Die Bril­le, die nur ei­nen Dol­lar kos­tet, geht nach Ugan­da

Hei­li­gen­städ­ter sam­melt Spen­den, um Kin­dern in dem ost­afri­ka­ni­schen Land ei­ne kos­ten­lo­se Seh­hil­fe zu er­mög­li­chen

Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld) - - EICHSFELD - VON JO­HAN­NA BRAUN

HEI­LI­GEN­STADT. Vie­le Jah­re war El­mar We­cken­brock Vor­sit­zen­des der Ugan­da­krei­ses Hei­li­gen­stadt. Nun hat er sei­ne Ar­beit in jün­ge­re Hän­de ge­legt und Zeit für an­de­re Pro­jek­te.

In der „Ca­ri­tas Mad­do“in Ugan­da hat er ei­nen Part­ner ge­fun­den, der sein Her­zens­pro­jekt „Ein-dol­lar-bril­le“un­ter­stützt.

Der gleich­na­mi­ge Ver­ein, der 2012 von Mar­tin Auf­muth ge­grün­det wur­de und mitt­ler­wei­le von ei­ner Ein-mann-un­ter­neh­mung zu ei­ner welt­wei­ten Be­we­gung ge­wor­den ist, ver­sorgt Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung in sie­ben Län­dern auf der süd­li­chen Halb­ku­gel mit Bril­len, de­ren Ma­te­ri­al­wert ei­nem Us-dol­lar ent­spricht.

In­ner­halb der bun­des­wei­ten „Wo­che des Se­hens“hat sich El­mar We­cken­brock mit den Op­ti­kern Hei­li­gen­stadts zu­sam­men­ge­tan, um Spen­den für das Pro­jekt zu sam­meln. Vor Ort hat er da­zu ent­spre­chen­de Boxen auf­ge­stellt.

Der Ver­kaufs­preis der Bril­le, so das Kon­zept des Ver­eins, soll bei zwei bis drei orts­üb­li­chen Ta­ges­löh­nen lie­gen. In Ugan­da liegt der Ta­ges­lohn um­ge­rech­net bei ei­nem Us-dol­lar.

El­mar We­cken­brock trägt selbst ei­ne Bril­le und ist von dem Pro­jekt über­zeugt. Dank sei­ner zahl­rei­chen Kon­tak­te nach Ugan­da möch­te er das An­ge­bot auch in die­ses Land brin­gen.

Im Fe­bru­ar gin­gen des­halb schon 500 Bril­len mit ei­ner Rei­se­grup­pe aus dem Eichs­feld in das ost­afri­ka­ni­sche Land. In ei­ner Kli­nik in der Nä­he der Stadt Mas­a­ka werden sie be­reits an­ge­bo­ten.

Und da­bei han­delt es sich eben nicht um ge­brauch­te Bril­len aus ei­ner Spen­den­box, son­dern um in­di­vi­du­ell an­ge­pass­te. Sie be­ste­hen aus fle­xi­blem und ro­bus­tem Fe­der­stahl­draht „und sind ei­gent­lich un­zer­stör­bar“, so El­mar We­cken­brock.

Die Glä­ser aus Po­lykar­bo­nat sind sehr leicht und werden in den Stär­ken von mi­nus zehn bis plus acht Di­op­tri­en, in Schrit­ten von 0,5 Di­op­tri­en, in Chi­na her­ge­stellt. Die Bril­len­ge­stel­le ha­ben kei­ne Schrau­ben, die ver­lo­ren ge­hen kön­nen. Sie werden von trai­nier­ten lo­ka­len Fach­kräf­ten in Ma­la­wi und Bur­ki­na Fa­so ge­fer­tigt.

Die seh­schwa­chen Pa­ti­en­ten be­kom­men vor Ort ei­nen Au­gen­test und dann die Bril­le fach­kun­dig an­ge­passt. Mit far­bi­gem Schrumpf­schlauch und Per­len kön­nen sie au­ßer­dem in­di­vi­du­ell ge­stal­tet werden. Es gibt mitt­ler­wei­le so­gar Son­nen­bril­len.

Wäh­rend sei­ner Ar­beit im Ugan­da­kreis und ent­spre­chen­den Rei­sen wur­de El­mar We­cken­brock vor Ort im­mer wie­der ge­fragt, ob er nicht ge­brauch­te Bril­len mit­brin­gen kön­ne. „Das ist aber nicht mein An­satz. Sol­che Bril­len hel­fen punk­tu­ell. Die ‚Ein-dol­lar-bril­le‘ kann flä­chen­de­ckend hel­fen.“

In Ugan­da, ge­nau­er ge­sagt in der Stadt Mas­a­ka, möch­te der Hei­li­gen­städ­ter zu­sam­men mit sei­nem Freund Pfar­rer Ema­nu­el Sse­k­aa­manya nun das An­ge­bot der „Ein-dol­lar-bril­le“noch mehr pu­blik ma­chen.

Er schätzt, dass 20 Pro­zent der Kin­der dort ei­ne Bril­le be­nö­ti­gen. Ih­nen möch­te er am liebs­ten ei­ne kos­ten­lo­se er­mög­li­chen. Da­für sam­melt er die Spen­den in den Op­ti­ker­ge­schäf­ten in Hei­li­gen­stadt. An­fang des kom­men­den Jah­res wird er selbst nach Ugan­da rei­sen, um das Pro­jekt dort wei­ter vor­an­zu­trei­ben und in Schu­len und Kli­ni­ken Wer­bung da­für zu ma­chen. Ger­ne hät­te er dann schon ein paar Spen­den im Ge­päck. Er möch­te in dem Land ei­ne ent­spre­chen­de Struk­tur auf­bau­en und auch kos­ten­frei ei­nen Ser­vice für die Bril­len ge­währ­leis­ten, um Nach­an­pas­sun­gen zu er­mög­li­chen.

Auch kann er sich vor­stel­len, den Mit­ar­bei­tern des „Mo­bi­le Ho­me Ca­re“ei­nen Op­ti­ker an die Sei­te zu stel­len. Die­se mo­bi­le Kran­ken­sta­ti­on ist ein Pro­jekt des Ugan­da­krei­ses und fährt ganz­jäh­rig in die Schwer­punkt­ge­mein­den des Di­strik­tes Ra­kai, um Aids-tests durch­zu­füh­ren und Be­trof­fe­ne me­di­ka­men­tös und psy­cho­lo­gisch zu be­treu­en.

Fo­to: Eck­hard Jün­gel

El­mar We­cken­brock setzt sich in­ner­halb der bun­des­wei­ten „Wo­che des Se­hens“für das Pro­jekt „Ein-dol­lar-bril­le“ein.

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