Wie man Fleisch aus gu­ter Hal­tung er­kennt

Lidl bringt neue Kenn­zeich­nung von deut­schen Pro­duk­ten in den Han­del. Tier­schüt­zer lo­ben die Initia­ti­ve. Mehr Trans­pa­renz für Ver­brau­cher

Thüringische Landeszeitung (Erfurt) - - WIRTSCHAFT - VON HAN­NA GERS­MANN

BER­LIN. Ob Schwei­ne, Hüh­ner oder Rin­der – Tie­re le­ben am liebs­ten im Frei­en. Doch die­se Vor­lie­be er­fül­len ih­nen nur we­ni­ge Bau­ern, die mit ih­nen Geld ver­die­nen wol­len. Den­noch wer­den Nutz­tie­re je nach Hof mal bes­ser ge­hal­ten, mal schlech­ter. Doch wie kann ein Ver­brau­cher er­ken­nen, wie das Tier, des­sen Fleisch er ver­zehrt, auf­ge­wach­sen ist? Man sieht es dem Fleisch nicht auf den ers­ten Blick an, son­dern ist auf Kenn­zeich­nun­gen an­ge­wie­sen.

Das Pro­blem hat die Po­li­tik er­kannt, doch bis­lang nicht ge­löst. Die neue Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner (CDU) will des­halb noch in die­sem Jahr ein staat­li­ches La­bel für Fleisch aus bes­se­rer Tier­hal­tung ins Le­ben ru­fen, um mehr Klar­heit zu schaf­fen. Seit Jah­ren for­dert der wis­sen­schaft­li­che Bei­rat für Agrar­po­li­tik, der das Mi­nis­te­ri­um be­rät, mehr Platz, we­ni­ger Me­di­ka­men­te und häu­fi­ge­ren Frei­gang für Eier-, Fleisch- und Milch­lie­fe­ran­ten.

Lidl dau­ert die Dis­kus­si­on of­fen­bar zu lan­ge und geht nun in die Of­fen­si­ve. Der Dis­coun­ter führt nächs­te Wo­che im Al­lein­gang ei­nen vier­stu­fi­gen Hal­tungs­kom­pass ein, mit dem Fleisch aus Deutsch­land ge­kenn­zeich­net wird. Die Stu­fe 1, „Stall­hal­tung“, ent­spricht dem ge­setz­li­chem Min­dest­stan­dard; Stu­fe 2, „Stall­hal­tung Plus“, ge­währt den Tie­ren et­was mehr Platz und Stroh zur Be­schäf­ti­gung. Bei Stu­fe 3, „Au­ßen­kli­ma“, ha­ben Tie­re zu­dem Zu­gang ins Freie,Gen­fut­ter ist ta­bu. Stu­fe 4 ent­spricht in der Va­ri­an­te „Bio“der EU-Öko­ver­ord­nung. Lidl will da­mit sei­ne Kun­den un­ter­stüt­zen, ei­ne be­wuss­te Kauf­ent­schei­dung für ei­ne tier­wohl­ge­rech­te Hal­tung zu tref­fen, sagt Ein­kaufs­chef Jan Bock. Bio-Ar­ti­kel kos­te­ten dabei na­tur­ge­mäß mehr als kon­ven­tio­nel­le.

Es ist nicht der ers­te Schritt in Sa­chen Kenn­zeich­nung. Lidl hat­te sich schon 2015 mit an­de­ren gro­ßen Le­bens­mit­tel­händ­lern, den Bau­ern­ver­bän­den und der Fleisch­in­dus­trie in der „Initia­ti­ve Tier­wohl“zu­sam­men­ge­schlos­sen. Dabei be­kom­men Be­trie­be, die et­was für das Tier­wohl tun, Geld aus ei­nem Fonds, in den die Han­dels­ket­ten ein­zah­len. Die An­for­de­run­gen an die Hal­tung un­ter­schei­den sich aber nur we­nig vom ge­setz­li­chen Stan­dard.

Lob be­kommt die Lidl-Initia­ti­ve vom Prä­si­den­ten des Deut­schen Tier­schutz­bun­des, Tho­mas Schrö­der. Er ist über­zeugt, dass die­se nun „Vor­bild“für an­de­re Un­ter­neh­men sein müs­se. Die Le­bens­mit­te­l­ex­per­tin des Dach­ver­ban­des der Ver­brau­cher­zen­tra­len, So­phie Herr, kri­ti­siert da­ge­gen De­tails. So ge­he in Stu­fe 4 kon­ven­tio­nell und bio „völ­lig durch­ein­an­der“und füh­re den Kun­den „in die Ir­re“.

Für Ver­brau­cher ist es nicht leicht, den Über­blick über die ver­schie­de­nen Sie­gel zu be­hal­ten. Wir er­läu­tern, wel­che Hal­tun­gen hin­ter den ge­bräuch­lichs­ten ste­cken:

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