Ver­mu­te­ter Draht­zie­her mit Haft­be­fehl ge­sucht

Ge­richts­be­richt : Im Pro­zess um Hin­ter­zie­hung der Brannt­wein­steu­er zeich­net sich kein En­de ab. Er­neut of­fe­ne Fra­gen

Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld) - - EICHSFELD - VON DO­RIS ZENG

MÜHL­HAU­SEN. Das Steu­er­hin­ter­zie­hungs­ver­fah­ren am Land­ge­richt in Mühl­hau­sen geht in die nächs­te Run­de. Und es wird nicht die letz­te sein, wei­ter be­steht in di­ver­sen Punk­ten Er­klä­rungs­be­darf. Ein aus Bayern an­ge­reis­ter Er­mitt­lungs­be­am­ter der Zoll­be­hör­de wur­de in Sa­chen Hin­ter­zie­hung der Brannt­wein­steu­er durch die Bä­ren­kro­ne im Zei­t­raum Ju­li bis Sep­tem­ber 2010 ge­hört. In den Un­ter­la­gen war der Name ei­nes Tür­ken auf­ge­taucht. Der 53-jäh­ri­ge Zeu­ge be­rich­te­te an­hand sei­ner No­ti­zen aus ei­nem an­de­ren Pro­zess, der 2014/15 in Bayern statt­ge­fun­den hat­te: Drei Personen wa­ren we­gen Hin­ter­zie­hung der Bier­steu­er ver­ur­teilt wor­den. Be­sag­ter Tür­ke war der „Kopf der Ban­de“. Er konn­te bis­her noch nicht ge­fasst wer­den, wird aber mit in­ter­na­tio­na­lem Haft­be­fehl ge­sucht. Der Tür­ke hat­te meh­re­re Schein­fir­men ge­grün­det, Steu­er­la­ger er­öff­net und Bier­steu­ern bis zu 100 Mil­lio­nen hin­ter­zo­gen. Da­bei wur­den deut­sche und aus­län­di­sche Bier­lie­fe­run­gen von ei­ner Stel­le zur an­de­ren ge­schickt, zum Teil gar nicht aus­ge­lie­fert. Die Be­gleit­do­ku­men­te da­zu wur­den elek­tro­nisch, teils per SMS er­stellt und zwi­schen­durch ge­än­dert. Al­lein aus dem Vogt­land wur­den 3463 Lkw-la­dun­gen Bier auf die Reise ge­schickt. Wel­che Rol­le der Tür­ke für den Mühl­häu­ser Pro­zess spielt, konn­te nicht um­fas­send ge­klärt wer­den. Ob er schon 2010 bei der Bä­ren­kro­ne ei­ne ent­schei­den­de Fi­gur war, kann nicht nach­voll­zo­gen wer­den. Sein Name taucht nur ein­mal auf. Kann er „der frem­de Mann“ge­we­sen sein, der mit ei­nem der An­ge­klag­ten in der Fir­ma war? Hat­te er ei­nen fal­schen Na­men an­ge­ge­ben? Der Er­mitt­lungs­be­am­te be­rich­te­te, dass der Mann schon vor 2014 il­le­ga­le Ge­schäf­te ge­macht ha­be. Auch in ei­nem Geld­wä­sche­pro­zes­sen 2009 in Nord­rhein-west­fa­len tauch­te sein Name auf. Im wei­te­ren Ver­lauf warf der Staats­an­walt ein neu­es Pro­blem auf. Ein Zeu­ge hat­te bei der Spe­di­ti­ons­fir­ma die Rech­ner un­ter­sucht und fest­ge­stellt, dass wäh­rend der Da­ten­si­che­rung wei­ter Zu­gang zu den An­ga­ben be­stand. Und er hat­te „stän­di­ge Ve­rän­de­run­gen“wäh­rend der Un­ter­su­chung be­merkt. Es sei auch kein „Hash-wert“ge­bil­det wor­den, so dass der Zu­gang er­schwert wur­de. Der Ser­ver hat­te ei­ne Feh­ler­mel­dung an­ge­zeigt. Der Staats­an­walt ver­mu­tet, dass der Zeu­ge von da­mals ent­we­der nicht aus­rei­chend sach­ver­stän­dig oder nicht un­par­tei­isch war. Auch zu den Aus­dru­cken ver­schie­de­ner Do­ku­men­te hat­te der Staats­an­walt noch Er­klä­rungs­be­darf. Es soll­ten die Ori­gi­na­le und nicht Ko­pi­en oder Aus­dru­cke mit un­ter­schied­li­chen Dru­ckern bei­ge­zo­gen wer­den. Es wä­re mög­lich, dass der Tür­ke auch bei sol­chen Aus­dru­cken die „Hän­de im Spiel“hat­te.

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