann und des­sen Aus­gang al­les an­de­re als si­cher ist. An­ge­sichts von et­wa ei­ner Mil­li­on Ver­si­che­rungs­fäl­le im Be­reich Haus­rat pro Jahr ist man nach An­sicht von Ver­brau­cher­schüt­zern gut be­ra­ten, ei­nen Ta­rif zu wäh­len, der gro­be Fahr­läs­sig­keit mit ab­si­chert.

Ei­nes gibt Ka­rin Rol­ler von der Ver­brau­cher­zen­tra­le aber noch zu be­den­ken: „Auch wenn man gro­be Fahr­läs­sig­keit ein­schließt, ist man da­mit nicht von al­len Pflich­ten ent­bun­den. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Oblie­gen­hei­ten müs­sen trotz­dem ein­ge­hal­ten wer­den.“

Da­zu ge­hört et­wa, ei­nen Ein­bruch gleich der Po­li­zei zu mel­den, ab­han­den­ge­kom­me­ne Geld- und Kre­dit­kar­ten un­ver­züg­lich sper­ren zu las­sen und auch die Ver­si­che­rung schnellst­mög­lich über den Scha­den zu in­for­mie­ren. All dies dür­fe man auch als Be­sit­zer ei­ner Kom­fort­haus­rats­po­li­ce nicht ver­säu­men. Orts­ge­sprä­che im In­land Mon­tag bis Frei­tag   Fern­ge­sprä­che im In­land -Uhr

Mon­tag bis Frei­tag -Uhr           -Uhr -Uhr -Uhr -Uhr

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Ist der Scha­den fahr­läs­sig ver­ur­sacht wor­den? Vie­le Ver­si­che­rer ha­ben mitt­ler­wei­le Ta­ri­fe am Markt, die die­sen Um­stand nicht un­ter­su­chen. Al­ler­dings führt dies zu hö­he­ren Bei­trä­gen. Foto: Istock

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