Bla­ma­ge für CSU be­fürch­tet

Bay­ern-wahl: Uni­on stellt auf Nie­der­la­ge ein

Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld) - - ERSTE SEITE - VON KERS­TIN MÜNS­TER­MANN

ERFURT/BER­LIN. In der Uni­on rich­tet man sich vor der baye­ri­schen Land­tags­wahl am Sonn­tag auf ei­ne schwe­re Nie­der­la­ge ein. „Ich be­fürch­te, dass die CSU ein his­to­risch schlech­tes Er­geb­nis ein­fah­ren wird“, sag­te der Ost-be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Chris­ti­an Hir­te (CDU).

Als ei­ne der Ur­sa­chen nann­te Thü­rin­ger Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te den Streit in­ner­halb der Uni­on. „Das vor­aus­sicht­li­che Er­geb­nis hat auch da­mit et­was zu tun, dass wir in Ber­lin und von Mün­chen aus ei­ne schwie­ri­ge Dis­kus­si­ons­kul­tur hat­ten“, er­klär­te Hir­te. Er er­war­te für die Zeit nach der Wah­l­ent­schei­dung auch in der CDU ei­ne De­bat­te dar­über, „wie wir mit un­se­rer ak­tu­el­len Auf­stel­lung und auch mit­ein­an­der um­ge­hen“.

Auch an der Csu-ba­sis stellt man sich auf ei­nen Ab­sturz ein. Der Co­bur­ger Kreiss­chef Re­né Boldt for­dert den Rück­tritt von CSU-CHEF Horst See­ho­fer.

Die Wah­len in Bay­ern gel­ten als wich­tigs­te po­li­ti­sche Ab­stim­mung in die­sem Jahr. Auch aus Thü­rin­gen wa­ren des­halb et­li­che Lan­des- und Bun­des­po­li­ti­ker in Bay­ern un­ter­wegs. (md)

BER­LIN. Bei der Ab­schluss­kund­ge­bung der CSU ist ein Kanz­ler ge­la­den, kei­ne Kanz­le­rin. Den Ös­ter­rei­cher Se­bas­ti­an Kurz hat die Csu-spit­ze als Gast nach Mün­chen ge­be­ten, An­ge­la Mer­kel bleibt in Ber­lin.

Doch für die Cdu-vor­sit­zen­de hat die Wahl in Bay­ern Aus­wir­kun­gen. Auch wenn es nach dem er­bit­ter­ten Streit mit der CSU im Som­mer mensch­lich nach­voll­zieh­bar wä­re, wenn Mer­kel nicht das größ­te Mit­ge­fühl an den Tag le­gen wür­de: An ei­nem schlech­ten Ab­schnei­den der CSU kann ihr nicht ge­le­gen sein.

Und die CSU steht bei der Land­tags­wahl am Sonn­tag vor ei­nem his­to­ri­schen De­sas­ter. Die Re­gio­nal­par­tei, die ih­ren bun­des­po­li­ti­schen An­spruch mit ih­rer tra­di­tio­nel­len Stär­ke in Bay­ern be­grün­det, be­fürch­tet ihr schwächs­tes Er­geb­nis seit mehr als 60 Jah­ren und den Ver­lust der ge­wohn­ten Re­gie­rungs­mehr­heit. Um­fra­gen las­sen ei­nen Ab­sturz auf knapp 35 Pro­zent und ei­ne schwie­ri­ge Su­che nach ei­nem oder so­gar zwei Ko­ali­ti­ons­part­nern er­war­ten.

Nie­mand weiß, welche po­li­ti­schen Kon­se­quen­zen die CSU aus ei­ner Nie­der­la­ge zie­hen wird. Zwar gilt für die Cdu-che­fin ei­ne Art Schon­frist bis zur Wahl in Hes­sen am 28. Ok­to­ber und dem Ab­schnei­den des dor­ti­gen Cdu-mi­nis­ter­prä­si­den­ten Vol­ker Bouf­fier. Dann wird sich ent­schei­den, wie es um ih­re Chan­ce steht, beim Cdu-par­tei­tag An­fang De­zem­ber wie­der­ge­wählt zu werden. Von Mer­kel gab es da­zu ei­ne kla­re An­sa­ge. Sie füh­le sich „quick­le­ben­dig“und be­ton­te, dass Par­tei­vor­sitz und Kanz­ler­schaft in ei­ner Hand blei­ben müss­ten. Sie wer­de beim Cdu-par­tei­tag im De­zem­ber wie­der an­tre­ten. Da­mit hat sie die Lat­te für po­ten­zi­el­le Nach­fol­ger hoch ge­hängt: Der­je­ni­ge müss­te nach bei­den Pos­ten grei­fen. Und soll­te Mer­kel als Kanz­le­rin zu­rück­tre­ten, wür­de die SPD die gro­ße Ko­ali­ti­on wohl kaum fort­füh­ren.

Die Re­gie­rung wür­de plat­zen, die Uni­on könn­te ver­su­chen, ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung zu füh­ren oder noch mal ei­ne Ja­mai­ka-ko­ali­ti­on bil­den – oh­ne Mer­kel. See­ho­fer, dem nach dem Ab­sturz der CSU auf 38,8 Pro­zent bei der Bun­des­tags­wahl im ver­gan­ge­nen Jahr die Macht als Mi­nis­ter­prä­si­dent ent­glitt, ge­rät jetzt als Par­tei­chef er­neut un­ter Druck. Dass er im Som­mer den Streit mit Mer­kel über die Zu­rück­wei­sung von Flücht­lin­gen an der Gren­ze bis zur Rück­tritts­dro­hung es­ka­lier­te, neh­men ihm vie­le in Mün­chen übel. Der 69-Jäh­ri­ge ha­be den Kon­flikt un­nö­tig an­ge­heizt und da­bei Glaub­wür­dig­keit ver­spielt, so die Kri­tik.

Als denk­ba­rer Csu-part­ner werden die Grü­nen ge­han­delt. Mit Um­fra­ge­wer­ten von 19 Pro­zent im jüngs­ten Zdf-po­lit­ba­ro­me­ter dürf­ten sie zur zweit­stärks­ten Kraft auf­stei­gen. Der SPD droht da­ge­gen ei­ne Hal­bie­rung des letz­ten Wah­l­er­geb­nis­ses.

Ka­ri­ka­tur: Nel

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